Die unbekannten Wege

sind die Geschenke des Lebens.

australisches Sprichwort

 

Auf der Route der grauen Nomaden

Eine Camperreise von Perth nach Darwin

 

Grey nomads (graue Nomaden), so nennt man in Australien die Rentner, die in immer größerer Zahl durchs Land ziehen. Wenn es im Juni/Juli in Melbourne und Perth kalt und unfreundlich wird, machen sie ihr Wohnmobil oder ein leistungsstarkes Allradfahrzeug mit Wohnwagen klar und brechen auf Richtung Norden, in die Wärme der Tropen.

 

Irgendwo habe ich gelesen, dass 325.000 Campmobile in Australien angemeldet sind. Alle offensichtlich gut ausgerüstet, vom faltbaren Wäschegestell bis hin zur Satellitenschüssel. Vor der Tür zum leichteren Einstieg ein Fußbänkchen (um das ich unsere australischen Mitreisenden im Laufe der Wochen öfter beneiden werde), und unter dem meist ausladenden, schattenspendenden Vordach ein großer Kunststoff-Teppich, um Staub und Sand wenigstens etwas fernzuhalten.

 

Gefühlt jedes vierte Rentnerpaar ist mit einem Hund in Dackelgröße unterwegs. Pünktlich um 16.00 Uhr öffnet man den gut gefüllten Kühlschrank, und es gibt ein eiskaltes Bier für Ihn und einen leichten Weißwein im Kelchglas für Sie. Kurze Zeit später dann werden die Gasgrills angeworfen, und der Duft nach Bratkartoffeln, Würstchen und Steaks zieht durch den Caravan Park.

Sonnenuntergang 17.25 Uhr. Und dann wird es dunkel auf dem Gelände, denn alle ziehen sich zum Essen und anschließenden Fernsehgucken in Wohnwagen oder Zelt zurück. Nur zwei bekannte Exoten aus Deutschland nehmen ihr Dinner auf den Campingmöbeln vor dem Womo ein und sitzen im Schein einer Zitronella-Kerze noch lange draußen, trotzen den mozzies* und bewundern den fantastischen Sternenhimmel.

 

      

                                                      Perth

Blick vom King's Park auf die Stadt >>> alle Fotos vergrößern sich beim Anklicken

 

 

Nach drei Tagen in der Stadt übernehmen wir unser rollendes Heim für die nächsten Wochen, einen Mercedes Sprinter. Der Ultima Plus Camper von Maui bietet alles, was man so zum Leben auf der Straße braucht oder auch nicht braucht, von Sitzecke/Doppelbett und Duschkabine mit Toilette über Gasherd, Spüle, Mikrowelle und Fernseher bis hin zum ausziehbaren (Außen-) Gasgrill. Dazu einen Wassertank, einen Abwassertank, Campingstühle und -tisch und und und …

Sogar ein GPS-Gerät mit den bereits eingegebenen Daten unserer geplanten Route haben wir von unserem Reisebüro bekommen, aber um das vorwegzunehmen: wir verzichteten darauf und genossen es, auf die "altmodische Tour" und flexibel zu reisen, ausgerüstet nur mit einem Autoatlas, unserem Reiseführer - und einem Navi als Kompromiss.

 

12 Jahre ist es her, dass wir das letzte Mal einen Camper übernahmen und uns in seine Handhabung einweisen ließen. Ich erinnere mich an einen freundlichen, älteren Herrn, der uns bis hin zur letzten Steckdose alles geduldig erklärte.

 

Das geht heute anders: wir bekommen ein Tablet in die Hand gedrückt und dürfen erst einmal schätzungsweise 100.000 Daten eingeben, von Name und Adresse über Führerscheindaten bis hin zur Kreditkartennummer. Anschließend erklärt uns eine junge Asiatin mit einer Checkliste in der Hand und in einem stakkatohaften australischen Englisch das, was wir über unser neues Zuhause und seine Bedienung wissen müssen. Sie hat es eilig (das Wochenende steht vor der Tür), und so hetzt sie durch die ganzen Punkte, dass wir ihr kaum folgen können. Später sollte sich übrigens herausstellen, dass sie dabei einen wichtigen Punkt übersehen hatte, nämlich dass wir nicht nur Frischwasser auffüllen sowie den Brauchwassertank und die Toilette von Zeit zu Zeit leeren müssen, sondern, dass letztere auch einen Tank mit Wasser zum Spülen hat, der aufgefüllt werden muss.

