Bücherkiste

„Es geht uns mit Büchern wie mit den Menschen. Wir machen zwar viele Bekanntschaften, aber nur wenige erwählen wir zu unseren Freunden."
(Ludwig Feuerbach, 1804-1872)

 

VORWORT; im Februar 2011:

aus gegebenem Anlass weise ich darauf hin, dass ich sehr wohl weiß, wie man wissenschaftliche Arbeiten verfasst und zitiert. Für meine Buchempfehlungen auf dieser Seite benutze ich Klappentexte und Vor- oder Nachworte der Bücher sowie Besprechungen bei amazon. Setze diese Textstellen wegen der Lesbarkeit aber ganz bewusst nicht in Gänsefüßchen oder bringe sie gar als Fußnoten. Aber schließlich will ich hier auch keine Doktorarbeit schreiben! :-)

 

Für Fans meiner Bücherkiste:

Meine Buchempfehlungen sind nach Ländern und Regionen geordnet

(s. Inhaltsverzeichnis unten);

weitere Buch-Empfehlungen findet ihr z. B. hier (bitte Buch anklicken):

 

 

"Gebrauchsanweisungen" und "Kauderwelsch" (Reisealphabet)

 

"Ladies On The Road"

 

"Gewürzregal"

 

"Leben auf der Straße"

Bisheriger Inhalt meiner Bücherkiste:

Bücher auf Rädern: Key West, Florida Bücher auf Rädern: Key West, Florida

01. Indien

02. Namibia

03. Unsere Welt, die Erde

04. Nepal

05. Großbritannien

06. Asien

07. Tropen

08. Jordanien

09. Italien

10. Weltreisen

11. Südafrika

12. Ostafrika

13. Südsudan

14. Ägypten

15. Inseln

16. Kanada

17. Deutschland



... hier nun eine kleine Auswahl der Bücher, die für mich zum großen Teil Freunde geworden sind:

17. Deutschland

17.1 Anja Maier: Lassen Sie mich durch, ich bin Mutter. Von Edel-Eltern und ihren Bestimmerkindern

... ein "Reiseführer" der anderen Art:

Die taz-Journalistin Anja Maier ist für drei Monate zurückgekehrt in den Ostberliner Stadtteil Prenzlauer Berg. Nun steht sie vor der Tatsache, dass aus ihrem einst wilden Viertel in zehn Jahren eine kuschelige, durchsanierte Kleinstadt geworden ist. Das ehemalige Berliner Arbeitermilieu ist nicht wiederzuerkennen: etwa 80% der ursprünglichen Bewohner sind weggezogen, aus der Kaufhalle wurde ein Einkaufsparadies, aus verwunschenen Dachböden Lofts, aus Mietern Eigentümer, aus Bäckereien Backshops … und vor allem aus Kindern Prestigeobjekte.

 

Diese Kinder sind offensichtlich der einzige Lebensinhalt ihrer aus dem Westen zugereisten "Edel-Eltern“, die sich ihnen als Personal zur Verfügung stellen. Und so wächst hinter den Türen der Altbauwohnungen in Parkett-Kinderzimmern eine Generation heran, für die das Beste gerade gut genug scheint, die ihre Eltern fest im Griff hat, und für die das Motto gilt: "Me first“.

 

Persönliche, manchmal tragische und vor allem komische Geschichten aus dem "angesagtesten Familienbezirk der Republik“.

17.2 Hedi Glock: Die Enten von Papenburg

Papenburg, der kleine Ort im Emsland, ist bekannt durch die Meyer-Werft, in der große Kreuzfahrtschiffe gebaut werden. Aber Enten in Papenburg …?

 

Nun, Papenburg ist durchzogen von Kanälen, ein ideales Revier für die Wasservögel. Meine Freundin Hedi nahm dies zum Anlass, einen Stadtführer der anderen Art zu schreiben:

 

In 21 mit bezaubernden Fotos der Autorin illustrierten Kapiteln erklärt sie aus der Sicht von drei neugierigen Erpeln die Besonderheiten der Stadt, die seit vielen Jahren ihre geliebte Wahlheimat ist.

Das liest sich augenzwinkernd und kritisch, anschaulich und kurzweilig … und nach der Lektüre eines jeden Kapitels ist man immer etwas schlauer geworden. Und hat am Ende das Gefühl, Papenburg und seine Geschichte(n) ganz gut zu kennen.

 

Das Büchlein (ISBN 978-3-939-772-24-8) ist für 9,50 Euro in allen Papenburger Buchhandlungen erhältlich.

