"Wir hatten den ganzen Pazifischen Ozean vor uns und nichts weiter zu tun, als nichts zu tun und uns wohl zu fühlen."

 

Mark Twain (1835-1910)


Seniorenrabatt und Seemannsgarn

Aus dem Logbuch einer Landratte

 

"Auf einer solchen Reise mit ihrer unendlichen Monotonie löst der Intellekt sich auf" schrieb Mark Twain über lange Seereisen in "Following the Equator". Klingt ziemlich interessant; das wollten wir mal am eigenen Leib erfahren ...

 

"Was? Eine Kreuzfahrt wollt ihr machen? Super! Aber fühlt Ihr Euch denn schon so alt? Seit wann trägt Beate Abendkleider, John einen Smoking?" - Von Besorgnis über gutmütigen Spott bis hin zu blankem Entsetzen reichen die Emotionen unserer Freunde, als wir ihnen von unserem Vorhaben erzählen.

 

Aber unser Entschluss steht fest und der Dollar günstig, außerdem gibt’s ab 55 schon einen ansehnlichen Seniorenrabatt … also, was soll‘s? Wenn nicht jetzt, wann dann? denken wir und buchen eine Schiffsreise durch den Panamakanal:

von San Diego nach Miami.

 

die "Celebrity Constellation", unser schwimmendes 5-Sterne-Hotel

 

 

Daten und Fakten:

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in Dienst gestellt: 2002

Werft: Chantiers de l'Atlantique

Crew: 941 (über 60 Nationalitäten)

Passagiere: 2449

Höchstgeschwindigkeit: 24 Knoten

Länge: 294 Meter

Breite: 32 Meter

Tiefgang: 8 Meter

Decks: 11

registriert in: Malta

Tonnage: 91.000

 

28. März 2010: vornehm geht die Welt zugrunde

Es lohnt sich wirklich, vor Buchung einer Kreuzfahrt ausführlich im Internet zu recherchieren und Preise zu vergleichen! So hat meine bessere Hälfte doch tatsächlich einen Anbieter gefunden, bei dem die Suiten auf unserer "Celebrity Constellation" ein ganzes Stück preiswerter sind als bei anderen die normalen Kabinen. Da blieb uns quasi keine andere Wahl, als eine der acht Suiten von 50 qm Größe zu nehmen. Mit Wohnzimmer, PC-Ecke und Esszimmer, mit Schlafzimmer inkl. Schminkplatz, großem Bad und zwei mächtigen Flachbildfernsehern.

 

Unser Balkon hat stolze 18 qm (womit er größer ist als meine erste Studentenbude) und verfügt über ein Jacuzzi, zwei Liegestühle und einen runden Tisch mit vier Stühlen. Platz bis zum Abwinken.

 

Eine weitere mit der Suite verbundene Annehmlichkeit ist die automatische Aufnahme in den Captain’s Club, in den man normalerweise erst als Kreuzfahrt-Wiederholungstäter kommt. Und der so elitäre Sachen bietet wie Champagner-Frühstück im feinen Michael’s Club, Lunch mit den Offizieren und Dinner am Captain’s Table. Was für uns aber nicht so wichtig ist; wir Ignoranten freuen uns mehr über die vielen Gutscheine z. B. fürs Wäschewaschen und -bügeln, für die Internet-Nutzung und sogar fürs Casino. Mit denen wir dann auch noch - ich traue es mich kaum zu schreiben - beim Roulette 150 Dollar gewinnen!

 

Unser Kabinensteward Bernard ("Stateroom Attendant" steht auf seinem Namensschild) kommt aus Goa und beaufsichtigt das Reinigungspersonal unserer Suite. Wenn’s eilig ist, legt er auch schon mal selbst Hand an beim Bettenmachen. Bernard ist Herr über die Gutenacht-Bonbons, von denen er stets einige aus seinen Anzugtaschen zaubern kann. Und täglich drapiert er zwei der kleinen Aufmerksamkeiten auf unserem säuberlich aufgeschlagenen Bett, während wir beim Abendessen sind.