 

"Und wofür ist dieser rote Schalter?" – "Forget it; you will not need it!" Beruhigt von dieser Aussage verabschieden wir uns von Miss Maui, werfen unser Gepäck in den Camper und starten zum nächsten Supermarkt, um uns mit Lebensmitteln und anderem nötigen Kram für die nächsten Wochen einzudecken.

 

erster Einkauf

 

 

23 verschiedene Caravan Parks fahren wir auf unserer Tour an; wie Perlen auf einer Schnur reihen sie sich von Perth bis nach Darwin.

Obwohl wir meist die komfortableren Campingplätze mit schattenspendendem Baumbestand, mit Stromanschluss und Pool anlaufen, ist jeder von ihnen anders und hat seine ganz besonderen Eigenheiten.

Natürlich sind die folgenden Schilderungen subjektiv und wären zu einer späteren Reisezeit vielleicht auch anders. Bei unserem Start im Mai ist quasi Vorsaison. Die meisten grauen Nomaden sind noch nicht aufgebrochen, es ist auch keine Ferienzeit – und so erleben wir, dass wir so gut wie überall den Caravan Park unserer Wahl ansteuern können und einen schönen Platz bekommen, ohne vorbuchen zu müssen.

 

Ich bedanke mich ganz herzlich bei Travelmaus für die Erstellung der Karte

 

 

Große Rasenflächen-Stellplätze, teilweise Sand. Ziemlich leer. Freundlicher Service. Sauber und ruhig. Und unser erster, fantastischer Sonnenuntergang, der sich in den Fenstern des Campers spiegelt.

 

Gemütlicher Standplatz unter hohen Eukalyptus-bäumen, ein kleiner Shop und ein Restaurant mit netten Leuten. Mein Avocado Smash mi Blick auf den Indischen Ozean war ausgesprochen lecker, und auch der später einsetzende Regen konnte uns die Stimmung nicht verderben.

 

 

Rechtzeitig zum Besuch des Nambung Nationalparks besserte sich dann das Wetter wieder, so dass wir die Pinnacles Wüste in ihrer ganzen Großartigkeit erleben konnten.

 

auf vier km² unzählige verwitterte Kalksteinsäulen: die Pinnacles

Sensationelle Lage direkt am Strand, viele Rasenflächen, aber leider voller Hundehäufchen. Geregnet hat es hier auch, also gönnen wir uns für 10 Dollar Aufpreis den Luxus eines "ensuite"-Stellplatzes mit eigener Dusche und WC und beschäftigen im Camper unseren dreiflammigen Gasherd.   

 

In Geraldton hieß es dann auch für uns das erste Mal tanken. Wir wussten zwar, dass der Treibstoff wie so vieles andere immer teurer wird, je weiter man in den Norden kommt. Dass das aber selbst für eine Stadt zutreffen kann, erfuhren wir hier.

1,379 A$ kostete der Liter Diesel im Süden, 1,499 A$ in der Mitte und 1,519 A$ im Norden. Zufall?

Den preiswertesten Diesel gab es immer an den Shell-Tankstellen, den weitab teuersten in den Roadhouses. Im Willare Bridge Roadhouse östlich von Broome zahlten wir stolze  1,899 A$.

Manchmal geht es halt nicht anders, und manchmal ist man sehr dankbar, überhaupt etwas in den Tank zu bekommen, wie wir später noch erfahren sollten.

 

Caltex Tankstelle

 

 
Weiterfahrt über die pinkfarbene Hutt Lagoon und den Kalbarri NP zum Hamelin Pool.
für die Farbe der "Pink Lagoon" verantwortlich ist die Alge Dunaliella salina
Kalbarri Nationalpark

Sehr in die Jahre gekommener, rustikaler Campingplatz neben einer ehemaligen Telegraphenstation. Den Strom gibt's nur per Generator ("bitte nicht zwei Geräte gleichzeitig anschließen!"), das Café mit Shop quillt über vor verstaubtem Kitsch und Krempel, und die Besitzerin in ihrem etwas schmuddeligen Hippie-Outfit ist ziemlich planlos; an die Bezahlung für den Stellplatz mussten wir sie erst erinnern. Die Gemeinschaftsduschen und Toiletten sind zwar sauber, aber Rost und kaputte Armarturen scheinen hier Programm zu sein - und seinen Müll muss man auch wieder mitnehmen.

