Ein Land mit vielen Facetten ... Indien im Buch

 

Wer Indien kennen will, der braucht drei Leben.

Indische Weisheit


aus Oskar Koller: Aquarelle

Seit meiner ersten Reise nach Indien im Jahr 1996 habe ich nahezu 300 Bücher zum Thema gesammelt (meist Sachbücher und Bildbände, dazu einige Biografien und Erzählungen) ... und noch mehr gelesen.


Reine Reiseführer wird man hier nicht finden, dafür aber eine Mischung unterschiedlichster Genres, bunt wie das Land selbst.

Es lohnt sich, hier ab und zu wieder rein zu schauen, denn es kommen immer noch neue Titel hinzu!

45. Per J. Andersson: Vom Inder, der mit dem Fahrrad bis nach Schweden fuhr, um dort seine große Liebe wiederzufinden. Eine wahre Geschichte.

Wer aufgrund des Titels und der Beschreibung auf der Rückseite des Buches zu wissen glaubt, um was es in diesem Buch geht, der dürfte beim Lesen enttäuscht werden. Es ist keine Liebesgeschichte im eigentlichen Sinn und auch nicht die Beschreibung einer 7000 Kilometer langen, abenteuerlichen Radtour.

Hier geht es hauptsächlich um das außergewöhnliche Schicksal des kastenlosen Pradyumma Kumar, genannt PK (Pikay). In ärmlichen Verhältnissen in Orissa aufgewachsen, kennt er nur Extreme: mal wird der talentierte Porträtzeichner von Indira Gandhi eingeladen, sie zu malen, mal muss er hungern und schläft auf der Straße.

Im Jahr 1975 taucht neben seiner Staffelei auf dem Connaught Place in New Delhi die junge Schwedin Lotta auf - und die schier unglaubliche Geschichte, die mit der Weissagung eines Astrologen bei Pikays Geburt begann, nimmt Fahrt auf. Lotta reist zurück nach Schweden, aber irgendwann setzt sich Pikay auf ein altes Fahrrad und fährt ihr hinterher ...

 

Der Journalist Andersson reiste in den letzten 30 Jahren mindestens einmal jährlich nach Indien und ist in Bezug auf Kultur, Religion und Alltagsleben des Landes ausgesprochen bewandert. So ist denn auch dieses Buch mit seinen 24 Schwarzweiß-Fotos im Anhang ein echter Pageturner vor allem für Leser, die sich mit und in Indien etwas auskennen.   

44. Das koloniale Auge. Frühe Porträtfotografie in Indien. Für die Staatlichen Museen zu Berlin hrsg. von Ludger Derenthal u. a.

Der europäische Blick auf eine fremde Welt. Erstmals wird einer der weltweit bedeutendsten Bestände historischer Porträtfotografie Indiens präsentiert. Die Sammlung galt als Kriegsverlust und gelangte in Teilen erst in den 1990er Jahren wieder zurück in die Staatlichen Museen zu Berlin. Rund 250 Bilder bieten einen umfassenden Blick auf die indische Porträtfotografie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die in jener Zeit populäre und ungeahnt facettenreiche ethnografische Fotografie wird kontrastiert mit Straßenporträts von Handwerkern und Adelsporträts islamischer Fürsten und Prinzessinnen, Maharadschas und Clan-Chefs.

 

Ob nun echt oder inszeniert; für mich bietet dieser Bildband einen großartigen Einblick in ein Indien, das so nicht mehr existiert.

43. Ilija Trojanow und Anja Bohnhof: Stadt der Bücher

Hätte ich mir diesen Titel in meiner Buchhandlung angesehen anstatt ihn bei amazon zu bestellen, dann hätte ich ihn garantiert nicht gekauft. Leider kann ich nämlich nicht in das Loblied der Laien-Rezensenten einstimmen, die das Buch ausnahmslos positiv beurteilen. 

 

"Stadt der Bücher", damit ist die College Street samt einiger kleiner Nebenstraßen im indischen Kolkata gemeint; mit über 10.000 Buchläden und zahlreichen Verlagen auf ihre Art einmalig auf der Welt.

 

Wie diese Straße hier jedoch vorgestellt wird, das fand ich auf Anhieb ziemlich enttäuschend; was hätte man nicht alles aus dem Thema machen können!

 

Zwar bürgt der Name Trojanow für Qualität, und der Autor, der lange Jahre in Indien lebte, beschreibt die College Street und ihre Geschichte dann auch sehr interessant und anschaulich.

Aber die Bilder sprechen leider eine andere Sprache. Es hat sich nicht gelohnt, dass die Fotografin ganze Straßenzüge sperren ließ, um menschenleere Bücherstände abzulichten, dazu alle auch noch im gleichen Format und Maßstab. Trotz der indischen Farbenvielfalt und einem gelegentlichen exotischen Schriftzug wirken diese Stände einfach nur langweilig und tot. Da können auch die ab und zu eingestreuten doppelseitigen Fotos mit einigen Menschen auf der Straße nichts mehr herausreißen.

Dieses Buch zeigt weder Indien noch vermittelt es das, was Lesen bedeutet, nämlich Freude. Hier herrscht zwar eine gewisse Fülle vor, aber vor allem viel Tristesse und Langeweile. Bei dieser Art der Darstellung bekomme ich nicht einmal die Spur einer Ahnung von dem "Labyrinth aus bedrucktem Papier", das Trojanow so wunderbar beschreibt: "… von den Bürgersteigen zu den Durchgängen, von Türen über Treppen bis hinauf zu vollgestopften Dachgeschossen stapeln sich Bücher zu Fassaden, Ecken und Erkern". Leider ist davon nichts zu entdecken.   

 

Außerdem ist das Büchlein mit einem Format von nur 18,6 x 14,6 cm und mit einem Preis von 14,99 Euro viel zu klein für einen Bildband und definitiv zu teuer für ein Geschenkbändchen.

 

Mein Tipp: abwarten, bis der Titel im modernen Antiquariat angeboten wird! Für etwa die Hälfte des Neupreises ist es ein nettes, kleines Mitbringsel für bibliophile Freunde und für Indien-Liebhaber.

42. Zeit für Indien. 27 Traumziele zum Wohlfühlen

Der Fotograf:

nicht zuletzt der Name Olaf Krüger bewog mich dazu, den vorliegenden Titel zu kaufen. Spezialgebiet des Fotojournalisten ist nämlich Indien, und kaum ein Fotograf kennt das Land so gut wie er, der es seit vielen Jahren jährlich für mehrere Monate bereist.

 

Die Autoren:

Auch das Ehepaar Edda und Michael Neumann-Adrian ist in Sachen Indien keine unbekannte Größe; die beiden schrieben über ihr "Traumland" bereits einige Bücher, einen Reiseführer sowie Artikel in "Merian" und "Geo".

 

Das Thema:

"Das Land der Maharadschas entdecken und genießen" steht auf dem Umschlag, und darum geht es: Landschaften von ursprünglicher Schönheit entdecken, märchenhafte Maharaja-Paläste erkunden und sich in originellen und luxuriösen Hotels verwöhnen lassen … "Zeit für Indien" stimmt darauf verführerisch ein.

Wir erleben 27 Reisen zu Orten von besonderer Magie, vom Hausboot-Urlaub in den Backwaters von Kerala im Süden über die Foto-Tigersafari im Ranthambore NP bis hin zu einer Reise auf Kiplings Spuren nach Shimla im Himalaya.

Ob Kultur-, Abenteuer- oder Wellnessreise oder gar alles zusammen: nach der Lektüre ist alles möglich!

Die vollständig überarbeitete und aktualisierte Ausgabe von 2012 (die Erstausgabe erschien 2002) bringt zu jedem vorgestellten Ort Ausflugstipps, Adressen ausgewählter Hotels und Detailkarten.

 

Und auch wer nicht nach Indien reisen will oder kann, dem bietet dieses Buch eine wunderbare, exotische Reise im Lesesessel. Einfach zum Wegträumen …

41. Aravind Adiga: der weiße Tiger

Balram, genannt "der weiße Tiger" und der klügste Junge in einem indischen Dorf, wird von einem sehr reichen Mann als Fahrer für seinen Sohn engagiert und kommt mit diesem nach Delhi.

