Je öfter du unterwegs fragst, wie weit du noch zu gehen hast,

umso länger wird dir der Weg erscheinen.

australisches Sprichwort

 

Auf der Route der grauen Nomaden 

Eine Camperreise von Perth nach Darwin. Fortsetzung

 

Vorbemerkung

Auch in diesem zweiten Teil meines Reiseberichts werde ich nicht groß auf die Sehenswürdigkeiten vor Ort eingehen; schließlich kann man das in entsprechenden Reiseführern und im Netz nachlesen. Vielmehr geht es mir darum, unsere Route mit den Übernachtungsplätzen vorzustellen und unsere Erlebnisse als Camper zu schildern.

 

In Broome verlassen wir die Küste und die "Sandgropers" ("Strandgutsammler"), wie die Menschen in Western Australia scherzhaft genannt werden und fahren in die Kimberleys, diese wilde und urige Region, die fast so groß ist wie Deutschland und Österreich zusammen. Gerne hätten wir den abenteuerlichsten Weg genommen, die Gibb River Road, aber das ist nur mit Allradfahrzeugen erlaubt. Also fahren wir weiter auf dem Great Northern Highway.

 

 

Erste Station ist

Eine sehr schöne, große Anlage, auf der eine Gruppe von kleinen Kängurus lebt. Die Menschen sind freundlich und der Platz ruhig – bis am zweiten Tag eine Bande von acht offensichtlich schwerhörigen, aber sehr kommunikativen Senioren die Plätze neben uns belegt.

 

 

Trotzdem bleiben wir zwei Nächte auf diesem Platz, denn wir wollen uns das alte Fitzroy Crossing ansehen und die Geikie Gorge erkunden. Abends kochen wir Miso-Spaghetti auf dem Außengrill unseres Campers, und morgens pimpen wir unser Müsli mit sündhaft teurem Obst: 8 A$ (etwa 5 Euro) kostete eine kleine Schachtel mit Blaubeeren und 16,49 A$ das Kilo Weintrauben. Die ein kleiner Dieb in einem (fast) unbewachten Moment auch noch dezimierte.

 

Geickie Gorge kurz vor Sonnenuntergang

 

Auf dem Weg nach Halls Creek machen wir Pause auf einem Rastplatz, auf dem man auch übernachten kann. Diese "24 hour-rest-areas", die man relativ häufig am Highway findet, sind mit Toiletten ausgestattet, häufig auch mit Picknicktischen und Grills und wurden angeblich primär für die grey nomads angelegt. Auch für die Fahrer der Road Trains gibt es spezielle Rastplätze: groß, schattenlos, ungemütlich und höchstens mit einem Mülleimer ausgestattet.  

 

Unser Platz heißt "Mary Pool" (18° 43' 62" S, 126° 52' 30" E) und ist ein Traum. Tagebuchnotiz: "Eine Handvoll Trailer unter alten Eukalyptusbäumen in der Nähe des Mary River, dazwischen Kühe und darüber das Gekrächz von Papageien … ein kleiner Garten Eden!"

Wir packen unsere Campingstühle und den Tisch aus, genießen einen kleinen Snack, beobachten die Kühe, die zur Tränke kommen … und müssen leider allzu bald wieder weiterfahren.

 

Idylle am Mary River

Ziemlich rustikal und staubig, und die wenigen Plätze mit spärlichem Schatten sind von Dauercampern belegt. Ansonsten ausgesprochen freundlich und mit sauberen Waschräumen, aber in die Jahre gekommen. Sensationeller kleiner Shop mit wirklich ALLEM, was das Herz begehren und der Camper brauchen könnte.

 

Wie auch Fitzroy Crossing gehört Halls Creek zu den wenigen Ortschaften mit einem höheren Bevölkerungsanteil an Aboriginal Australiern als an weißen und kämpft mit den Problemen, die sich aus dem Zusammenleben der beiden ungleichen Kulturen ergeben.

Warum aber die Polizei in der Nacht auf unserem Campingplatz mehrmals Streife fuhr, das hat sich uns erst später erschlossen, als wir die Bewertungen bei tripadvisor lasen.

