Eine Reise gleicht einem Spiel.

Es ist immer etwas Gewinn und Verlust dabei

- meist von der unerwarteten Seite.

Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)

Besondere Reisen

Reisen in die mögliche Zukunft unserer Erde, Weltreisen, Reisen auf unbekannte Inseln, Bilderreisen in die Menschengeschichte und vieles mehr ...

16. Wilfried Hofmann: Abgelatscht

Nach ihrer vierjährigen Radtour um die Welt (s. weiter unten "Grenzenlos") hielt es das Ehepaar Hofmann gerade einmal drei Jahre in seiner thüringischen Heimat, bis es in ein neues Abenteuer aufbrach, diesmal zu Fuß. Und so wanderten die beiden vom Frühjahr 2014 bis zum Frühjahr 2016 stattliche 5740 Kilometer durch 11 verschiedene Länder, dies immer mit offenen Augen und Herzen für die Landschaft und vor allem für die Menschen, denen sie unterwegs begegneten. Sie trotzten Blasen und schlechter Witterung, mühten sich über steile Pässe, erlebten so manches Abenteuer und erfreuten sich vor allem an dem Schönen, das sie sehen und erleben durften.

 

Nun liegt also das Buch dieser Reise vor. Als bekennender Fan des Reiseblogs von Wilfried Hofmann konnte ich mir nicht vorstellen, dass es mich noch überraschen würde. Aber das Buch ist anders, ein eigenständiges und damit lesenswertes Medium, in dem noch einmal Hintergründe und Zusammenhänge der abenteuerlichen Wanderung verdeutlicht werden.

Einziges Manko: die abgebildeten Fotos sind zwangsläufig recht klein geraten und lassen nicht einmal ahnen, wie gut und schön die Originale sind. Diese sollte man sich unbedingt noch einmal auf der Webseite des Autors ansehen:

 

bitte aufs Buch klicken!

15. Hugo Kastner: Von Aachen bis Zypern

Von Aachen bis Zypern. Geographische Namen und ihre Herkunft. Anekdoten, Fakten und Vergleiche. Mehr als 3.500 Namen aus aller Welt.

 

Diesem Buchtitel ist kaum etwas hinzuzufügen. Der Herkunft von geografischen Namen ist der Hauptteil des Lexikons gewidmet, wobei die Stichworte in kleine Anekdoten, Geschichten und Randnotizen eingekleidet sind. Auch frühere Namen von Ländern stehen im Alphabet, und in Spezialkapiteln geht es um Familiennamen, die sich von Ortsnamen ableiten, um Wappen und Landschaftsformen, um von der Natur oder der Religion inspirierte Ortsnamen und vieles mehr.

 

Nicht nur eine wahre Fundgrube für jeden, der sich für Geografie und Etymologie interessiert, sondern auch zum Schmökern geeignet - und eine hervorragende Unterlage für geistreiche Partygespräche.

14. Ferne Gärten. Reisende über grüne Paradiese

Mit Alexander von Humboldt die schwimmenden Gärten in Mexiko bestaunen, mit Lady Montague einen Einblick in die Haremsgärten von Istanbul erhalten, mit Goethe den Hauch der Antike zwischen Oleanderbüschen in Palermo spüren, mit Gertrude Bell im Rosenduft persischer Gärten schwelgen …

eine literarische Weltreise zu wunderbaren Gärten, die teils längst vergangen sind und nur noch in den staunenden Beschreibungen der Reisenden von einst lebendig werden.

Prachtvolle historische Abbildungen runden das Buch ab und führen die exotischen Gewächse vor Augen, die die fernen Gärten schmückten. Ein Schätzchen zum Selber-Besitzen und Verschenken.

13. Howard L. Anderson: Albert – Ein glorreiches Schnabeltier

Das Schnabeltier Albert ist aus dem Zoo in Adelaide ausgebrochen und hat sich auf die Suche nach dem legendären Alten Australien begeben, in dem es noch mehr Exemplare seiner Art und keine Menschen gibt.

 

Unterwegs begegnen ihm ein pyromaner Wombat, ein kleinkrimineller Waschbär, ein Opossum, Bandicoots, Kängurus und Wallabys, Dingos und sogar ein echter Tasmanischer Teufel. Die einen werden zu Weggefährten, die anderen wollen ihn lieber am nächsten Baum aufknüpfen. Das Outback ist ein rauer Ort, aber zwischen Kneipenschlägereien und illegalem Glücksspiel, zwischen Schießereien und Verfolgungsjagden, brennenden Häusern und brutalen Kämpfen lernt Albert viel über Zugehörigkeit und Loyalität, über Mut - und nicht zuletzt über die Überwindung von Vorurteilen. Und er findet Freunde fürs Leben.