 

Hier entdeckt Balram eine neue Welt voller Geld und Korruption, Alkohol und Macht. Durch seine Augen sehen wir das heutige Indien der Kakerlaken und Callcenter, der Prostituierten und Gläubigen, der alten Traditionen und der Internetcafés, der Wasserbüffel und des mysteriösen "weißen Tigers", der vom Diener zum Philosophen und zum Unternehmer wird. Eine Flucht aus dem Sklavendasein, die ohne Blutvergießen nicht möglich war …

 

Der 2008 erschienene Debütroman provoziert und polarisiert. Er ist amoralisch und respektlos, anrührend und absolut zeitnah, und "Publishers Weekly" nannte ihn mit Recht "The perfect antidote to lyrical India", also das perfekte Gegenmittel zu den ganzen Indien-Büchern voller Saris, exotischer Düfte und Gewürze, voller Tabla-Musik und Maharajas.

Mein absolutes Lieblingsbuch:

40. Martin Hürlimann: Indien. Baukunst, Landschaft und Volksleben

Der Bildband mit 304 Abbildungen in Kupfertiefdruck erschien 1928 in Berlin im Ernst Wasmuth Verlag (Reihe "Orbis Terrarum") und ist so gut wie nicht mehr erhältlich.

 

Badende im Heiligen Teich des Shiva-Tempels von Chidambaram, Pilger an den Ghats von Varanasi, Sadhus, der Palast von Amber, die Straßen von Udaipur, die Kokoshaine der backwaters … das alles sieht auf den alten Fotos so vertraut aus und gleichzeitig fremd, lässt mich eintauchen in längst vergangene Tage.

 

Wertvoll wird dieser Band für mich auch durch die Geschichte, wie er zu mir kam:

Vor einigen Jahren wurde der Titel bei eBay angeboten, und ich steigerte mit, stieg aber bei 60 Euro aus, da ich das Buch nicht kannte und es eigentlich nur wegen des Titels haben wollte. Für 110 Euro nochwas wechselte es dann den Besitzer, und ich war traurig.

 

Aber nicht lange, denn unglaublicherweise wurde der gleiche Titel in der darauffolgenden Woche noch einmal angeboten - und kaum beachtet. Dabei handelte es sich hier um ein bedeutend besser erhaltenes Exemplar mit Schutzumschlag, zudem um eine Erstausgabe.

Nach sieben Tagen war der Bildband meiner. Für 32 Euro und sogar mit handschriftlicher Widmung des Fotografen vom 13. Oktober 1928.

 

In Indien würde man so etwas vielleicht Karma nennen …

39. Bruno Ziauddin: Curry-Connection. Wie ich zu fünf Tanten, 34 Cousins und einem neuen Namen kam

Bruno Ziauddin, der 1965 geborene Sohn eines indischen Ingenieurs und einer Schweizer Krankenpflegerin, wuchs in Zürich auf. Nach dem Tod seiner Eltern beschließt der Journalist, zum ersten Mal in das Heimatland seines Vaters zu reisen, für das er sich bisher nie interessierte. In Madras angekommen, erlebt er erst einmal einen Kulturschock:

 

"Rauchschwaden wabern durch die Dämmerung, abgemagerte Gestalten kauern am Straßenrand, jemand scheint seine Notdurft zu verrichten. Ein überwältigender Gestank, faulig, übersüß, nach Tod und Leben zugleich riechend, dringt ins Auto. Ein halbnackter Mann humpelt über die Kreuzung. Seine Beine sind so dünn wie zwei eingerollte Regenschirme. Einen Moment lang glaube ich, dass mir schlecht wird." (S. 23f.)

 

Doch dann wird aus dem abenteuerlichen Besuch bei den indischen Verwandten eine Reise, die sich als die absurdeste, schönste, aufreibendste und berührendste seines Lebens herausstellen soll. Sie veranlasst den Autoren, dem Werdegang seines Vaters nachzuspüren, und was es für ihn selbst bedeutet, ein Multikulti-Kind zu sein.

Eine auch nach London und Ghana führende, leicht zu lesende und mit 29 Fotos illustrierte "Spurensuche in Zeiten der Globalisierung".

38. Rainer Krack: Hinduismus erleben

Wenn jemand Indien kennt, dann Rainer Krack, der seit 1978 "ständiger Besucher" auf dem Subkontinent ist.

Und wenn sich jemand anschaulich, umfassend und doch kompakt über Hinduismus informieren möchte, dann ist dieses kleine Buch aus der "Praxis"-Reihe von "Reise Know-How" erste Wahl.

 

Der Hinduismus ist für den westlichen Betrachter eine der verwirrendsten und undurchschaubarsten Religionen, die es gibt. Wer aber den Hinduismus nicht versteht, der wird auch Indien nicht begreifen. Hier schafft das Büchlein Abhilfe; nach seiner Lektüre sind Indien und der Hinduismus um vieles verständlicher geworden.

 

Die Bandbreite der behandelten Themen reicht dabei vom Vedismus als Vorläufer des Hinduismus über die heiligen Schriften, die Götter und das Kastensystem bis hin zum Hinduismus im Alltagsleben und den Auswüchsen des Hinduismus wie Kinderehen, religiöse Prostitution und politischer Extremismus.

 

Ein Glossar und Literaturtipps runden das Buch ab, das meiner Meinung nach zur Pflichtlektüre eines jeden Indienreisenden gehört.

37. Axel Gomille: Mein Dschungelbuch

Der Diplom-Biologe Axel Gomille (Jahrgang 1970) arbeitet beim ZDF als Redakteur mit dem Schwerpunkt Naturdokumentation. Seine Tätigkeit als Fotograf und Autor führte ihn in viele der schönsten Naturreservate der Erde, doch Indien hat es ihm besonders angetan.

 

Schon während seines Studiums arbeitete er in verschiedenen Tigerreservaten, und auf weiteren Reisen durch die unterschiedlichsten Regionen des Landes verbrachte er etliche Monate in der Wildnis – eine wunderbare Gelegenheit, um die Tiere des Dschungelbuchs kennenzulernen.

 

Und alle stellen sich uns auf großartigen, mehrfach von der BBC ausgezeichneten Fotos und in packenden Texten vor: Shir Khan der Tiger, Balu der Bär, Kaa die Schlange, Hathi der Elefant, Akela der Wolf und Baghira der Panther …

36. Ilija Trojanow und Thomas Dorn: Kumbh Mela. Indien feiert das größte Fest der Welt

Alle 12 Jahre entsteht in der Nähe der Stadt Allahabad für wenige Wochen die größte Zeltstadt der Welt: Millionen von hinduistischen Pilgern finden sich ein, um sich mit einem rituellen Bad von ihren Sünden zu befreien.

 

Für das heilige Kumbh Mela-Fest verlegt die Regierung des indischen Bundesstaates Uttar Pradesh bis zu 450 Kilometer Strom- und 145 Kilometer Wasserleitungen. Es werden etwa 140 Kilometer Straßen gebaut, bis zu 20 000 Toiletten und 15 Pontonbrücken errichtet und über 5 000 Telefonanschlüsse installiert. Eine gewaltige Kulisse, vor der sich bis zu 30 Millionen Menschen am Zusammenfluss der heiligen Flüsse Ganges und Jamuna treffen.

 

Die Fotografien von Thomas Dorn führen mitten hinein in den Trubel, berauschen sich am Spiel der Farben und nähern sich einfühlsam den einfachen Pilgern, den Sadhus, Schaustellern und Händlern.

Und Ilija Trojanow erzählt – in der besten Tradition der literarischen Reportage – wie ein scheinbar regelloses buntes Treiben nach einem mehrwöchigen festen Drehbuch abläuft und doch immer wieder neu und überraschend erschaffen wird:

 

Incredible !ndia

35. Gayatri Devi: A Princess Remembers

In dieser lesenswerten und klugen Autobiographie erzählt die am 29. Juli 2009 verstorbene Maharani von Jaipur ihre Lebensgeschichte, vom unbeschwerten Aufwachsen im Palast von Cooch Behar / Indien über ihre Heirat mit Man Singh II, dem Maharaja von Jaipur und ihre Reisen nach England bis hin zur ihrem sozialen Engagement und der politischen Arbeit.

