Mit jeder Sprache, die du erlernst,

befreist du einen bis daher in dir gebundenen Geist.
Friedrich Rückert (1788 - 1866)


Sag es in Hindi. Ein nicht ganz vollständiges Indien-ABC

Inhalt:

aloo - brahmin - charpai - dhobi - ek - faiktari - ghat - hathi - ilayci - jalebi 

Ein schlauer Mensch und Indienkenner hat einmal geschrieben: „Bei allem, was man über Indien sagt, gilt immer auch das Gegenteil.“

Wer sich mit Indien und seiner Kultur beschäftigt muss zugeben, dass diese Aussage zutrifft, und daher muss sie wohl auch für diesen meinen Bericht gelten ...

 

Über 600 Millionen Menschen in Indien und Umgebung sprechen Hindi, und damit steht diese Sprache nach Chinesisch an zweiter Stelle der meistgesprochenen Sprachen der Welt.  

 

Viele Hindi-Wörter kommen aus dem Sanskrit, dieser Sprache der klassischen indischen Kultur und der Brahmanen, und einige davon verwenden wir auch in der deutschen Sprache, so zum Beispiel die Begriffe Arier und Ashram, Avatar, Bungalow, Chutney, Dschungel, Guru, Ingwer, Kajal, Moschus, Orange, Punsch, Shampoo und Yoga.

 

Einige Hindi-Wörter klingen uns zudem ziemlich vertraut, da sie aus dem Englischen entlehnt sind. Wenn man Englisch spricht, kann man sich schon denken was gemeint ist mit z. B. dizal, mit rediyo, botal und tren, nämlich Diesel, Radio, Flasche und Zug. 

 

Schwierig wird es mit der Aussprache, denn das Hindi verfügt über eine Anzahl von Lauten, die es in keiner anderen Sprache gibt und deren Aussprache dem Fremden einige Übung abverlangt. Diese Laute sind die so genannten Retroflexe (in der Schrift dargestellt durch einen Punkt unter dem Buchstaben), und um diese richtig auszusprechen, muss man die Zunge nach oben rollen und an den Gaumen drücken.

Diese Laute sind so „typisch indisch“, dass der englische Komiker Peter Sellers, wann immer er einen glaubwürdigen indischen Akzent hervorzaubern wollte, einfach alles mit herumgerollter Zunge „verhindisierte“. Der Effekt war zwar parodiehaft übertrieben, jedoch ganz eindeutig „indisch“. 

 

Geschrieben wird Hindi in Devanagiri, einer Schrift, in der unter anderem auch Sanskrit, Marathi und Nepali geschrieben werden. Das Alphabet verfügt über 11 Vokale und 35 Konsonanten und hat außer den Zeichen für diese Laute eine theoretisch unbegrenzte Zahl von kombinierten Konsonanten, so dass sie nicht ganz einfach zu lernen ist. Wenn man aber einmal die grundlegenden 46 Zeichen gelernt hat sollte man schon in der Lage sein, Straßenschilder und Werbeplakate in Nordindien zu lesen.

 

A wie aloo (alu) - Kartoffel

Wer zum ersten Mal nach Indien reist und mit der indischen Küche Bekanntschaft macht, der wird vielleicht erstaunt darüber sein, dass er nicht nur Reis und exotische Curries auf der Speisekarte findet, sondern auch so bekannte Gemüse wie „unsere“ Kartoffel.

 

Da die Entwicklung von früh reifenden Kartoffelsorten mit einer Vegetationszeit von 80 bis 100 Tagen den indischen Bauern erlaubt, die Anbauphase zwischen Reis- und Weizenanbau ideal zu nutzen, finden wir denn auch verstärkt Kartoffeln auf indischen Märkten und in den Restaurants.

 

Allerdings haben diese Kartoffeln geschmacklich nicht mehr viel mit den uns bekannten Knollen zu tun; dafür sorgen schon die verschiedenen Masalas, spezielle Gewürzmischungen. So kann eine indische Kartoffel nach Kreuzkümmel und Gelbwurz schmecken, nach Bockshornklee, Koriander, Ingwer, Chili und Kokos. Und manchmal auch ganz schön scharf wie zum Beispiel bei dem bekannten Gericht „Bombay Potatoes“.