 

Wer sich an dem dämlichen deutschen Titel nicht stört (OT: Albert of Adelaide) und wer Australien kennt und mag, den erwartet mit Alberts Odyssee

ein spannender Abenteuerroman, eine typische Wildweststory und gleichzeitig eine lehrreiche Fabel.

12. Wilfried Hofmann: Grenzenlos. Mit dem Fahrrad 4 Jahre um die Welt

Vom 30. April 2007 bis zum 16. April 2011 radelten Wilfried und seine Frau Gisela um die ganze Welt und legten dabei 48 110 km zurück. Das flott zu lesende Buch berichtet von ihren Erlebnissen und intensiven Eindrücken auf der Reise und ist geprägt von der unmittelbaren Nähe zu den Menschen, die die beiden unterwegs treffen.

 

Wilfried schreibt ehrlich, mit Herz und Verstand. Er weiß Positives und Negatives richtig einzuordnen und zeigt Respekt in Bezug auf Natur und die Kultur der bereisten Länder. Auch nach Tausenden von geradelten Kilometern hat er das Staunen über die Schönheiten der Welt und die Freude an Begegnungen noch nicht verloren, und vor allem das ist es, was ihn und sein Buch so sympathisch macht. Davon können wir uns alle noch eine Scheibe abschneiden, und so sollten wir reisen!

 

Das Einzige, was ich bei diesem Buch wirklich vermisse, das ist eine Übersichtskarte mit der eingezeichneten Route der beiden Radler. Aber die gibt es ja vielleicht in der zweiten Auflage …

 

Mehr beim Klick aufs Buch.

11. Susanne Bemsel und Daniel Snaider: Erdanziehung – die große Reise. Abenteuer Weltumrundung

9. Februar 2014; ein historisches Datum: zum ersten Mal bespreche ich hier ein Buch, das ich noch nicht gelesen habe.

Aber gestern Abend war ich wieder einmal auf einer Dinnershow von "grenzgang" und erlebte den Daniel Snaider, seine Fotos, Videos und Erzählungen live … da kann das Buch nur gut sein!

Zudem liegt der Titel mittlerweile schon in der dritten Auflage vor. Aus dem Umschlagtext:

In einem Jahr nach Feuerland, ans Ende der Welt – mit dem Fahrrad. So der Plan von Susanne Bemsel und Daniel Snaider, obwohl Daniel mit Radfahren nicht viel am Hut hat. Erst nach vier Jahren und fünf Kontinenten kehren die beiden Altmühltaler Abenteurer in einem asiatischen Tuk Tuk in ihre Heimat zurück. Im Gepäck: ein Weltrekord.

Eine große Reise, packend erzählt und voller Emotionen.

 

Was mir persönlich besonders gefallen hat, das ist die Einstellung der beiden, die da lautet: Es gibt immer einen Weg, man muss ihn nur finden! und

¡Mañana es otro dia!

 

Zur Homepage der beiden geht es beim Klick aufs Buch.

10. Richard C. Morais: Madame Mallory und der kleine indische Küchenchef

Seine früheste Erinnerung ist der Duft von scharfem Curry. Als Hassan Haji über einem turbulenten Imbissladen in Bombay das Licht der Welt erblickt, ahnt niemand, welch großes Talent in ihm steckt. Erst Tausende Kilometer entfernt, in einem verschlafenen französischen Dorf, entdeckt der Junge seine Leidenschaft für die hohe Kunst des Kochens. Mit seiner Familie eröffnet er ein indisches Restaurant, und das sehr zum Missfallen der alteingesessenen Madame Mallory, deren Sterne-Gourmettempel sich direkt gegenüber befindet …

 

"Köstlicher Lesegenuss, witzig und sensibel geschrieben" fand die Zeitschrift "Essen & Trinken" (Ausg. vom 01.03.2012).

Na ja, "sensibel" ist das Buch vielleicht dann, wenn man über die Praxis des Gänsestopfens, über Treibjagden und die Fließband-Tötung von Hühnern hinweglesen kann. Wer dann auch noch die ganzen Ungereimtheiten im Lebenslauf der indischen Familie in Kauf nimmt, der kann sich allerdings auf eine ausgesprochen anregende Reise in die Welt der Gastronomie begeben. Eine Reise, auf der oft das Wasser im Mund zusammenläuft, auf der man exotische Gewürze riechen und raffinierte Gerichte in schweren gusseisernen Töpfen brutzeln hören kann.

