Bücherkiste

„Es geht uns mit Büchern wie mit den Menschen. Wir machen zwar viele Bekanntschaften, aber nur wenige erwählen wir zu unseren Freunden."
(Ludwig Feuerbach, 1804-1872)

 

 

"Buchprojekt" von Editha Janson

Foto © Hedi Glock; bearb. von B.S.

Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung der Fotografin und der Künstlerin.

Viele weitere interessante Werke von Frau Janson sind auf ihrer privaten Homepage zu sehen. Dazu bitte aufs Foto klicken!

 

Zu meiner Bücherkiste

 

Für meine Buchempfehlungen benutze ich die Klappentexte und Vor- oder Nachworte der Bücher sowie Besprechungen bei amazon.

 

Die Bücher auf dieser Seite sind nach Ländern und Regionen geordnet:

Bücher auf Rädern, gesehen in Key West

01. Deutschland

02. Nepal

03. Asien

04. Tropen

05. Jordanien

06. Italien

07. Afrika

08. Ägypten

09. Kanada

10. Arktis

11. Lanzarote

12. Südamerika

13. Irland

14. USA

15. Iran

 

und nach verschiedenen Themen (s. linke Spalte).

 

Weitere Empfehlungen findet man in den unterschiedlichsten Kapiteln, von den Reisegeschichten über die Wundertüte bis zu Oskars Blog.

 

 

15. Iran

15.1 Stephan Orth: Couchsurfing im Iran. Meine Reise hinter verschlossene Türen

Obwohl es (laut Stephan Orth) offiziell verboten ist, reist der Autor im Frühjahr 2014 als Couchsurfer kreuz und quer durch den Iran, schläft auf Dutzenden von Perserteppichen und erlebt skurrile Abenteuer von der Fahrt in einem Schmugglerbus über ein Rotwein-Besäufnis mit einem persischen Prinzen bis hin zur Bikiniparty in der Pilgerstadt Mashhad.

Dabei lernt er ein Land kennen, das so gar nicht zum Bild des Schurkenstaates passt. Denn die Iraner sind nicht nur Weltmeister in Sachen Gastfreundschaft, sondern auch darin, den Mullahs ein Schnippchen zu schlagen.

 

Ein kurzweiliges und mitreißend erzähltes Buch über die kleinen Freiheiten und großen Sehnsüchte der Iraner,

illustriert mit 48 Farbfotos, 30 S/W-Abbildungen und einer Karte.

 

 * * * * *

 

Zur Vervollständigung des Bildes empfehle ich den reich bebilderten Reiseblog "Iran" von Wilfried und Gisela, die im Mai / Juni 2015 zu Fuß im Land unterwegs waren:

14. USA

14.1 Cheryl Strayed: Der große Trip. Tausend Meilen durch die Wildnis zu mir selbst 

"Von jedem Berggipfel möchte ich es hinabrufen: Ich liebe dieses Buch!" meinte Oprah Winfrey über den vorliegenden Titel. Nun, so erging es mir nicht.

 

In dem Buch geht es um die Wanderung der Autorin, einer Schriftstellerin, auf dem Pacific Crest Trail, dem berühmten, 4.279 Kilometer langen Fernwanderweg im Westen der USA von der mexikanischen zur kanadischen Grenze.

 

Ich nehme es der Autorin nicht übel, dass sie nicht einmal die Hälfte des Weges lief und sich ziemlich schlecht vorbereitet auf den anstrengenden Trip machte, verstehe allerdings nicht, warum sie fast 20 Jahre später (die Tour fand 1995 statt) erst darüber schreibt. Das macht das Buch als Einstimmung auf den Wanderweg unbrauchbar, und was noch schlimmer ist: in vielen Teilen unglaubwürdig. Auch, wenn Strayed in der Vorbemerkung anführt, sie habe sich auf ihre Tagebücher und recherchierte Fakten gestützt.

    

Ein "atemberaubendes Abenteuer einer Selbstfindung" (Verlagswerbung) ist die Geschichte für mich auch nicht. Aber sie ist gut zu lesen und dürfte noch am interessantesten für Leserinnen der Abteilung "Frauenschicksale" sein.

 

Schade, da hatte ich mehr erwartet.

13. Irland

13.1 Pete McCarthy: Mc Carthy's Bar. Mein ganz persönliches Irland

Der Comedystar und leidenschaftliche Irlandfan McCarthy nimmt den Leser mit auf einen rasanten Streifzug über die grüne Insel. Dabei räumt er mit manchem Klischee über rothaarige, sommersprossige Jungs, über saftig-grüne Wiesen und die berühmten irischen Kartoffeln auf und verrät uns, was es eigentlich mit dem irischen Guinness, dem St. Patrick’s Day und dem keltischen Tiger auf sich hat. Ein sehr persönliches Porträt eines Landes voller Widersprüche und eine Liebeserklärung des Autors an das Land seiner schönsten Kindheitserinnerungen.

