Ein gutes Lied verkürzt den Weg.

Sprichwort aus dem Kaukasus

Mein Tartan Plaid 2

"COME BY THE HILLS ..." Schottische Musik

Ein Karo meiner schottischen Decke ist der Musik vorbehalten. Schottland ist bekannt für seine traditionelle Musik, die oft mit Dudelsackmusik gleichgesetzt wird. Aber da gibt es viel mehr; ich erinnere nur an die keltische Harfe, an Akkordeon, Fiedel und die Tin Whistle. Das jährlich stattfindende Edinburgh Jazz & Blues Festival findet weit über die Grenzen Schottlands Beachtung, und so bekannte Gruppen und Künstler wie Nazareth, Simple Minds, die Bay City Rollers, Annie Lennox und Sheena Easton kommen aus Schottland.

 

Eine große Tradition hat vor allem die schottische Folk Music, die sich oft mit der irischen überschneidet. So ist es denn auch nicht verwunderlich, wenn der irische Noel McLoughlin die "20 Best of Scotland" singt. Wunderbar zu hören und mitzusingen auf verregneten Fahrten durchs Land: von Jock Stewart über Lizzie Lindsay bis zu der großartigen Interpretation von Mairi's Wedding:

 

Without the shepherd's dog, the whole of the open mountainous land

in Scotland would not be worth a sixpence.
James Hogg (1770 - 1835)

 

Die schönsten Karos meines imaginären Tartan Plaids sind schwarz-weiß

wie die Border-Collies, die wir in Kincraig besuchten.

 

Border Collies und Schafe

Mein Lieblingshund heißt Rob. Zusammen mit seinen Kumpels Ben, Craig, Cap, Meg, Molly und all den anderen hütet er die 2.500 Schafe auf Dunachton Estate in Kincraig. Auf dem etwa 5.000 ha großen Gutsgelände steht auch die Leault Farm, wo wir Neil Ross und seine "Working Sheepdogs" besuchen.

 

Erst 27 Tage alt sind die jüngsten Mitglieder des Rudels, vier bezaubernde kleine Border Collies, die auf der Farm herumwuseln. Aber schon so gut erzogen, dass sie auf einen bestimmten Pfiff des Schäfers von ihrem Entdeckerdrang ablassen, zu ihm gelaufen kommen und sich brav um ihn herum gruppieren. Um dann bei einem gemeinsamen kleinen Demo-Spaziergang brav jeden Richtungswechsel ihres Schäfers mitzumachen. Wir sind beeindruckt, aber Neil meint nur trocken, dass die Hunde in ihren ersten beiden Lebensjahren viel Unsinn im Kopf haben und er mit dem ernsthaften Hütehund-Training erst nach dieser Zeit beginnt. Bis dahin heißt es für die Kleinen: einfach mitlaufen, zusehen und nachmachen, was die Großen tun.

 

Neil hat seine Hundemeute aus elf Welpen und elf erwachsenen Hunden fest, aber liebevoll im Griff. Das ist allerdings auch nötig, wenn man ordentliche Arbeit leisten will. Seit Neil im Alter von acht Jahren mit seinem Hund Corrie an Hütehund-Prüfungen teilnahm, hat ihn dieser "Sport" nicht mehr losgelassen. In den folgenden Jahren gewann er viele Preise auf schottischen und internationalen Wettbewerben, und seit 1993 präsentiert er seine "Working Sheepdogs" auf der Farm, ist nebenbei aber auch wie schon sein Vater als Schäfer auf Gut Dunachton angestellt.

 

Normalerweise hütet man Schafe mit einem Hund, erklärt uns Neil, aber er zeigt uns hier die hohe Schule: elf Border Collies hören auf seine Pfiffe und Kommandos, treiben die Schafe zusammen und führen uns eine großartige Kür vor, selbst der blinde Skye und der 14jährige Sam machen noch mit.

Jeder Hund hat sein eigenes Pfeifzeichen und hört auf die Kommandos, die er zusammen mit seinem Namen erhält. "Away to Me" ist zu hören und "Come-Bye", was für die Hunde bedeutet, die Schafe im Uhrzeigersinn herumzutreiben – und umgekehrt. Sehr viel habe ich von Neils Kommandos und Erklärungen nicht verstanden, denn er spricht ein schnelles und ausgesprochen schottisch klingendes Englisch.

Aber ein Kommando habe ich ganz genau gehört: es lautet "That’ll do" und bedeutet für den Hund: "Was auch immer du jetzt tust, hör sofort auf damit und komm auf direktem Weg zu mir." Großartig! Das muss ich unserem Oskar beibringen!

 

Neil zeigt uns, wie man mit einer uralten Schafschere die Wolle von einem Tier in einem Stück herunterbekommt (wobei die Zuschauer auch gerne helfen dürfen) und verteilt zum Entzücken nicht nur der Kinder Milchflaschen, um die Lämmer zu füttern.

