Die einzige Methode, gesund zu bleiben, besteht darin,

zu essen, was man nicht mag, zu trinken, was man verabscheut

und zu tun, was man lieber nicht täte.

Mark Twain (1835 - 1910)


Abenteuer Wellness

Von Blue Box, Floating und tibetischen Klangschalen in Österreich

Zeller See

„Wellness ist, wenn man am Ende des Urlaubs nicht mehr weiß, ob man den Obstsalat essen oder einmassieren muss“. Das könnte von mir sein, sagte aber der bekannte Comedian Dieter Nuhr. Ganz so dramatisch war es dann aber doch nicht nach einer Woche voller Entspannung und Abenteuer im „Mavida Balance Hotel & Spa“ in Zell am See.

Zell am See. Der Ort

Der Kurort Zell am See liegt im österreichischen Bundesland Salzburg und ist mit etwa 10.000 Einwohnern die zweitgrößte Gemeinde im Pinzgau. Zusammen mit Kaprun bildet der Ort die Urlaubsregion „Zell am See – Kaprun“, eines der bedeutendsten Tourismuszentren Österreichs mit jährlich über 2 Millionen Übernachtungen. Sechs davon gehen jetzt auch auf mein Konto …

 

Wer mehr über den Ort und die Region erfahren möchte, dem empfehle ich die Seite www.zellamsee.at

 

Das Hotel

Hier das  preisgekrönte 4-Sterne-Hotel „Mavida Balance Hotel & Spa“ zu beschreiben würde den Rahmen des Berichtes sprengen, aber alles Wissenswerte findet man auf der Seite www.mavida.at

 

Highlights des Hotels sind auf jeden Fall die Designer-Ausstattung, die sich wohltuend vom üblichen Landhotelstil abhebt, das professionelle und stets freundliche Personal, die ausgezeichnete Küche, die gemütliche und gut bestückte Bar, das Freizeitangebot und nicht zuletzt das über 1.400 Quadratmeter große „Balance Center & Spa“, das mit seinem riesigen Angebot für Entspannung, Fitness und Schönheit keine Wünsche offen lässt.

 

Ich entscheide mich vorerst gegen Schönheit und Fitness und melde mich an für drei der exotischsten Entspannungsmethoden.     

 

Der Spa-Bereich

Mit dem Fahrstuhl fahre ich ins Kellergeschoss – und bin in einer anderen Welt. Vorbei am Schwimmbad führt mich der Weg zu einem riesigen Raum mit Rezeption und (Gesundheits-) Bar, mit gemütlichen Sesseln und Vitrinen voller Beauty-Produkte. Hinter dem PC sitzt ein Engel in Weiß. Mit sanfter Stimme und einem freundlichen Lächeln auf den Lippen fragt er nach meinem Begehr …

Um mich herum schweben derweil lautlos andere Lichtgestalten und verschwinden dann und wann hinter einer der vielen geheimnisvollen Türen.

 

Die Parallelwelt in der ich hier gelandet bin heißt „Spa-Bereich“. Das Wort „Spa“ leitet sich vom belgischen Badeort Spa ab (habe ich irgendwo gelesen) und wird in Hotels gerne für den Wellness-Bereich benutzt. Mir kommt in der Tat alles hier etwas Spa-nisch vor: in jedem indischen Tempel weiß ich, wie ich mich zu benehmen habe, und was ich bei Bärenbesuch auf einem kanadischen Campground zu tun habe, das ist mir auch bekannt.

In dieser Umgebung jedoch fühle ich mich total fremd und hilflos in meinem Hotelbademantel, der zwei Nummern zu klein ist und in den Hotel-Frotteelatschen, die zwei Nummern zu groß sind. Mindestens.

 

Aber: alles wird gut! Mein weißer Engel nimmt mich an die Hand und führt mich unter leisen Erklärungen hinter die erste Tür …

 

Erstes Abenteuer: Floating

In einem anderen Leben wäre ich wahrscheinlich ein gutes Sol-Ei geworden. Im Dämmerlicht liege ich in einer riesigen Badewanne und dümpele wie ein Korken auf dem etwa 36 Grad warmen Wasser. 26% Salzgehalt hat es – und ich damit keine Chance, unterzugehen. Selbst dann nicht, wenn ich einschlafe.