Auch 13 Jahre nach Erscheinen (© der deutschsprachigen Ausgabe: 2002) ein noch lesenswerter Reisebericht - und "alles ist authentisch, dicht, derb und witzig", wie der Rheinische Merkur schrieb.

12. Südamerika

12.4 Christopher Isherwood: Kondor und Kühe

Am 20. September 1947 schifft sich Christopher Isherwood zusammen mit dem Fotografen William Caskey in New York ein, um den südamerikanischen Kontinent zu bereisen. Von der venezolanischen Hafenstadt La Guaira über die Anden bis nach Buenos Aires geht dabei ihre Reise, die fast sechs Monate dauert, und auf der sie einen Kontinent voller Gegensätze entdecken.

Auch wenn mir persönlich die oft bis ins kleinste Detail geschilderten Begegnungen und Gespräche mit Künstlern, Literaten und Politikern etwas zu ausführlich sind und ich lieber mehr über die Landschaft und die bereisten Städte gelesen hätte, so stelle ich doch anerkennend fest, dass Isherwood ein gescheiter Beobachter und begnadeter Erzähler ist.

Und "The Condor and the Cows" (OT) ein beeindruckendes historisches Dokument, dem die Fotos Caskeys Authentizität verleihen.

12.3 Eva Ibbotson: Maia oder Als Miss Minton ihr Korsett in den Amazonas warf

England 1910: Die elternlose Maia wird zu ihren einzigen Verwandten nach Brasilien geschickt. Gemeinsam mit der Gouvernante Miss Minton tritt sie die Reise über den Ozean an, voller Vorfreude auf das unbekannte Land und ihre gleichaltrigen Zwillingscousinen in Manaus. Doch Maia wird bitter enttäuscht: die Familie ist grässlich und nimmt sie nur wegen ihres Vermögens auf.

Aber dank Miss Minton und dem Waisenjungen Finn beginnt für Maia ein Leben voller Abenteuer und dramatischer Verwicklungen an den Ufern des Amazonas

Der Kinderroman aus dem Jahr 2001 stand viele Wochen auf den Bestsellerlisten der USA und wurde mit dem begehrten "Smarties Prize" ausgezeichnet. 

12.2 Lutz Herbert: Auf dem Amazonas. Eine Reise zu den Ticuna-Indianern

Lutz Herbert ist der klassische Reisende – mit offenen Augen und wachem Blick. Seine Fahrt den Amazonas hinauf führt ihn von Manaus an vielen interessanten Stationen vorbei bis in das Gebiet der Ticuna, dessen Vertrauen er behutsam zu gewinnen vermag.

Herbert besitzt eine gute Beobachtungsgabe und schreibt vorurteilsfrei und lebendig, spannend und informativ, nachdenklich machend und humorvoll.     

 

Eine einfühlsame Begegnung mit einer fremden, nicht ganz ungefährlichen Welt.

12.1 Sueli Menezes und Bruni Prasske: Amazonaskind

Sueli kommt am Amazonas, mitten im brasilianischen Dschungel, zur Welt und wird von ihrer Mutter vor der Tür einer fremden Familie ausgesetzt. Damit beginnt für sie eine Kindheit, die geprägt ist von den Gefahren des tropischen Regenwaldes und von der Brutalität des Pflegevaters. Eines Tages beobachtet ein französischer Ingenieur, wie das sechsjährige Mädchen misshandelt wird, und er bietet Sueli an, sie in die Großstadt Manaus mitzunehmen und für sie zu sorgen. Damit nimmt Suelis Leben eine unverhoffte Wendung …

Nicht so eindringlich und gut geschrieben wie das "Dschungelkind" von Sabine Kuegler, aber mit zahlreichen Abbildungen eine lesenswerte Biografie, die im Regenwald Amazoniens beginnt.

11. Lanzarote

11.1 Silvia Volckmann: Die Zeit ist schwer zu erzählen auf der Insel. Ein literarisches Lanzarote-ABC

Für die Literaturwissenschaftlerin Silvia Volckmann ist Lanzarote seit vielen Jahren zur zweiten Heimat geworden. In dem vorliegenden "Reiseführer" stellt sie Orte, Figuren, Mythen und Realität Lanzarotes aus dem vielschichtigen Blick der Literatur vor, mit ausführlichen Textausschnitten und mit vielen historischen Fotos. Ein außergewöhnliches und schlaues Buch, dabei aber lesbar geblieben. Und eine Fundgrube sowohl für Reisende, die zum ersten Mal auf der Insel unterwegs sind als auch für Lanzarote-Kenner.