Viele historische Fotos illustrieren das Buch der Frau, die in ihrer Jugend von dem Modemagazin 'Vogue' zu einer der zehn schönsten Frauen der Welt gekürt wurde. Im Zusammenhang mit den lebendigen Erzählungen der Maharani ergeben sie ein wertvolles Zeitdokument, in dem wir viel über das Leben der Adligen im Indien der 1920er bis 1960er Jahre erfahren, über Tigerjagden und Frauengemächer, Bräuche, Feste und Familienleben.

 

Deutscher Titel: "Erinnerungen einer Prinzessin"

34. Andreas Pröve: Mein Traum von Indien. Mit dem Rollstuhl von Kalkutta zur Quelle des Ganges

… und noch eine Reise längs des Ganges. Aber diese Reise ist anders. Der Fotoreporter Pröve bereist den Fluss von der Mündung im Golf von Bengalen bis hin zur Quelle. Und er reist im Rollstuhl.

 

Andreas Pröve wurde 1957 geboren und sitzt seit einem Motorradunfall als 23jähriger querschnittsgelähmt in einem Rolli. Schon drei Jahre nach seinem Unfall brach er zu seiner ersten Indienreise auf und tourte später monatelang durch Asien.

 

Eines Tages macht er dann seinen Traum von Indien wahr und folgt dem Ganges von Kolkata bis zur Quelle. Das letzte Stück im Himalaya tragen ihn Sherpas über Schluchten und gefährliche Klettersteige. Aber wichtiger als das Ziel ist der Weg: weil der Rollstuhlfahrer immer wieder auf Hilfe angewiesen ist, kommt er den Menschen am Ganges und dem Land ungewöhnlich nahe. Und er versteht es, davon mit ansteckendem Witz und der Offenheit dessen zu erzählen, der das Leben liebt.

 

s.a. Nr. 6: "Erleuchtung gibt's im nächsten Leben"

33. Uwe Dürigen und Katharina Kemper: Der Himmelsfluss Ganges und seine heiligen Männer

Der 2008 erschienene Bildband aus der berühmten Reihe "terra magica" ist das Gemeinschaftswerk des Fotografen Uwe Dürigen und seiner Frau Katharina Kemper, einer studierten Touristik-Fachwirtin.

 

Sadhus, Babas oder auch Sanyassins, wie sich die heiligen Männer Indiens nennen, machen an der Gesamtbevölkerung einen Anteil von einem halben Prozent aus, und man könnte sie damit als exotische Randerscheinung in der indischen Gesellschaft ansehen. Aber auf dem Subkontinent bedeutet ein halbes Prozent ganze fünf Millionen Asketen!

 

Der Bildband trägt dieser Fülle Rechnung und zeigt uns in beeindruckenden Fotos und einem sachkundigen Begleittext das Leben der Sadhus. Von den täglichen, uralten Ritualen über die Pilgerreise zur Quelle des Ganges und das riesige religiöse Fest Kumbh Mela bis hin nach Varanasi und zu den Verbrennungsghats am Himmelsfluss.

32. Ilija Trojanow: Der Sadhu an der Teufelswand. Reportagen aus einem anderen Indien

Trojanow ist Kosmopolit und Indien-Kenner, wohnte jahrelang in Mumbai. Von seinen ausgiebigen Reisen im Land brachte er Geschichten mit, die vorab in verschiedenen deutschen Zeitungen erschienen und ein zeitgemäßes Bild des vielfältigen Subkontinents zeigen.

 

Der tägliche Kampf zwischen Tradition und Moderne bestimmt nicht nur den Alltag, sondern auch die Einstellung und den Glauben der Menschen Indiens. In seinen farbigen und lebendigen Reportagen führt uns Trojanow in ein Indien jenseits der üblichen Klischees und Vorstellungen.

 

Da geht es beim Kamelmarkt in Pushkar um Tradition, es geht um Umweltschutz bei den Bishnoi in der Wüste Thar, um Massenbewegungen wie den Protest gegen ein Großstaudammprojekt, um Sport, IT und MTV. Daneben führt die Reise zu ungewöhnlichen Festen, zu kaum bekannten Gemeinschaften, skurrilen Ereignissen und schließlich in die brodelnde Metropole Mumbai.

 

Insgesamt zeigt Trojanow mit seiner Vielfalt an Themen und Perspektiven ein genaueres und zugleich unterhaltsameres Porträt des Landes, als das ein Reiseführer je könnte.

 

s. a. Nr. 21: "An den inneren Ufern Indiens"

31. Boris Potschka und Peter Pannke: Indien. Fest der Farben

Indiens Farben sind anders. Und die Farben haben in Indien eine andere Bedeutung als bei uns. Hier offenbart sich eine Jahrtausende alte und farbenfreudige Kultur, die die Welt aus einem für uns ungewohnten Blickwinkel betrachtet, und deren Umgang mit Farben eher tänzerisch, rhythmisch und musikalisch ist.

 

So folgen denn auch die Bilder, die der 1969 geborene Fotograf Boris Potschka bei seiner Begegnung mit Indien einfing, dem Rhythmus der Tageszeiten:

Vom zarten Weiß der Morgendämmerung zum intensiven Rot der Hochzeitsfeiern; vom anregenden Gelb des Safran und den ockerfarbenen Roben über die strahlenden Türkistöne der Täler im Himalaya und das Grün der Palmenhaine Keralas am Nachmittag zum allumfassenden Indigo der blauen Wüstenstadt Jodhpur – bis sich schließlich alle Farben in den Schattenrissen des Abends auflösen.

 

In dem Essay, der die Sequenz der Bilder begleitet, spürt der Indologe Peter Pannke den Klängen und verborgenen Bedeutungen nach, die immer wieder durch die Farben hindurchschimmern. Er macht uns den indischen Farbenkosmos zugänglich, in dem sich die Tageszeiten spiegeln, die Stationen des Jahreslaufs und der Zyklus von Geburt und Tod.

30. Valmik Thapar: Im Land des Tigers. Eine Naturgeschichte Indiens

Die weiten Landstriche zwischen Pakistan im Westen und Bangladesch im Osten, zwischen dem Himalaya im Norden und Sri Lanka im Süden sind die Heimat einer atemberaubenden Vielfalt einzigartiger Pflanzen und faszinierender Tiere.

 

Wie in Rudyard Kiplings "Dschungelbuch" haben hier auch heute noch Bären und Tiger, Elefanten und Affen, Krokodile und Kobras ihr Revier. In kargen Steppen überleben Wildesel und Bussarde, im Himalaya jagen Schneeleoparden, in den heiligen Flüssen tummeln sich Süßwasserdelfine und Riesenrochen gleiten lautlos durch das Wasser des Ozeans ...

 

Valmik Thapar, einer der international führenden Tigerexperten nimmt uns mit auf eine abenteuerliche Expedition durch das Land des Tigers, dessen Schutz er sein Lebenswerk widmete.

In fantastischen Bildern und fesselnden Beschreibungen erleben wir die Natur Indiens und ihren Einfluss auf die religiösen Mythen und das alltägliche Leben der Menschen.

 

Doch Thapar blickt auch in die Zukunft, und die sieht für ihn ziemlich schwarz aus: "Die Achtung der Natur, die das Leben auf dem Subkontinent für Jahrtausende geleitet hat, verschwindet zusehends. Wirtschaftliche Mächte haben das Land in Beschlag genommen und die tief wurzelnden Bindungen zwischen Mensch und Natur zerstört. Das natürliche Erbe Indiens steht kurz davor, ausgelöscht zu werden."

Hoffen wir, dass er sich hier irrt!

29. Sunil Sethi und Deidi von Schaewen: Indien Interieurs

Von den Häusern in Ladakh inmitten der eisigen Berglandschaft des Himalaya bis zu den reich verzierten Nomadenhütten in der kargen Wildnis von Kutch, von märchenhaft ausgestatteten Maharaja-Palästen in Rajasthan bis zu den Hausbooten in Kerala und auf den traumhaften Seen in Kaschmir … dieser Bildband führt uns auf eine Reise durch die unterschiedlichsten indischen Wohnwelten.