 

s.a.: http://www.noz.de/lokales/61603693/drei-freche-erpel-erkunden-papenburg

16. Kanada

16.1 David Seven Deers: Heelahs Traum. Eine indianische Schöpfungsgeschichte

Die Tiere lauschen gespannt, wenn Heelah, der Rabe, von seinen Träumen erzählt. Sie alle leben in völliger Dunkelheit und kennen weder Sonne noch Feuer, weder Berge noch Meer.

 

Wie es dann dazu kam, dass der Wal heute im Wasser lebt und der Adler hoch in den Bergen? Und warum sich der Rabe nie genau entscheiden kann, wo er sich am wohlsten fühlt?

Diese Fragen beantwortet David Seven Deers, ein Coast-Salish Indianer, der uns hier die Schöpfungsgeschichte wiedergibt, wie sie schon seit Generationen in seinem Volk erzählt wird.

 

Das zweisprachige Buch (Deutsch und Englisch) bezaubert Jung und Alt und lässt uns ganz tief hineintauchen in die graue Vorzeit und in die indianische Überlieferung, wie unsere Welt herbeigeträumt und herbeigetanzt wurde.

Dabei spielen auch die Illustrationen im Stil der Ureinwohner von British Columbia eine große Rolle; sie werden von Bild zu Bild immer farbiger. Und Heelah zeigt uns, worauf es im Umgang miteinander ankommt: auf Respekt und Demut, auf Heiterkeit und Liebe.

 

Ein Buch, das schon 5jährige begeistern kann.

15. Inseln

15.1 Judith Schalansky: Taschenatlas der abgelegenen Inseln

Der „Atlas der abgelegenen Inseln“ wurde u. a. mit dem 1. Preis der Stiftung Buchkunst als das „Schönste Buch des Jahres 2009“ ausgezeichnet. Leider ist es mit 34 Euro kein Schnäppchen, zudem als Reiseführer kaum zu gebrauchen, denn wer kennt schon Inseln mit Namen „Einsamkeit“, „Himmelfahrtsinsel“ oder „Possession-Insel“, möchte dort gar seinen Urlaub verbringen?

 

Aber der „Atlas“ ist ein wunderbares Buch, um zu träumen und „island hopping“ im Lesesessel zu machen, und seit kurzem gibt es auch die Taschenbuchausgabe für nur 14,99 Euro: „klein, sexy und genauso kultverdächtig“ wie sein Vorgänger entführt es uns auf 50 abgelegene Inseln.

 

Inseln, die es wirklich gibt, und die verzeichnet sind mit Koordinaten, Größe in Quadratkilometern und Anzahl der Bewohner (so denn welche vorhanden). Zeichnungen der Inseln im Maßstab 1:75000, Entfernungstabellen und kleine Geschichten zu den Inseln komplettieren das Ganze.

 

Dabei spinnt die Autorin aus historischen Begebenheiten und naturwissenschaftlichen Berichten zu jeder Insel eine Prosaminiatur, „absurd-abgründige Geschichten, wie sie nur die Wirklichkeit sich auszudenken vermag, wenn sie mit wenigen Quadratkilometern im Nirgendwo auskommen muss. Sie handeln von seltenen Tieren und seltsamen Menschen, von gestrandeten Sklaven und einsamen Naturforschern, verirrten Entdeckern und verwirrten Leuchtturmwärtern, meuternden Matrosen und vergessenen Schiffbrüchigen, braven Sträflingen und strafversetzten Beamten, kurzum: von freiwilligen und unfreiwilligen Robinsons.“

 

Und sind wir nicht alle ein bisschen Robinson?

14. Ägypten

14.1 Gerhard Haase-Hindenberg: Das Mädchen aus der Totenstadt. Monas Leben auf den Gräbern Kairos

Vorab: so richtig anfreunden konnte ich mich nicht mit diesem Buch, das ich wegen des Themas kaufte, und weil mir der Autor von seinem Buch „Göttin auf Zeit“ her bekannt war.

Und so gerne ich dieses (s. unter Nepal) gelesen habe, so schwer tat ich mich mit dem vorliegenden Buch, ist doch der Autor oft krampfhaft bemüht, sein zweifellos großes Wissen über das Leben in Kairo und den Islam unterzubringen. Schade! Es hätte dem Buch meiner Meinung nach besser getan, hätte Herr Haase-Hindenberg sich etwas zurückgenommen und mehr Mona zu Wort kommen lassen.