10. Arktis

10.4 Christoph Ransmayr: Die Schrecken des Eises und der Finsternis

Vielschichtiger Abenteuerroman, in dessen Zentrum das Schicksal einer österreichisch-ungarischen Nordpolexpedition steht, die im August 1873, nach einer mehr als einjährigen Drift im Packeis, einen unter Gletschern begrabenen arktischen Archipel entdeckte und ihn Kaiser-Franz-Josef-Land taufte. Das Drama dieser historischen Eismeerfahrt wird kunstvoll verknüpft mit der fiktiven Geschichte eines jungen Italieners namens Josef Mazzini, der sich ein Jahrhundert später in Wiener Archiven für die Hinterlassenschaft der Geretteten begeistert, auf ihren Spuren in die Arktis aufbricht und zuletzt mit einem Schlittenhundegespann auf Spitzbergen gesehen wird …

Mit 23 historischen Abbildungen und Original-Auszügen aus den Tagebüchern und Briefen der Expedition ein eindrucksvolles, spannendes Leseerlebnis.

10.3 Marie Tièche: Kinnvika 80° Nord. Eine Frau, ein Mann und die Einsamkeit der Polarnacht

Ein filmreifer Beginn: in einem Pub in der spitzbergischen Hauptstadt Longyearbyen trifft Marie Tièche auf den deutschen Forscher Hauke Trinks, der sie kurzentschlossen zu seiner nächsten Expedition einlädt, einem Jahr im Norden Spitzbergens am 80. nördlichen Breitengrad. Alleine mit zwei Hunden leben die beiden Fremden von der Welt ziemlich abgeschnitten in einer 20m² großen Hütte.

 

"Hier in der Wildnis […] wurde mir klar, wie wenig man eigentlich zum Überleben brauchte" ist auf Seite 168 zu lesen. Das klingt gut, hätte man nicht vorher erfahren, was im Jahr 2002 neben der Verpflegung und den wissenschaftlichen Geräten des Physikers Trinks alles an Ausrüstung nach Kinnvika geschafft wurde: von einem Schlitten, einem Boot mit Außenbordmotor und einem Generator über Batterien, Solarzellen, Funkgerät, CD-Player, Radio, Kettensäge und Nähmaschine bis hin zur Weihnachtsdeko. Ganz abgesehen von den Unmengen an Geschenken (Parfüm, Pralinen, Seidenschal …), die der Charmeur Trinks für seine 15 Jahre jüngere Gefährtin eingepackt hat sowie von Rum und Schnaps, 200 Litern Rotwein und einer Flasche Champagner für jeden Sonntag des Jahres.

So heißt der englische Titel dann sinnigerweise auch "Champagne and Polar Bears. Romance in the Arctic."

 

Expedition, Experiment, Abenteuer … leicht und spannend zu lesen, vor allem, wenn man Spitzbergen und Kinnvika aus eigener Anschauung kennt.

 

Der etwas spröde deutsche Titel wurde übrigens 2013 geändert in: "Mein Jahr am Nordpol. Eine Frau, ein Mann und die Einsamkeit der Polarnacht."

10.2   Rolf Stange: Spitzbergen – Svalbard. Wissenswertes rund um die arktische Inselgruppe

Spitzbergen beeindruckt mit einer faszinierenden Landschaft, einer erstaunlichen Tier- und Pflanzenwelt sowie einer langen und facettenreichen Geschichte.

 

Das vorliegende Reisehandbuch (3., überarb. Aufl. 2011) liefert alle Informationen, die man benötigt, um Spitzbergens schöne, aber auch empfindliche und manchmal sogar gefährliche Natur zu verstehen. Viele Kartenskizzen und 232 Farbfotos ergänzen den Text und machen ihn damit auch für diejenigen Leser anschaulich, die Svalbard (noch) nicht kennen.

 

Seit 1997 ist der Diplomgeograph Rolf Stange regelmäßig auf der Inselgruppe unterwegs und kennt sie wie kaum ein anderer. So ist es denn auch kein Wunder, dass sich der Titel seit seiner Erstauflage im Mai 2007 zu einem beliebten und bewährten Standardwerk entwickelt hat.

10.1 Christiane Ritter: Eine Frau erlebt die Polarnacht

Schon 75 Jahre alt und kein bisschen angestaubt gehört Frau Ritters Buch (© 1938) über ihre Zeit auf Spitzbergen noch immer zu den Standardwerken der deutschsprachigen Polarliteratur, wurde in sieben Sprachen übersetzt und wird bis heute verlegt.

 

Die österreichische Malerin und Autorin beschreibt darin ihre Erlebnisse und Eindrücke eines Jahres, das sie in einer Hütte auf der arktischen Insel verbringt: fernab jeder Zivilisation und im Winter oft allein, während ihr Mann auf der Jagd ist.

 

"Man muss hindurchgegangen sein durch die lange Nacht" meint sie, "durch die Stürme und die Zertrümmerung der menschlichen Selbstherrlichkeit. Man muss in das Totsein aller Dinge geblickt haben, um ihre Lebendigkeit zu erleben. In der Wiederkehr des Lichtes, im Zauber des Eises, im Lebensrhythmus der in der Wildnis belauschten Tiere, in der ganzen hier in Erscheinung tretenden Gesetzmäßigkeit alles Seins liegt das Geheimnis der Arktis und die gewaltige Schönheit ihrer Länder."