Wir treten ein in Lehmhäuser bei Jaisalmer und in die Strandvilla eines Bollywood-Filmstars bei Mumbai, in ein von Le Corbusier geschaffenes Haus in Ahmedabad und in Goa in eine Robinson-Idylle direkt am Strand.  

 

44 verschiedene Wohnstätten und ihre Bewohner zeigt uns der Journalist Sethi, und wenn auch die Beschreibungen (in deutscher, englischer und französischer Sprache) knapp sind, so bekommt man doch einen lebendigen Eindruck von den Häusern und dem Lebensstil ihrer Bewohner.

Das Hauptgewicht des Buches liegt natürlich auf den um die 500 halb- und ganzseitigen Fotos, und da muss ich sagen: farbiger und spannender geht es kaum!

28. Kabir: Kabir fand sich im Gesang. Verse des indischen Dichters und Mystikers

Kabir, ein einfacher Weber aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts, ist einer der größten Mystiker und Dichter Indiens. Er gehörte der nordindischen Bhaktibewegung an, die sich von dem strengen Zeremoniell der Brahmanenpriester lossagte und keine Kastenunterschiede gelten ließ.

"Bhakti" heißt Verehrung, und die Bhaktianhänger suchen den direkten Zugang zum Göttlichen durch die persönliche und liebende Hingabe.

 

Wer selbst Gott oder das Göttliche in sich erfahren hat, lässt sich nicht mehr mit vorgegebenen Glaubenssätzen und Ideologien abspeisen. Und so schrieb der Mystiker Kabir vor mehr als 500 Jahren mit seinen Versen gegen Religionsstreitigkeiten und die orthodoxen Lehren und Praktiken im Islam und Hinduismus an – ein Problem, das heute aktueller denn je ist. Nicht nur in Indien, sondern weltweit.

27. Im Schatten des Taj Mahal. Zeitgenössische Erzählungen und Lyrik aus indischen Regionalsprachen

In den Erzählungen und Gedichten dieser Anthologie erleben wir ein Panorama der indischen Sozialgeschichte von der Befreiungsbewegung bis in unsere Zeit. Wir lesen vom Leben der Bauern, von der Armut, der Grausamkeit der Kastenschranken, vom Zwist zwischen Hindus und Muslimen, zwischen Indien und Pakistan.


Indische Literatur wird hierzulande sehr oft mit der Literatur der anglophonen Autoren wie Vikram Seth, Amitav Ghosh oder Arundhati Roy identifiziert. Indien hat jedoch 24 offiziell anerkannte Sprachen, und Englisch ist nur eine davon. In einigen der 23 so genannten Regionalsprachen entstehen zeitgenössische literarische Werke von Weltrang. Um die großen Veränderungen der modernen Zeit und die Konflikte im Leben der Menschen literarisch zu transportieren, entwickeln namhafte indische Autoren ein neues Vokabular und erfinden neue Sprach- und Artikulationsformen. Es wird kreativ experimentiert, Sprache wird aus den Ketten der Tradition befreit, Tabus werden gebrochen, neue Wege des literarischen Ausdrucks gewagt. Der vorliegende Band präsentiert eine Auswahl an Werken namhafter Autoren aus zehn indischen Regionalsprachen.


Die Geschichten und Gedichte sind nicht leicht zu lesen, und ich stimme Martin Kämpchen zu, wenn er im Vorwort sagt:

"Manchen Übersetzungen merkt man die Mühe an, eine unbekannte Kultur in der deutschen Sprache zu erwecken. Soll diese Mühe spürbar sein! Der deutsche Leser wird sich dabei bewusst, dass die Erkenntnis einer ihm fremden Kultur nicht kostenlos ist. Er soll um Verständnis ringen, sich durch das Unbekannte hindurchkämpfen – um es sich schließlich anzuverwandeln."

26. Gregory David Roberts: Shantaram

Drogensüchtiger, Gangster, Ausbrecher, falscher Doktor in einem Slum in Mumbai, Mitglied der indischen Mafia – und Mitte 2009 dann mit diesem Buch auch Bestsellerautor.

 

Auf 1087 Seiten verarbeitet der Australier Gregory David Roberts seine schillernde Lebensgeschichte zu dem autobiografischen Roman "Shantaram".

 

Wie viel davon der Wahrheit entspricht, das mag jeder für sich selbst entscheiden. Fakt ist, Roberts kennt und liebt sein "Bombay". Er spricht recht ordentlich Hindi und Marathi, in den Slums im Süden Mumbais kennt man ihn, und der Geschäftsführer des Café Leopold (dem Zentrum seiner indischen Abenteuer) begrüßt Roberts mit Handschlag.

 

Großartig ist Roberts, wenn er die tausend Facetten und Absurditäten Mumbais schildert und seine Begegnungen und Erlebnisse in diesem liebenswerten aber auch gefährlichen Chaos. Bei seinen Ausflügen in die Romantik und in philosophische Gedanken hätte er sich vielleicht besser etwas zurückgehalten, und auch seine Kriegserlebnisse in Afghanistan sind ziemlich starker Tobak und nichts für sensible LeserInnen. Alles in allem jedoch ein spannendes Buch über 10 Jahre Flucht.

 

*****

 

Johnny Depp erwarb die Filmrechte, und die großartige indische Regisseurin Mira Nair sollte die Lebensgeschichte von "Shantaram" (d. b. "Mann des Friedens") verfilmen. Mit Johnny Depp und Amitabh Bachchan in den männlichen Hauptrollen; voraussichtlicher Kinostart: 2011.

So war es geplant, aber dann hörte man nichts mehr von dem Projekt. Vor einiger Zeit war auf der Webseite des Autors zu lesen, dass das Drehbuch voraussichtlich bis Ende Februar 2012 fertiggestellt sein werde ...

(Stand: März 2012)

25. Robyn Davidson: Unter Nomaden. Meine Reise zu den Rabari

Die 1950 geborene Australierin Robyn Davidson wurde bekannt durch ihr Buch "Spuren", in dem sie von ihrer Durchquerung der australischen Wüste schrieb - allein und mit Kamelen.

 

Ungleich schwieriger und gespickt mit politischen Hindernissen war es für sie, sich in den Jahren 1990 bis 1992 erneut per Kamel (und per Jeep) dem nordindischen Nomadenvolk der Rabari zu nähern, bei denen Frauen hohes Ansehen genießen.

 

"Unter Nomaden" beschreibt die gefährliche und abenteuerliche Reise zu Menschen, deren Kultur rapide dahinschwindet, ist zugleich aber auch die Selbsterkundung einer westlichen Individualistin, die feststellen muss: "Gegen Indien kann man nicht ankämpfen. Indien lehrt einen entweder Ergebung ins Unvermeidliche, oder aber es treibt einen in den Wahnsinn."

24. Elisa Vázquez de Gey: Die Frau des Maharadschas. Das abenteuerliche Leben der Anita Delgado

Im Sommer 1906 widmet sich die spanische Presse vor allem einem Ereignis: Der steinreiche Maharaja von Kapurthala hat die gerade sechzehnjährige Anita beim Tanzen gesehen und sich auf den ersten Blick in sie verliebt. Er hält um ihre Hand an, lässt sie in Paris zur Fürstin erziehen und führt sie schließlich triumphierend in seine indische Heimat.

 

Ein Zusammentreffen der Autorin mit der Nichte von Anita Delgado im Jahr 1988 weckte ihr Interesse für das Leben der spanischen Maharani. Mit Hilfe von Zeitzeugen und authentischen Quellen zeichnet sie den ungewöhnlichen Werdegang Anitas nach, einer jungen Frau, die sich unversehens in einer fremden Welt wieder findet und sich ihr mit bewundernswertem Mut und wacher Intelligenz stellt.

 

*****

2008 und damit fast 10 Jahre später erschien der Roman

"Die indische Prinzessin. Die faszinierende Lebensgeschichte der Anita Delgado" von Javier Moro.