 

Daran ist jedoch erst einmal nicht zu denken, denn Entspannen ist gar nicht so einfach! Und so plansche ich denn etwas herum und probiere die verschiedenen in der Wanne angebrachten Knöpfe aus: blaues Unterwasserlicht, blaues Licht an der Decke und Entspannungsmusik. Knopf Nummer Vier ist der Panic Button, der bei Betätigung die weißen Engel alarmiert, sich sofort nach dem Befinden ihres eingeschlossenen Schützlings zu erkundigen.

 

Ich beschließe, diesen Knopf nicht zu benötigen und widme mich meiner eigentlichen Aufgabe in diesem Floatarium: völlig losgelöst in einer unendlichen Schwerelosigkeit zu treiben und dabei eine einzigartige Tiefenentspannung zu erleben ...

 

Nach einer halben Stunde sinkt langsam der Wasserspiegel, und erste Körperteile berühren den Wannenboden. Ein Zeichen, dass die Floating-Zeit um ist und ich mir jetzt die ganze Sole abduschen darf.

 

Vor der Tür empfängt mich wieder einer der schwebenden Engel. In meinen immer noch viel zu großen Latschen schlurfe ich hinter ihm her und werde in den nächsten Raum zur „Einbalsamierung“ geführt. Hilfe! Wo bin ich denn hier gelandet? In Sekundenbruchteilen schießt mir alles durch den Kopf, was ich je über die Bräuche im alten Ägypten gehört habe.

 

Aber ich muss mir keine Sorgen machen, denn die „Einbalsamierung“ entpuppt sich als der österreichische Begriff für eine Ganzkörpermassage mit Balsamöl. Da bin ich ja wohl gerade noch einmal davongekommen, und so genieße ich das Öl, hat doch das Salzwasser meine Haut ganz schön ausgetrocknet.

Entspannung: Ausflug zu den Stauseen von Kaprun

Der Tag beginnt kühl, neblig und mit Nieselregen, und wir fahren über Kaprun zum Kesselfall Alpenhaus, von wo die Tour zu den beiden Stauseen startet. Insgesamt 45 Minuten sind wir mit zwei verschiedenen Bussen und dem beeindruckenden Lärchwand-Schrägaufzug unterwegs, bis wir in 2.040m Höhe am Stausee Mooserboden ankommen.

 

Hier hat es bereits geschneit, aber das Wetter ist fantastisch: blauer Himmel und klare Sicht. Nach der Pflicht (Besichtigung der Staumauer) dann die Kür: Kaffee und Kuchen auf der sonnigen Terrasse des Bergrestaurants. So einfach und schön kann Urlaub sein!

 

Zweites Abenteuer: Klangmassage nach Peter Hess

„Wie gut, dass mich jetzt niemand sieht!“ schießt es mir durch den Kopf. In bequemer Kleidung liege ich auf dem Bauch, während zwischen meinen Schulterblättern und auf dem Po je eine Bronzeschale steht. Bei geschlossenen Augen spüre ich, wie sich Therapeutin Karin sanft um mich herum bewegt und ab und zu mit einem Klöppel eine der Schalen zum Klingen und Schwingen bringt.

 

Sinn dieser Arbeit mit dem traditionellen Küchengeschirr aus Tibet soll laut Prospekt wieder eine „Tiefenentspannung als gute Basis für die Stärkung der Selbstheilungskräfte“ sein. Kann ja nicht schaden.

 

Vor der Behandlung hat mir Karin eine kleine Einführung gegeben:

der Pädagoge und Dipl. Ing. Peter Hess erkannte bei seinen vielen Reisen in den Himalaya die große Bedeutung der Klänge im traditionellen Heilwesen und entwickelte in den 1980er Jahren die Klangmassage. Mittlerweile sind tibetische Klangschalen in der westlichen Esoterik-Szene sehr verbreitet. Sie werden zur Meditation benutzt, zur Klangtherapie und eben zur Klangmassage.

Ich höre sanfte und harmonische Klänge und gelange ziemlich bald in eine tiefe Entspannung. Die rhythmischen Klangschwingungen übertragen sich auf meinen Körper und erzeugen eine feine Vibration, die ich als eine Art Massage empfinde.