 

Und das Geheimnis des Buch-Erfolgs liegt wohl auch darin, dass Frau Ritter erstmals den Aufenthalt in der Arktis nicht ausschließlich als extrem entbehrungsreich und strapaziös darstellte, sondern fast schon als meditative Erfahrung: "Vielleicht werden Menschen späterer Jahrhunderte in die Arktis gehen, so wie Menschen in biblischen Zeiten in die Wüste zogen, um zur Wahrheit zurückzufinden."

9. Kanada

9.1 David Seven Deers: Heelahs Traum. Eine indianische Schöpfungsgeschichte

Die Tiere lauschen gespannt, wenn Heelah, der Rabe, von seinen Träumen erzählt. Sie alle leben in völliger Dunkelheit und kennen weder Sonne noch Feuer, weder Berge noch Meer.

 

Wie es dann dazu kam, dass der Wal heute im Wasser lebt und der Adler hoch in den Bergen? Und warum sich der Rabe nie genau entscheiden kann, wo er sich am wohlsten fühlt?

Diese Fragen beantwortet David Seven Deers, ein Coast-Salish Indianer, der uns hier die Schöpfungsgeschichte wiedergibt, wie sie schon seit Generationen in seinem Volk erzählt wird.

 

Das zweisprachige Buch (Deutsch und Englisch) bezaubert Jung und Alt und lässt uns ganz tief hineintauchen in die graue Vorzeit und in die indianische Überlieferung, wie unsere Welt herbeigeträumt und herbeigetanzt wurde.

Dabei spielen auch die Illustrationen im Stil der Ureinwohner von British Columbia eine große Rolle; sie werden von Bild zu Bild immer farbiger. Und Heelah zeigt uns, worauf es im Umgang miteinander ankommt: auf Respekt und Demut, auf Heiterkeit und Liebe.

 

Ein Buch, das schon 5jährige begeistern kann.

8. Ägypten

8.1 Gerhard Haase-Hindenberg: Das Mädchen aus der Totenstadt. Monas Leben auf den Gräbern Kairos

Vorab: so richtig anfreunden konnte ich mich nicht mit diesem Buch, das ich wegen des Themas kaufte, und weil mir der Autor von seinem Buch „Göttin auf Zeit“ her bekannt war.

Und so gerne ich dieses (s. unter Nepal) gelesen habe, so schwer tat ich mich mit dem vorliegenden Buch, ist doch der Autor oft krampfhaft bemüht, sein zweifellos großes Wissen über das Leben in Kairo und den Islam unterzubringen. Schade! Es hätte dem Buch meiner Meinung nach besser getan, hätte Herr Haase-Hindenberg sich etwas zurückgenommen und mehr Mona zu Wort kommen lassen.


Reiseführer raten von einem Besuch der Totenstadt Imam Al-Shafi‘i dringend ab, für die 18-jährige Mona jedoch ist dieser riesige Friedhof am Stadtrand von Kairo das Zuhause. Die Mausoleen bieten Unterschlupf für mehrere Zehntausend Ägypter, die kaum eine Chance haben, die ärmlichen Wohnverhältnisse je hinter sich zu lassen. Die illegale Besiedelung der Totenstadt wird zwar von offizieller Seite geduldet, doch deren Bewohner gelten beinahe als Aussätzige.

Mona ist dort geboren und lebt mit ihren Eltern und sieben Geschwistern in drei winzigen Räumen eines Grabhofs. Ihre Gedankenwelt wird bestimmt vom Islam und einem fatalistischen Schicksalsglauben, ihre Zukunft sieht sie als Ehefrau und Mutter. Erst durch eine Arbeit in Kairos Geschäftsviertel lernt sie das westlich geprägte Zentrum von Afrikas größter Metropole und die Verlockungen der modernen arabischen Welt kennen.

Aus Monas Tagebuchaufzeichnungen und intensiven Recherchen

vor Ort erstellte Gerhard Haase-Hindenberg das Porträt eines Mädchens, das zwischen zwei Welten pendelt.

Empfehlen möchte ich dieses Buch, weil hier zum ersten Mal die tabuisierte Welt einer Kairoer Totenstadt beschrieben und von der Lebenswirklichkeit, vom Denken und Fühlen seiner Bewohner berichtet wird.

7. Afrika

7.4 Kobie Krüger: Ich trage Afrika im Herzen. Unser Leben im Krüger-Nationalpark

Ob Kobie Krüger (bzw. ihr Mann) in irgendeiner verwandtschaftlichen Beziehung zu dem berühmten Politiker Ohm Krüger steht, nach dem einer der größten südafrikanischen Nationalparks benannt wurde, konnte ich weder im Internet noch im Buch selbst herausfinden. Fest steht, dass Frau Krüger mit ihrem Mann, einem Ranger, und ihren Töchtern jahrelang im Krügerpark lebte.