(c) John S.

Schafe scheren, Lämmer füttern, mit Hunden schmusen, Fotografieren … die anderthalb Stunden auf der Farm gehen wie im Flug vorbei, und als gleich ein ganzer Reisebus voll Besucher auf den Hof fährt, ist es Zeit, uns zu verabschieden.

Ein Tag, den ich nie vergessen werde. Genauso wenig wie meinen Freund Rob.

 

 

Mehr zu der Leault Farm und den “Working Sheepdogs“ von Neil Ross > > >

 

… und sollte jemand im Sommer in Schottland sein und sich die Arbeit der Schäfer und Border Collies genauer ansehen wollen: vom 8. bis 10. August finden auf der Tillybin Farm in Kintore, Aberdeen "The 2013 Scottish National Sheepdog Trials" statt:

Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen.

Deutsches Sprichwort


Zu den vielen Karos, aus denen sich für mich Schottland zusammensetzt, gehören zweifelsohne auch die leiblichen Genüsse.

 

"Land o' Oatcakes", das Land der Haferkekse, nannte der große schottische Dichter Robert Burns sein Land. Ich liebe Haferkekse, genau wie den schottischen Porridge (gälisch: brochan), der hier mit Salz und nicht mit Zucker wie in England zubereitet wird.

 

Als Vegetarier kann ich nicht aus Erfahrung mitreden bei den delikaten Steaks vom schottischen Hochlandrind, bei fangfrischen Meeresfrüchten und den verschiedensten Wild- und Geflügelarten. Erst recht nicht beim Nationalgericht Haggis, einem Schafmagen, der mit Herz, Leber, Lunge und Nierenfett vom Schaf gefüllt wird, mit Zwiebeln und Hafermehl, und den ein Nicht-Schotte oft nur mit viel Whisky heruntergespült bekommt.

 

Damit sind wir beim letzten Karo meines Tartan Plaids angelangt, dem schottischen Nationalgetränk:

 

Whisky, das "Wasser des Lebens" (uisge beatha)

 

Never drink whisky with water and never drink water without whisky.

Schottisches Sprichwort

 


“Die pikanten, nach Destillierhefe riechenden Dämpfe der Würze hängen wie Morgennebel über den Tälern der Speyside, vereinen sich an der Küste mit den Salz- und Seetangaromen des Atlantiks und verlieren sich schließlich in den Wolken über den Bergkämmen der Highlands“ beschreibt ein Buch den Malt Whisky Trail.

 

Was für die Franzosen der Champagner, das ist für Schotten der Whisky. Über 100 Brennereien destillieren zurzeit in Schottland den Export-Schlager Nummer eins: Scotch Whisky. Er unterteilt sich in drei große Gruppen: den Grain Whisky verwendet man größtenteils zum Mischen, und der Blended Whisky wird zu einem einheitlichen (Marken-) Geschmack gemixt. Es ist jedoch der ungemischte Malt Whisky, der Schottland den Ruf als Whiskynation brachte. Dabei sind mehr als die Hälfte aller schottischen Destillerien in der Region Speyside beheimatet, denn das dortige Klima und die Geologie sind für die Whisky-Herstellung äußerst günstig.

 

Die hochwertigsten Whiskys sind die Single Malts, die aus einer einzigen (single) Brennerei stammen, und für die als Getreide ausschließlich gemälzte Gerste (malt; dt: Malz) verwendet wird. Hinzu kommt ihre besonders lange Lagerung; gute Sorten reifen um die zwölf, herausragende bis zu fünfzig Jahre.

 

Wir besuchen die Glenfiddich-Destillerie bei Dufftown, die 1886 von William Grant und seiner Familie errichtet wurde. Seit der ersten Herstellung von Whisky an Weihnachten 1887 produziert die Destillerie am gleichen Ort und mit dem gleichen Herstellungsverfahren. Bis heute ist das Unternehmen auch im Besitz der Familie Grant - und Glenfiddich einer der erfolgreichsten und bekanntesten Single Malts.

 

 

Die Whisky-Herstellung ist kein Geheimnis:

 

Der erste Schritt dabei ist das Mälzen: Gerste wird gewässert und zum Keimen gebracht; das sogenannte Grünmalz entsteht. Nach zwölf Tagen wird dieser Prozess durch Hitze (in einem Darrofen, oft über einem Torffeuer) gestoppt.

Anschließend wird das Malz geschrotet und in riesigen Bottichen mit heißem Wasser (das aus Quellen der Umgebung stammt) die Maische angesetzt. Dabei trennt sich das Gerstenmalz in eine zuckerhaltige Flüssigkeit (die Würze) und in Getreideabfall, den die Farmer für ihre Kühe abholen.

