Jeder Engländer ist eine Insel

Novalis (1772-1801)

 


Die Insel der Abenteuer

Eine Reise in den britischen Alltag

 

Für alle virtuellen Besucher meiner Abenteuerinsel, für Freunde und Bekannte, die persönlich viel Freude und Lachen auf die Insel brachten

– und vor allem für Doris, die ich leider erst nach unserer Rückkehr kennenlernte. Ich bin sicher, ihr hätte es auch gefallen auf unserer Insel der Abenteuer.

 


 

 

Großbritannien, unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 1994. Dies sind die Aufzeichnungen einer deutschen Hausfrau, die mit ihrem Mann und einem Hund drei Jahre auf der Insel wohnt, um fremde Bräuche zu erforschen und an dem Leben der dortigen Zivilisation teilzunehmen. Durch einen Kanal um viele Lichtjahre vom „Kontinent“ entfernt, macht die Hausfrau dabei Erfahrungen, die sie nie für möglich gehalten hätte ...

 

Blackheath, 30. April 1994

Hier sitze ich nun, in unserem neuen dining room mit Blick auf ein reichlich verwildertes Gärtchen und bei heißer Musik aus dem Ghettoblaster (zum Glück hatte ich unseren einzigen Steckdosenadapter eingepackt!), und ich lasse die letzten Stunden und Tage Revue passieren.

 

War schon eine kleine logistische Meisterleistung, dieser Umzug: da wir hier in London erst einmal ein möbliertes Haus gemietet haben, mussten wir unsere Möbel und vielen Kleinkram bei einer Spedition einlagern und konnten nur die allerwichtigsten Sachen mitnehmen, die zudem in meinen Vitara passen mussten.

 

Erster Rundgang durch unser neues village, den Londoner Stadtteil Blackheath. Sonne, ein riesiger Park, schnuckelige Geschäfte, Blumen-, Obst- und Weinläden, nette Pubs, Straßencafés, jede Menge nette Restaurants (spanisch, türkisch, indisch, thailändisch, mexikanisch, vietnamesisch), Post, Bücherei, Bahnhof … hier können wir es eine Zeit lang aushalten!

Kaufte so wichtige Sachen wie Briefmarken, schwarze Mülltüten und Spülmittel, um mich dann um unser Haus zu kümmern, um halb verhungerte Zimmerpflanzen, ums Putzen und Auspacken und Einräumen.

unsere erste Bleibe in London: 27 Collins Street

1. Mai 1994

Unser zweiter Monat auf der Insel. Wir haben herausgefunden, warum ich gestern Abend leicht frieren und heute Morgen kalt duschen musste: das Gas ist abgestellt! Und wir können die British Gas nicht anrufen, weil auch das Telefon nicht geht.

Außerdem ist Sonntag. Was uns aber nicht davon abhielt, wie unzählige Londoner auch, im Sainsbury’s groß einzukaufen; davon können wir in Deutschland nur träumen! Einen kleinen Lebensmittelvorrat haben wir uns zugelegt, eine Wäscheleine samt Klammern, Küchentücher, Haushaltsfolie (Cling Film), Alufolie (Kitchen Foil), Waschmittel und eine Fernsehzeitschrift. Leider gab es keinen Wasserkocher, denn der vorhandene rinnt und versucht, Ärger zu machen.

 

Gemütliches Frühstück, genauer: die Reste vom gestrigen Abendbrot, denn die bereits für bacon and eggs aufgeschlagenen Eier konnten mangels Gas für den Herd nicht gebraten werden und wanderten unverrichteter Dinge in den Abfluss; der bacon wurde in kitchen foil eingewickelt und wieder im Kühlschrank deponiert.

 

Unsere Nachbarn hatten heute Morgen große Wäsche, andere nutzen den Sonntag, um ihr Auto zu waschen, das Haus zu renovieren oder im Garten zu arbeiten: wir sind in einem fremden Land!

2. Mai 1994

Eigentlich wollte ich heute einen Wasserkocher kaufen, aber weil der gestrige Feiertag auf einen Sonntag fiel, ist heute „Bank Holiday Monday“. Das bedeutet, die meisten Geschäfte sind geschlossen, und so widme ich mich weiter der Hausarbeit.