 

Bewegend und mitreißend schildert Kobie Krüger in ihrer Biografie, was es heißt, in einem entlegenen Winkel des Parks zwischen vielen wilden Tieren zu leben, einen Haushalt zu führen und drei Kinder zu versorgen. Zumal es bei den dreien nicht bleibt, denn hinzu kommen im Laufe der Zeit viele Tiere, um die sie sich kümmern muss. Einen besonderen Platz nimmt dabei ein im Stich gelassenes Löwenjunges ein. Kobie zieht es auf, und es entsteht ein einzigartiges Verhältnis zwischen der Familie und dem Löwen Leo.

 

Leicht zu lesen, aber nicht so naiv wie die ganzen Afrika-Bücher von der „weißen Massai“ und ihren schreibenden Nachfolgerinnen. Und mit den Farbfotos sowie den bezaubernden Zeichnungen von Karin Krüger eine ideale Lektüre, um sich auf einen Urlaub in Südafrika einzustimmen.

7.3 Satomi Ichikawa: Was macht ein Bär in Afrika?

Hier ein bezauberndes Buch (nicht nur) für Kinder:

Der kleine Junge Meto lebt in einem Dorf mitten in der afrikanischen Savanne. Eines Tages kommen Touristen in sein Dorf, darunter auch ein kleines Mädchen. Es hält ein Tier im Arm, das Meto noch nie gesehen hat, und auch die Tiere der Savanne können nichts damit anfangen. Aber dieses Tier - ein Teddybär - sorgt für ein aufregendes Erlebnis.

Die Geschichte einer leisen Freundschaft über die Kontinente hinweg und zugleich ein grandios simpel erzähltes und liebevoll illustriertes Buch, das Kindern Lust auf Afrika machen könnte.

7.2 Maggie McCune: Nefertiti. Tochter der Sonne

Geboren in Indien und aufgewachsen in England, entdeckt die abenteuerlustige Emma McCune schon früh ihre Liebe zu Afrika. 1989 geht sie in den Südsudan und bewirkt dort als Entwicklungshelferin trotz katastrophaler Bedingungen schier Unmögliches. Sie heiratet ihre große Liebe, den charismatischen Stammesfürsten Riek Machar. Doch mit 29 Jahren, im fünften Monat schwanger und überglücklich, verunglückt Emma unter tragischen Umständen ...

 

Die Autorin Maggie Mc Cune erzählt hier die abenteuerliche Geschichte ihrer außergewöhnlichen Tochter Emma. Sie nimmt uns mit auf die Suche nach ihrem verlorenen Kind, eine Suche, die zugleich eine Reise in ihre eigene bewegte Vergangenheit ist, und lässt Emma weiterleben - als schöne und mutige Tochter der Sonne.

 

Mit Recht meinte Klaus Podak in der Süddeutschen Zeitung: „Maggie McCune ist mit den Aufzeichnungen über ihre Tochter Emma ein großes, ein poetisches, ein menschlich bewegendes Buch gelungen.“

7.1 Tommy Jaud: Hummeldumm. Das Roman

Gruppenreise mit Bekloppten

"Ich war mir sicher: Hinter der nächsten Düne kotzten Springbock, Oryx und Gnu ihre Verzweiflung in den roten Sand der Kalahari".
Als ich diesen Satz sah, war es um mich geschehen; dieses Buch musste ich lesen!

Tommy Jaud, der ehemalige Headwriter für "Ladykracher" schrieb bereits einige skurrile Romane, aber dieser spielt in Namibia, wo "neun Idioten in alberner Wanderkleidung", angeführt von ihrem namibischen Tourguide Bahee zwei Wochen lang in einem Kleinbus unterwegs sind und sich ziemlich artgerecht verhalten. Mittendrin der Protagonist Matze Klein, ständig auf der Jagd nach Adaptern, Handynetz und Internetzugang und seine Freundin Sina, die ihm die Tour (sprich: Tortur!) überhaupt erst eingebrockt hat.

Voller Sprachwitz und Situationskomik ist "Hummeldumm" eine köstliche Persiflage, leicht zu lesen - und Wasser auf die Mühlen aller Individualtouristen.

6. ITALIEN:

6.1 Stefan Ulrich: Quattro Stagioni. Ein Jahr in Rom

Als der Korrespondent der Süddeutschen Zeitung im August 2005 mit seiner Familie von München nach Rom umzieht, sind die Erwartungen hoch: tolles Essen, immer Sonne, gesellige Menschen, Cappuccino auf der Piazza Navona ...

 

Doch das Dolce Vita lässt erst einmal auf sich warten: die Wohnung ist bei der Ankunft in chaotischem Zustand, die italienische Bürokratie toppt die deutsche bei weitem, und auch sonst hält das Leben in Italien für die Rom-Anfänger einige Überraschungen bereit.

 

Ein Erfahrungsbericht voller Heiterkeit und Liebe zu Italien - und ein Muss für alle Rom-Reisenden.