Reiseführer raten von einem Besuch der Totenstadt Imam Al-Shafi‘i dringend ab, für die 18-jährige Mona jedoch ist dieser riesige Friedhof am Stadtrand von Kairo das Zuhause. Die Mausoleen bieten Unterschlupf für mehrere Zehntausend Ägypter, die kaum eine Chance haben, die ärmlichen Wohnverhältnisse je hinter sich zu lassen. Die illegale Besiedelung der Totenstadt wird zwar von offizieller Seite geduldet, doch deren Bewohner gelten beinahe als Aussätzige.

Mona ist dort geboren und lebt mit ihren Eltern und sieben Geschwistern in drei winzigen Räumen eines Grabhofs. Ihre Gedankenwelt wird bestimmt vom Islam und einem fatalistischen Schicksalsglauben, ihre Zukunft sieht sie als Ehefrau und Mutter. Erst durch eine Arbeit in Kairos Geschäftsviertel lernt sie das westlich geprägte Zentrum von Afrikas größter Metropole und die Verlockungen der modernen arabischen Welt kennen.

Aus Monas Tagebuchaufzeichnungen und intensiven Recherchen

vor Ort erstellte Gerhard Haase-Hindenberg das Porträt eines Mädchens, das zwischen zwei Welten pendelt.

Empfehlen möchte ich dieses Buch, weil hier zum ersten Mal die tabuisierte Welt einer Kairoer Totenstadt beschrieben und von der Lebenswirklichkeit, vom Denken und Fühlen seiner Bewohner berichtet wird.

13. Südsudan

13.1 Maggie McCune: Nefertiti. Tochter der Sonne

Geboren in Indien und aufgewachsen in England, entdeckt die abenteuerlustige Emma McCune schon früh ihre Liebe zu Afrika. 1989 geht sie in den Südsudan und bewirkt dort als Entwicklungshelferin trotz katastrophaler Bedingungen schier Unmögliches. Sie heiratet ihre große Liebe, den charismatischen Stammesfürsten Riek Machar. Doch mit 29 Jahren, im fünften Monat schwanger und überglücklich, verunglückt Emma unter tragischen Umständen ...

 

Die Autorin Maggie Mc Cune erzählt hier die abenteuerliche Geschichte ihrer außergewöhnlichen Tochter Emma. Sie nimmt uns mit auf die Suche nach ihrem verlorenen Kind, eine Suche, die zugleich eine Reise in ihre eigene bewegte Vergangenheit ist, und lässt Emma weiterleben - als schöne und mutige Tochter der Sonne.

 

Mit Recht meinte Klaus Podak in der Süddeutschen Zeitung: „Maggie McCune ist mit den Aufzeichnungen über ihre Tochter Emma ein großes, ein poetisches, ein menschlich bewegendes Buch gelungen.“

12. Ostafrika

12.1 Satomi Ichikawa: Was macht ein Bär in Afrika?

Hier ein bezauberndes Buch (nicht nur) für Kinder:

Der kleine Junge Meto lebt in einem Dorf mitten in der afrikanischen Savanne. Eines Tages kommen Touristen in sein Dorf, darunter auch ein kleines Mädchen. Es hält ein Tier im Arm, das Meto noch nie gesehen hat, und auch die Tiere der Savanne können nichts damit anfangen. Aber dieses Tier - ein Teddybär - sorgt für ein aufregendes Erlebnis.

Die Geschichte einer leisen Freundschaft über die Kontinente hinweg und zugleich ein grandios simpel erzähltes und liebevoll illustriertes Buch, das Kindern Lust auf Afrika machen könnte.

11. Südafrika

11.1 Kobie Krüger: Ich trage Afrika im Herzen. Unser Leben im Krüger-Nationalpark

Ob Kobie Krüger (bzw. ihr Mann) in irgendeiner verwandtschaftlichen Beziehung zu dem berühmten Politiker Ohm Krüger steht, nach dem einer der größten südafrikanischen Nationalparks benannt wurde, konnte ich weder im Internet noch im Buch selbst herausfinden. Fest steht, dass Frau Krüger mit ihrem Mann, einem Ranger, und ihren Töchtern jahrelang im Krügerpark lebte.

 

Bewegend und mitreißend schildert Kobie Krüger in ihrer Biografie, was es heißt, in einem entlegenen Winkel des Parks zwischen vielen wilden Tieren zu leben, einen Haushalt zu führen und drei Kinder zu versorgen. Zumal es bei den dreien nicht bleibt, denn hinzu kommen im Laufe der Zeit viele Tiere, um die sie sich kümmern muss. Einen besonderen Platz nimmt dabei ein im Stich gelassenes Löwenjunges ein. Kobie zieht es auf, und es entsteht ein einzigartiges Verhältnis zwischen der Familie und dem Löwen Leo.