Der spanische Autor zitiert zwar den obigen Titel, bringt zusätzliches Fotomaterial und interviewte einen Nachkommen der Maharani, aber bei ihm liegt die Betonung eindeutig auf Roman und nicht auf Biografie. Ein Schmöker für lange Winterabende.

23. Emily Eden: Up the Country. Letters from India

Hier ein Sahnestückchen, das es leider nur in englischer Sprache gibt. Es handelt sich um die Briefe der Engländerin Emily Eden (1797-1869). Geboren in Kent in England gehörte sie der "Upper Class" an und begleitete 1836 ihren jüngeren Bruder George nach Indien, als dieser dort seinen Posten als Generalgouverneur antrat.

 

Während der insgesamt sechs Jahre, die Emily Eden in Indien verbrachte, begab sie sich für zwei Jahre und begleitet von einem Riesen-Tross auf eine Reise durch das Land. Mehrere Hundert Briefe schrieb sie von dieser Reise, in denen sie von ihren außergewöhnlichen Erfahrungen vom Leben "on the road" im frühen 19. Jahrhundert erzählt - ein Meisterstück der englisch-indischen Literatur und von großem historischen Interesse.

22. Andreas Altmann: Notbremse nicht zu früh ziehen! Mit dem Zug durch Indien

"Mit dem Zug durch Indien" reisten schon einige vor ihm, aber kaum jemand schrieb so interessant darüber wie der 1949 in Altötting geborene Andreas Altmann, dessen Reportagen in allen wichtigen deutschsprachigen Magazinen erschienen, und der 1992 den renommierten Egon-Erwin-Kisch-Preis erhielt.

 

Altmann hält sich bei seiner Reise an die Grundregel jedes guten Reporters, die da heißt: "Nichts schon wissen, alles vor Ort erfahren". Und so setzt er sich dann in Mumbai in einen Zug und fährt einfach drauflos. Mit dem festen Vorsatz, Indien mit allen Sinnen in sich aufzunehmen. Er sucht den Menschen und er findet ihn: in Slums und in Bordellmeilen, in Hindu-Heiligtümern und in der drangvollen Enge der Indian Railways.

21. Ilija Trojanow: An den inneren Ufern Indiens. Eine Reise entlang des Ganges

Der 1965 in Bulgarien geborene und in Kenia aufgewachsene deutsche Schriftsteller Trojanow lebte jahrelang in Mumbai.

In dem vorliegenden Buch erzählt er von seiner Reise längs des Stroms, den die Inder respektvoll Gangaji oder auch liebevoll Ganga Mataji (Mutter Ganges) nennen.

 

Die Reise beginnt an der Quelle, wo die Ganga aus dem ewigen Eis bricht, und sie führt bis nach Kolkata. Trojanow reist per Boot, per Bus und in überfüllten Bahnen. Er besucht Hindu-Feste, beobachtet Sadhus und nimmt an Totenzeremonien teil, die an den Ufern des Flusses stattfinden.

 

Der farbige Bericht ist Reportage und zugleich Erzählung über ein Land zwischen einer uralten Tradition und einer ungewissen Moderne. Und natürlich über den heiligen Fluss, der dieses Land über mehr als zweieinhalb Tausend Kilometer lang durchzieht.

 

s.a. Nr. 32: "Der Sadhu an der Teufelswand"

20. Rudrangshu Mukherjee und Vir Sanghvi: Indien einst und jetzt

Die faszinierende Vielfalt Indiens in einem prächtigen Bildband mit zwei Anfängen: "Indien einst" und "Indien jetzt".
Man muss sich auf dieses Buch einlassen, denn es gibt kein Stichwortregister, in dem man Gandhi, Bollywood oder etwa Kaschmir nachschlagen kann und auch keine Kapitel, die sich schwerpunktmäßig einem Thema oder Zeitabschnitt widmen. Es sind der fast überschwängliche Erzählton und die Fülle an buntesten Informationen, die die Faszination dieses Bildbandes ausmachen.

Der Historiker und Journalist Mukherjee beschreibt in „Indien einst“ die Geschichte des Subkontinents über mehr als fünf Jahrtausende hinweg, von der städtischen Harappa-Kultur über Königreiche und Fürstenstaaten bis hin zur britischen Kolonialzeit und zur Unabhängigkeit.
In teils noch nie veröffentlichten historischen Aufnahmen – Stadtpanoramen, Alltagsszenen, religiöse Feste, Baudenkmäler – ersteht die bunte Vielfalt einer unendlich reichen Kultur.

Teil zwei des Buches – „Indien jetzt“ schrieb Vir Sanghvi, einer der bekanntesten Publizisten Indiens, Moderator von Talkshows und Herausgeber der angesehenen Hindustan Times. Er schildert die spannende Entwicklung Indiens nach der Unabhängigkeit 1947, vor allem die rasanten Veränderungen seit den 1990er Jahren: aus einem politisch zerrissenen, armen, nahezu unregierbaren Land wird eine selbstbewusste Nation.
Das scheinbar zufällige Nebeneinander von Fotos aus allen Lebensbereichen zeigt Indien als pulsierendes und unwiderstehliches Land voller Lebensintensität.

19. Phoolan Devi: Ich war die Königin der Banditen

Das Buch endet 1994 mit ihrer Entlassung aus dem Tihar-Gefängnis in Delhi, wo sie elf Jahre ohne Gerichtsverhandlung festgehalten wurde. Phoolan Devi, die Königin der Banditen.

Nach ihrer Begnadigung spricht die Analphabetin ihre Lebensgeschichte auf Band, und zwei Schriftsteller bringen sie in eine lesbare Form:

Phoolans Kindheit in Uttar Pradesh ist bestimmt von bitterster Armut, von Hunger und Schlägen. Als sie 11 Jahre alt ist, wird sie mit einem 20 Jahre älteren Mann verheiratet, und ihr Leiden beginnt nun erst richtig. Missbrauch, falsche Anschuldigungen, Gefängnis und Vergewaltigungen durch Polizisten bestimmen ihr Leben.
Aber Phoolans widerspenstiger Geist kann nicht gebrochen werden. Sie ist nicht bereit, ihr Schicksal einfach hinzunehmen und schwört Rache ...

18. Dolf Hartsuiker: Sadhus. Holy Men of India

Nach wie vor unerreicht wenn es darum geht, die Geschichte und Vielfalt indischen Asketentums zu zeigen ist dieses Buch aus dem Jahr 1993, das leider bisher nur in englischer Sprache erschienen ist.

Der Utrechter Psychologe Hartsuiker kam Anfang der 1970er Jahre zum ersten Mal nach Indien und war so fasziniert, dass er über ein Jahr blieb und durch das ganze Land reiste. Er kam oft zurück, fasziniert und verwirrt zugleich von der Andersartigkeit der Hindu-Kultur, von der Magie dieser „lebenden“ Religion und von der Weisheit ihrer Philosophie.

Geistige Abenteurer, asketische Krieger, religiöse Transvestiten oder philosophische Mönche, die indischen Sadhus werden von den Hindus als Repräsentanten der Götter verehrt.
Hartsuiker verbrachte viele Jahre mit dem ausführlichen Studium dieser Heiligen Männer und ihrer Welt. Es ist eine Welt uralter Rituale, Symbole und asketischer Praktiken von Meditation und Yogaübungen bis hin zu Büßertum und extremer Enthaltsamkeit wie Jahre des Schweigens, Selbstkasteiung oder gar ritueller Selbstmord.
In der Welt der Sadhus (und Sadhvis, wie die wenigen weiblichen Vertreter heißen) finden wir Zölibat, Armutsgelübde und Eremitentum, aber auch die Berufung zum Heiler, zum Lehrer oder Zauberer.

Der Autor spürt die historischen und mythischen Wurzeln der Sadhus auf und untersucht die grundlegenden Unterschiede zwischen den verschiedenen Sadhu-Sekten.
Mit mehr als hundert Farbfotos dokumentiert er zudem nicht nur das bemerkenswerte und sehr unterschiedliche Aussehen, sondern zeigt vor allem die oft weltentrückte Schönheit dieser „living idols“. Die dem Hinduglauben zufolge so „mächtig“ sind, dass man ihre spirituelle Energie empfängt, selbst wenn man sie nicht in Wirklichkeit, sondern nur auf den Seiten eines Buches anschaut ...