 

 

Wieder eine Farm, die einen Campingplatz ihr Eigen nennt. Ziemlich groß und urig, aber mit wenig Schatten. Dafür mit einem Plan, in dem die wenigen vorhandenen Bäume eingezeichnet sind. Wir entscheiden uns für den Stellplatz Nummer 15, und tatsächlich steht dort ein Baum und gibt wenigstens einen Teil des Tages etwas Schatten. Ein weiteres Highlight dieses Platzes: ein großes, offenes Zelt mit einem Gasgrill, mit Tischen und Stühlen. Dazu ein Lagerfeuer, das jeden Abend angezündet wird, und um das man im Kreis herum sitzt, eine Flasche Bier in der Hand und was zum Knabbern neben sich.

Das unbestreitbar größte Plus dieses Platzes ist jedoch seine Lage bei Warmun (früher Turkey Creek) und damit die Nähe zum Purnululu Nationalpark mit der Bungle Bungle Range. Und so buchen wir hier dann auch für 315 A$ (knapp 200 Euro) pro Nase einen Tagesausflug in den Park und lassen uns von Trevor in seinem alten Truck die Gegend zeigen. Nebenbei: eine schweißtreibende Angelegenheit bei den kilometerweiten Wanderungen in der Hitze und über Stock und Stein.

Nach Rückkehr gab's dafür dann noch ein zünftiges "Stockmen's Dinner" am Feuer. Und auch wenn ich mich als Vegetarier bei den Steaks ausklinkte, so schmeckten doch Gemüse und Kartoffelpüree ausgezeichnet, und der apple crumble zum Nachtisch war ein Gedicht.

 

ausgetrocknetes Flussbett in der Bungle Bungle Range

 

Am zweiten Tag wollten wir uns zusätzlich einen Heli-Flug über die Range gönnen, aber leider wurde ausgerechnet an diesem Tag das Fluggerät gewartet. Also weiter zum Doon Doon Roadhouse, das von Aboriginals geführt wird und ein Erlebnis ist: sehr sauber und freundlich, ein netter Shop mit vielen tollen Büchern - und nicht zuletzt ein total leckerer veggie-burger, kreiert nach meinen Wünschen. So gestärkt ging es gut gelaunt weiter an den Lake Kununurra.

 

     

Schön schattig (für uns ein immer wieder wichtiges Kriterium in Down Under) mit altem Baumbestand. Und ein Traum, wenn man wie wir das Glück hat, einen Stellplatz direkt am See zu bekommen. Da stört es dann auch nicht, dass es hier etwas enger zugeht als auf anderen Plätzen und dass wir zum ersten Mal unfreundliche Nachbarn haben. Aber vielleicht wäre ich das auch gewesen, hätte man mir einen Camper direkt vor meinen Ausblick auf den See gestellt.

Unseren großartigen Tag runden dann ein sehr schöner Sonnenuntergang und Hunderte von Flughunden ab, die in der Dämmerung über unseren Platz fliegen … wer denkt da noch an einen ausgefallenen Helicopter-Flug?

 

Tagebucheintrag am nächsten Tag: "Friedlicher Morgen auf dem Campground und ein early morning coffee mit Blick auf den See. In den Bäumen schwatzen unbekannte Vögel, und unsere unfreundlichen Nachbarn sind auch erst einmal weg. Wieder läuft für vier Dollar eine Waschmaschine, und nachher werden wir zur sunset cruise auf dem Lake Argyle abgeholt."

 

Die abendliche Fahrt auf dem Argyle See war ein wunderbares Erlebnis und jeden seiner 125 Dollars wert: ganz aus der Nähe sahen wir kurzohrige Rock-Wallabies und die etwas größeren Wallaroos (Bergkängurus), Freshies (also Süßwasserkrokodile) und einige Wasservögel. Weiterer Höhepunkt: die nach unserem über die Bordwand gehaltenen Brot spuckenden Schützenfische und die etwas trägen, aber verfressenen Welse.

Den Sprung vom Boot ins lauwarme Wasser des Sees überließen wir den Jüngeren, aber dafür langten wir dann beim Sonnenuntergang wieder kräftig zu bei Kräckern und Frischkäse, Hummus und Sekt.

 

Inklusive der Bustransporte von und zum Caravan Park erlebten wir sechs wunderbare, interessante und erholsame Stunden auf dem größten Stausee und Wasserspeicher des Kontinents.