Nach Abkühlen der Würze sorgt Hefezusatz für deren Gärung, und in den Gärbottichen entsteht durch stundenlanges Rühren eine klare, alkoholhaltige Flüssigkeit. Diese Vorstufe des Whiskys wird nun in einem diffizilen, doppelten Brennprozess in Kupferkesseln destilliert, und schon haben wir einen jungen, rauen Whisky mit 57 % Vol.

 

Der letzte Schritt ist die Reifung, wobei der Whisky mindestens drei Jahre lagern muss – je länger, desto milder wird er. Auch seine goldene Farbe erhält das Getränk erst durch die Lagerung in alten Eichenfässern, in denen zuvor Sherry oder Bourbon reifte.

Für den Geschmack des Whiskys ist neben dem verwendeten Wasser und den Fässern auch die Umgebung verantwortlich, denn die Fässer lassen zwar über die Jahre etwas Whisky verdunsten (den sogenannten angels share, den Anteil für die Engel), aber sie erlauben auch, dass beispielsweise die Aromen von Salzwasser und Seeluft hereinschlüpfen.

 

Bleiben nur noch das Verdünnen auf Trinkstärke, das Filtrieren, die Abfüllung und der Vertrieb.

 

Genug Theorie! Bis hierhin haben wir während der Führung alle mehr oder weniger aufmerksam zugehört und (dort, wo dies erlaubt ist) eifrig fotografiert, aber jetzt wollen wir ihn auch verkosten, den 12jährigen, den 15jährigen und den 18jährigen Glenfiddich:

Slàinte!

 

 

mehr zur Glenfiddich-Brennerei > > >

Beates Literaturliste ... appetizer oder dessert?

Reiseführer

Vis-à-Vis-Reiseführer Schottland

 

Der Reiseführer, von dem es mittlerweile eine aktualisierte Auflage vom März 2013 gibt, zeigt wie alle anderen der Reihe die schönsten Seiten des Landes. Und bietet aktuelle Informationen, Tourenvorschläge und viele praktische Reisetipps. Besonderes Highlight sind die mehr als 700 farbigen Fotos, und die anschaulichen 3D-Zeichnungen und Grundrisse, die alle wichtigen Sehenswürdigkeiten auf einen Blick zeigen.

Wer allerdings primär an detaillierten Tourenvorschlägen, an Fahrplänen und an Adressen von preiswerten Unterkünften, Pubs u. ä. interessiert ist, dem sei beispielsweise der Reiseführer von Lonely Planet empfohlen; auch spezielle Führer für Rad-, Motorrad-, Wohnmobil- und Wanderreisen sind auf dem Markt erhältlich.

 

Heinz Ohff: Gebrauchsanweisung für Schottland

 

Leider etwas in die Jahre gekommenes (Erstausgabe 1992; überarb. Neuausg. 2002) Buch aus der bekannten Reihe des Piper Verlags. Wer sich an dem oft altertümlichen Schreibstil und dem schulmeisterlichen Ton nicht stört (der 2006 verstorbene Autor ist Jahrgang 1922), der kann sich hier durchaus interessante Erstinformationen aus der Geschichte und über die Eigenheiten der Leute im Norden Großbritanniens holen.

Biographien

Sean Connery mit Murray Grigor:

Mein Schottland, mein Leben

 

Die Erinnerungen eines leidenschaftlichen Schotten und großen Schauspielers und das sehr persönliche, originelle und warmherzige Porträt eines einzigartigen Landes. Sean Connery schreibt über sein Leben als Schotte und über all das, was er an Schottland so liebt: die urwüchsigen Highlands, die verschrobene Beharrlichkeit seiner Bewohner, den eigenwilligen Humor, die Sprache, die Literatur, den Whisky, das wilde Wetter und das wunderschöne Edinburgh, seine Geburtsstadt. Eine Liebeserklärung an Schottland und eine wunderbare Verbindung aus ganz persönlichen Erinnerungen und Armchair-Travelling.

 

David Kennard: Auf Englands grünen Hügeln. Als Schäfer in North Devon


Aus dem Tagebuch eines Schäfers an Englands Küste: David Kennard (Jahrgang 1966) lebt mit seiner Familie, fünf Hütehunden und einer riesigen Schafherde, die über achthundert Mutterschafe zählt, auf der uralten Borough Farm in North Devon. Sein ehrlicher Bericht bringt uns eine der ursprünglichsten Lebensformen nahe, eine Welt, die heute beinahe schon verloren ist.

Obwohl nicht in Schottland spielend, unbedingt empfohlen.