5. JORDANIEN:

5.2 Helen Keiser: Die Söhne Nabayots. Beduinen, Forscher und Abenteurer in der Felsenstadt Petra

Auf eigene Faust, wissensdurstig und unerschrocken bereiste die Schweizer Autorin, Fotografin und Malerin Helen Keiser drei Jahrzehnte lang die arabische Welt und dokumentierte deren Kultur.

 

Die "Söhne Nabayots", die Nabatäer, kamen um 550 v. Chr. in die südjordanische Wüste, wo sie die Felsenstadt Petra errichteten. Von hier aus kontrollierten sie als Karawanenhändler die Handelsrouten nach Südarabien und schlossen sich später zu dem Königreich Nabataea zusammen, das sich von der Sinaihalbinsel bis nach Nordarabien erstreckte. Selbst Damaskus eroberten die Nabatäer, wurden aber unter Kaiser Trajan im Jahr 106 n. Chr. als römische Provinz "Arabia Petraea" ins Römische Reich eingegliedert.  

 

Die Autorin forschte nach den Spuren des nabatäischen Königreichs, lebte mit den Beduinen und lernte ihr Leben kennen. Sie ließ sich die Sagen der Wüstensöhne erzählen und wurde vom schönsten Pferd ihres Gastgebers durch die Wüste getragen. Ihre Erzählungen und Fotos sind einzigartige Dokumente, die uns in eine von Traditionen geprägte und fast entschwundene Welt entführen.

 

Helen Keiser verstarb kurz vor Weihnachten 2013 im Alter von 87 Jahren. In einer Traueranzeige für sie ist ein Wort von Konfuzius zu lesen, das perfekt zu ihrem Leben passt:

"Wohin du auch gehst - geh mit deinem ganzen Herzen."

5.1 Marguerite van Geldermalsen: Im Herzen Beduinin. Wie ich in der Felsenstadt Petra meine große Liebe fand

1978. Die Neuseeländerin Marguerite van Geldermalsen ist gerade einmal 22 Jahre alt, als sie zu einer langen Rucksackreise aufbricht und in Jordanien eine Heimat und die Liebe ihres Lebens findet.

 

In ihrem kurzweiligen Buch erzählt sie von ihren über zwanzig glücklichen Ehejahren an der Seite des Beduinen Mohammad Abdallah Othman, mit dem sie drei Kinder bekommt. Ihr Zuhause wird eine 2000 Jahre alte Höhle im roten Fels eines Berges in der alten Stadt Petra. Sie lernt Arabisch und wie eine Beduinin zu leben: Kochen über offenem Feuer, Transport von Wasserbehältern auf Eseln, Sammeln von Holz und Trinken von süßem arabischen Tee ...

 

Eine beeindruckende Lebens- und Liebesgeschichte und ein faszinierender Einblick in die Kultur der Beduinen.

4. TROPEN:

4.2 Jens G. Rohwer: Pflanzen der Tropen

Eine ideale Ergänzung zu dem „Farbatlas Exotische Früchte" ist dieses BLV Bestimmungsbuch, das mir seit Jahren gute Dienste leistet. Hier werden rund 250 Pflanzenarten, die besonders auffallend oder verbreitet sind, porträtiert. Es gibt Angaben zu Kennzeichen, Vorkommen, Biologie, Ökologie und Geschichte, und vor allem die Erwähnung der weiteren (meist englischen und spanischen) Namen der einzelnen Pflanzen ist bei Reisen oft sehr hilfreich. Leider ist der Titel momentan (Stand: März 2011) vergriffen und z. B. bei amazon nur als überteuertes Gebrauchtexemplar erhältlich.

 

Der von Andreas Bärtels bei Ulmer erschienene und in amazon hochgelobte Naturführer „Tropenpflanzen" ist für mich keine Alternative: zwar werden hier insgesamt etwa 330 Pflanzenarten inklusive der Nutzpflanzen dargestellt, dazu die ganzen Unterarten erwähnt, dafür fehlen aber die englischen und spanischen Namen, und die Abbildungen von Blütenbäumen und -sträuchern sind zum Bestimmen der Pflanzen viel zu klein.

 

4.1 Rolf Blancke: Farbatlas Exotische Früchte. Obst und Gemüse der Tropen und Subtropen.

Brotfrucht - Jackfrucht - oder vielleicht doch eine Durian ...?
Wer in den Tropen und Subtropen auf lokalen Märkten unterwegs ist, der steht oft vor der Frage, was da jetzt eigentlich angeboten wird. Hier erweist sich der Farbatlas aus dem Verlag Eugen Ulmer als hilfreicher Begleiter für den Reisenden: er beschreibt über 300 Obst- und Gemüsesorten, Knollen, Gewürze, Genussmittel und andere Nutzpflanzen, wobei besonderer Wert auf Informationen über Verbreitung, Nutzwert und Verwendungsmöglichkeiten gelegt wird. Die erwähnten lokal gebrauchten Namen erleichtern dabei zusammen mit den Fotos die genaue Bestimmung der jeweiligen Pflanze. Empfehlenswert und seinen Preis (€29,90) auf jeden Fall wert.