Kaum die Hütte verlassen, um den Hof zu kehren, die Gartenstühle auszupacken und die kümmerlichen Pflänzchen zu gießen (ein Zweiglein Minze hab‘ ich auch entdeckt!), da geschieht dies:

Zum Glück sehe ich noch das Auto der British Gas vor unserem Haus stehen und schnappe mir den Kollegen, der gerade aus dem Nachbarhaus kommt. Der schließt dann auch das Gas an, und damit können wir endlich kochen und den künstlichen Kamin anmachen; heißes Wasser und Heizung haben wir auch:

„Smashing!!!“ Ein neues Wort, das ich vom Gasmann gelernt habe.

 

Engländer sind sparsam: Heizung und Warmwasser gibt es nur, wenn sie zu Hause sind.  Das bedeutet, ich muss jetzt nur noch herausbekommen, wie ich das für sieben Tage programmierbare Thermostat auf unsere Bedürfnisse einstellen kann.

3. Mai 1994

Heute Morgen Großeinkauf mit Hindernissen. Soll mir keiner mehr sagen, man lerne nicht für die Schule, sondern fürs Leben; da lache ich nur! Mein englischer Wortschatz versagt kläglich, selbst Langenscheidts Taschenwörterbuch weiß nicht weiter. Trotzdem komme ich nach Hause mit einem Wasserkocher (kettle), mit einem Kaffeebereiter (coffeemaker bzw. cafetière) und mit einer Butterdose (butter holder). Mit zwei Flaschen Valpolicella und Danish Pastries hatte ich übrigens keine Probleme. Aber für alle Fälle habe ich mir ein Vokabelheft gekauft

 

Die königliche Müllabfuhr kam heute auch schon vorbei; ein blaues Müllauto mit großer, goldgelber Krone drauf, das die ganzen schwarzen Mülltüten einsammelt.

4. Mai 1994

 

Mit der British Rail zum ersten Mal nach London Town reingefahren. Die City empfing mich stilecht mit Regen, und Duschtücher gab’s auch nicht.

Aber dafür habe ich Eliza Doolittle gesehen! Sie verkauft jetzt Seidenblumen in Covent Garden.

Zurück in der Collins Street erst einmal die Heizung angestellt und einen Tee gekocht, um dann Hausaufgaben zu machen. Die darin bestanden, den „Greenwich & Charlton News Shopper“ zu lesen, unbekannte Wörter nachzuschlagen und in mein neues Vokabelheft einzutragen.

5. Mai 1994

Gelüftet. Betten gemacht. Aufgeräumt. 60°-Wäsche. Film und Post weggebracht. Eingekauft (die buns, die ich haben wollte, waren scones!). Gespült …

 

Weiteres Vormittags-Vergnügen: das Lesen von englischen Hausfrauen-Zeitschriften. Motto: „Improve your English with Women’s Weekly"!

6. Mai 1994

Heute eröffnet unsere Queen den Eurotunnel. Die Franzosen sind begeistert, die Engländer eher reserviert, sind sie jetzt doch nicht mehr länger ein Inselstaat! Man fürchtet sich hier vor den ganzen Veränderungen, vor der Tollwut, die eingeschleppt werden könnte (klar, alle französischen, Tollwut-kranken Füchse kommen jetzt durch den kilometerlangen, dunklen, unwirtlichen Tunnel, um die königlichen Tiere anzustecken!) und vor was-weiß-ich-noch-allem!


aus: "stern" 15/1994

Samstag / 7. Mai 1994

Vier Stunden lang fuhr John herum und klapperte die ganze Umgebung ab auf der Suche nach einem Sieb und einem Wäscheständer. Wie um Himmels Willen gießen die Engländerinnen ihre Nudeln ab? Und was machen sie mit der Wäsche, die Trockner-untauglich Ist? Wahrscheinlich hängen sie die nassen Sachen (wie ich notgedrungen bisher auch) in der Wohnung über die Heizung, über Stühle und Bänke! Das würde auch erklären, warum es in manchen englischen Häusern so muffig riecht! Egal! Wenigstens besitzen wir nach der Shopping Tour jetzt einen Putzeimer und zwei Küchenmesser. „Möbliert wohnen“ heißt halt nicht, dass auch alles vorhanden ist, was man so braucht!  

