Kulinarische Notizen

"Die Entdeckung eines neuen Gerichts ist für das Glück der Menschheit

von größerem Nutzen als die Entdeckung eines neuen Gestirns."

(Jean Anthelme Brillat-Savarin, 1755-1826)

 

Von Meerschweinchen und Mazamorra Morada:

Peru und Bolivien, Oktober 1979

für Faule: Mazamorra Morada aus der Tüte

Meine erste Individual-Reise. Low Budget natürlich. Ich war 28 Jahre alt und mutig, hatte nur einen Flug nach Lima gebucht; alles Weitere würde sich schon zeigen.

Es war dann auch ziemlich einfach: alle Leute waren auf derselben Strecke, dem sogenannten „Gringo-Trail" unterwegs, und man war nie lange alleine, traf immer wieder dieselben Traveller.


Ein Stück des Weges begleiteten mich Klaus, Anette und Barbara aus München, die ich in Lima kennengelernt hatte. Mit Barbara und Anette erlebte ich dann auch die meisten kulinarischen Abenteuer wie z. B. Ceviche (roher Fisch mit Zwiebeln und Chili) und Pisco Sour, ein Mixgetränk aus dem Traubenschnaps Pisco. Nur bei den gegrillten Meerschweinchen (cuy), die man uns im Zug von Lima nach Huancayo anbot, hielten wir uns vornehm zurück. Wir Mädels erinnern uns heute noch gerne an alles, denn wir haben uns nie so ganz aus den Augen verloren ...

 

Hier ein paar Auszüge aus meinem Reisetagebuch:

 

Huancayo, 08. 10. 1979

Nachmittags mit Anette und Barbara Kaffee trinken. Der Kuchen schmeckt hier vielleicht gut! Wie bei Muttern, mit mindestens 10 Eiern drin.

 

Ayacucho, 10. 10. 1979

Abends mit Anette, Barbara und Klaus essen: Biteck con arroz, Mazamorra morada (eine Süßigkeit aus violettem Mais, warme Grütze) und Mate-Tee. Die süßen Turrones (Gebäck), die ich in Lima so mochte, sah ich auch hier; scheint's an Feiertagen zu geben.

 

Cuzco, 13. 10. 1979

Abends in der Calle Procuradores (der Gringo-Straße) in einer Pizzeria essen. Unheimlich urige Kneipe mit offenem Kamin, in dem die Pizzas brutzeln. Und der vino tinto: hervorragend! Dazu alte Beatles-Platten und Mike Oldfield: Tubular Bells.

 

Zum Frühstück am nächsten Morgen gab es nicht nur Kaffee, Brötchen und Butter, sondern auch einen warmen Bananenbrei, den wir als Marmelade benutzten.

 

Puno, 20. 10. 1979

Abendessen im „International": Lomo, angerichtet mit Reis, Pommes frites, Salat, Tomate, Avocado, Orange, Remoulade, grünen Bohnen, Spiegelei, gebratener Banane und Toast. Alles auf einem Teller! Dazu ein Cerveza Arequipeña und hinterher ein Flan, ein sehr süßer Vanillepudding. - Klasse!

 

Copacabana (Bolivien), 22. 10. 1979

Bei Petroleumlicht in einer miesen Kneipe schlecht gegessen; anschließend auf dem Hotelzimmer bei Kerzenschein eine Dose Thunfisch, Brot und Schokolade verdrückt.

Dim Sum, Sandwiches und Clotted Cream:

Genau 31 Jahre später. Tea Time in Singapur, Oktober 2010

High Tea mit Nichte Steffi

Wer schon einmal in Singapur war, der hat bestimmt auch dem altehrwürdigen Hotel Raffles einen Besuch abgestattet. Hier in der Long Bar mit ihren Rattansesseln und den Erdnussschalen auf dem Fußboden wurde im Jahr 1915 der Singapur Sling erfunden, dieser Kult-Cocktail, von dem heute täglich 2000 Stück über den Tresen gehen.

 

Weniger bekannt ist, dass im eleganten Tiffin Room täglich von 15.30 Uhr bis 17.30 Uhr die gute alte englische Tradition des „High Tea" zelebriert wird: die Tische sind eingedeckt mit teurem Tuch, mit feinem Porzellan und Silber und bieten auf einer Etagere schon erste Köstlichkeiten wie kleine Sandwiches, Törtchen und Kuchen.

Das freundliche, perfekt ausgebildete Personal serviert verschiedene Sorten Tee, auf Wunsch auch Champagner. Beschwingt von den sanften Tönen einer Harfe geht es dann direkt an der Musikerin vorbei zum Buffet, wo es Suppe gibt und köstliche Dim Sum mit scharfen Saucen, dann Gebäck und Obst. Und wer in England den Cornish Cream Tea kennen und lieben gelernt hat, dem läuft schon das Wasser im Mund zusammen beim Anblick von frischen scones, von clotted cream und von Erdbeermarmelade.

 

Die Preise für Erwachsene liegen bei S$ 55 (etwa 27 Euro) aufwärts; Kinder zahlen die Hälfte. Aber dafür ist man nach zwei Stunden Schlemmen auch total satt und verzichtet gerne auf das Abendessen.

Der Dress Code lautet „smart casual", also lange Hose und Hemd oder Poloshirt für die Herren und Rock oder Hose mit Bluse für die Damen. Da der High Tea im Raffles extrem beliebt ist, sollte man unbedingt rechtzeitig reservieren. Aber dann steht dem Genuss nichts mehr im Wege!

 

 

 

                                                       

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