Karin und ich waren uns von Anfang an ausgesprochen sympathisch, und während der Klangmassage entsteht nun eine ganz besondere Atmosphäre von Sicherheit und Geborgenheit. In dieser Atmosphäre ist es möglich loszulassen – loszulassen von Stress und Ängsten, Sorgen und Zweifeln.

 

Und so liege ich da. Eine halbe Stunde auf dem Bauch. Eine halbe Stunde auf dem Rücken. Ich höre und fühle und bin irgendwie ganz tief in mir …

 

Mit dem zarten Anschlagen einer Tingsha (tibetische Zimbel) und mit leiser Musik holt mich Karin langsam zurück ins Hier und Jetzt. Ich fühle mich rundherum wohl, bin aber noch nicht bereit, den Raum zu verlassen. Karin spürt das, und während wir auf der Bodenmatte sitzen und noch einen Tee zusammen trinken, unterhalten wir uns über das, was ich gerade erlebt habe ...

 

Entspannung: Fahrt über die Großglockner-Hochalpenstraße

Großglockner Hochalpenstraße bei schönem Wetter kann jeder! Wir fahren sie bei tief hängenden Wolken und freuen uns an der gespenstischen Stimmung, in der man den Nationalpark Hohe Tauern mehr ahnen als wirklich sehen kann.

 

Tagebuchnotiz:

„Vom höchsten Berg Österreichs sahen wir irgendwie nur das untere Drittel, und die hier ansässigen Murmeltiere zogen es angesichts des Nieselregens leider auch vor, im gemütlich-warmen Bau zu bleiben. Zur Strafe kaufte ich mir im urigen Restaurant Fuschertörl Murmeltier-Salbe. Die soll gut gegen Rheuma und Ischias sein …“

 

Der höchste Aussichtspunkt ist auf 2.571m die Edelweiß-Spitze. Hier am Biker’s Point hat man einen Panoramablick auf mehr als 30 Dreitausender. Wenn man hat.

Freundlicherweise reißt dann aber für einen kurzen Moment die Wolkendecke auf und lässt uns ahnen: „Dies wäre Ihr Preis gewesen!“

 

Entspannung: Besichtigung von Salzburg

Müsste ich das „Schatzkästlein Salzburg“ mit nur drei Wörtern beschreiben, dann wären das

Mozart ... Pferde ... und Barock:

Darüber hinaus hatte uns die Stadt natürlich noch viel mehr zu bieten, angefangen vom Dom über den grandiosen Blick von der Festung Hohensalzburg bis hin zur Getreidegasse, zum Friedhof der Benediktinerabtei St. Peter und Schloss Mirabell. Nicht zu vergessen die zahlreichen Kaffeehäuser …   



meine blaue Liege

Drittes Abenteuer: Blue Box

Ein elliptischer Raum. Schalldicht. Blauer Boden. Blaue Wände. Blaue Decke. Mittendrin zwei so genannte Alphaliegen aus Fiberglas, von innen beleuchtet. Auch blau.

 

Eigentlich war ja auch John angemeldet, um mit mir diese „Relax-Innovation für die nächste Wellness-Generation“ zu genießen. Nachdem er jedoch hörte, er müsse dazu erst einmal in Bademantel und Frotteeschlappen durchs halbe Hotel laufen war er sich sicher, er könne auf dem Golfplatz viel besser entspannen und überließ mich damit meinem Schicksal …

 

In der empfohlenen Badekleidung schwinge ich mich also auf die linke Liege und harre der Dinge, die da kommen sollen. Die Liege soll erst einmal in Eigenresonanz schwingen. Das bedeutet, dass mein Atem sie in eine leichte Wiege-Bewegung versetzen soll. Soll … soll … soll … weder mein Atem noch die Liege spielen da mit; vielleicht bin ich ja einfach zu schwer für dieses High Tech Gerät?

Durch die Schwingung der Liege sollen dann Klangwellen entstehen, die den Körper durchströmen, ähnlich wie bei den tibetischen Klangschalen.