9. Mai 1994

Wieder einmal nach London Town reingefahren und bei Marks & Spencer und Selfridges Duschtücher gekauft, Sofakissen und Sets. Endlich! Unser Esstisch sah so nackt aus!

Und schlauer bin ich auch geworden, habe mir eine One Day Travelcard gekauft. Die kostet nur ₤ 3.20 (statt der Rückfahrkarte nach Charing Cross für ₤ 3.70), und man darf damit auch die U-Bahn benutzen!

10. Mai 1994

 

Hemden gewaschen, damit John wieder etwas zum Anziehen fürs Büro hat. Leine gespannt zwischen irgendeinem mysteriösen Haken in der Hauswand und einem Blumenampel-Halter. Die Länge reicht gerade, um daran sieben Oberhemden mit Kleiderbügeln aufzuhängen.

 

Wir sind gerettet!

Donnerstag / 12. Mai 1994. Christi Himmelfahrt. Vatertag. Regen

Mein Tagesablauf gleicht fast dem der Queen: ein early-morning-coffee ans Bett, dann duschen, anziehen. Early Morning News bei ITV, und bei einer zweiten Tasse Kaffee erledige ich meine Post. Ja, und dann unterscheidet sich der weitere Verlauf meines Tages erheblich von dem der Queen: ich werde wieder zu einer ganz gewöhnlichen Hausfrau …

 

Heutige Highlights: um 10.30 Uhr kam ein Angestellter der London Electricity, um sich unseren Zähler anzusehen. Jetzt können wir auch offiziell das Licht anmachen und brauchen nicht mehr zu befürchten, dass uns der Strom abgeschaltet wird.

Im Zeitschriftenladen um die Ecke gab’s die neue „Bella“ (meine English lessons!), es hörte auf zu regnen, und Nachbars Katze kam vorbei, um sich ihre Streicheleinheiten abzuholen.

Freitag, der dreizehnte Mai 1994

Schrecklich, diese Dekorationswut der Engländer(innen)! Alles soll zueinander passen, und dadurch sieht alles einfach nur überladen aus. Ein Beispiel von vielen, der „country style bedroom“ links; gesehen in der „Bella“. Ich könnte in so etwas nicht schlafen!

 

Engländer lieben den Kitsch; stellen ihre Wohnung voll mit Nippsachen aller Art (meine Güte, wer soll die alle abstauben?!), die dann auf „boot sales“ wieder verkauft werden müssen oder bei Oxfam landen.

 

Die typische Insulanerin schwelgt in Trockenblumengestecken, in Rüschen und Raumluftverbesserern wie Spray, Duftkerzen, Aromaöl und Blüten-Potpourris.

Nicht so genau scheint man es dafür mit der Wettervorhersage zu nehmen; die ist bedeutend ungenauer als die in Deutschland.

Leidiges Thema: der Plastikmüll! Bis jetzt habe ich noch keine Glas-Pfandflaschen gesehen; es gibt nur Dosen und Einweg-Plastikflaschen. Der Einkauf wird in Unmengen von Plastiktüten verstaut, und der ganze Müll landet anschließend in Plastik-Müllsäcken … ich wüsste gerne, wo diese dann landen!

 

Was mir noch aufgefallen ist?

Engländer sind konservativer und schlechter gekleidet; die Frisuren der ladies „disgusting“. Ausnahme: die flippigen jungen Mädchen und Frauen in der City.

Die englischen Dusch- und Badetücher haben gewöhnungsbedürftige Größen, und die Wäsche (wenigstens die unserer Nachbarn!) ist nicht weiß, sondern gelb-grau.

Die „witzigen“ Shows im Fernsehen sind nur peinlich, und vom handwerklichen Können der Engländer und von ihren Installationen wollen wir erst gar nicht reden. Auch nicht von der Bürokratie!

Und wenn das alles jetzt auch nicht so klingt: ich habe noch keine Minute bereut, hierhergekommen zu sein!!! Auf dieser Insel kann jede(r) nach seiner eigenen Façon glücklich werden, die Nachbarn sind weder neugierig noch aufdringlich, und die Angestellten in den Geschäften verhalten sich bedeutend zuvorkommender und hilfsbereiter als die bei uns.

Und das Gesichtswasser von Nivea ist parfümiert!