 

 

 

 

Aber für diesen Campingplatz spricht eindeutig seine Lage in der Shark Bay, die in die Liste des UNESCO Weltnaturerbes aufgenommen wurde.

1956 wurden hier im Hamelin Pool Stromatolithen entdeckt, fast 3,5 Milliarden Jahre alte, biogene Sedimentgesteine aus teils sehr feingeschichtetem Kalk und die ältesten bekannten Lebensformen unserer Erde. 

Anders ausgedrückt: ohne diese lebenden Fossilien würde es uns nicht geben, und so erstaunt es dann auch nicht, dass die Aboriginals die Stromatolithen ihre "ancestors", also ihre Vorfahren nennen.

 

Ausflug nach Monkey Mia. Unserer Information zufolge sollten die dortigen Delfinfütterungen bis 13 Uhr gehen, aber als wir um 10 Uhr in dem Resort ankamen, sahen wir gerade noch die beiden letzten Delfine wegschwimmen und eine weibliche Stimme aus dem Lautsprecher verabschiedete die Gäste bis zum nächsten Morgen um 7.45 Uhr. Dumm gelaufen.

 

So nahmen wir halt nur ein Getränk zu uns und trösteten uns mit dem Gedanken, dass die 24 Dollar Eintritt für das Resort der Forschung und den Delfinen zugute kommen.

Superschön mit Palmen, Bougainvillea-Büschen und Papageiengekreisch in den Eukalyptusbäumen … aber mit ziemlich unfähigen und unflexiblen Mitarbeitern. Schon von Deutschland aus hatten wir ein relativ günstiges Paket mit 7 Übernachtungen auf BIG4-Campingplätzen gekauft, aber hier in Carnarvon wollte man es nicht anerkennen und machte Stress. 

 

Caravan Park ... bei über 30 Grad Celsius eine schattige Oase
Wendekreis des Steinbocks

 

 

 

 

 

Von Carnarvon und seinen Obst- und Gemüseplantagen ging es weiter über den Wendekreis des Steinbocks und Coral Bay nach Exmouth.

Großartiger Stellplatz im Schatten unter Eukalyptusbäumen. Friedlich. Spitzschopftauben suchen im Gras nach Brotkrümeln und Haferflocken von unserem Frühstück, und beim Lesen schaut mir unvermutet ein Emu über die Schulter.

Für mich ein magischer Moment war die Begegnung mit einem Dingo, der plötzlich in etwa zwei Metern Entfernung vor mir stand. Wir schauten uns nur an – und irgendwie blieb die Zeit stehen. Leider zerstörte ich diesen Zauber, als ich nach meiner Kamera suchte, um das Erlebnis festzuhalten.

Klar, dass Dingos nicht auf einen Campingplatz gehören. Aber sie sind ungefährlich und eher scheu, und ich möchte diese Begegnung um keinen Preis missen.

 

Tierbegegnungen fanden auf unserer Tour außerhalb der Campingplätze leider kaum statt; dafür sahen wir unzählige überfahrene Wallabys, mehrere kleine Beuteltiere, Schlangen und einen Schnabeligel auf der Straße und am Straßenrand. Ein Anblick, den ich kaum ertragen konnte.  

 

Der Holiday Park gefiel uns jedoch so gut (und ist perfekt, um von hier aus den Cape Range Nationalpark und das Ningaloo Reef zu erkunden), dass wir gleich drei Nächte blieben.

 

Großer Emu; Habitat: Holiday Park
Cape Range NP
... und in einem Baum am Wegrand unser erster Bär!

 

Auf dem Weg über das Nanutarra Roadhouse zum Karijini NP fällt uns ein Schild auf, das auf den Cheela Plains Station Stay* aufmerksam macht. Warum hier im Herzen der Pilbara-Region nicht einmal auf einer Farm übernachten? denken wir uns und biegen kurz entschlossen von der Hauptstraße ab. Wir sollten es nicht bereuen.

Die Cheela Plains Station gehört Evan and Robin Pensini, die hier mit ihren vier Jungs eine Rinderzucht betreiben und als zweites Standbein Station Stay anbieten. Wir fragen nach einem Stellplatz mit Stromanschluss und stehen kurze Zeit später neben einer Handvoll anderer Camper im Schatten von kleinen Bäumen um eine runde Rasenfläche herum.