3. ASIEN

3.3 Andreas Pröve: Abenteuer Mekong. 5700 Kilometer von Vietnam bis ins Hochland von Tibet

"Fluss der neun Drachen", "Mutter aller Wasser", "der Turbulente" … der Mekong hat viele Namen und zeigt die unterschiedlichsten Gesichter. Auf seinem bisher extremsten Abenteuer folgt Andreas Pröve als erster Mensch im Rollstuhl dem Lauf des Flusses vom Mündungsdelta in Vietnam bis ins Quellgebiet im tibetischen Hochland. Und erweckt voller Neugier und feinsinnigem Humor die verschiedenen Facetten des Alltags am Mekong zu buntem Leben:

vom riskanten Linksabbiegen während der Rushhour in Ho-Chi-Minh-Stadt beispielsweise über Kambodscha, Laos und China bis nach Tibet, wo die Menschen von einem kostbaren Raupenpilz profitieren. Wie immer dabei: sein indischer Freund Nagender, dem dieses Buch auch gewidmet ist.

Ein lesenswerter "Expeditionsbericht".

3.2 Tiziano Terzani: Noch eine Runde auf dem Karussell. Vom Leben und Sterben (c) 2005

Als Tiziano Terzani erfährt, dass er unheilbar an Krebs erkrankt ist, begibt er sich auf seine letzte große Reise.Ihn interessiert das große Ganze: die Frage, was ihn krank gemacht hat, der Zusammenhang zwischen Körper und Geist. Auf der Suche nach Heilung führt ihn sein Weg schließlich in die Abgeschiedenheit des Himalaya - zu sich selbst und den Grundfragen der menschlichen Existenz.

Und er beginnt, dieses Buch zu schreiben ...

 

Der im Jahr 1938 geborene SPIEGEL-Korrespondent und Asien-Kenner verstarb am 28. Juli 2004 in seinem Haus in Italien. 

Speziell mit diesem Buch hinterließ er ein großartiges Vermächtnis.

3.1 Tiziano Terzani: Fliegen ohne Flügel (c) 1995

"Eine Reise zu Asiens Mysterien" lautet der Untertitel, und um den Kontinent Asien mit seinen ganzen Widersprüchen und Geheimnissen geht es in diesem Buch auch:

Als ihm ein alter Chinese einen Flugzeugabsturz voraussagt, beginnt für den Journalisten ein Jahr der Neubegegnung mit einer altvertrauten Region. Mit allem, was keine Flügel hat, reist er durch Südostasien.

Ohne Zeitdruck spürt Terzani dabei der Frage nach, ob der technologisch-materialistische Fortschritt, der Kulturen vernichtet und das Gesicht von Städten und Menschen verändert, nicht auch den Menschen um seinen geistigen Halt bringt.

2. NEPAL:

2.2 Milda Drüke: Rot. Menschen in Kathmandu

Für die Besprechung dieses Buches bedanke ich mich ganz herzlich bei Ildiko, einer Freundin aus der GEO-RC. Ildiko lernte den Himalaya und Nepal auf mehreren, intensiven Reisen sehr gut kennen und lieben. Sie schreibt:

 

 

Wie oft schon bin ich durch die Hinterhöfe Kathmandus gestreift und habe mir Gedanken gemacht, wie die Menschen hier leben. Milda Drüke, Autorin und Fotografin, hat es auf bestechende Art und Weise geschafft, mir viele Fragen zu beantworten. In sprachlich und inhaltlich sehr ansprechender Form nimmt sie den Leser mit in den Alltag einer nepalischen Familie, die sie 5 Monate lang auf Schritt und Tritt begleiten durfte.

„Ich bin dran gewöhnt. Ist unsre Kultur. Ich denke nicht weiter darüber nach.“ Ein Schlüsselsatz, der viel zu erklären hat. Samjhu und Puspa sind ein studiertes Paar, das zeitweise in Europa und Australien lebte und nun zurück ist in der archaischen Hindukultur Nepals. Sie wohnen mit ihrem fünfjährigen Sohn und diversen Verwandten auf engstem Raum ohne Privatsphäre zusammen und arrangieren sich zwischen Mittelalter und Moderne. Mikrowelle, Internet und Spiderman-Kostüm Hand in Hand mit uralten religiösen Ritualen, die insbesondere den Frauen dieser Gesellschaft viel abverlangen.