14. Mai 1994

Im Londoner Stadtbezirk Lewisham bei der BT (British Telecommunications) ein deposit eingezahlt, damit wir endlich telefonieren können. Ohne Kaution geht das hier nämlich nicht!

15. Mai 1994

Häuser-Besichtigungen; erst einmal von außen. Eine gute Methode, um sich zeitaufwändige Besichtigungen zu ersparen, denn wenn die Umgebung nicht stimmt, interessiert uns auch das tollste Haus nicht mehr! Außerdem bekommt man durch die Rumfahrerei (heute bei strahlendem Sonnenschein) einen guten Überblick über die Ecken, wo man wohnen möchte – und die, wo nicht!

16. Mai 1994

Wir haben Telefon. Endlich!

 

[Anmerkung aus dem Jahr 2013 für alle jungen Leser, die sich jetzt vielleicht wundern: das in England „mobile“ genannte Handy steckte 1994 noch in den Kinderschuhen und war ein ziemlich unerschwinglicher Luxusgegenstand].

24. Mai 1994

In England mietet man kein Haus, sondern man kauft. Erst ein kleines, und wenn man dann genug Geld angespart hat, das Nächstgrößere. Auch wir wollen uns ein Haus kaufen, und sahen uns deshalb heute die ersten drei auch von innen an. Wie viele Häuser hier tragen sie als Postanschrift einen Namen; Straße und Nummer sind nicht so wichtig.

 

Hawthorne Cottage in Bickley: liebevoll gepflegt, gute Einrichtung (Küche!), nur der schreiend bunt-gemusterte Teppichboden im ganzen Haus ist eine Qual für die Augen, und der Garten mit Pool, Geräteschuppen und Pavillon dürfte auch etwas kleiner sein.

 

Pollard House in Bickley: Einbauten aus den 50ern, ein dunkler Schlauch von Wohnzimmer, ein muffig riechendes Esszimmer, aber nette Bäder und Schlafräume. Alles in allem: nix für uns! Trotz Jacuzzi!

 

„Lindene“ in Chislehurst: ausnahmsweise zu vermieten; sehr gepflegt, fast zu perfekt, aber vollgestellt mit wertvollen (?) Möbeln und ein bisschen zu klein, wenn wir mehrere Besucher aus Deutschland gleichzeitig unterbringen wollen.

 

Unsere Entscheidung in allen drei Fällen daher: NO! Ich glaube, da kommen noch eine ganze Menge Besichtigungen auf uns zu …

25. Mai 1994

Wieder nur Post für „Mr. Parini“, der anscheinend vorher hier wohnte und dessen Nachsendeantrag nicht funktioniert. Wenn er denn überhaupt einen gestellt hat.

 

Also beschäftige ich mich mit den Exposés, die wir von den zahlreichen örtlichen Estate Agents erhalten haben und beginne mit der Erstellung einer Liste von hilfreichen Wörtern für den Hauskauf. Wieder Vokabeln, mit denen man uns im Englischunterricht auf dem Gymnasium weitestgehend verschonte. Und dass beispielsweise ein deep eaves storage cupboard ein Einbauschrank unter einer Dachschräge ist, das kann ich jetzt nur raten.


... wer hat schon in der Schule gelernt, was Dunstabzugshaube auf Englisch heißt?

29. Mai 1994

Heute ein süßes, sehr gut renoviertes Period style house am Eliot Place besichtigt. Obwohl ich nach der Beschreibung erst total dagegen war (kein Garten, Bad ohne Tageslicht u. ä.), hab‘ ich mich gleich in das Schätzchen verliebt! Eine Liebe ohne große Chancen, denn wir müssten das Häuschen komplett neu möblieren, da keines unserer vorhandenen Möbelstücke hineinpasst, weder von der Größe noch vom Stil. Und für die Küche brauchten wir einen neuen fridge, einen freezer und einen dishwasher.

31. Mai 1994

Tolles Wetter. Drei Häuser angesehen. Sehr schön und stilsicher renoviert die Nr. 47 in der Farnaby Road in Shortlands. Nur der Garten wäre anzulegen.

DA MÖCHTE ICH WOHNEN!

Und unseren ganzen Krempel würden wir – im Gegensatz zum Häuschen am Eliot Place – hier auch spielend unterbringen!