9. Wenn ich dich umarme, hab keine Angst. Eine wahre Geschichte erzählt von Fulvio Ervas

Diese Reise beginnt lange vor dem Aufbruch, sie beginnt mit der Diagnose: "Ihr Kind ist wahrscheinlich autistisch." Jahre später fahren Franco Antonello und sein mittlerweile 17jähriger Sohn Andrea mit dem Motorrad quer durch die USA und reisen weiter über Mittelamerika bis nach Brasilien.

 

Wer hier die genaue Darstellung einer Krankheit oder gar einen detaillierten Reisebericht über den amerikanischen Kontinent erwartet, der wird enttäuscht sein. In dem Buch, das in Italien schon ein Bestseller ist, geht es um den Roadtrip eines Vaters mit seinem autistischen Sohn durch Amerika. Ein Abenteuer, das durch kontrastreiche äußere und innere Landschaften führt und Vater und Sohn einander näherbringt.

 

Mit 22 Farbfotos von Franco Antonello

8. Helge Hesse: Bilder erzählen Weltgeschichte

Wem man wie mir in der Schule den Spaß an Geschichte genommen hat, der sollte sich mit dem vorliegenden Buch auf eine ganz besondere Reise begeben.

 

In Gemälden, Drucken und Zeichnungen, die auf sehr verschiedene Weise historische Ereignisse abbilden, erfährt man hier in kurzweiliger Form nicht nur von der Weltgeschichte selbst, sondern auch von den Geschichten hinter den Bildern.

 

Das Spektrum reicht dabei von den Höhlenmalereien vor etwa 35.000 Jahren bis hin zur Befreiung von Bagdad und dem Ende des Irakkriegs im Jahr 2003.

 

Helge Hesse studierte Philosophie und BWL und ist als freier Autor und Publizist zu historischen, kulturellen und wirtschaftlichen Themen tätig. Es gelingt ihm mit Leichtigkeit, uns auf eine unterhaltsame Bilderreise durch die Weltgeschichte mitzunehmen, indem er Menschen zum Leben erweckt und uns die verschiedenen Schauplätze lebendig vor Augen führt.

 

Und plötzlich wird die Reise durch die Geschichte zu einer ausgesprochen interessanten und spannenden Sache.

7. Jeannette Walls: Ein ungezähmtes Leben

In Ich-Form erzählt die Autorin die Lebensgeschichte ihrer Großmutter Lily, einer starken und eigensinnigen Frau, die sich nicht nur im Umgang mit wilden Pferden, sondern auch als Lehrerin, Rancherfrau, Schnapsschmugglerin, Pokerspielerin, Flugzeugpilotin und Mutter bewährte und Anfang des 20. Jahrhunderts den "Wilden Westen" unsicher machte.

 

Ein nicht nur wegen der alten Schwarzweiß-Fotos authentisch wirkendes, leicht lesbares Buch, das The New York Times mit den Worten beschrieb: "Spritzig erzählt und voll kluger Lebensweisheiten. Jeannette Walls ist eine verdammt gute Geschichtenerzählerin."

6. John Oldale: Doktor Oldales Geographisches Lexikon

Die ganze Welt in einem Buch. John Oldale, ein Mitglied der Royal Geographical Society, verbrachte die letzten dreißig Jahre damit, kreuz und quer durch die Welt zu reisen auf der Suche nach Ungewöhnlichem und Obskurem.

"Who, or Why, or Which, or What …?" lautet dann auch der Originaltitel dieses seines ersten Buches, das sich von ähnlichen "Wissenssammlungen für Klugscheißer" schon deshalb abhebt, weil der Autor die überraschenden Fakten, Wissenswertes und Skurriles vor Ort selbst zusammengetragen hat.

 

The Wall Street Journal bezeichnete das Buch als "ein Kompendium von begrenztem Nutzen, aber unendlicher Faszination über jedes Land unserer schönen Erde". Ein wahres Wort, denn wer sich schmökernd und blätternd auf Entdeckungsreise begibt, der erfährt unterwegs beispielsweise, dass Pakistan in einem Reihenhaus in Cambridge erfunden wurde, dass es in Moldawien die höchste Sterberate pro Kopf durch elektrische Rasenmäher gibt, dass irisches Guinness weniger Kalorien hat als fettarme Milch oder auch, wo das Nichtbetätigen der Klospülung 150 Dollar Strafe kostet.