 

Leicht zu lesen, aber nicht so naiv wie die ganzen Afrika-Bücher von der „weißen Massai“ und ihren schreibenden Nachfolgerinnen. Und mit den Farbfotos sowie den bezaubernden Zeichnungen von Karin Krüger eine ideale Lektüre, um sich auf einen Urlaub in Südafrika einzustimmen.

10. Weltreisen

10.1 François Lelord: Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück

Den Psychiater Hector bedrückt die Frage, warum er ständig Leute auf die Couch bekommt, die nach ihrer Lebens- und Karriereplanung eigentlich überglücklich sein müssten. Und so beschließt er zu verreisen, um dem Geheimnis des Glücks auf die Spur zu kommen.

 

In China, in Afrika und an der Westküste der USA sucht er nach Antworten auf seine Fragen nach dem Glücklichsein, um diese dann akribisch in seinem Notizbuch festzuhalten. Am Ende seiner abenteuerlichen Reise hat Hector dann 23 Lektionen notiert und erkennt: nichts ist einfacher, als wahres Glück zu finden.

 

Viele Kritiker haben Lelords stark autobiographischem Buch vorgeworfen, dass es in einer „Kindersprache" geschrieben ist. Aber genau das geschieht nicht grundlos:
Hector entdeckt die Welt neu, indem er sie wie ein Kind betrachtet: Vorurteilsfrei, frei von Gedanken, die den Blick auf das Wesentliche verstellen, etwas naiv - und stets offen, sich dem Leben zuzuwenden.

 

Damit führt der Autor die lange Tradition poetischer und sinnstiftender „Erbauungsliteratur" aus Frankreich (von Antoine de Saint-Exupéry bis zu Eric-Emmanuel Schmitt) mit großem Erfolg und auf das Charmanteste weiter.

10.2 Helge Timmerberg: In 80 Tagen um die Welt

Elf Monate jünger als ich ist er, und ich beneide ihn um seinen Lebenslauf: während wir auf unserem Mädchengymnasium brav fürs Abi paukten, trampte er (mit 17 Jahren!) zum ersten Mal nach Indien und entschloss sich im Himalaya, Journalist zu werden …

 

Nun, da wir beide zu den Oldies gehören, legt Helge Timmerberg seine „Bekenntnisse eines alternden Reisenden“ vor, wie ein Rezensent es nannte. Vordergründig geht es in dem Buch „In 80 Tagen um die Welt“ um eine Reise auf den Spuren von Jules Verne mit Stationen wie Kairo, Bombay, Bangkok, Shanghai, Tokio, Mexico City, Kuba und Dublin, aber es ist mehr:

Es ist ein Selbsterfahrungstrip zum Thema Heimat und Alter, bereichert durch philosophisches und spirituelles Gedankengut von Schopenhauer über Jesus bis zu Buddha – gleichzeitig aber auch die Schilderung eines Traveller-Lebens zwischen Sex und Drogen, Alkohol – und immer wieder dem Rauchen.

 

Ein Buch, das mit seinen ganzen Reflexionen besonders ältere Semester ansprechen dürfte. Für mich gibt es darin nur einen Satz (auf Seite 59), der mir überhaupt nicht gefallen hat, und dem ich nicht zustimmen kann:

„Es hat sich ausgeträumt.“

Im Rahmen einer „Kulinarischen Lesereise“ sprach ich in Ratingen mit dem (übrigens ausgesprochen sympathischen) Autoren darüber – und gleichzeitig mit seiner Signatur bekam ich netterweise (und unaufgefordert!) eine Entschuldigung in mein Exemplar:

9. ITALIEN:

9.1 Stefan Ulrich: Quattro Stagioni. Ein Jahr in Rom

Als der Korrespondent der Süddeutschen Zeitung im August 2005 mit seiner Familie von München nach Rom umzieht, sind die Erwartungen hoch: tolles Essen, immer Sonne, gesellige Menschen, Cappuccino auf der Piazza Navona ...

 

Doch das Dolce Vita lässt erst einmal auf sich warten: die Wohnung ist bei der Ankunft in chaotischem Zustand, die italienische Bürokratie toppt die deutsche bei weitem, und auch sonst hält das Leben in Italien für die Rom-Anfänger einige Überraschungen bereit.