Duschen und Toiletten sind in einem silbern blinkenden Wellblechschuppen untergebracht und blitzsauber, die Campingküche großzügig bemessen. Dass es hier kein fließend heißes Wasser gibt, stört nicht, denn da erinnert ein Schild die Spülerin: "Need hot water? Boil the kettle."

Alles ist sehr freundlich und familiär hier … bis auf die schätzungsweise 100.000 Fliegen, die uns belästigen. Unflätiger Reisetagebuch-Eintrag: "Scheiß-Mist-Viecher!!!!!!!!"

 

Cheela Plains Station

 

Nach wieder einem gemütlichen und ausgiebigen brekkie* geht's weiter Richtung Karijini NP. Da es zu dieser Jahreszeit schon ziemlich früh dunkel wird und wir nicht bei einsetzender Dämmerung auf dem Campingplatz des Nationalparks mit seinen Schotterstraßen einlaufen wollen, stoppen wir schon nach schlappen 170 Kilometern in Tom Price.

 

Die Kleinstadt Tom Price mit ihren 5.460 Einwohnern "ist ein als grüner Garten getarntes Bergbaustädtchen, das mit seinen üppigen Grünanlagen ein wenig Oasenatmosphäre zu schaffen versucht" schreibt unser Reiseführer. Wir sehen das ähnlich, ergänzen unsere Lebensmittel-Vorräte im hiesigen Coles-Supermarkt und genießen unter den beobachtenden Blicken von einigen Little Corellas (Nacktaugenkakadus) erst einmal einen kleinen Snack und einen flat white* im Palmenschatten.

 

Australien ist kein billiges Land; die Lebenshaltungskosten sind höher als bei uns. Und immer wieder erstaunt mich das Angebot, vor allem bei Obst und Gemüse. Da gibt es nichts, was es nicht gibt (es sei denn, das Flugzeug mit dem frischen Brot oder den Weintrauben ist ausgefallen), und alles wird ausgesprochen appetitlich präsentiert; Salate, Kohl und Frühlingszwiebeln liegen sogar auf Eis, und die Zwiebeln sind bereits geschält. In den ganzen 6 Wochen sah ich nie auch nur ein Stück Obst, das nicht perfekt war. Wer kauft und bezahlt das alles? frage ich mich – und vor allem: was machen die mit den Sachen, die nicht mehr ganz frisch sind?

 

 

Unser Bier ist auch alle, aber es ist Sonntag, und wie überall im Land hat der bottlemart* geschlossen. Kein Problem; den Sonnenuntergang auf dem Campingplatz können wir auch ohne Alkohol feiern.

Im 3 Kilometer vor Tom Price gelegenen Tourist Park ist das Rückwärts-Einparken Pflicht, aber ansonsten ist alles ziemlich entspannt. Wir stehen wieder im Schatten (bereits nach der zweiten Übernachtung kamen wir auf die hervorragende Idee, die Campingplätze nicht zu spät anzufahren, um noch einen schattigen Platz zu bekommen), wir haben wieder nette Nachbarn, und eine Bande von Galahs (Rosakakadus) beweist eindrucksvoll, warum man sie auch "Schnatterkakadus" nennt.

Ein schöner, typischer Nationalpark-Campingplatz: wild, rot und staubig, mit gelbem Gras und den ersten Blumen der Saison; hier ist man wirklich mitten in der Natur und hat viel Platz um sich herum. Hier gibt es auch keine elektrische Beleuchtung, dafür aber die berühmten "Aussie Long-Drop"-Toiletten, und wer unbedingt duschen will, kann dies im 11 Kilometer entfernten Karijini Visitor Centre tun.

 

unser Stellplatz

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

"Aussie Long-Drop"-Toilette

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

... und Bedienungsanleitung

 

Anstatt 11 Kilometer bis zur nächsten Dusche zu fahren, finden es die meisten Besucher offensichtlich besser, in einen der Naturpools zu springen, die man auf einer Wanderung durch die Dales Schlucht erreicht. Der Fern Pool ist besonders schön, aber als wir die ganzen Leute sehen, die hier mit ihren bunten Schwimmnudeln herumplantschen (wie muss das erst in der Hauptsaison sein?), vergeht uns die Lust am Baden. Wir suchen uns lieber einen ruhigen Platz und genießen die großartige Landschaft: die roten Felsen mit den weißstämmigen snappy gums (Geistereukalyptus), das Grün der Büsche, das Türkis des Pools und die weiße Gischt der Wasserfälle.