 

Wer dieses Lexikon in Händen gehalten hat, sieht die Welt mit anderen Augen.

5. Marc Helsen: Road to Nowhere. Eine Reise in die vergessenen Länder der Welt

Auch wenn die Reportagen schon aus dem Jahr 2006 stammen, so haben sie leider nichts von ihrer Aktualität verloren. Das Auswärtige Amt rät noch immer von Reisen in die Länder und Regionen ab, die Marc Helsen besuchte:

Nordkatanga im Kongo beispielsweise, der Norden Ugandas, Somalia, das an den Sudan grenzende Gebiet des Tschad, das Bergland von Bangladesch, Haiti, Afghanistan …

 

Der Reisejournalist Helsen erkundete das Leben vor Ort, sprach mit Friseuren und Kneipenwirten ebenso wie mit Flüchtlingen, Opfern von Kriegsverbrechen, Soldaten und Mitarbeitern von Hilfsorganisationen. In den "vergessenen Ländern" war er häufig zu Gast bei den Teams von "Ärzte ohne Grenzen", und so geben seine Berichte auch einen Einblick in die Arbeit dieser legendären Hilfsorganisation.

 

Helsens Sinn für Humor sorgt dafür, dass sich seine Reportagen nicht in einer endlosen Schilderung von Elend verlieren, und trotzdem ist dieses wichtige Buch schwer verdauliche Kost, die man nicht in einem Durchgang lesen kann.

4. Judith Schalansky: Taschenatlas der abgelegenen Inseln

Der "Atlas der abgelegenen Inseln" wurde u. a. mit dem 1. Preis der Stiftung Buchkunst als das "Schönste Buch des Jahres 2009" ausgezeichnet. Leider ist es mit 34 Euro kein Schnäppchen, zudem als Reiseführer kaum zu gebrauchen, denn wer kennt schon Inseln mit Namen "Einsamkeit", "Himmelfahrtsinsel" oder "Possession-Insel", möchte dort gar seinen Urlaub verbringen?

 

Aber der "Atlas" ist ein wunderbares Buch, um zu träumen und "island hopping" im Lesesessel zu machen, und seit kurzem gibt es auch die Taschenbuchausgabe für nur 14,99 Euro: "klein, sexy und genauso kultverdächtig" wie sein Vorgänger entführt es uns auf 50 abgelegene Inseln.

 

Inseln, die es wirklich gibt, und die verzeichnet sind mit Koordinaten, Größe in Quadratkilometern und Anzahl der Bewohner (so denn welche vorhanden). Zeichnungen der Inseln im Maßstab 1:75000, Entfernungstabellen und kleine Geschichten zu den Inseln komplettieren das Ganze.

 

Dabei spinnt die Autorin aus historischen Begebenheiten und naturwissenschaftlichen Berichten zu jeder Insel eine Prosaminiatur, "absurd-abgründige Geschichten, wie sie nur die Wirklichkeit sich auszudenken vermag, wenn sie mit wenigen Quadratkilometern im Nirgendwo auskommen muss. Sie handeln von seltenen Tieren und seltsamen Menschen, von gestrandeten Sklaven und einsamen Naturforschern, verirrten Entdeckern und verwirrten Leuchtturmwärtern, meuternden Matrosen und vergessenen Schiffbrüchigen, braven Sträflingen und strafversetzten Beamten, kurzum: von freiwilligen und unfreiwilligen Robinsons."

 

Und sind wir nicht alle ein bisschen Robinson?

3. Helge Timmerberg: In 80 Tagen um die Welt

Elf Monate jünger als ich ist er, und ich beneide ihn um seinen Lebenslauf: während wir auf unserem Mädchengymnasium brav fürs Abi paukten, trampte er (mit 17 Jahren!) zum ersten Mal nach Indien und entschloss sich im Himalaya, Journalist zu werden …

 

Nun, da wir beide zu den Oldies gehören, legt Helge Timmerberg seine "Bekenntnisse eines alternden Reisenden" vor, wie ein Rezensent es nannte. Vordergründig geht es in dem Buch "In 80 Tagen um die Welt" um eine Reise auf den Spuren von Jules Verne mit Stationen wie Kairo, Bombay, Bangkok, Shanghai, Tokio, Mexico City, Kuba und Dublin, aber es ist mehr:

Es ist ein Selbsterfahrungstrip zum Thema Heimat und Alter, bereichert durch philosophisches und spirituelles Gedankengut von Schopenhauer über Jesus bis zu Buddha – gleichzeitig aber auch die Schilderung eines Traveller-Lebens zwischen Sex und Drogen, Alkohol – und immer wieder dem Rauchen.