Lake Argyle

Einige Kilometer östlich von Kununurra liegt die Grenze von Western Australia zum Northern Territory. Hier müssen wir die Uhren um 1 ½ Std vorstellen, der Great Northern Highway heißt ab hier "Victoria Highway", und statt der erlaubten Höchstgeschwindigkeit von 110 km/h in WA dürfen wir im NT 130 km/h fahren. Was wir aber nicht tun: erstens sieht man so weniger von der Landschaft, und zweitens haben wir uns an die langsamere und gemütliche Fahrweise gewöhnt.

   

einer von Hunderten

In dem zum Hotel gehörenden Caravan Park kostet ein Stellplatz mit Stromanschluss nur 33A$, für die man zudem viel geboten bekommt: uralte, große Bäume voller Flughunde, ein großes Restaurant, in dem man sehr gut essen und eine Bar, in der man ein Sixpack Bier kaufen kann, wenn der Kühlschrank im Camper leergeworden ist. Die Duschen sind zwar etwas eng, aber das Personal ausgesprochen freundlich und hilfsbereit. Als etwas grenzwertig empfand ich die zweimal wöchentlich stattfindende Krokodil- und Milanfütterung an dem kleinen Billabong* des Platzes. Aber es war eine nette Abwechslung, und den teilnehmenden Kindern machte es großen Spaß.

 

Nachdem wir in der Morgendämmerung von großen und schweren auf unseren Camper fallenden Samen geweckt wurden (die Flughunde!) und nach einem kräftigen Frühstück ging es weiter zum Zwischenstopp nach Katherine. 

Direkt an der Straße gelegen und ziemlich eng und klein. Hier werden organisierte Touren angeboten, z. B. Bootstouren durch die Katherine Gorge. Nichts für uns; das wollen wir direkt im Nitmiluk NP erledigen und steuern am nächsten Tag auf den dortigen Campingplatz.

Allerdings nicht ohne vorher der "Top Didj Cultural Experience & Art Gallery" einen Besuch abzustatten.

gefährliches Geschäft

Die "kulturelle Erfahrung" findet nur nach Voranmeldung und bei einer entsprechenden Interessentenzahl statt, aber wir stöbern und kaufen mit Freude unsere ersten Mitbringsel in dem Shop, besuchen die urige Toilette – und lassen uns im Garten von einem zahmen und neugierigen Wallaby verzaubern.  

Groß und schattig und voller Vogelstimmen. Zutrauliche Kookaburras.

 

Auf der Restaurantterrasse kann man gemütlich speisen und im großen Pool und drumherum entspannen. Wenn er denn nicht ständig von zwei Großfamilien in Beschlag genommen wird.

 

 

Wir buchen eine morgendliche Bootstour durch zwei der Schluchten des Katherine River – und ich bin etwas enttäuscht. Katherine Gorge hatte ich mir uriger, dramatischer vorgestellt. Der kurze Fußweg, den man zwischen den beiden Schluchten zurücklegen muss, ist fast schon peinlich mit seinen ganzen Sicherheitsvorkehrungen, aber das mag in der Regenzeit anders aussehen. Und die zerklüfteten und teilweise über 60 Meter hohen Sandsteinwände der Schlucht sind zwar schön, halten aber keinen Vergleich mit den nur halb so hohen Wänden der Geikie Gorge in der Abendsonne aus. Dass wir die erste Hälfte der Tour gegen die noch ziemlich tief stehende Morgensonne fahren müssen, macht die Schlucht auch nicht unbedingt interessanter, schon gar nicht für die Fotografin.

Dem Boot entstiegen begeben wir uns wieder in den Camper und fahren zur Mittagsrast zur zweiten Attraktion des Nationalparks, den Edith Falls (Leliyn). Hier ist es landschaftlich traumhaft schön mit mehreren Pools, Wasserfällen und einer tropischen Vegetation. Angesichts des 2,6 Kilometer langen Wanderwegs und der Hitze ziehen wir es allerdings vor, auf den Upper Pool zu verzichten und uns am Kiosk des Campingplatzes eine eiskalte Cola reinzuziehen. Und ein frisch zubereitetes vegetarisches Sandwich der Spitzenklasse. 

Wunderschöne, gepflegte und interessante (Eisenbahnthema!) kleine Anlage mit gemütlichen Hütten zwischen blühenden Sträuchern und kleinen Palmen, mit Pool und Shop und großen Dusch-räumen, mit einer Bar und einem Restaurant.