 

Die indische Hausfrau mischt meist Kartoffeln mit anderem Gemüse. Was uns in den Genuss bringt, Gerichte zu probieren wie Aloo Gobi (Kartoffeln mit Blumenkohl), Aloo Mattar (Kartoffeln mit Erbsen), Palak Aloo bzw. Saag Aloo (Spinat mit Kartoffeln), Aloo Baigan Ki Sabzi (Kartoffel-Auberginengemüse) oder gar Sabzi Pulao, bunter Reis mit Karotten, Erbsen und Kartoffeln. Bei der Vielfalt der Rezepte und Aromen wird Fleisch da zur Nebensache … 

 

 

B wie brahmana - Brahmane

Ein Brahmane ist im indischen Kastensystem ein Angehöriger der obersten Kaste. Dieses Kastenwesen ist Jahrtausende alt und hoch kompliziert.

 

Es unterscheidet vier Hauptkasten (Varna):

 

1. Brahmanen (Priester, Ausleger heiliger Schriften, die intellektuelle Elite)

2. Kshatriyas (Krieger und Fürsten, höhere Beamte)

3. Vaishyas (Händler, Kaufleute, Grundbesitzer, Landwirte)

4. Shudras (Handwerker, Pachtbauern, Tagelöhner)

 

Diese vier Kasten gliedern sich in viele Untergruppen (Jati) auf, und unter allen stehen die „Paria“ oder „Unberührbaren“, die keiner Kaste zugehören und gesellschaftlich gemieden werden. Mahatma Gandhi gab ihnen den Namen „Harijan“ (Kinder Gottes oder genauer: Vishnu-Geborene). Dieser Begriff wurde von den Betroffenen schon immer abgelehnt, da sie sich als gleichberechtigt und nicht als schützenswerte Kinder sehen. Und so nennen sie sich selbst „Dalit“, die Unterdrückten.

 

Die Kastenzugehörigkeit erkennt ein Inder oft bereits am Namen. So kann z. B. jemand mit den Nachnamen Sharma oder Mukherjee nur ein Brahmane sein.

 

Da das Einkommen eines durchschnittlichen Priesters oft dürftig ist, arbeiten viele Brahmanen heutzutage in anderen Berufen, häufig im Büro oder als Koch, denn traditionell müssen sie nicht nur rituelle Reinheit beachten, sondern auch der Hygiene kommt in ihrem Leben üblicherweise ein hoher Stellenwert zu.

 

Um zu erfahren, wie verankert das Kastenwesen und –denken noch immer in den Köpfen der Inder ist, brauchen wir nur einen Blick auf die „Ehepartner-gesucht“-Seiten in Zeitungen und im Internet zu werfen: da werden Kandidaten nicht nur nach Geburtsort, Alter, Sprache und Sternzeichen gesucht, sondern oft auch nach der Kastenzugehörigkeit. Und wenn in einer Anzeige steht „caste no bar“ (Kaste keine Hindernis), dann beweist das nur, dass das System noch lebt.

 

C wie charpai - vier Füße

Meine erste Reise nach Indien und irgendwo im Norden unterwegs. Es ist bereits später Nachmittag, wir haben Hunger und machen Halt an einer Straßenküche. Wollen ein bisschen Gemüse, vielleicht ein paar Chapatis (dünne Fladenbrote) und etwas zu trinken.

Darauf ist man hier um diese Tageszeit und fernab der üblichen Touristenrouten nicht vorbereitet, aber wie immer in Indien gilt: „everything goes!“ Und so wird einer der herumlungernden Jungs flugs auf einem alten Fahrrad weggeschickt, um irgendwo einige staubige und lauwarme Flaschen Pepsi zu organisieren. In der Zwischenzeit bereiten zwei Männer am Stand für uns ein Essen zu: rote Linsen, Tomaten, ein paar Zwiebeln.

Einen Tisch und Stühle gibt es nicht, aber da stehen merkwürdige Gestelle. Wir werden gebeten, darauf Platz zu nehmen, und die Teller mit dem Essen werden der Einfachheit halber auch gleich auf ihnen platziert.

 

Später sehen wir sie dann überall, diese indischsten aller Möbelstücke. Charpai heißen sie (anglisiert: charpoy) - ein Begriff, der ursprünglich aus dem Persischen kommt und „vier Füße“ bedeutet. Vier Füße hat das Teil in der Tat, und auf diesen Füßen ist ein mit Seilen oder Stoffgurten bespannter Holzrahmen befestigt.

 

Der charpoy, das traditionelle indische Bett, wird ohne Matratze oder Kissen benutzt und dient als Liege- und Sitzmöbel. Darüber hinaus funktioniert es - auf die Seite gelegt - als Sonnenschutz, als Kleiderstange oder Wäschegestell.