 

Frühstück auf unserem Balkon; serviert von Santoso

Absoluter Höhepunkt des Ganzen ist jedoch ein 24stündiger persönlicher Butler-Service! Unser Butler heißt Santoso, kommt aus Jakarta und liest uns jeden Wunsch von den Augen ab. Er füllt täglich die Obstschüssel, stellt uns frische Blumen auf den Frühstückstisch und bringt nachmittags verführerische kleine Häppchen, Sandwiches, Törtchen und Kaffee. Nie ohne sein zurückhaltendes, freundliches Lächeln und einen kleinen Smalltalk.

 

Die beiden Jungs werde ich zu Hause arg vermissen …

 

29. März 2010: Leben an Bord

Nachdem wir gestern den "Emergency Lifeboat Drill", also die obligatorische Rettungsübung mitgemacht haben und uns heute Vormittag mit den ganzen schriftlichen Informationen, Einladungen und Aktionen beschäftigt haben, soll nun endlich die reine Erholung beginnen. Unzählige Liegen am Pool und auf den Decks warten nur darauf, von uns beansprucht zu werden.

 

Heute ist auch einer der insgesamt drei "formal days" unserer Reise, also ein Tag, an dem man sich ab 18 Uhr aufbrezeln muss um am gesellschaftlichen Leben des Kahns teilnehmen zu können. Cocktail- oder gar Abendkleid hat Beate natürlich strikt abgelehnt, aber zu einem langen schwarzen Rock mit irgendeinem Fummel drüber ließ sie sich dann doch hinreißen; schließlich gibt es nach dem Dinner das "Captain’s Welcome". Bei dem sich unser Kapitän, der Grieche Nicholas Pagonis im großen, 1000 Leute fassenden Theatersaal des Schiffs vorstellt und mit ihm die wichtigsten Offiziere seiner Mannschaft. Begeisterung pur und Applaus für alle.

 

Stehenden Applaus gab es dann nach der anschließenden Vorstellung der Theatertruppe. "Spotlight Broadway" nannte sich die Show und bestand aus hinreißenden Gesangs- und Tanzvorführungen berühmter Musicals, von 42nd Street über West Side Story bis hin zu Les Misérables. Da macht den Amerikanern so schnell keiner was vor!

 

30. März 2010: erster Landgang in Cabo San Lucas, Mexico

Um Stress zu vermeiden, haben wir sämtliche Landgänge bereits von zu Hause aus übers Internet gebucht; die Tickets dazu warteten bei Ankunft schon in unserer "Royal Suite" und wollen nur noch eingesetzt werden.

Da die "Constellation" 2449 Passagiere aufnehmen kann und wohl auch ziemlich ausgebucht ist, hatte ich mir die Organisation der vielen angebotenen Shore Excursions ziemlich chaotisch oder zumindest langwierig vorgestellt, aber diese Besorgnis war umsonst:

mit dem für unsere Tour zuständigen Sticker (rund, rot, 4) dekoriert, können wir ziemlich zügig das Schiff verlassen und werden mit Tenderbooten an Land gebracht, wo schon 6 Jeeps auf uns warten. Wer einen Führerschein dabei hat und will, der darf auch fahren - und so geht es bald per Vierradantrieb ins Hinterland von Baja California, über Schotterpisten und durch ausgetrocknete Flussbetten zu 400 Jahre alten Kakteen, zu verfallenden Lehmhäusern und exotischer Flora. Zu Kühen und Pferden und in die Schule eines kleinen Ortes, in der Köchin Maria uns köstliche Tortillas mit Bohnen und eiskalte Pepsi serviert.

Zum Abschluss ein wunderbarer Strand in der Abendsonne.