Ich spüre nichts, obwohl ab und zu ein leichtes Vibrieren durch die Liege geht. Angeberin! Jeder alte Massagesessel kann das besser!

 

Die blaue Liege und ich mögen uns von Anfang an nicht, und sie lässt es mich spüren: sie schaltet einen ihrer eingebauten Lautsprecher einfach ab. Wie soll ich da entspannen, wenn ich die beruhigenden Töne nur auf dem rechten Ohr höre?

 

Ein paar Mal sehe ich auf meine Uhr (auch nicht gerade ein Zeichen von Entspannung!), denn irgendwie tut sich nicht viel. So bin ich froh als die 25 Minuten endlich vorbei sind und ich mich von der Liege erheben darf. Jetzt allerdings will mich das launische Ding nicht los lassen: meine nackten Arme und Beine kleben an der blauen Diva fest …

Später lese ich in der Beschreibung dieses multi-sensorischen Instruments nach und erfahre, was ich eigentlich hätte erleben sollen:

„Der Atem des Menschen bewegt, feine Schwingungen massieren, dreidimensionale Klangwolken hüllen ein und sanfte Wärme löst Anspannungen …“

Beate an Liege: „Hallo, das ist dir bei mir aber gründlich misslungen!“

 

Entspannung: Frühstückswanderung zur Schützingalm

Täglich bietet unser Hotel ein anderes interessantes Programm an. Das geht von Wassergymnastik und Krafttraining über Tennis und Radtouren bis hin zu dem Besuch eines Hochseilgartens.

Wir entscheiden uns für die Frühstückswanderung und stehen um sieben Uhr morgens zusammen mit einer Handvoll anderer Frühaufsteher und ausgerüstet mit Nordic Walking Stöcken und zwei Bergführern vor dem Hotel und machen uns auf in die Bergwelt um den Zeller See.

 

Schnelle Gangart, steile Anstiege, Kuhfladen und Morast, Umwege und Stacheldraht … die Geschichte dieser Wanderung gestaltet sich etwas anders als die übliche Frühstückstour und soll vielleicht ein anderes Mal erzählt werden. Als wir dann endlich auf gefühlten 6.000 Metern Höhe ankommen, werden wir allerdings fürstlich belohnt: mit einem grandiosen Blick ins Tal, mit einer freundlichen Sennerin – und vor allem mit einem fantastischen und liebevoll angerichteten Frühstück. Und das haben wir uns jetzt echt verdient!

 

Abschied vom Pinzgau: Bauernherbstfest und Almabtrieb in Wald i. P.

Von Ende August bis Ende Oktober findet alljährlich und nunmehr schon zum 14. Mal der Bauernherbst im Salzburger Land statt. Auf etwa 2.000 Veranstaltungen zeigen die Bauern ihre Kultur und verwöhnen Einheimische und zahlreiche Touristen mit ihren selbst hergestellten Produkten.

 

Zum Abschluss unseres Aufenthalts im Pinzgau haben wir uns das Bauernherbstfest in Wald ausgesucht. Die kleine Gemeinde in der Nähe der Krimmler Wasserfälle hat knapp 1.200 Einwohner, und an diesem Tag scheint ausnahmslos jeder in das Fest eingebunden und mit Leib und Seele engagiert zu sein.

 

Da gibt es Stände mit kulinarischen Köstlichkeiten und mit handwerklichen Produkten, einen Streichelzoo und Volkstänzer, Trachtenkapelle und Reitvorführungen, ein Kinderprogramm, einen Umzug mit Pferdefuhrwerken zum Thema „Bergbau im Oberpinzgau“, daneben Demonstrationen alter Handwerkskünste und im Haxenranggeln (Ringen), im Schafe scheren und Voltigieren … an jeder Ecke des Dorfes ist etwas los.

 

Höhepunkt vor allem für uns Touristen ist jedoch der Almabtrieb. Der Bauer von der Berger Alm führt seine prächtig geschmückten Kühe von der Sommerweide über die Dorfmitte in den heimatlichen Stall, vorbei an Hunderten von Zuschauern und klickenden Kameras.

Die Rindviecher sehen es gelassen und trotten gemächlich vorbei. Und noch lange haben wir das melodische Läuten ihrer Glocken in den Ohren …

 

 

 

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