Märchen

 

Schottische Märchen. Hrsg. von Frederik Hetmann

 

Das Buch enthält die schönsten Märchen, die Frederik Hetmann, einer der wichtigsten Vermittler keltischen Märchenguts, auf seinen Reisen durch Schottland sammelte. Viele der Geschichten wurden Hetmann mündlich überliefert, was die Besonderheit dieses Märchenbands ausmacht.

 

in englischer Sprache

 

Scots Dictionary

 

Scots, das ist neben Englisch und Schottisch-Gälisch eine der drei Amtssprachen Schottlands. Gut, wenn man wenigstens einige Wörter dieser im Land am häufigsten gesprochenen Sprache beherrscht und sich beispielsweise professionell einen kleinen Whisky bestellen kann;

"a wee dram".

 

Alastair Cunningham: Scottish Clans & Tartans

 

Eine sehr anschauliche Fundgrube zum Thema: im ersten Teil werden Geschichte, Identität, Hierarchie und Bräuche der Clans, ihre Aufstände und Kämpfe behandelt, und im zweiten Teil geht es um das berühmte Karomuster und die Kleidung der Schotten, um Accessoires und Waffen.


Beryl Beare: Scotland. Myths & Legends


Illustriert mit großartigen, atmosphärischen Farbfotos und Zeichnungen bringt uns das Buch die Mythen und Sagen Schottland näher: in nahezu jedem schottischen See (den berühmten lochs) haust ein Monster oder eine Seejungfrau, in Höhlen und Wäldern leben legendäre Heilige, Könige und Outlaws; Riesen schreiten kühn über die Berge, und auf den Gipfeln stoßen Drachen noch immer ihre Atemwolken aus.

Eine unvergessliche visuelle Reise, auf der man das Grab eines Zauberers finden, dem wirklichen Rob Roy begegnen und die Geheimnisse der Sturmhexen ergründen kann.

Nachtrag:

Asterix bei den Pikten

 

Im Oktober 2013 erschien der 35. Band der Asterix-Reihe, zum ersten Mal nicht mehr von Goscinny und Uderzo, sondern von ihren Nachfolgern, dem Autorenteam Jean-Yves Ferri (Text) und Didier Conrad (Zeichnungen).

In den Zeichnungen ist kein Unterschied zu erkennen, und auch der Humor ist noch relativ ähnlich geblieben. Lediglich bei der Darstellung von Land und Leuten ist noch einiges an Luft nach oben; das hätten die beiden Neuen besser machen können: die Bewohner Schottlands hatten und haben mehr drauf als Kilt-Tragen, Dudelsack spielen und Baumstämme werfen. Wo sind beispielsweise die Highland Games, der Fußball, das schottische Nationalgericht Haggis?

Dafür finden wir jede Menge Kalauer, die teilweise schon echt wehtun. Aber das geht vielleicht auf das Konto der übereifrigen deutschen Übersetzer …

Musik (CDs)

Noel McLoughlin: 20 Best of Scotland

 

Der international bekannte Künstler mit der eindrucksvollen, sanften Stimme ist ein vielseitiger Multi-Instrumentalist, Sänger und Interpret von Liedern, Balladen und irischer Musik. Er wurde 1955 in Limerick im Südwesten Irlands geboren, begann mit 15 Jahren Gitarre zu spielen und tourte durch Europa und die USA.

> > > Spätestens jetzt unbedingt das Musikvideo am Seitenanfang anklicken!

 


Davy Holt. Live


Ein echter Schotte ist Folksänger Davy Holt, der in Dumfries & Galloway geboren wurde und jetzt in den Highlands lebt. Als er im Jahr 2001 zwanzig Jahre alt wurde, machte er die Unterhaltung zu seinem Beruf und tourt seitdem durch ganz Schottland, tritt in Pubs, Hotels und Gemeindezentren auf.

Und Davy unterhält großartig: er spielt Gitarre und Mandoline, ist humorvoll - und seit dem Erscheinen seiner Live-CD im Jahr 2009 ist seine Stimme noch rauer und rauchiger geworden, klingt nach Whisky, Salzwasser und Seeluft. Alle im Pub in Aviemore waren hingerissen von ihm, und daran war ganz bestimmt nicht nur das Stout schuld.

Absolut hörenswert: "Kishmul's Galley", "Flower of Scotland" und "Killiekrankie". 

Film (DVD)

"Merida. Legende der Highlands"

Inmitten der rauen Wildnis Schottlands träumt die junge Königstochter und talentierte Bogenschützin Merida von Freiheit und Selbstbestimmung. Doch damit setzt sie die Familientradition aufs Spiel. Ein magischer Fluch fordert all ihre Kräfte und ihren Mut, wenn sie ihre Familie und das Königreich retten will ...

Ein großartiger, witziger Animationsfilm von einem rebellischen Rotschopf vor der beeindruckenden Kulisse der mystischen Highlands.

 

 

 

 

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