 

weitere Bilder aus Mexiko beim Klick aufs Foto

 

Wen stört es da schon, dass einer unserer Jeeps unterwegs den Geist aufgab, dass zunächst kein Schlüssel für die Schulkantine zu finden war, und dass wir erst 2 Minuten vor Abfahrt des letzten Tenderbootes ziemlich atemlos am Pier ankamen? Wir hatten einen großartigen Tag, und den Staub der Piste spülten wir an Bord erst einmal mit einem doppelten Gin Tonic runter.

 

31. März 2010: Seetag mit ordentlichem Frühstück und Basteln für Senioren

Im "San Marco Restaurant", das sich über zwei Etagen erstreckt, ist heute von 10 bis 13 Uhr Brunch angesagt. Aber kein gewöhnlicher Brunch, sondern ganz großes Kino: feierlich werden wir über die Freitreppe in den unteren Saal geführt, begleitet von sanften Tönen eines Streichquartetts.

Im Saal selbst erwartet uns dann alles, was zu einer richtigen Traumschiff-Völlerei gehört: die Tische biegen sich unter riesigen, wunderbar angerichteten Platten mit Fisch und Käse und feinsten Wurstspezialitäten. Es gibt Cereals und Sushi, Kartoffeln und Gemüse, Champagner, Eis und Was-weiß-ich-noch-alles. Um einen Überblick zu bekommen, gehe ich erst einmal herum und mache Fotos; schließlich hieß es in der Ankündigung des events: "Bring your camera".

Eine ganze Armada von Köchen in blendend weißer Arbeitsuniform ist ausschließlich damit beschäftigt, die Platten und Schüsseln mit süßen Backwaren und Obst wieder aufzufüllen, das Display der Speisen zu erneuern, Bratenstücke aufzuschneiden und auf Wunsch Omeletts zu braten, Rührei oder Spiegeleier. Zwischen all dem thronen meterhohe Eis-Skulpturen in Form von Schwänen und Delfinen und Fischen, magisch beleuchtet und trotz Klimaanlage leise vor sich hin tropfend.  

Kellner in Livree bewegen sich flink aber unauffällig zwischen den Tischen, schenken Kaffee nach und Tee. Und vor dem Panoramafenster mit Blick auf unsere Heckwelle im stahlblauen Pazifik strahlt der schwarze Koch Jeremy mit seinem Schokoladebrunnen um die Wette.

 

 

Das Beschäftigungsprogramm an Bord ist umfangreich bis zur Belastungsgrenze; jede halbe Stunde beginnen irgendwo auf dem Schiff mindestens zwei bis sechs Veranstaltungen. Da gibt es einfach alles, von Vorträgen und Kunstauktionen über Computerkurse, Karaoke-Wettbewerbe und Sportveranstaltungen bis hin zu Spielen und Filmen, zu einer jüdischen Pessachfeier oder einem Schlussverkauf der Boutiquen.

Überblick bietet das Programm in der täglich erscheinenden Bordzeitung "Celebrity Today", auch wenn ich das nicht immer verstehe. Was bitte ist Afternoon Trivia? Wi-Fi? AquaSpa Raffle? Oder eine Brain Waker Challenge? Ein Texas Hold'em Tournament? …

 

Irgendetwas nicht allzu Sportliches möchte ich nach dem üppigen Brunch unternehmen, und so entscheide ich mich für "Memories at Sea: Scrapbooking". Ein scrapbook ist ein Sammelalbum, das weiß ich. Und stelle mir vor, dass wir eine Art Collage herstellen. Vielleicht mit Fotos vom Schiff, mit Ausschnitten aus der Bordzeitung, mit Zuckertütchen und allem was man an Bord so finden kann.