Wen stört es da schon, dass die Stellplätze sehr spartanisch und nahezu schattenlos sind? Wir machen das Beste daraus, ziehen uns mit ein paar eiskalten Getränken an und in den Pool zurück und warten, bis die Sonne weitergewandert ist und wir wenigstens im Schatten des Campers sitzen können.

 

Juni scheint der Monat der Festivitäten hier im NT zu sein. Das dreitägige Goldwäscher-Fest in Pine Creek ersparen wir uns jedoch, nachdem wir den Flohmarkt auf der Dorfwiese gesehen haben und fahren weiter Richtung Litchfield Nationalpark.

In Adelaide River machen wir Rast und staunen nicht schlecht über das 350 Seelen-Dorf, das angesichts von Festvorbereitungen aus allen Nähten zu platzen droht. Tagebucheintrag: "Rock-am-Ring-Feeling. In den nächsten Tagen findet hier die dreitägige Adelaide River Show statt, in der sich alles ums Reiten und Feiern dreht. Alles, was irgendwie nach einem Pferd aussieht, nach einem Trailer oder einem Zelt hat sich auf dem riesigen Festgelände versammelt. Dazwischen jede Menge Eskies* sowie ausgesprochen sattel- und trinkfest aussehende Aussies. Staub und Hitze."

 

Wir stürmen den höchstens 20 m² großen Supermarkt des Orts, gönnen uns ein Eis am Stiel und fahren weiter nach Batchelor. Batchelor mit seinen 650 Einwohnern hat eine ziemlich gute Infrastruktur. Eine Tankstelle gibt es hier und einen Tennisplatz, Schwimmbad und Sportstadion, Schule, Bücherei, drei Kirchen, ein Museum, einen General Store (Gemischtwarenladen), eine Kneipe und was-weiß-ich-noch-alles. Natürlich auch einen Wohnwagenpark.

 

 

Direkt am Litchfield NP gelegener Campingplatz. Groß, ruhig, schattig und freundlich. Schöner Grasboden. Der Pool und die Camping-küche sind zwar etwas verwahrlost, aber dafür gibt es rosagestrichene Waschräume für die Sheilas* und hellblaue für die Blokes*, und bei den Damen steht sogar eine Glasvase mit frischen Blumen.

 

Die morgens und abends stattfindende Fütterung von Papageien und anderen Wildvögeln ist zwar enttäuschend (vor allem Kinder und Fotografen wären gerne etwas näher als die erlaubten etwa 15 Meter herangegangen), aber alles in allem ist der Platz ein erholsames Paradies mit schattenspendenden Palmen und blühendem Hibiskus.

 

 

Wir wählten diesen unseren letzten Campingplatz wegen seiner Nähe zu Darwin, wo wir den Camper abgeben mussten – und wir fanden einen großen, aber ruhigen Platz vor mit viel Rasen, mit Palmen und zwei Pools, mit Ibissen zwischen den Wäscheleinen, einem Pfau bei den Zelten sowie einem niedlichen, neugierigen Possum, das uns in beiden Nächten besuchte.

 

Ein artenreicher Campingplatz mit Toiletten, die "all in one" sind, also mit Dusche und Waschbecken. Und hier, am letzten Tag, bekamen wir es endlich bestätigt: es gibt tatsächlich manchmal Frösche in den Toilettenschüsseln, und es macht Sinn, die Klodeckel zu schließen.   

 

 

Nach 33 Tagen im Camper und einer Nacht in einem Hotel in Darwin begaben wir uns mit 10 australischen Mitreisenden auf eine viertägige, geführte Tour im geländegängigen Kleinbus mit Anhänger. Wir verpflegten uns selbst, unternahmen Wanderungen, schwammen in Pools und lernten den Litchfield NP, den Kakadu NP und Arnhemland intensiv kennen. Aber das ist eine ganz andere Geschichte … 

 

 

* kleines Aussie-Wörterbuch Teil 2

 

Sheilas – Damen(toilette)

 

Blokes – Herren(toilette)

 

Billabong - ein Gewässer, das sich ähnlich einem Wadi in der Regenzeit mit Wasser füllt und während der Trockenzeit mehr oder weniger stark austrocknet

 

Eskies (Plur., Sing. Esky) – Kühlboxen

 

Kommentare

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  • Anni (Freitag, 27. Juli 2018 21:16)

    Sonderpunkte für dich wegen des Berichtes und der Fotos!!!
    Du bist eben grossartig.
    Bis später...lG