"Tiere sind meine Freunde, und ich esse meine Freunde nicht."

George Bernard Shaw (1856 - 1950)

 


Veggie-Party am Wasserloch

Ein Tiermärchen aus Südafrika

Während unserer vierwöchigen Reise durch Südafrika und unter dem Eindruck von vielen Pirschfahrten und abendlichen Grillfesten kam mir die Idee, dieses Tiermärchen zu schreiben.

 

Ich erkläre hiermit jedoch, dass alle Figuren meines Berichtes frei erfunden sind; eventuelle Ähnlichkeiten mit lebenden Tieren oder gar Menschen wären rein zufälliger Natur :-)))

 

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Sternklare Nacht in der südafrikanischen Savanne. Der Mond hängt hell und riesengroß in den Ästen einer alten Dornakazie und schaut auf die Szene am Wasserloch herab:

hier haben sich heute die Tiere der Umgebung zum Braai versammelt, dem großen Grillfest. Ein gesellschaftliches Ereignis, das sich niemand entgehen lassen will.

Tagelang schon hat die Pavianhorde fleißig Holz gesammelt und nun ein großes Feuer entfacht, auf dem der Rost langsam heiß wird. Tembo, der Elefant, reißt bedächtig einige Büchsen Windhoek Lager auf und verteilt sie an die durstigen Männer, die ums Feuer herumstehen: Löwe, Leopard und Büffel.

Und während die Warzenschwein-Frau Berge von Süßkartoffeln in Alufolie packt um sie später in die Glut zu legen, bereitet die ziemlich kopflos wirkende Straußenhenne heftig mit den Flügeln schlagend und aufgeregt hin- und herlaufend ihre Version eines kap-malaiischen Dattelsalates zu.



Die Männer am Feuer aber träumen und reden von den guten, alten Zeiten, die auch für sie schon längst vorbei sind. Büffel packt die schon x-mal erzählte Geschichte aus, wie er in diesem heißen Sommer den Touri-Jeep mit fünf Insassen auf die Hörner genommen hat und klatscht sich dabei unter dröhnendem Lachen und voller Stolz auf seine feiste Wampe. Leopard begeistert sich wieder einmal für seine Geschichte, wie er unbemerkt von Safariteilnehmern hoch oben auf seinem Lieblingsbaum gelegen und das Treiben unter sich beobachtet hat - und das Zebra schiebt einen Kaugummi von  einer Seite des Mauls auf die andere und muss unbedingt noch einmal erklären, warum es nur noch Stripes hat und keine Stars mehr.

Doch eigentlich interessiert das nur die stets neugierigen, aber ziemlich vergesslichen Erdmännchen, die bei jeder neuen Geschichte erstaunt ihre großen Augen aufreißen und das Gehörte einfach nicht fassen können. Gelangweilt schaut Löwe währenddessen in die dunklen Weiten der Savanne; von ihm weiß eh‘ niemand so recht, was unter seiner schon leicht ergrauten Mähne vorgeht.



Für ausgelassene Stimmung sorgt dann endlich die Band Happy Hippo’s, die extra aus der Stadt am Fluss gekommen ist, um zum Tanz aufzuspielen. Der sonst so ruhige und majestätisch wirkende Herr Kudu schwenkt voller Elan Frau Hartebeest im Kreis herum, und zu den Klängen von „Ebony and Ivory“ drehen schwarzes und weißes Nashorn ihre Pirouetten, dass es eine reine Freude ist, und Sand und Staub drei Meter hoch aufgewirbelt werden.  

 

Inzwischen hat die Hyäne die mitgebrachten Tofu-Würstchen ausgepackt und gewürzt. Und da sie es gerne scharf mag, hat sie dabei auch nicht mit den Gewürzen gespart: mit Ingwer und Knoblauch, Pfeffer und Chillies.



Neben dem Rost auf dem offenen Feuer steht ein Potjie (sprich: Pojkie), dieser schwarze, gusseiserne Dreibeintopf, in dem die Giraffe Mealie Pap zubereitet, einen Brei aus weißem Maismehl und das Grundnahrungsmittel aller Vegetarier im Busch. 40 Minuten lang muss der Brei unter Aufsicht gekocht werden, eine langweilige Angelegenheit. Giraffe hat sich die Zeit etwas verkürzt, indem sie heimlich eine Flasche 2004er Chardonnay Zonnebloem aus Stellenbosch geleert hat. Nun steht sie da, leicht schwankend auf ihren langen Beinen und rührt voller Hingabe in ihrem Potjie.

Energisch herrscht sie das schüchterne Impala-Weibchen an, jetzt endlich die eingelegten Senffrüchte auf die Pappteller zu verteilen und das Chakalaka noch einmal abzuschmecken, die würzig-scharfe Gemüsesauce zum Pap.

 

Und dann sitzen alle am Wasserloch, und während sie genüsslich schmatzend die ersten Pumpkin Fritters und Samosas verputzen, entkorkt der junge Springbock mit seinen kräftigen Hörnern zwei weitere Flaschen des opulenten 2003er Pinotage ...

 



Unter Erzählen, Scherzen und Gesang vergeht die Zeit. Das Feuer ist heruntergebrannt, und der Mond schon ein ganzes Stück weiter gewandert auf seinem Weg durch die Nacht. Und mit leicht glasigen Augen und rauen Kehlen stimmen die Tiere zum Abschied ihr Lieblingslied an, das sie vor Jahren im Musical „Les Misérables“ gehört und spontan zu ihrer Hymne erklärt haben:



“Drink with me to days gone by

To the life that used to be

At the shrine of friendship

Never say die!

May the wine of friendship

never run dry.

Here’s to you.

And here’s to me …”



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