Und so sitze ich denn kurz vor 16 Uhr in der Bar "At the Edge oft the Earth", wo das Ereignis stattfinden soll. Erst erscheint ein weibliches Mitglied des Activity Staffs und verteilt durchsichtige Umschläge mit Bastelmaterial an die etwa 25 älteren Damen, die sich eingefunden haben. Ein älterer Herr sitzt auch dabei. Ziemlich nutzlos, wie sich später herausstellen soll, denn er peilt nichts. Genau wie ich. Keine Ahnung, was ich da überhaupt basteln soll: von brats und flip flops ist in der Anleitung die Rede, ich soll was von mir weg falten und ausstanzen und aufkleben.

Verstohlene Blicke nach rechts und links. Alle fangen eifrig an den Kram auszupacken, rascheln und knistern höchst professionell mit den Papieren. So was haben die Ladies offensichtlich schon öfter gemacht!

Die Animateurin kommt vorbei, verteilt Klebestifte und fragt jede, ob sie klar käme. Natürlich! Nur ich nicht. Will ihr Demostück sehen, damit ich endlich weiß um was es geht. Ok, ich muss ein Faltbüchlein aus buntem Karton basteln, mit Flip Flops als Deckel … Wahnsinn!

Eine Streberin mir gegenüber (mit schätzungsweise Ende 40 die weitaus Jüngste in der Runde) ist damit schon fertig, und ich gucke bei ihr ab, schustere den Kram irgendwie zusammen. Immer sorgsam darauf bedacht, mir meine Lustlosigkeit nicht anmerken zu lassen.

Die Bastlerinnen mit den weißen Löckchen sind begeistert dabei, stehen aber ziemlich auf dem Schlauch. Haben wohl nur geblufft und benötigen jetzt kräftige Nachhilfe: die bunten runden Teile sind Zehen, davon muss man je 5 auf die Flip Flops kleben. Vorne. Aaah - ja!

Meine Nachbarin zur Linken hat sich gleich das Muster gekrallt und vor sich aufgebaut. Damit sie auch bloß alle ausgestanzten Formen (Aufdruck: adventure, fun, indulge, u. ä.) auf die richtigen vorgemalten Stellen klebt. Hilfe! Wo bin ich hier hingeraten?

Ich löse schön brav alle vorgestanzten Teile aus dem Bastelbogen, packe sie in den Umschlag und den in meine Tasche. Und verlasse diesen Ort des Grauens. Später werde ich mir überlegen, wo ich das Zeugs ungesehen entsorgen kann, aber jetzt brauch ich erst mal ein Bier. Oder was Stärkeres!

 

1. April 2010: "Acapulco City Tour"

Während mein Göttergatte viel Spaß beim Schwimmen mit Delfinen hatte, hatte ich mit meiner gebuchten Stadtbesichtigung wohl einen kleinen Fehlgriff getan. "City Tour", das bedeutete: fast nur unterwegs in einem Bus mit getönten Scheiben, was die Fotografin in mir natürlich besonders freute! Ein Stopp plus Kaltgetränk bei den Klippenspringern mit anschließender etwa fünfminütiger Tanzvorführung. Ein zweiter Stopp zum Schmuckkauf in einem Markt (ein Paar Ohrringe) und ein letzter Stopp in einem Hotel mit Blick auf die Bucht (noch ein Paar Ohrringe). So möchte ich nie wieder eine Stadt "kennenlernen"!

 

Zum Glück waren einige der an Bord zurückgebliebenen Mitreisenden ziemlich eifrig bei der "Margarita Mixology" und hatten Unmengen von verschiedenen Margaritas gemixt, vom Original über Versionen mit Pfirsich oder Erdbeeren bis hin zu Limonen und Blue Curaçao. Und die wollten von mir am Abend alle probiert werden und Tröster spielen …

 

Montezumas Kinder

 


2. April 2010: "Huatulco Land & Sea Tour"

Huatulco? Noch nie von diesem Ort in Mexiko gehört! Aber ich habe mich schlau gemacht und erfahren, dass er eigentlich "Santa Cruz de Huatulco" heißt. Ein ehemaliges Dorf mit 1000 Einwohnern, das zum Tourismuszentrum ausgebaut wurde. Also wohl ein ziemliches Disneyland denke ich und mir schwant Böses ...