 

 

 

Der Abend hält ein ganz besonderes Highlight für uns bereit: Phill Witt, Hobby-Astronom und Gründer von Remtrek Astronomy, hat auf dem Campground mehrere Reihen Stühle und drei verschiedene Teleskope aufgestellt und erklärt uns in einer großartigen und kurzweiligen, zweistündigen Show den südlichen Sternenhimmel. Und während Phills Laserpointer über den nächtlichen Himmel wandert, lernen wir sie "alle" kennen, von Alpha Centauri bis zum Sternbild Skorpion. Durchs Teleskop betrachtet beeindrucken mich besonders das funkelnde Schmuckkästchen im Kreuz des Südens und Jupiter, der heute zwei blaue Farbbänder trägt.

Eine wunderbare "astronomische Nacht" – und sie endet themengerecht mit einem Riegel Milky Way, den Phill jedem Teilnehmer zum Abschied schenkt.

 

 

 

Auf dem Weg zurück zur Küste bestaunen wir die kilometerlangen Züge, die zwischen den Eisenerzminen der Pilbara und Port Hedland pendeln. Zum ersten Mal sehen wir hier auch unzählige Road Trains, diese Sattelschlepper mit mehreren Anhängern und bis zu 60 Metern Länge. Sie fahren zwar ziemlich schnell, aber trotzdem ist man ab und zu gezwungen, sie zu überholen. Da heißt es, ein gutes Auge auf den Gegenverkehr und starke Nerven haben.

auf der Überholspur

 

Port Hedland wurde binnen kürzester Zeit zum größten Exporthafen für Eisenerz und ist nicht sonderlich attraktiv. Trotzdem beschließen wir, hier 2 Nächte zu bleiben, um den roten Staub aus Karijini abzuwaschen und unsere Klamotten wieder einmal einer Waschmaschine anzuvertrauen.

 

Reisetagebuchnotiz:

" … ein Caravan-Park der Schilder (Dos und Don'ts); allein in den Waschräumen für Ladies zähle ich 13 Stück!

Ziemlich laut ist es auch hier; ständig läuft mindestens einer in Khaki-Shorts herum und pflegt das Gelände: mit Rasenmäher und Laubsauger und Kehrmaschine. Bis jetzt haben wir noch keinen solch' ordent-lichen Campingplatz gesehen, hier trocknen sogar die frisch gewaschenen Wischmopps ordentlich aufgereiht in der Sonne."

 

So richtig gemütlich finden wir das alles nicht – und machen uns schon am frühen Morgen auf den Weg zum Eighty Mile Beach.

"There are no strangers at Eighty Mile Beach, just friends you haven't met yet!" wirbt der Campingplatz auf seiner Homepage – und genauso empfinden wir das auch vom ersten Moment an. Hier grüßt dich wirklich jeder lächelnd, hebt dabei lässig einen Arm oder nuschelt ein freundliches "Ha ye goin'?"*     

 

Der Caravan Park bietet 150 schattige Rasen-Stellplätze, alle mit Strom- und Wasseranschluss, und ein kleiner Laden versorgt die Camper mit den wichtigsten Sachen, denn der Caravan Park liegt ziemlich abgelegen.

Der Stellplatz mit Stromanschluss kostet hier 45 A$, was wir für australische Verhältnisse angemessen finden; im Durchschnitt zahlten wir für eine Übernachtung 41,5 A$ (27 Euro).

 

Laut Vermieter dürfen wir mit unserem Camper nicht mehr als 12 Kilometer unsealed road* fahren, um einen Campingplatz zu erreichen. Da hatten wir Glück, denn die Schotterstraße, die uns nach dem Abbiegen vom Great Northern Highway zum Caravan Park führte, ist nur 10 Kilometer lang. Und dann sind es vom Campingplatz nur noch 50 Meter Fußweg bis zu dem 220 km langen Strand, einem Paradies für Muschelsammler und einem beliebten Treffpunt zum Sonnenuntergang. Den wir genießen; stilgerecht auf unseren Camping-stühlen und mit einem eiskalten Bier in der Hand.