17. Indische Märchen und Götterlegenden. Vorgestellt und nacherzählt von Ulf Diederichs

In fünfzehn Kapiteln werden hier alle großen Erzählsammlungen Indiens repräsentativ vorgestellt.
Der illustrierte Band, der zum Gastlandauftritt Indiens auf der Buchmesse 2006 erschien, versammelt damit Kostbarkeiten dreitausend Jahre alter Erzählkunst aus dem „Kontinent der Märchen“.

Lust auf Indien will er machen, er will Neugier wecken auf Götter, die zu jeder Verwandlung fähig sind, auf eine Welt der Könige und Hetären, der Asketen und Weisen. Wir erfahren wie der Adler Garuda den Göttern den Unsterblichkeitstrank stahl oder wie der Affe Hanuman mit einem Sprung das Meer überquerte, um Ramas Geliebte Sita aus den Fängen des Dämonenkönigs zu befreien. Es finden sich aber auch vertraute Motive wie ein niemals leerer Glückskrug, der seinem Besitzer ein sorgenloses Leben beschert oder ein Brahmanensohn, der ein einzelnes Haar durch einen ganzen Berg von Matratzen hindurch spürt.

Wer sich in Indiens Märchen vertieft, der erfährt viel über Religion und Alltag, über den Götterhimmel und über den großen Erfahrungsschatz eines traditionsreichen Volkes.

16. Anneliese und Peter Keilhauer: Die Bildsprache des Hinduismus. Die indische Götterwelt und ihre Symbolik.

Was bedeuten die verschiedenen Handhaltungen der dargestellten Figuren? Welche Gottheit trägt Rad, Muschel, Lotos und Keule in ihren vier Händen? Welcher Gott reitet auf einer Ratte?  Auf einem Löwen? Wer tanzt da in einer Elefantenhaut und warum? …
Die unüberschaubare Skulpturenfülle indischer Tempeltürme, ihre Formenvielfalt und ihr Fantasiereichtum versetzen uns Europäer immer wieder in Erstaunen und nicht selten in Verwirrung.

Dieses Buch soll Indien-Reisenden und allen an indischer Kultur und Geisteswelt Interessierten als Leitfaden zur Entschlüsselung der Bildsprache des Hinduismus dienen.

Die Autoren Anneliese und Peter Keilhauer (geb. 1942 bzw. 1936) waren viele Jahre lang als Studienreiseleiter vor allem in Asien tätig. Zahlreiche Privat- und Studienaufenthalte in Klöstern, Tempelstädten und -schulen in Indien ermöglichten ihnen den intensiven Kontakt mit dem Hinduismus, mit seinen Lehrern, Priestern, Mönchen und Pilgern.  

Ziel ihres vorliegenden Buches ist es, die figürliche Darstellung der hinduistischen Götterwelt und ihre Symbole in Bildhauerei und Malerei zu deuten, ihren historischen und mythologischen Hintergrund zu beleuchten und darüber hinaus die zahllosen Götterfiguren als Abbilder des Höchsten Gottes begreiflich zu machen.

15. Oskar Koller: Aquarelle. Indien

„Ich kenne kein Land, in dem die Menschen mehr Farbe in ihr Leben einbringen, als Indien. Ich kenne kein Land, in dem die Gegensätze stärker sind.“

Der im Jahr 2004 im Alter von 78 Jahren verstorbene deutsche Maler Oskar Koller reiste 1977 das erste Mal  nach Indien und besuchte das Land anschließend noch mehrmals. Die Aquarelle, die er vor Ort, nach Fotos im Atelier oder selbst in den Wartehallen von Flugplätzen malte, schildern das intensive Erleben seiner Reisen durch den Subkontinent.

„Alles auf der Straße ist in Bewegung. Zahllose Eindrücke bilden sich im unmittelbaren Erleben. Sie sind so reich und mehrschichtig, dass ich zu abstrakten Lösungen kommen muss“ schreibt Koller im Vorwort des Bildbandes, trifft damit genau das Leben in Indien. Und vor den Augen des Betrachters entfaltet sich die einmalige Farbenpracht des Landes ...

14. Naveen Patnaik: The Garden of Life. An Introduction to the Healing Plants of India

Drei wunderbare Bücher hatte der 1946 geborene Naveen Patnaik geschrieben und sich nicht viel um Politik gekümmert, als sein Vater, der Chief Minister von Orissa starb. Naveen Patnaik trat seine Nachfolge an und wurde 2001 in das Amt gewählt, das er bis heute innehat, und in dem er sich besonders gegen die in Indien allgegenwärtige Korruption einsetzt.

Heiliges Basilikum, Lotus, Koriander, Henna, Kurkuma, Kampfer, Sandelholz … die Liste der Pflanzen in Patnaiks Buch ist lang, und viele davon sind bei uns unbekannt. Trotzdem wird man sie identifizieren können, denn neben dem englischen und den indischen Namen (Sanskrit und Hindi) stehen auch der botanische Name und die Pflanzenfamilie.

In dem liebevoll gestalteten Buch werden siebzig verschiedene Gewächse nach ihren Anwendungen vorgestellt - eingeteilt in heilige, medizinische, kosmetische, aromatische und Gewürzpflanzen - und jedes dieser Pflanzenporträts wird durch ein ganzseitiges Bild illustriert. Diese Illustrationen wurden extra für Patnaiks Buch von den besten acht Malern in der Tradition der Miniaturmalerei geschaffen und sind alleine schon den Kauf des (leider nur in englischer Sprache erschienenen) Buches Wert.  

„The Garden of Life“ ist allerdings mehr als eine reine Pflanzenkunde, nämlich gleichzeitig auch eine Einführung in die uralte indische Philosophie und Heilkunst Ayurveda, in das „Wissen vom Leben“.

13. Peter van Ham:. In den Bergen der Kopfjäger. Indiens wilder Nordosten

 „Will jemand Frosch?“ ruft eine raue Männerstimme, und ich zucke zusammen. Auf Tandoori Chicken war ich eingestellt, auf Balti-Gemüse und geeiste Mango-Ingwermousse.
Aber der Mann da vorne am Tisch meint es Ernst! Es ist Peter van Ham, der in das Restaurant gekommen ist und uns im Rahmen einer „Kulinarischen Lesereise“ nun sein Buch „In den Bergen der Kopfjäger“ vorstellt. Und das beginnt mit eben jenem Satz. 

Man nennt sie "die Sieben Schwestern Indiens", die Bundesstaaten im Nordosten von Indien: Assam, Meghalaya, Tripura, Mizoram, Manipur, Nagaland und Arunachal Pradesh. In der urtümlichen Welt der Dschungelberge zwischen Tibet und Myanmar herrschen bis heute die Gesetze der Klans und Krieger; Fruchtbarkeits- und Initiationsriten gehören hier nahezu überall zum kulturellen Selbstverständnis der indigenen Völker.

1996 gelingt es dem Autor zusammen mit seiner Frau erstmalig, die seit 55 Jahren gesperrten Bergländer zu bereisen - eine derart faszinierende Erfahrung, dass über 10 Jahre hinweg weitere Reisen folgen.
Stolz und freimütig öffnen die Menschen den beiden Fremden eine Tür zu ihren archaisch anmutenden Lebenswelten, in denen ein Schlangengott Menschenopfer verlangt, die jüngste Tochter die Erbfolge bestimmt, Schamanen um Fruchtbarkeit beten, Sonne und Mond als höchste Gottheiten gelten und Krieger einmal im Jahr auf Kopfjagd gehen …

Peter van Ham, der drei rituelle Kopfjagden selbst miterleben durfte, wurde aufgrund seiner Forschungsarbeiten zu Indien u. a. in die Royal Geographical Society und in den New Yorker Explorers Club aufgenommen. Mit seiner Frau und seiner kleinen Tochter lebt er in Frankfurt am Main.