 

Ein Erfahrungsbericht voller Heiterkeit und Liebe zu Italien - und ein Muss für alle Rom-Reisenden.

8. JORDANIEN:

8.1 Marguerite van Geldermalsen: Im Herzen Beduinin. Wie ich in der Felsenstadt Petra meine große Liebe fand

1978. Die Neuseeländerin Marguerite van Geldermalsen ist gerade einmal 22 Jahre alt, als sie zu einer langen Rucksackreise aufbricht und in Jordanien eine Heimat und die Liebe ihres Lebens findet.

 

In ihrem kurzweiligen Buch erzählt sie von ihren über zwanzig glücklichen Ehejahren an der Seite des Beduinen Mohammad Abdallah Othman, mit dem sie drei Kinder bekommt. Ihr Zuhause wird eine 2000 Jahre alte Höhle im roten Fels eines Berges in der alten Stadt Petra. Sie lernt Arabisch und wie eine Beduinin zu leben: Kochen über offenem Feuer, Transport von Wasserbehältern auf Eseln, Sammeln von Holz und Trinken von süßem arabischen Tee ...

 

Eine beeindruckende Lebens- und Liebesgeschichte und ein faszinierender Einblick in die Kultur der Beduinen.

7. TROPEN:

7.1 Rolf Blancke: Farbatlas Exotische Früchte. Obst und Gemüse der Tropen und Subtropen.

Brotfrucht - Jackfrucht - oder vielleicht doch eine Durian ...?
Wer in den Tropen und Subtropen auf lokalen Märkten unterwegs ist, der steht oft vor der Frage, was da jetzt eigentlich angeboten wird. Hier erweist sich der Farbatlas aus dem Verlag Eugen Ulmer als hilfreicher Begleiter für den Reisenden: er beschreibt über 300 Obst- und Gemüsesorten, Knollen, Gewürze, Genussmittel und andere Nutzpflanzen, wobei besonderer Wert auf Informationen über Verbreitung, Nutzwert und Verwendungsmöglichkeiten gelegt wird. Die erwähnten lokal gebrauchten Namen erleichtern dabei zusammen mit den Fotos die genaue Bestimmung der jeweiligen Pflanze. Empfehlenswert und seinen Preis (€29,90) auf jeden Fall wert.

7.2 Jens G. Rohwer: Pflanzen der Tropen

Eine ideale Ergänzung zu dem „Farbatlas Exotische Früchte" ist dieses BLV Bestimmungsbuch, das mir seit Jahren gute Dienste leistet. Hier werden rund 250 Pflanzenarten, die besonders auffallend oder verbreitet sind, porträtiert. Es gibt Angaben zu Kennzeichen, Vorkommen, Biologie, Ökologie und Geschichte, und vor allem die Erwähnung der weiteren (meist englischen und spanischen) Namen der einzelnen Pflanzen ist bei Reisen oft sehr hilfreich. Leider ist der Titel momentan (Stand: März 2011) vergriffen und z. B. bei amazon nur als überteuertes Gebrauchtexemplar erhältlich.

 

Der von Andreas Bärtels bei Ulmer erschienene und in amazon hochgelobte Naturführer „Tropenpflanzen" ist für mich keine Alternative: zwar werden hier insgesamt etwa 330 Pflanzenarten inklusive der Nutzpflanzen dargestellt, dazu die ganzen Unterarten erwähnt, dafür fehlen aber die englischen und spanischen Namen, und die Abbildungen von Blütenbäumen und -sträuchern sind zum Bestimmen der Pflanzen viel zu klein.

 

6. ASIEN. Und zwei besondere Reisen von einem besonderen Mann:

6.1 Tiziano Terzani: Fliegen ohne Flügel (c) 1995

"Eine Reise zu Asiens Mysterien" lautet der Untertitel, und um den Kontinent Asien mit seinen ganzen Widersprüchen und Geheimnissen geht es in diesem Buch auch:

Als ihm ein alter Chinese einen Flugzeugabsturz voraussagt, beginnt für den Journalisten ein Jahr der Neubegegnung mit einer altvertrauten Region. Mit allem, was keine Flügel hat, reist er durch Südostasien.

Ohne Zeitdruck spürt Terzani dabei der Frage nach, ob der technologisch-materialistische Fortschritt, der Kulturen vernichtet und das Gesicht von Städten und Menschen verändert, nicht auch den Menschen um seinen geistigen Halt bringt.