 

zwei graue Nomaden im sundowner-Modus

 

Nach wieder einer lausig kalten Nacht mit viel Wind machen wir uns auf Richtung Broome. Wir haben nicht mehr viel Diesel im Tank und müssen feststellen, dass zu der angekündigten nächsten Möglichkeit des Tankens offensichtlich nur eine 23 Kilometer lange Schotterstraße führt. No way. Also heißt es durchhalten bis zum nächsten Roadhouse. Bedeutet: über 100 Kilometer lang spritsparend fahren (langsamer fahren, nicht überholen, A/C ausstellen …), bangen und Bestellungen ans Universum schicken.

Sämtliche Maßnahmen zusammengenommen halfen dann auch, und quasi auf den letzten Liter Diesel landeten wir im Roebuck Plains Roadhouse.

 

Ach, ich liebe diese australischen Raststätten, aber das Roebuck Plains Roadhouse habe ich besonders ins Herz geschlossen. Mit seinem netten Shop, mit dem urigen Restaurant und der Bar, mit den blitzsauberen, modernen Toiletten, dem freundlichen Service und mit seinem üppigen "All Day Breakfast", das wir uns auf den Schreck hier gönnten. Aber ganz besonders liebe ich es, weil wir hier unseren Tank wieder einmal randvoll mit Diesel packen konnten.

Roebuck Plains Roadhouse: Restaurant und Bar
... und ein "All Day Breakfast" für Vegetarier

Von Anfang an fühlten wir uns hier nicht besonders wohl, denn der Platz ist sehr groß, staubig und ungepflegt, laut und irgendwie kruschelig. Man hockt ziemlich eng aufeinander, und dass man uns in die hinterste Ecke verbannte, machte das Ganze auch nicht besser. Toiletten und Duschen waren zwar ok, aber den Rest gab mir die keimige Camp-Küche; da musste ich erst einmal Essensreste wegkratzen und putzen, ehe ich unser Geschirr spülen konnte.

 

... da war's im gepflegten Port Hedland (Foto) doch besser!

 

Da wir etwas länger in Broome bleiben wollten, checkten wir am nächsten Tag ohne Bedauern aus – und 650 Meter weiter gleich wieder ein, in den Tarangau Caravan Park.

Freundlich, schattig und leise sind die ersten Adjektive, die mir zu diesem Campingplatz einfallen. Die Frangipani-Bäume stehen in voller Blüte, und ab und zu kommt der Eismann in seinem rosafarbenen Wagen vorbei. Ein idealer Ort, um zu entspannen.

 

Hier in Broome, dem touristischen Zentrum der Kimberleys, verbringen wir ganze vier Tage. Wir sehen uns einen Film im ältesten (Freiluft-) Kino Australiens an, sitzen in Chinatown bei Bananenbrot mit Butter und dem unvermeidlichen flat white in einem Straßencafé, besuchen Galerien, kaufen Postkarten und thongs*, besichtigen die farbige Felslandschaft am Gantheaume Point und den japanischen Friedhof, fotografieren Kamele am Strand, gehen zum Thai essen und hängen auf dem Campground ab. Nicht zu vergessen, der Besuch in der Maui-Filiale, wo wir unsere Bettwäsche und die Handtücher gegen frische austauschten. Was auch dringend nötig war.  

 

 

Wir haben die Hälfte der Strecke nach Darwin hinter uns, freuen uns und sind gespannt auf das, was da auf den nächsten 3000 Kilometern noch alles kommen mag.

 

 

 

* kleines Aussie-Wörterbuch

 

bottlemart ~ liquor shop, Getränkemarkt

 

brekkie ~ breakfast, Frühstück

 

flat white ~ Kaffee mit leicht aufgeschäumter Milch

 

ha ye goin'? ~ how are you?, wie geht's? Australier erwarten darauf übrigens keine Antwort

 
mozzie ~ mosquito, Stechmücke

 

station stay ~ Farmaufenthalt

 

thongs ~ Flip Flops

 

unsealed road ~ ungeteerte Straße

 

 

Teil 2

Kommentare

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  • Dani (Mittwoch, 22. August 2018 21:32)

    Das war schön. Habe sehr über den ersten Bären gelacht und bei den Fliegen mitgelitten. Danke für die schöne Zeitreise! LG Dani