12. Rainer Krack: India Obscura. Außenseiter und Merkwürdigkeiten der indischen Gesellschaft

1952  geboren, reiste Rainer Krack im Jahr 1978 zum ersten Mal nach Indien – mit nur 500 Mark  in der Tasche und einem Flugticket, das ihn direkt ins gefürchtete Kalkutta führte. Danach gab es zahlreiche weitere Reisen, denn das Land ließ ihn fortan nicht mehr los. Krack studierte Indologie, lernte Hindi und befasste sich im Besonderen mit der noch unerforschten Sprache der Adivasi, wie die Ureinwohner Indiens heißen.

Mittlerweile schrieb er einige kenntnisreiche und interessante Bücher, von „Kulturschock Indien“ über die Kauderwelsch-Reihe (Hindi, Bengali und Hindi Slang) bis hin zu „Hinduismus erleben“. 

Kracks „India Obscura“ erschien im Jahr 1986. Leider momentan vergriffen, ist es für mich der Klassiker überhaupt wenn es darum geht, sich über einige vergessene und im Verborgenen blühende Kulte und Gebräuche zu informieren.

Verborgene Kulte und Riten gab und gibt es nirgendwo mehr als in Indien – einer der Umstände, die dieses Land so faszinierend und außergewöhnlich machen.
Und wo anders als bei Krack kann man schon so unterhaltend und kompetent vom reichsten Heiligtum Indiens lesen, von Tempelprostitution und Eunuchen, von den im Müll wühlenden kastenlosen Dombaris oder auch über die Thags - Raubmörder, die vor 150 Jahren im Namen der Göttin Kali ihre Opfer lautlos erwürgten …?

11. Nazneen Sheikh: Zum Tee in Kaschmir. Eine Familiengeschichte mit Rezepten

Lotoswurzeln mit Bockshornklee, Okras mit Granatapfelfüllung, kaschmirische Rüben mit Lamm oder Biryani nach Art der Moguln … auch wenn nicht alle Gerichte leicht nachzukochen sein dürften, läuft einem schon beim Lesen das Wasser im Mund zusammen.

Die Autorin wuchs in Kaschmir auf, in einer Familie, bei der die achtungsvolle Zubereitung von Speisen und das gemeinsame Mahl immer wichtig waren.
Farbenprächtig und liebevoll erzählt Nazneen Sheikh in dem bezaubernden kleinen Buch nun von ihrer weit verzweigten Familie und der jahrhundertealten Geschichte des Mogulreiches. Und nie fehlen die Düfte und Gewürze ihrer Kindheit und die Rezepte einer raffinierten Küche. Einer Küche wie das Leben selbst: „salzig wie die Tränen, bitter wie der Hass und oft so süß wie die Liebe“ ...

10. Mark Shand: Auch Elefanten weinen. Auf einem Dickhäuter durch Indien

Auch eine Möglichkeit, durch Indien zu kommen: auf einem Elefantenrücken. Nur ein exzentrischer und skurriler Engländer wie Mark Shand (Jahrgang 1951) konnte auf eine solch romantische und abenteuerliche Idee kommen.

Und so kauft er sich denn die Elefantenkuh Tara und reitet auf ihr 600 Kilometer durch indische Städte und Dörfer, von Konarak bis nach Patna.
Er erlebt die Gegensätze des Landes: farbenprächtige Orchideenwälder und staubschwarze Kohleregionen, die Gefahren des Dschungels und die Hilfsbereitschaft der Menschen.

Indische Geschichte und Mythen vermischen sich bei Shand mit den aufregenden Erlebnissen des Alltags. Doch im Mittelpunkt der abenteuerlichen Reise steht die innige Freundschaft zwischen Mensch und Tier ...

9. Veronika Sperling und Christine Mc Fadden: Indisch kochen. Original-Rezepte, die sicher gelingen

Mein absoluter Favorit unter den vielen indischen Kochbüchern! 1996 kaufte ich die Erstausgabe in englischer Sprache in London und koche seitdem immer wieder danach. Weil jedes Gericht einfach gelingt und lecker schmeckt.

Für Kenner der indischen Küche: unvergleichlich sind die Rezepte z. B. für Murkha Dal oder Aloo Chat, und mit den „Curried Okra" habe ich bisher schon einige Leute überzeugt, die vorher immer einen großen Bogen um das Gemüse machten.

Das großformatige Buch enthält eine Einführung in die indische Küche, in die Gewürze, die Kochutensilien und Zubereitungsmethoden, und die Rezepte reichen von Vorspeisen über Fisch, Geflügel, Fleisch und Gemüse bis hin zu Reis und Hülsenfrüchten, Broten, Chutneys und Desserts.

Zu jedem Gericht gibt es neben einer Zutatenliste und dem Rezept ein ganzseitiges Appetit anregendes Foto sowie drei kleine Fotos, in denen die Zubereitung Schritt für Schritt erklärt wird. Damit ist dieses Buch auch ideal für Leute, die zum ersten Mal indisch kochen wollen.

8. Julie Sahni: Genießer unterwegs: Indien. Rezepte und kulinarische Notizen

... mehr als ein Kochbuch!


Einführung in die indische Küche, Verzeichnis der wichtigsten Zutaten und Grundrezepte sowie eine Rezept-Einteilung nach Vorspeisen, Hauptgerichten und Beilagen, nach Süßem und Getränken, dazu appetitliche Fotos. Alles, was ein gutes Kochbuch braucht.

Die indische Autorin ist Dozentin für Ernährungswissenschaft und hat bereits mehrere Bücher über die Küche ihres Heimatlandes publiziert. Aber dieses Buch ist mehr! Es ist ein wahres Fest für die Augen und eine kleine Kulturgeschichte Indiens, geschmückt mit wunderschönen Aquarellen und Landschaftsfotos von Michael Freeman.

 

Mein Vorschlag: sich mit diesem Buch und einem Chai Masala auf die Couch verziehen, die Rezepte studieren und sich informieren über das Lichterfest Diwali, über Tiffins und Ganesha, heilige Kühe, den Schlangenkult und schwarzes Salz - oder einfach nur beim Betrachten der Bilder ins Träumen kommen ...

7. Catherine Bourzat, L. Mouton und S. Ramazzotti: Indien

Viele Indien-Bildbände habe ich in den letzten Jahren gesehen, aber keiner hat mich so berührt wie dieser erstmalig 2007 in Frankreich erschienene. 

Das fängt schon mit dem Einband an: mit seinem türkis- und pinkfarbenen Rankenmuster auf goldenem Grund, mit der Schrift und nicht zuletzt durch seine Prägung bietet er sowohl ein optisches als auch ein haptisches Erlebnis und macht neugierig auf den Inhalt.

 

Safrangelb und „Indischrosa" ... die farbenfrohe Reise für die Augen führt uns in die Berge und ans Meer, auf Märkte, an den Ganges und in indische Wohnstätten.
Da steht eine heilige Kuh, geschmückt mit einer Kette, mit Glöckchen und einem roten Tilaka-Punkt auf der Stirn. In Kolkata sehen wir einem chaiwallah bei der Zubereitung des Tees zu und zwei jungen Frauen beim Schwatz am Brunnen. Reis pflanzen, Tee pflücken, Haare schneiden und Wäsche waschen ... in einzigartigen Bildern verleiht dieser Band den vielen unzähligen Momenten einer Reise durch Indien Bestand.

 

Ergänzt werden die Fotos durch kleine Erinnerungsstücke wie Eintrittskarten, Etiketten oder alte Postkarten und durch passende Zitate aus Büchern. Die kurzen begleitenden Texte erklären und beschreiben näher, was die Augen sehen. So entsteht „ein unvergleichlich schöner Bildband, der allen Sinnen Augen macht".

6. Andreas Pröve: Erleuchtung gibt's im nächsten Leben. Eine verrückte Reise durch Indien

Der sympathische und blitzgescheite Rollstuhlfahrer bereist Indien seit über 25 Jahren und kennt das Land damit besser als die meisten von uns.