 

Der Ausflug wurde dann aber doch noch recht nett, nicht zuletzt wegen der reizenden Erica, die so schön und interessant über ihre Heimat erzählen konnte. Wir besuchten downtown Crucecita mit Kirche und Kunsthandwerkermarkt, verkosteten Mezcal (stilecht mit Limone und Chilisalz) und machten eine Katamarantour entlang der vielen Buchten.

 

Zwei Highlights werden mir immer in Erinnerung bleiben: die relaxten, stets freundlichen und fröhlichen Mexikanerinnen und der Blick von einer kleinen Bucht, in der Unmengen von mexikanischen Kindern ihre Osterferien genießen und sich im Sand und im Wasser vergnügen - hin zu unserer "Constellation". Zwei Welten, die da aufeinandertreffen ...

 

3. April 2010: Sea Day

Wieder muss ich Mark Twain zitieren, der da schrieb: "Wir hatten den ganzen Pazifischen Ozean vor uns und nichts weiter zu tun, als nichts zu tun und uns wohl zu fühlen."

 

Nach den beiden letzten Tagen mit Landausflügen genießen wir den heutigen Seetag besonders, vergnügen uns im Fitnessraum (er), planschen im Thalassotherapie-Pool (sie), hören Musik, lesen und lümmeln auf den deckchairs unserer Privatterrasse herum.

Erste Delfinsichtung, eine Schule mit etwa 20 Tieren. Natürlich habe ich in diesem Moment nur meine kleine IXUS zur Hand. Sie hat zwar schätzungsweise 2568 Programme, von Feuerwerk, Schnee und Laub über Kinder bis hin zum Aquarium, aber leider kann ich auf die Schnelle das Delfinprogramm nicht finden. Und so gibt es denn leider auch keine Fotos von diesen sympathischen Tieren ...

 

Abends wieder Gala und Bling Bling. Mit Dinner im San Marco Restaurant, wo Rollstühle und Elektromobile die Gänge verstellen, mit einer Frozen Margarita in der Casino Bar und mit Showtime im Celebrity Theater.

 

4. April 2010: Ostersonntag in Costa Rica. Ochsentour und River Cruise

Mein böses Handy hat sich in der Nacht im Gegensatz zur Schiffsuhr und klammheimlich um eine Stunde vorgestellt und weckt uns um 4.30 Uhr anstatt um 5.30 Uhr, aber dafür erleben wir vor Puntarenas einen fantastischen Sonnenaufgang.

Pünktlich um 6.30 Uhr bringt der zuverlässige Santoso unseren Early Morning Coffee und die bestellten Cornflakes, und um 7.15 Uhr ist Landausflug: "Natural Wildlife Wonders & River Cruise" heißt das zehnstündige Programm, das wir uns ausgesucht haben.

 

Kaum aus dem Hafenbereich heraus steht für uns fest: dieses Land gefällt uns! Grüner als Mexiko (obwohl auch hier Trockenzeit herrscht; Regen gibt’s erst wieder ab Mai) - und von einem morbiden Charme, freundlich und bunt und rostig.

Waren es in Mexiko die Frauen die mich beeindruckten, so ist es hier in Costa Rica die Landschaft:

zunächst auf der Panamericana unterwegs biegen wir nach knapp 100 Kilometern ab auf eine Schotterstraße. Jede Menge Staub und verbranntes Grasland, auf dem braune und schwarze Kühe im Schatten von weit ausladenden Bäumen stehen. Viele der sanften, hellen Zebus suchen mit gesenktem Kopf nach den letzten grünen Hälmchen. Besonders ihre Kälbchen haben es mir angetan; mit ihren dunklen Augen und den großen Hasenohren erkläre ich sie heute zu echten Osterkälbchen!