 

Ein multifunktionales Möbel also, das auch das Volk der nomadisierenden Rabari zu schätzen weiß. Sie befestigen die Betten auf den Rücken ihrer Dromedare und transportieren darauf ihren ganzen Hausstand. Samt Kleinkindern und Welpen.

 

D wie dhobi - Wäscher

Dhobi, so nennt sich die Kaste der Wäscher in Indien. Da die Arbeit mit Schmutzwäsche  als „unrein“ gilt, gehören die Dhobis wie z. B. auch Latrinen-Reiniger oder Straßen-Kehrer den untersten Kasten an.

Üblicherweise arbeiten Dhobis von Haus zu Haus, indem sie die Textilien einsammeln. Nach ein oder zwei Tagen bringen sie dann die saubere Wäsche zurück, oft auch gestärkt und gebügelt. Dabei arbeiten sie nicht nur für Betriebe, sondern meist für Privathaushalte. Dhobis sind die Vorläufer der modernen und professionellen Reinigungen, werden diesen aber noch immer vorgezogen, da sie bedeutend billiger arbeiten.

Allerdings wohl nicht Gewebe schonender, wenn man zusieht, wie die Wäschestücke behandelt werden: gerieben, gestampft, zusammengedreht und immer wieder auf einem großen Stein durchgeschlagen …

 

E wie ek - eins

ek – do – tin – char – punch (pantsch) … auch wenn wir es vielleicht falsch aussprechen, die Inder freuen sich, wenn wir Reisenden mindestens bis fünf zählen können. Zeigt es ihnen doch, dass wir uns für sie, für ihre Sprache und ihre Zahlen interessieren und zudem nicht ganz dumm sind.

 

Es waren die Inder, die um etwa 500 n. Chr. die Zahl 0 (shunya) erfanden und darauf aufbauend das heute fast überall auf der Welt benutzte Dezimalsystem entwickelten.

 

Dabei werden die Ziffern 0 bis 9 in verschiedenen Teilen der Welt unterschiedlich geschrieben; von Europa bis Amerika und Australien arbeiten wir z. B. mit den so genannten „europäischen“ Ziffern. In Indien ist das anders: auch heute noch werden in den verschiedenen indischen Sprachen bzw. Schriften (z. B. Devanagiri, Urdu oder Tamil) die indischen Zifferzeichen verwendet, die sich stark voneinander unterscheiden.

 

F wie faikţari - Fabrik

Das Wort faikţari ist  auch eines der eingangs erwähnten Lehnwörter aus der englischen Sprache, unschwer zu identifizieren als „factory“, die Fabrik.

 

Für uns ist es oft ein besonderes Erlebnis, eine indische Fabrik zu besichtigen, in der z. B. Lebensmittel hergestellt, Teppiche geknüpft oder Saris bedruckt werden. Wir bekommen hier interessante Einblicke in einen archaischen Arbeitsalltag mit viel Handarbeit, wie ihn ähnlich vielleicht noch unsere Großeltern kannten.

Aber wir dürfen uns nichts vormachen: die tatsächliche Arbeitssituation ist viel schlimmer: Wohl kaum einem Ausländer wird man wirklich menschenunwürdige und ausbeuterische Werkstätten zeigen. Und kaum einer wird in einer Fabrik ein arbeitendes Kind zu sehen bekommen, denn Kinderarbeit ist auch in Indien verboten.

 

Trotzdem beträgt nach Schätzungen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) die Zahl der Kinderarbeiter in Indien 70 bis 80 Millionen, womit das Land die höchste Kinderarbeitsquote der Welt hat.  

In vielen Bereichen der Landwirtschaft und in Privathaushalten findet Kinderarbeit statt – und eben auch in Fabriken. Nur Strafverfolgung von Arbeitgebern, Maßnahmen zur Armutsbekämpfung und die Möglichkeit des Schulbesuchs für die Kinder können einen Beitrag zur Bekämpfung dieser Kinderarbeit leisten.

Und unsere Aufgeklärtheit und Wachheit als Konsumenten, denn es kann nicht angehen, dass wir hier im Westen z. B. Kinderkleidung kaufen, die in Indien von Kindern hergestellt wurde.

 

G wie ghat - Stufe, Treppe

Ghat nennt man in Indien eine zu einem Gewässer hinunter führende Treppe. Hier spielt sich das tägliche, pralle indische Leben ab: man wäscht sich, seine Kinder und die Kleidung, man führt rituelle Waschungen durch und bringt Opfer dar.