Deutlich zu spüren ist Pröves Liebe zu dem Volk, "das es fertiggebracht hat, mich tausendmal übers Ohr zu hauen, ohne mich einmal zu beklauen". Ebenso beeindruckt seine Weigerung, den vielen Gurus, den Jüngern und Pilgern auf den Leim zu gehen. Mitten in dem (bravourös geschilderten) religiösen Taumel verlässt ihn nie seine pfiffige Skepsis, seine europäische Vernunft, und in den Gesprächen mit seinem langjährigen indischen Freund Nagender werden die Ereignisse aus indischer und europäischer Sicht reflektiert.

Insgesamt eine "abenteuerliche Umrundung des Subkontinents, eine Pilgerfahrt ins spirituelle Herz Indiens", geschildert in einer farbigen, mitreißenden Sprache.

Ein Muss für Indienreisende und eine anregende, spannende und kurzweilige Lektüre für Daheimgebliebene.

 

s. a. Nr. 34: "Mein Traum von Indien"

5. Kiran Desai: Der Guru im Guavenbaum. Roman

März 2007. Von den quirligen und lauten Straßen Delhis habe ich mich in die Lobby eines Luxus-Hotels gerettet, um dort bei Chai und einem Stück Kuchen ein bisschen Ruhe zu tanken. Der Kellner sieht das vor mir liegende Buch, und als er den Autorennamen auf dem Umschlag sieht, geht ein Strahlen über sein Gesicht.

Er kennt die Autorin und zeigt mir einen Artikel, den er soeben in der Tageszeitung „The Hindu" gelesen hat: Kiran Desai, die 1971 in Neu Delhi geborene und jetzt in den USA lebende Schriftstellerin hat den angesehenen Man Booker Prize für ihr Buch „Erbin des verlorenen Landes" bekommen und wurde damit die jüngste Booker-Gewinnerin aller Zeiten.

Meiner Ansicht nach hat auch das vor mir liegende Buch einen Preis verdient, handelt es sich doch um eine wunderbar verrückte indische Posse, wie der Originaltitel: „Hullabaloo in the Guava Orchard" schon vermuten lässt:

Aufruhr im Obstgarten. Der junge Sampath Chawla, ein stadtbekannter Faulpelz, hat seine langweilige Arbeit im Postamt satt und ist zwecks Erleuchtung auf einen Guavenbaum geklettert. Selbst die köstlichsten Speisen und eine eilends herangeschaffte Braut können ihn nicht dazu bewegen, wieder herunterzusteigen. Im Gegenteil: seine große Stunde ist gekommen, als eine zufällig vorbeifahrende Pilgergruppe einen Abstecher zum Baum macht und von Sampath mit einer rätselhaften Weisheit belohnt wird. Von nun an verbreitet sich sein Ruf als heiliger Mann wie ein Lauffeuer ...

4. Vikram Seth: Zwei Leben. Porträt einer Liebe

Es war eine literarische Sensation, als im Jahr 1993 Vikram Seths monumentales Indien-Epos „Eine gute Partie" erschien, in dem auf 2000 Seiten das Leben von vier Großfamilien erzählt wird. Zwei Jahre lang war der 1952 geborene Autor dafür durchs Land gereist, um seine Landsleute zu studieren.

 

Im Jahr 2005 erschien sein Buch „Zwei Leben". Vikram Seth erzählt hier eine sehr persönliche Geschichte, nämlich die seines Onkels Shanti und seiner Tante Henny. Der Inder und die Jüdin lernen sich im Berlin der Dreißiger Jahre kennen. Shanti möchte Zahnarzt werden, wird aber bald von den Nazis verdrängt und geht nach England. Dort läuft ihm 1939 Henny über den Weg. Als einziger Jüdin aus dem Freundeskreis ist ihr die Flucht vor den Nazis gelungen ...

Vikram Seth setzt den beiden Menschen und ihrer ganz besonderen Liebe ein literarisches Denkmal, das von Zuneigung und Herzenswärme erfüllt ist. In vielen Originalzitaten, Fotos und Briefen werden zwei Menschen lebendig, deren Leben so ereignisreich verlief, dass wir dankbar sein können, in Vikram Seth einen solch kundigen und gewissenhaften Chronisten gefunden zu haben.

3. Chitra Banerjee Divakaruni: Die Hüterin der Gewürze. Roman

Der kleine, etwas staubige und heruntergekommene Gewürzladen der Inderin Tilo ist ein magischer Anziehungspunkt für meist indische Immigranten in Oakland / Kalifornien. Seit Tilo auf der Insel der Alten Heilerin durch das Feuer der Erkenntnis gegangen ist hat sie nämlich die Gabe, mit Hilfe der Gewürze die geheimsten Wünsche und Sehnsüchte der Menschen zu erkennen. Wer in Tilos Laden kommt, der sucht Heilung oder die Erfüllung seiner Träume mittels des Gewürzes, das sie für ihn bestimmt.

Die fantasievolle und poetische Handlung um die weise Hüterin der Gewürze und ihre magischen Fähigkeiten dient als Rahmen, in dem die Schicksale ihrer Kunden erzählt werden. Den Gewürzen kommt dabei eine bedeutende Rolle zu, denn aus indischer Sicht ist Nahrung gleichzeitig Medizin, und das nicht nur für die Leiden des Körpers.
In Divakarunis viel beachtetem Romandebüt von 1997 sind die Gewürze selbst Träger der Magie. Sie leben gleichsam, sprechen ihre eigene Sprache und entscheiden selbst, ob sie ihren Zauber wirken oder nicht.

 

Wer lieber schauen will als lesen: die Verfilmung des Buches ist als DVD erhältlich.

2. Tahir Shah: Der Zauberlehrling von Kalkutta. Reise durch das magische Indien

„Eines der außergewöhnlichsten Reisebücher, die je publiziert wurden" schrieb The Times und der indische Schriftsteller Vikram Seth schwärmt: „Brillant! Machen Sie sich darauf gefasst, dass Ihnen hier die wunderlichsten Seiten Indiens nahe gebracht werden ..."

„Nichts ist so, wie es scheint" lernt Tahir Shah, der in Kalkutta bei dem berühmten Magier Hakim Feroze in die Lehre geht. Zum Abschluss seiner Lehrzeit schickt ihn der Meister auf eine Erkundungsreise durch den indischen Subkontinent, auf die Suche nach dem Magischen und Wunderbaren.

Tahir begegnet charismatischen Yogis, Gauklern, Scharlatanen und kriminellen Geschäftemachern - Exzentrikern, die die bizarren Aspekte der indischen Gesellschaft verkörpern. Und je weiter er auf seiner Reise kommt, umso mehr muss er erkennen, dass Indien mit westlichem Wissen nicht zu verstehen ist.

Ein wunderbar geschriebenes Reisebuch, mitreißend wie ein exotisches Roadmovie. Eine Einführung in die Zauberei, voller feinem Humor und bodenloser Hintergründigkeit.

1. Rainer Thielmann: Indien von innen. Rätselhaft magisch - wundersam fremd

Ist es ein Bildband? Oder ein Gedichtband? Es ist mehr. „Verse in Farbe" nennt der Autor sein Werk, und das trifft es am besten. Das Buch zeigt Indien aus dem Blickwinkel eines fotografierenden Poeten, und diese sinnliche Kombination gewährt uns einen unverwechselbaren Blick auf den so facettenreichen Subkontinent: mal exotisch und bunt, laut und hektisch, dann wieder meditativ und tiefsinnig oder heiter und voller Wortwitz.

 

Thematische Eckpfeiler des Buches sind die einzigartige Magie Indiens, seine Menschen, Religionen, Natur- und Kulturschätze; auch soziale Probleme und gesellschaftliche Missstände werden nicht ausgeklammert.

 

„Indien hat mir Angst gemacht und sie mir gleichzeitig genommen" schreibt Rainer Thielmann in seinem Vorwort. Und weiter: „Es hat mich still werden lassen, während es mich erschreckte. Ich empfand Abscheu und Nähe. Ein Gefühl hält sich bis heute: die Liebe zu diesem Land."

Insgesamt ein außergewöhnliches, authentisches Buch zum immer-wieder-Lesen. Und das ich sehr gerne selbst geschrieben und fotografiert hätte.

"Schließe die Augen und sage das Wort Indien."
(Dschungelbuch)