Neben den ungewöhnlich tiefen Einblicken in diesen Spagat des täglichen Lebens erfährt der Leser ganz nebenher viel über die Kultur in Nepal, über Riten, die der Tourist im Vorübergehen zwar immer sieht, aber nie versteht. Unzählige dieser Merkwürdigkeiten des nepalischen Alltags erkenne ich wieder und verstehe sie nun besser. Zwei Wochen nach der Lektüre des Buches bin ich wieder in Kathmandu, treffe einen nepalischen Freund. Und kann es mir nicht verkneifen, zu fragen, ob sein kleiner Sohn ein Spiderman-Kostüm besitzt. Er schaut mich an, grinst und fragt: „Woher weißt du das?“

 

... und hier gibt's

Ildikos Reisetipps

2.1 Gerhard Haase-Hindenberg: Göttin auf Zeit

13. März 2001:

Ich stehe im Kumari Chowk, dem Innenhof des Palastes der Kumari in Kathmandu. Um mich herum etwa ein Dutzend andere Reisende, die wie ich neugierig sind auf die "lebende Göttin" von Nepal. Plötzlich wird es unruhig, aufgeregte Aufseher wuseln herum, achten darauf, dass auch ja niemand von uns seine Kamera zückt. Und dann steht sie da an einem Fenster im ersten Stock, in bunten Gewändern und mit grellrot geschminkten Lippen. Ihre großen, dick mit Kajal umrandeten Augen blicken irgendwie unbeteiligt, leer und leicht traurig über uns hinweg ... ein Anblick, den ich bis heute nicht vergessen habe.

 

Fünf Jahre später erschien das Buch des Publizisten Gerhard Haase-Hindenberg, und ich erfuhr mehr über die Kumari Amita, die nach der Ermordung der Königsfamilie am 1. Juni 2001 ihrer Nachfolgerin Platz machen musste. Weil sie in die Pubertät kam, aber hauptsächlich, weil sie als Inkarnation von Taleju, der Schutzgöttin des Königs und damit von ganz Nepal, für viele gläubige Nepalesen versagt hatte.

Der Autor, der die lebende Göttin schon bei ihrer Inthronisation mit drei Jahren kennengelernt hatte, führte lange Interviewsitzungen mit Amita Shakya, mit ihren Eltern, ihrer Vorgängerin Rasmila und mit hochrangigen Priestern, und so erfahren wir hier erstmals etwas über eine Kindheit hinter Tempelmauern, über diese hochkomplexe Glaubenswelt und die bislang geheimen tantrischen Riten des Kumari-Kults.

Dabei schreibt Haase-Hindenberg mit bemerkenswertem Einfühlungsvermögen und ohne erhobenen Zeigefinger. Aus jeder seiner Zeilen spricht die Liebe zu dem Land und seinen Bewohnern. Ein Muss für alle Nepalfreunde und solche, die es werden wollen.

1. Deutschland

1.2 Hedi Glock: Die Enten von Papenburg

Papenburg, der kleine Ort im Emsland, ist bekannt durch die Meyer-Werft, in der große Kreuzfahrtschiffe gebaut werden. Aber Enten in Papenburg …?

 

Nun, Papenburg ist durchzogen von Kanälen, ein ideales Revier für die Wasservögel. Meine Freundin Hedi nahm dies zum Anlass, einen Stadtführer der anderen Art zu schreiben:

 

In 21 mit bezaubernden Fotos der Autorin illustrierten Kapiteln erklärt sie aus der Sicht von drei neugierigen Erpeln die Besonderheiten der Stadt, die seit vielen Jahren ihre geliebte Wahlheimat ist.

Das liest sich augenzwinkernd und kritisch, anschaulich und kurzweilig … und nach der Lektüre eines jeden Kapitels ist man immer etwas schlauer geworden. Und hat am Ende das Gefühl, Papenburg und seine Geschichte(n) ganz gut zu kennen.

 

Das Büchlein (ISBN 978-3-939-772-24-8) ist für 9,50 Euro in allen Papenburger Buchhandlungen erhältlich.

 

... und das stand in der Zeitung:

Drei freche Erpel erkunden Papenburg

1.1 Anja Maier: Lassen Sie mich durch, ich bin Mutter. Von Edel-Eltern und ihren Bestimmerkindern

... ein "Reiseführer" der anderen Art:

Die taz-Journalistin Anja Maier ist für drei Monate zurückgekehrt in den Ostberliner Stadtteil Prenzlauer Berg. Nun steht sie vor der Tatsache, dass aus ihrem einst wilden Viertel in zehn Jahren eine kuschelige, durchsanierte Kleinstadt geworden ist. Das ehemalige Berliner Arbeitermilieu ist nicht wiederzuerkennen: etwa 80% der ursprünglichen Bewohner sind weggezogen, aus der Kaufhalle wurde ein Einkaufsparadies, aus verwunschenen Dachböden Lofts, aus Mietern Eigentümer, aus Bäckereien Backshops … und vor allem aus Kindern Prestigeobjekte.

 

Diese Kinder sind offensichtlich der einzige Lebensinhalt ihrer aus dem Westen zugereisten "Edel-Eltern“, die sich ihnen als Personal zur Verfügung stellen. Und so wächst hinter den Türen der Altbauwohnungen in Parkett-Kinderzimmern eine Generation heran, für die das Beste gerade gut genug scheint, die ihre Eltern fest im Griff hat, und für die das Motto gilt: "Me first“.

 

Persönliche, manchmal tragische und vor allem komische Geschichten aus dem "angesagtesten Familienbezirk der Republik".