6.2 Tiziano Terzani: Noch eine Runde auf dem Karussell. Vom Leben und Sterben (c) 2005

Als Tiziano Terzani erfährt, dass er unheilbar an Krebs erkrankt ist, begibt er sich auf seine letzte große Reise.Ihn interessiert das große Ganze: die Frage, was ihn krank gemacht hat, der Zusammenhang zwischen Körper und Geist. Auf der Suche nach Heilung führt ihn sein Weg schließlich in die Abgeschiedenheit des Himalaya - zu sich selbst und den Grundfragen der menschlichen Existenz.

Und er beginnt, dieses Buch zu schreiben ...

 

Der im Jahr 1938 geborene SPIEGEL-Korrespondent und Asien-Kenner verstarb am 28. Juli 2004 in seinem Haus in Italien. 

Speziell mit diesem Buch hinterließ er ein großartiges Vermächtnis.

5. GROSSBRITANNIEN:

5.1 Keith Lowe: Auf ganzer Linie. Roman

„Mind the gap!" ... warnt die Tonbandstimme in der Londoner Untergrundbahn bei jedem einfahrenden Zug, und ich höre diese Ansage noch heute. Ich rieche diesen typischen U-Bahn-Geruch nach menschlichen Ausdünstungen, nach Keller und uraltem Teeröl und spüre die warme Luft, die vor jeder ankommenden Bahn durch die Röhre gedrückt wird und sie damit ankündigt.

Drei Jahre lebte ich in London, und ich habe „the Tube" geliebt, diese älteste Untergrundbahn der Welt. Verbrachte viele Kilometer und Stunden in ihr.
„No Sleep ΄til Hammersmith"... von Heathrow im Westen nach Upminster im Osten, von Brixton im Süden nach Edgware im Norden; mittendrin der Oxford Circus.
Besonders stolz war ich, wenn mich Touristen nach dem Weg fragten und ich auf Anhieb wusste, mit welcher Linie man zu einem bestimmten Ziel gelangt. Ich kannte sie alle, von Central Line bis Circle, von District, Northern und Victoria bis zu Jubilee und Bakerloo.

 

Aber ich war ein Stümper im Vergleich zu Keith Lowe!
In seinem genialen Roman mit dem passenden deutschen Titel „Auf ganzer Linie" outet er sich als ein London Underground-Freak, der seinen Helden Andy die verrückte Wette abschließen lässt, das gesamte Londoner U-Bahn-Netz an einem einzigen Tag abzufahren.
Statt in achtzig Tagen um die Welt in neunzehn Stunden durch die Unterwelt der britischen Hauptstadt, und das einen Tag vor seiner Hochzeit mit Rachel. Wetteinsatz: in Schließfächern an den verschiedensten U-Bahn-Stationen befinden sich Andys Pass, seine Kreditkarte, seine Fahrkarten nach Paris, wo die Trauung stattfinden soll und die Tickets für die Hochzeitsreise. Und Rachel ahnt noch nicht einmal etwas von dem Ganzen ...

Wer London und seine U-Bahn vielleicht schon kennt und den schwarzen, britischen Humor schätzt, der kommt bei diesem Road Movie der besonderen Art voll auf seine Kosten.

5.2 Marina Lewycka: Das Leben kleben. Roman

Am liebsten lese ich Sachbücher wie Biographien oder Reisebeschreibungen, aber ab und zu ein interessanter Roman darf auch gerne sein. Diesen habe ich förmlich verschlungen - und das nicht nur, weil er in London spielt:

 

Sie begegnen sich zufällig an einem Müllcontainer; Georgie Sinclair, neuerdings alleinerziehende Mutter, und Mrs. Shapiro, eine verschrobene alte Dame mit sieben Katzen, einer Vorliebe für Schnäppchenjagd und die großen russischen Komponisten - und einem Geheimnis aus der Zeit des Krieges ...

 

Kathrin Fischer trifft mit ihrem hr1-Tipp voll ins Schwarze, wenn sie meint:

„Einen solch grotesk komischen und dabei zutiefst humanen Blick auf die Unmenschlichkeit der Geschichte und die Zumutungen des Lebens hat man schon lange nicht mehr gelesen. Großartig."

5.3 Theodor Fontane: Ein Sommer in London

„Es war im August; der Londonstaub ward immer dichter und die Sehnsucht nach einem Zuge frischer Luft immer größer; so kamen wir denn überein, zu Nutz und Frommen unserer Lungen eine Themsefahrt zu machen und auf den Wiesen von Hampton Court eine Picknick-Mahlzeit einzunehmen.“

 

Wer sich erst in die den meisten ungewohnte, 150 Jahre alte Sprache eingelesen hat und darüber hinaus noch London mag oder gar kennt, dem wird dieses Buch Freude bereiten. Theodor Fontane liebte London, hielt sich im Jahr 1852 sogar fünf Monate lang dort auf und schrieb die vorliegenden Feuilletons, in denen er den spontanen Eindruck mit dem historischen Rückblick verbindet und die Sachinformation mit der subjektiven Berichterstattung.