1. Juni 1994

Die Engländer sind schon ein aktives Volk: in unserem Pub kreuzt immer eine Mutter von der Heilsarmee auf, um zu sammeln, und ständig will mir jemand an der Haustür etwas für einen guten Zweck verkaufen oder sammeln, häufig liegen Bettelbriefe im Flur, und eben hatte ich einen charity call. Irgendjemand wollte, dass ich irgendwelche Bettelbriefe in die Briefkästen (bzw. durch die Türschlitze) der Collins Street werfe. Für welche Institution, das hab‘ ich nicht gerafft. Aber ich hab’s elegant abgelehnt!

Donnerstag / 2. Juni 1994. Fronleichnam

Die Wettertanten von ITV berichteten heute Morgen, dass der Sommer nun vorbei ist – nach einem Tag!

 

Ich verstehe nicht, warum sich die Deutschen immer so beschweren: sie verdienen mehr als wir und haben mehr Ferien und Feiertage. Ihre Häuser sind größer und die Installationen besser. Sie können unbesorgt Rindfleisch essen und fast überall Kabelfernsehen empfangen. Ihr Wetter ist besser und ihr Wein billiger, ebenso das Benzin. Und es brauchen nicht so viele „normale“ Leute bei Oxfam o. ä. Institutionen nach gebrauchten Klamotten und Haushaltsgegenständen stöbern!

 

Und dann die BfA! Da bin ich nun über 21 Jahre Mitglied in dem Verein, und die wollen von der Deutschen Botschaft in London eine Bestätigung über meine deutsche Staatsangehörigkeit, ehe ich den freiwilligen Mindestbeitrag für meine Rente zahlen darf! – Strange!!!

 

Tagsüber Garten- und „Schöner Wohnen“-Zeitschriften durchstöbert nach Ideen für das Haus in der Farnaby Road, das mir nicht mehr aus dem Kopf gehen will

 

und Abends ein Chili con Carne

à la Renate gekocht, nämlich mit Corned Beef aus Brasilien. Eine Möglichkeit, die „mad cow disease“ zu umgehen, aber definitiv nicht mein Geschmack!

3. Juni 1994

Die spinnen, die Briten! Wenigstens die alten. Seit Wochen haben sie nur noch eins im Kopf: „D-Day“, die Landung der alliierten Truppen am 5./6. Juni vor 50 Jahren in der Normandie. War ja ok, aber dass man das jetzt so feiern muss! Soll noch einer sagen, wir Deutschen seien militaristisch! Zehntausende von Lametta-geschmückten und mit den verschiedensten Orden aufgetakelten englischen Veteranen sind total aus dem Häuschen wegen der tagelangen ceremonies!

 

 

Das ganze village abgeklappert nach den Zutaten zu einem Nudelsalat-Rezept aus der „Bella“: French beans, smoked sausage, sweetcorn, spring onions, cherry tomatoes, basil … alles hatten sie in den verschiedensten Geschäften versteckt! So gab es zum Beispiel die geräucherte Wurst nicht beim Metzger, sondern im „Delicatessen“.

Heute Abend wird sich herausstellen, ob sich die Mühe für mein erstes „original englisches“ Rezept auch gelohnt hat!

Montag / 6. Juni 1994

Heute Nacht haben Nachbars Katzen unseren schwarzen Plastik-Müllsack aufgerissen, um an die darin enthaltenen Köstlichkeiten wie Hähnchenknochen, Bananenschalen, Verpackungen und Coladosen zu kommen. Warum nur haben die Engländer keine „ordentlichen“ Mülleimer?

 

Und wieder etwas gelernt: wollte heute schon um 9 Uhr in die City, wegen Botschaft, Harrods und so. Die preiswerten One Day Travelcards gelten jedoch erst ab 9.30 Uhr, und vorher bekommt man auch keine verkauft, selbst am Automaten nicht!

 

Wieder zu Hause den Store im Wohnzimmer gewaschen. Stores sind an englischen Fenstern ausgesprochen selten, aber dafür ist der unsrige sehr haltbar angebracht. Um ihn abzunehmen, musste ich erst eine Holzschraube herausdrehen.

8. Juni 1994

Nach fünf Wochen auf englischen Matratzen und auf einer weichen Couch spüre ich meinen Rücken wieder. Und wie!