 

Ghats gehören zum Stadtbild vieler indischer Städte, die am Flussufer liegen. Die berühmtesten Ghats finden wir aber am Ganges in Varanasi (Benares), der Stadt Shivas und eine der heiligsten Stätten der Hindus. Ein Bad im heiligen Fluss reinigt von allen Sünden. Hier zu sterben und verbrannt zu werden, wobei die Asche in den Fluss gestreut wird, ist für strenggläubige Hindus besonders erstrebenswert, da dies vom Rad der Wiedergeburten befreit.

So finden wir unter den vielen Ghats dann auch zwei, an denen ausschließlich Verbrennungen stattfinden: Tag und Nacht brennen die Feuer der Einäscherungen, und ölige Rauchschwaden schwängern die Luft.

Das wohl spektakulärste Ghat in Varanasi ist jedoch das Dashaswamedha Ghat. Hier zelebriert eine Gruppe Priester jeden Abend „Ganga Aarti“, eine Feuerzeremonie, bei der Ganga Mata („Mutter Ganges“) für diesen Tag verabschiedet und zu Bett gebracht wird …

 

H wie hathi - Elefant

Wohl alle von uns kennen ihn, Colonel Hathi, das Oberhaupt der Elefantenpatrouille aus dem „Dschungelbuch". Er mag die Menschen nicht besonders, und so darf auch das Menschenjunge Mowgli nicht in seiner Elefantenkompanie bleiben.

 

Dass der Elefantenoberst die Menschen nicht mag ist irgendwie nachvollziehbar. Schließlich sind es die Menschen, die seine Artgenossen in Asien seit etwa 2000 v. Chr. teils qualvoll zähmen und zur Arbeit abrichten. Elefanten wurden und werden als Zugtiere, als Reittiere und Arbeitstiere verwendet.
Ab etwa 1100 v. Chr. wurden Elefanten in Indien auch im Krieg eingesetzt. Mit ihrer Kraft und Zähigkeit lösten sie in gegnerischen Armeen Schrecken und Mutlosigkeit aus. Zu den ersten Europäern, die mit Kriegselefanten konfrontiert waren zählte Alexander der Große, und wohl jeder von uns kennt die Geschichte von Hannibal, der im Kampf gegen das Römische Reich um 200 v. Chr. mit 37 Elefanten über die Alpen zog.

 

Kriege führt man heutzutage mit anderen Mitteln, und auch als Arbeitstiere werden Elefanten kaum mehr benötigt. Jahrhunderte lang waren sie in der Forstwirtschaft tätig und schleppten Baumstämme aus dem Dschungel. Maschinen verdrängten sie auch hier, der Dschungel wird zudem immer kleiner und die vierbeinigen Forstarbeiter damit arbeitslos.

Arbeitselefanten werden heute vielfach im Tourismus eingesetzt, andere fristen nach wie vor ein teils klägliches Leben als Tempelelefant.

Ihren wilden Brüdern geht es nicht viel besser:

 

Die Jagd nach Elfenbein und vor allem die Zerstörung ihres Lebensraums durch Besiedelung sind die stärkste Bedrohung für ihren Bestand. Die IUCN (International Union for Conservation of Nature and Natural Resources) stuft ihn als „stark gefährdet" ein.

 

I wie ilayci - Kardamom

Einmal dorthin „wo der Pfeffer wächst" wollten wir und entschlossen uns zu einem mehrtägigen Trekking in den Cardamom Hills im Süden Indiens.

Sehend, riechend und schmeckend wandern wir auf dem „spice track" durch einen riesigen, dschungelartigen Gewürzgarten. Vorbei an Kaffeesträuchern und Jackfruit-Bäumen, durch kleine Dörfer und Reisfelder. An einem uralten Schrein auf einer Lichtung opfern wir uns unbekannten Göttern, und auf einer Teeplantage werden wir in die Geheimnisse der Produktion eingeweiht, dürfen dazu jede Menge des Muntermachers probieren. Wir probieren grünen Pfeffer direkt vom Strauch - und natürlich finden wir auch ilayci (Elaichi) - den Kardamom, der diesen Hügeln ihren Namen gab.

Kardamom ist eine schilfartige Staude aus der Familie der Ingwergewächse, die in dieser Gegend sogar wild wächst. Sie gedeiht nur bei gleich bleibend warmen Temperaturen und mäßigem Niederschlag, und hier findet sie ideale Bedingungen. So werden 80% des weltweiten Kardamomertrags in Indien angebaut.