 

Dabei liegen Überschwang und Enttäuschung dicht beieinander: während ihn das dynamische Großstadtleben, die grandiosen Bauwerke und die idyllische Schönheit der Londoner Umgebung begeistern, stößt ihn die unerbittliche Jagd nach dem Geld ab.

 

Und wer Fontane bisher nur als Lyriker und Balladendichter kannte, der wird in dieser seiner ersten Prosa einen ganz neuen Klassiker kennenlernen.

4. NEPAL:

4.1 Gerhard Haase-Hindenberg: Göttin auf Zeit

13. März 2001:

Ich stehe im Kumari Chowk, dem Innenhof des Palastes der Kumari in Kathmandu. Um mich herum etwa ein Dutzend andere Reisende, die wie ich neugierig sind auf die "lebende Göttin" von Nepal. Plötzlich wird es unruhig, aufgeregte Aufseher wuseln herum, achten darauf, dass auch ja niemand von uns seine Kamera zückt. Und dann steht sie da an einem Fenster im ersten Stock, in bunten Gewändern und mit grellrot geschminkten Lippen. Ihre großen, dick mit Kajal umrandeten Augen blicken irgendwie unbeteiligt, leer und leicht traurig über uns hinweg ... ein Anblick, den ich bis heute nicht vergessen habe.

 

Fünf Jahre später erschien das Buch des Publizisten Gerhard Haase-Hindenberg, und ich erfuhr mehr über die Kumari Amita, die nach der Ermordung der Königsfamilie am 1. Juni 2001 ihrer Nachfolgerin Platz machen musste. Weil sie in die Pubertät kam, aber hauptsächlich, weil sie als Inkarnation von Taleju, der Schutzgöttin des Königs und damit von ganz Nepal, für viele gläubige Nepalesen versagt hatte.

Der Autor, der die lebende Göttin schon bei ihrer Inthronisation mit drei Jahren kennengelernt hatte, führte lange Interviewsitzungen mit Amita Shakya, mit ihren Eltern, ihrer Vorgängerin Rasmila und mit hochrangigen Priestern, und so erfahren wir hier erstmals etwas über eine Kindheit hinter Tempelmauern, über diese hochkomplexe Glaubenswelt und die bislang geheimen tantrischen Riten des Kumari-Kults.

Dabei schreibt Haase-Hindenberg mit bemerkenswertem Einfühlungsvermögen und ohne erhobenen Zeigefinger. Aus jeder seiner Zeilen spricht die Liebe zu dem Land und seinen Bewohnern. Ein Muss für alle Nepalfreunde und solche, die es werden wollen.

4.2 Milda Drüke: Rot. Menschen in Kathmandu

Für die Besprechung dieses Buches bedanke ich mich ganz herzlich bei Ildiko, einer Freundin aus der GEO-RC. Ildiko lernte den Himalaya und Nepal auf mehreren, intensiven Reisen sehr gut kennen und lieben. Sie schreibt:

 

 

Wie oft schon bin ich durch die Hinterhöfe Kathmandus gestreift und habe mir Gedanken gemacht, wie die Menschen hier leben. Milda Drüke, Autorin und Fotografin, hat es auf bestechende Art und Weise geschafft, mir viele Fragen zu beantworten. In sprachlich und inhaltlich sehr ansprechender Form nimmt sie den Leser mit in den Alltag einer nepalischen Familie, die sie 5 Monate lang auf Schritt und Tritt begleiten durfte.

„Ich bin dran gewöhnt. Ist unsre Kultur. Ich denke nicht weiter darüber nach.“ Ein Schlüsselsatz, der viel zu erklären hat. Samjhu und Puspa sind ein studiertes Paar, das zeitweise in Europa und Australien lebte und nun zurück ist in der archaischen Hindukultur Nepals. Sie wohnen mit ihrem fünfjährigen Sohn und diversen Verwandten auf engstem Raum ohne Privatsphäre zusammen und arrangieren sich zwischen Mittelalter und Moderne. Mikrowelle, Internet und Spiderman-Kostüm Hand in Hand mit uralten religiösen Ritualen, die insbesondere den Frauen dieser Gesellschaft viel abverlangen.