 

In der Ferne eine Bergkette und am Straßenrand fantastisch blühende Bäume in Rot und Gelb und Pink. Vielleicht ist es ganz gut, mit einer kleinen Gruppe und in einem Bus unterwegs zu sein, denn alleine käme ich hier nie vorwärts, müsste ich doch ständig aussteigen und fotografieren!

 

Kleine Häuschen, gestrichen in diesem typischen Türkisgrün, drum herum ein Zaun und einige Kakteen, im Vorgärtchen Bananenstauden, Bougainvilleas und Hibiskus. Eine Hängematte im Schatten, und an der Seite flattert frisch gewaschene Wäsche. Und das, obwohl heute Ostersonntag und die Bevölkerung überwiegend christlich ist; find' ich sympathisch!

In den Fenstern weiße Gardinen, im unteren Drittel durch ein unsichtbares Band zusammengerafft. Väter auf eisernen Schaukelstühlen betreuen spielende Kleinkinder, und bunte Hühner laufen in panischer Angst vor uns davon. Dann wieder kleine rotbraune Hunde und ab und zu ein gesatteltes Pferd am Stacheldrahtzaun. Zwei Vaqueros im Teenageralter treiben eine Herde Rinder auf die nächste Weide.

Viele abgestellte Schrottautos und Unmengen von fast reifen Mangos; vier verschiedene Arten gibt es hier! Papayas, Teak, Ananas, Kaschubäume … das wächst alles einfach so am Wegesrand. Ich schaue und staune und denke mir: wie muss das erst nach dem ersten Regen aussehen!?

 

Und dann geht’s ab in den Palo Verde Nationalpark, ganz zünftig im Ochsenkarren. Zufällig (?) bin ich die Erste, die sich auf das bunt bemalte Beförderungsmittel traut und sitze damit direkt hinter den beiden Wasserbüffeln, die mir arg Leid tun: in dieser Hitze ein Dutzend Touris zum Fluss befördern müssen, das kann einfach nicht angenehm sein!

 

Der Fluss ist genau so, wie mein erster Regenwaldfluss sein muss: braune Fluten, die Vegetation reicht bis zum Ufer, und auf einigen wenigen Schlammbänken liegen träge Krokodile herum, die ab und zu lautlos-elegant ins Wasser gleiten. In den Bäumen Eisvögel, Reiher, Fledermäuse und Leguane, und in der Nähe des Ufers kommen neugierige Affen bis an unser Boot … ein Traum wird wahr!

 

Zum Mittagessen gibt es im "Las Palomas Rehabilitation and Rescue Center" Reis mit schwarzen Bohnen und Yamspüree, dazu gebackene Bananen … ich könnte mich rein knien! Und während die Anderen die Gehege mit den geretteten Tieren besichtigen, ziehe ich es vor, im Schatten der Veranda zu bleiben, dem Geplapper eines Tucans zu lauschen und den zögerlichen Pfauenhahn zu beobachten, der seine Henne nicht aus den Augen lässt und ihr mutig bis in meine Nähe folgt. So muss Urlaub sein, pura vida!

 

Ich kann mich kaum von diesem Land trennen - und genieße es trotzdem, dass uns bei Rückkehr aufs Schiff die Crew wie immer mit nassen Tüchern empfängt, mit Desinfektionsmittel und einem freundlichen "welcome back".

 

5. April 2010: wieder ein typischer Seetag mit viel Wasser und Alkohol:

"In Panama", sagte er, "ist alles viel schöner, weißt du.
Denn Panama riecht von oben bis unten nach Bananen.
Panama ist das Land unserer Träume, Tiger.
Wir müssen sofort morgen nach Panama..."

 

Janosch (d.i. Horst Eckert; * 11. 03. 1931)

                                                       

                                                     ... und DORT geht's nach Panama