Die Staude bildet nach drei Jahren erstmals Fruchtkapseln aus und trägt dann weitere 15 Jahre lang Früchte; die Stängel mit den ovalen Samenkapseln entwickeln sich an der Basis der Pflanze. Die Kapseln werden über einen langen Zeitraum ausgebildet und befinden sich darum stets in unterschiedlichen Reifestadien. Im Inneren haben sie drei Fächer mit winzigen, schwarzen Samen. Die noch unreifen Kapseln werden vorsichtig und von Hand geerntet, damit sie nicht aufplatzen. In Trockenöfen, heißen Räumen oder in der Sonne werden sie anschließend getrocknet.
Aufgrund dieser aufwändigen Arbeit gehört der Kardamom neben Safran und Vanille zu den teuersten Gewürzen der Welt.

Am häufigsten und am vielseitigsten verwendbar sind die grünen Kardamomkapseln; bei dem angebotenen weißen Kardamom handelt es sich lediglich um gebleichte grüne Kapseln. Braune Kapseln sind größer und behaart. Wegen ihres kräftigen und recht aufdringlichen Aromas werden sie hauptsächlich in sehr würzigen Gerichten mit langer Garzeit verwendet.

 

J wie jalebi - eine von vielen indischen Süßigkeiten

Ganesha l i e b t Süßigkeiten. Ganesha (Ganapati), das ist der Elefantenköpfige Sohn von Shiva und Parvati, der bei Indern ausgesprochen beliebte Gott der Intelligenz und der Weisheit, der Hindernisse beseitigt und bei allem Neuen Starthilfe leistet.

Der aber auch gerne nascht. Ein Grund, weshalb er mit dickem Bauch dargestellt wird und in seinen Händen oft einen Reiskloß (pinda) oder ein Gefäß mit laddoo (laddu) hält, mit kleinen, süßen Bällchen aus Kichererbsenmehl.

 

Süßspeisen wie sooji halva (Grießhalwa), sevian (Fadennudeln in Nuss-Sahnesauce) und kheer (Reispudding) sind oft die Krönung eines indischen Essens und dürfen nicht fehlen, um die Sinne nach dem Genuss eines pikanten und scharfen Essens wieder zu besänftigen.

 

Auch zum Tee oder als kleine Zwischenmahlzeit essen die Inder gerne Süßes. Viele dieser Süßspeisen sind aus Milchprodukten gemacht, aber auch aus Früchten, Nüssen und Kichererbsen zaubern die Inder verführerische kleine Dickmacher.

Die bekanntesten Süßspeisen kommen aus Westbengalen, wie z. B. sandesh, eine Art Plätzchen und eine der ältesten Süßspeisen Indiens oder die süßen Bällchen namens rasgulla bzw. rosogulla. Beide werden aus indischem Frischkäse (paneer; sprich panier) hergestellt, dem man durch Pressen die Feuchtigkeit entzieht.

 

Das Rezept für die allseits beliebten gulab jamun (Milchbällchen in Rosenwasser-Sirup) kommt aus Gujarat, und zum Tee oder Kaffee nimmt man gerne badam burfi (barfi), ein Mandelkonfekt aus cremig eingekochter Milch.

In Varanasi sollte man unbedingt lal peda probieren, eine nach uralten Rezepten hergestellte Süßigkeit, für die reine Kuhmilch über sanfter Glut einen ganzen Tag oder noch länger (!) gekocht wird, bis sie sich rostrot verfärbt und einen leichten Karamellgeschmack annimmt. Mit Rohzucker gesüßt und mit Gewürzen aromatisiert wird die Masse zu kleinen runden Plätzchen geformt und gegessen.

 

Wohl kaum eine Leckerei lässt indische Herzen jedoch höher schlagen als jalebi, knusprig ausgebackene und in warmen Safransirup getauchte Sauerteigkringel, behauptet die Inderin Julie Sahni in ihrem Kochbuch. Und sie muss es wissen, denn sie ist Dozentin für Ernährungswissenschaft und Inhaberin einer Kochschule.

 

Wer diese ganzen meist übersüßen Köstlichkeiten einmal probieren möchte, der sollte nach „sweet shops“ Ausschau halten. Da Süßigkeiten im religiösen, kulturellen und gesellschaftlichen Leben der Inder eine wichtige Rolle spielen, findet man die shops am häufigsten in der Nachbarschaft von Tempeln, von Kinos oder auch von Gerichtsgebäuden.