Neben den ungewöhnlich tiefen Einblicken in diesen Spagat des täglichen Lebens erfährt der Leser ganz nebenher viel über die Kultur in Nepal, über Riten, die der Tourist im Vorübergehen zwar immer sieht, aber nie versteht. Unzählige dieser Merkwürdigkeiten des nepalischen Alltags erkenne ich wieder und verstehe sie nun besser. Zwei Wochen nach der Lektüre des Buches bin ich wieder in Kathmandu, treffe einen nepalischen Freund. Und kann es mir nicht verkneifen, zu fragen, ob sein kleiner Sohn ein Spiderman-Kostüm besitzt. Er schaut mich an, grinst und fragt: „Woher weißt du das?“

 

Mehr von Ildiko ist hier zu lesen:

http://www.geo-reisecommunity.de/mitglied/mamaildi/reiseberichte/1

3. UNSERE WELT, DIE ERDE:

3.1 Alan Weisman: Die Welt ohne uns. Reise über eine unbevölkerte Erde

„Die Erde könnte ohne uns sein, aber wir nicht ohne sie" schreibt Alan Weisman im Nachwort seines Buches.

 

Und genau darum geht es letztendlich in dem 2007 erschienenen Buch des amerikanischen Journalisten, das auch in Deutschland zum Bestseller wurde.

Das Thema bewegt, wie alleine schon die ungewöhnlich vielen Besprechungen bei amazon zeigen. Dabei gehen die Meinungen zu diesem Buch stark auseinander.

 

Weisman zeigt auf, was der Mensch in Jahrtausenden zu schaffen vermochte, aber auch über welch unerhörte Macht die Natur verfügt. Gestützt auf das Wissen von Biologen, Geologen, Physikern, Architekten und Ingenieuren entwirft Weisman Schritt für Schritt das faszinierende Szenario einer unbevölkerten Erde.

Was würde passieren, wenn die mit so viel Unvernunft ausgestattete Gattung Homo sapiens plötzlich und spurlos von der Welt verschwände? Was würde aus unseren Megastätten, aus den architektonischen Meisterwerken, was aus dem Kölner Dom? Und was würde aus der Natur ohne Umweltverschmutzung, ohne Krieg, ohne Raubbau und unnatürliche Zerstörung?

Weismann spannt den Bogen von zwei Tagen bis zu 6,5 Milliarden Jahren: schon nach einem Jahr wachsen Blumen durch den Asphalt der Straßen, und Kletterpflanzen und Tiere erobern die Städte. Nach 300 Jahren sind weltweit Deiche und Dämme durchweicht, und Großstädte wie Hamburg werden einfach weggewaschen. Was am längsten überdauert und auf unsere Anwesenheit auf dem Planeten hindeuten wird, ist Plastik ...

 

Nachtrag; März 2011:

Angesichts der Katastrophen in Japan ist vor allem das Kapitel "Strahlendes Vermächtnis" schwer verdauliche Kost; das Buch insgesamt nicht nur "nachdenklich machend" wie zuvor geschrieben, sondern darüber hinaus nur in kleinen Dosen erträglich. 

2. NAMIBIA:

2.1 Tommy Jaud: Hummeldumm. Das Roman

Gruppenreise mit Bekloppten

„Ich war mir sicher: Hinter der nächsten Düne kotzten Springbock, Oryx und Gnu ihre Verzweiflung in den roten Sand der Kalahari".
Als ich diesen Satz sah, war es um mich geschehen; dieses Buch musste ich lesen!

Tommy Jaud, der ehemalige Headwriter für „Ladykracher" schrieb bereits einige skurrile Romane, aber dieser spielt in Namibia, wo „neun Idioten in alberner Wanderkleidung", angeführt von ihrem namibischen Tourguide Bahee zwei Wochen lang in einem Kleinbus unterwegs sind und sich ziemlich artgerecht verhalten. Mittendrin der Protagonist Matze Klein, ständig auf der Jagd nach Adaptern, Handynetz und Internetzugang und seine Freundin Sina, die ihm die Tour (sprich: Tortur!) überhaupt erst eingebrockt hat.

Voller Sprachwitz und Situationskomik ist „Hummeldumm" eine köstliche Persiflage, leicht zu lesen - und Wasser auf die Mühlen aller Individualtouristen.

 

1. INDIEN:

 

Die Sammlung der Indien-Bücher wurde stark erweitert und ist jetzt unter

"INDIEN IM BUCH" zu finden