  • Anni (Donnerstag, 12. Juli 2018 10:53)

    Hallo Beate,
    heute erst komme ich dazu, deinen Aussi-Bericht zu lesen und auch zu genießen. Ich fühlte mich wieder nach dort versetzt, auch weil du in wundervoller Weise deine/eure Erlebnisse geschildert hast. Einiges war mir neu, beispielsweise, dass so viele Camper unterwegs sind. Auch, dass man inzwischen fast immer und überall frisches Obst bekommen kann. "Graue Nomaden" scheinen das zu brauchen und auch zu genießen ;-).
    Danke für deinen informativen und persönlichen Bericht! Ungeduldig warte ich auf deine Fortsetzung.

  • Jutta Dotzler (Montag, 09. Juli 2018 16:07)

    G'day! Einfach genial. Danke für die kurzweiligen Schilderungen. Hat einmal mehr Spass gemacht deinen Bericht zu lesen und ich freue mich auf die weitere Reise. Cheers Jutta

  • Hedi (Samstag, 07. Juli 2018 11:00)

    Puh, hechel, hechel ...
    Um den Rand eines Kontinents zu erkunden, muss man sich wohl täglich auf neue Dinge einstellen. Kommt mir nicht ganz unbekannt vor.
    Viele Highlights bislang - frischgewachene Wischmopps - und das ist erst die Hälfte der Reise...
    Du nimmst einen - wie gewöhnlich - sehr anschaulich auf diese Reise mit. Deine Schilderung, besonders die der Zustände auf den Rastplätzen, ist bestimmt eine Hilfe für alle diejenigen, die Ähnliches vorhaben. Alternativen zur Erkundung des australischen Ostens gibt es wohl nicht.
    Na, dann bin ich mal gespannt auf die Weiterfahrt!
    LG Hedi

  • Wilfried Hofmann (Freitag, 06. Juli 2018 10:42)

    Lieb Beate, sehr schön geschrieben. Danke an die Grauen Nomaden!
    Freue mich auf die Fortsetzung!
    LG, Wi

  • Anita und Dieter (Donnerstag, 05. Juli 2018 16:28)

    Super Reisebericht über Western Australia. Am liebsten führe man gleich hin! Sehr schön und humorvoll geschrieben! Eine Freude, das zu lesen! Bin gespannt auf die Fortsetzung!

  • Ildiko (Donnerstag, 05. Juli 2018 14:52)

    Gute Idee, dich die Campingplätze entlang zu hangeln, das ist unglaublich hilfreich für "Nachreisende" und man kann sich tatsächlich den exklusiven Veranstalter sparen - das Roadbook hast du ja hier abgeliefert.
    Macht alles richtig Lust auf Western Australia, auch wenn ich noch nicht mal den berühmten Osten kenne.
    Ich freue mich schon auf die nächsten Etappen!
    Liebe Grüße
    Ildiko

  • Uwe (Dienstag, 03. Juli 2018 13:49)

    Leider erst heute gelesen und sofort hat mich das Fernweh gepackt. Leider bin ich für diese Art des Reisens nicht geeignet, aber es liest sich so schön. Ich freue mich auf die Fortsetzung und kann es kaum erwarten.

  • "Blula" (Montag, 02. Juli 2018 12:51)

    Bewundernd, voller Interesse und Vergnügen bin ich hier den Grey nomads (;-)) gefolgt. Bin halt auch immer gern 'mit Beate unterwegs' und freue mich bereits jetzt auf die Fortsetzung dieses herrlichen Reiseberichts.
    LG Ursula

  • Tina (Sonntag, 01. Juli 2018 18:16)

    Oh, da war aber jemand fleißig!
    Danke fürs Teilen der eindrucksvollen Australien-Erinnerungen! Auch wenn es mich nicht nach down under zieht, so finde ich doch vieles reizvoll von dem, was du schilderst( sundowner am einsamen Strand, etc.).
    Liebe Grüße....Tina

  • Zypresse (Sonntag, 01. Juli 2018 16:04)

    Hach wie schön, der Beginn des Reiseberichts.Klingt alles ganz zauberhaft - und viele nützliche Infos für Euch-Nach-Reisende hast Du auch untergebracht. Ich freue mich schon, wenn es weitergeht!