 

Ein Buch, das mit seinen ganzen Reflexionen besonders ältere Semester ansprechen dürfte. Für mich gibt es darin nur einen Satz (auf Seite 59), der mir überhaupt nicht gefallen hat, und dem ich nicht zustimmen kann:

"Es hat sich ausgeträumt."

Im Rahmen einer "Kulinarischen Lesereise" sprach ich in Ratingen mit dem (übrigens ausgesprochen sympathischen) Autoren darüber – und gleichzeitig mit seiner Signatur bekam ich netterweise (und unaufgefordert!) eine Entschuldigung in mein Exemplar:

2. François Lelord: Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück

Den Psychiater Hector bedrückt die Frage, warum er ständig Leute auf die Couch bekommt, die nach ihrer Lebens- und Karriereplanung eigentlich überglücklich sein müssten. Und so beschließt er zu verreisen, um dem Geheimnis des Glücks auf die Spur zu kommen.

 

In China, in Afrika und an der Westküste der USA sucht er nach Antworten auf seine Fragen nach dem Glücklichsein, um diese dann akribisch in seinem Notizbuch festzuhalten. Am Ende seiner abenteuerlichen Reise hat Hector dann 23 Lektionen notiert und erkennt: nichts ist einfacher, als wahres Glück zu finden.

 

Viele Kritiker haben Lelords stark autobiographischem Buch vorgeworfen, dass es in einer „Kindersprache" geschrieben ist. Aber genau das geschieht nicht grundlos:
Hector entdeckt die Welt neu, indem er sie wie ein Kind betrachtet: Vorurteilsfrei, frei von Gedanken, die den Blick auf das Wesentliche verstellen, etwas naiv - und stets offen, sich dem Leben zuzuwenden.

 

Damit führt der Autor die lange Tradition poetischer und sinnstiftender „Erbauungsliteratur" aus Frankreich (von Antoine de Saint-Exupéry bis zu Eric-Emmanuel Schmitt) mit großem Erfolg und auf das Charmanteste weiter.

1. Alan Weisman: Die Welt ohne uns. Reise über eine unbevölkerte Erde

"Die Erde könnte ohne uns sein, aber wir nicht ohne sie" schreibt Alan Weisman im Nachwort seines Buches.

 

Und genau darum geht es letztendlich in dem 2007 erschienenen Buch des amerikanischen Journalisten, das auch in Deutschland zum Bestseller wurde.

Das Thema bewegt, wie alleine schon die ungewöhnlich vielen Besprechungen bei amazon zeigen. Dabei gehen die Meinungen zu diesem Buch stark auseinander.

 

Weisman zeigt auf, was der Mensch in Jahrtausenden zu schaffen vermochte, aber auch über welch unerhörte Macht die Natur verfügt. Gestützt auf das Wissen von Biologen, Geologen, Physikern, Architekten und Ingenieuren entwirft Weisman Schritt für Schritt das faszinierende Szenario einer unbevölkerten Erde.

Was würde passieren, wenn die mit so viel Unvernunft ausgestattete Gattung Homo sapiens plötzlich und spurlos von der Welt verschwände? Was würde aus unseren Megastätten, aus den architektonischen Meisterwerken, was aus dem Kölner Dom? Und was würde aus der Natur ohne Umweltverschmutzung, ohne Krieg, ohne Raubbau und unnatürliche Zerstörung?

Weismann spannt den Bogen von zwei Tagen bis zu 6,5 Milliarden Jahren: schon nach einem Jahr wachsen Blumen durch den Asphalt der Straßen, und Kletterpflanzen und Tiere erobern die Städte. Nach 300 Jahren sind weltweit Deiche und Dämme durchweicht, und Großstädte wie Hamburg werden einfach weggewaschen. Was am längsten überdauert und auf unsere Anwesenheit auf dem Planeten hindeuten wird, ist Plastik ...

 

Nachtrag; März 2011:

Angesichts der Katastrophen in Japan ist vor allem das Kapitel "Strahlendes Vermächtnis" schwer verdauliche Kost; das Buch insgesamt nicht nur "nachdenklich machend" wie zuvor geschrieben, sondern darüber hinaus nur in kleinen Dosen erträglich.