... und wenn das fünfte Kerzlein brennt,

dann habt ihr Weihnachten verpennt!

 Volksmund

 

Beates Adventskalender 2012

24 Tage schon vorbei … und mir hat das tägliche Basteln an diesem Kalender mindestens so viel Spaß gemacht wie Euch das Türchen-Öffnen. Bleibt mir nur noch, Euch allen ein schönes Fest zu wünschen:



Juttas Weihnachtskarte von 2010; © Grafik Werkstatt Bielefeld

 

24

 

Jesus hat

– um dem Rassenhass vorzubeugen –

dafür gesorgt, dass auch ein Farbiger

zu seiner Krippe kam – und nun?

 

Gilbert Cesbron, Kleine Dinge

 

23



 

Die Ware Weihnacht ist nicht die wahre Weihnacht.

Kurt Marti



 

22

Der Stern


Hätt' einer auch fast mehr Verstand
als wie die drei Weisen aus Morgenland
und ließe sich dünken, er wäre wohl nie
dem Sternlein nachgereist, wie sie;
dennoch, wenn nun das Weihnachtsfest
seine Lichtlein wonniglich scheinen lässt,
fällt auch auf sein verständig Gesicht,
er mag es merken oder nicht,
ein freundlicher Strahl
des Wundersternes von dazumal.

Wilhelm Busch

 

21

 

"Weihnachten" 

Markt und Straßen stehn verlassen, 
Still erleuchtet jedes Haus, 
Sinnend geh ich durch die Gassen, 
Alles sieht so festlich aus. 

An den Fenstern haben Frauen 
Buntes Spielzeug fromm geschmückt 
Tausend Kindlein stehn und schauen, 
Sind so wunderstill beglückt. 

Und ich wandre aus den Mauern 
Bis hinaus ins freie Feld, 
Hehres Glänzen, heilges Schauern! 
Wie so weit und still die Welt! 

Sterne hoch die Kreise schlingen, 
Aus des Schnees Einsamkeit 
Steigts wie wunderbares Singen - 
O du gnadenreiche Zeit! 

Joseph von Eichendorf

 

 

20

 

Glück ist nicht,

das zu haben, was man will.

Glück ist,

das zu lieben, was man hat.

 

Víctor Betancourt; Priester der Santería

 

19

 

Eggnog

 

Wer bei dem traditionellen Weihnachtsdrink der Briten an unseren Eierlikör denkt, der liegt völlig falsch, denn mit diesem hat der Eggnog absolut nichts zu tun.

Hier ein Rezept, mit dem man (ich habe es ausprobiert!) Freunde und Schwiegermütter ganz schnell in ausgelassene (Vor-) Weihnachtsstimmung bringen kann:

 

6 Eier trennen, das Eiweiß zugedeckt kalt stellen. In einer großen Schüssel das Eigelb hell und schaumig schlagen. Nach und nach 150 g Zucker zugeben und weiter schlagen, bis die Masse ganz dick ist. ½ l Brandy (Weinbrand) - nach Geschmack auch ¼ l Brandy und ¼ l Whisky – sowie ½ l Milch abwechselnd unterrühren. 3-4 Stunden kalt stellen.

 

Kurz vor dem Servieren die Eigelbmischung durchschlagen und dabei ½ l Sahne und 1/8 l Rum einarbeiten. Das Eiweiß schlagen, bis es weiche Spitzen bildet, und unter die Eigelbmischung heben.

Sofort in gekühlte Gläser füllen und einen Hauch Muskatnuss darüber reiben.

 

Ergibt 10-12 Portionen.

Tipp: Immer nur die gerade benötigte Menge mit frisch geschlagenem Eiweiß fertigstellen. Und bitte wegen der Salmonellengefahr nur ganz frische Eier nehmen!

 

18

Einsiedlers Heiliger Abend

 

Ich hab' in den Weihnachtstagen -
ich weiß auch, warum -
mir selbst einen Christbaum geschlagen,
der ist ganz verkrüppelt und krumm.

Ich bohrte ein Loch in die Diele
und steckte ihn da hinein
und stellte rings um ihn viele
Flaschen Burgunderwein.

Und zierte, um Baumschmuck und Lichter
zu sparen, ihn abends noch spät
mit Löffeln, Gabeln und Trichter
und anderem blanken Gerät.

Ich kochte zur heiligen Stunde
mir Erbsensuppe mit Speck
und gab meinem fröhlichen Hunde
Gulasch und litt seinen Dreck.

 

 

Und sang aus burgundernder Kehle
das Pfannenflickerlied.
Und pries mit bewundernder Seele
alles das, was ich mied.

Es glimmte petroleumbetrunken
später der Lampendocht.
Ich saß in Gedanken versunken.
Da hat's an der Türe gepocht,

und pochte wieder und wieder.
Es konnte das Christkind sein.
Und klang's nicht wie Weihnachstlieder?
ich aber rief nicht: "Herein"!

 

 

Ich zog mich aus und ging leise
zu Bett, ohne Angst, ohne Spott.
Und dankte auf krumme Weise
Lallend dem lieben Gott.

Joachim Ringelnatz

 

 

17

 

Schenken heißt, einem anderen etwas geben, was man am liebsten selbst behalten möchte.

 

Selma Lagerlöf



 

16

 

Advent

 

Es blaut die Nacht, die Sternlein blinken,

Schneeflöcklein leis’ herniedersinken.

Auf Edeltännleins grünem Wipfel

Häuft sich ein kleiner, weißer Zipfel.

Und dort, vom Fenster her, durchbricht

Den dunklen Tann ein warmes Licht.

 

Im Forsthaus kniet bei Kerzenschimmer

Die Försterin im Herrenzimmer.

In dieser wunderschönen Nacht

Hat sie den Förster umgebracht.

Er war ihr bei des Heimes Pflege

Seit langer Zeit schon sehr im Wege.

Drum kam sie mit sich überein:                  

Am Niklasabend muss es sein!

 

Und als das Rehlein ging zur Ruh’,

das Häslein tat die Augen zu,

erlegte sie – direkt von vorn –

den Gatten über Kimm’ und Korn.

Vom Knall geweckt rümpft nur der Hase

Zwei-, drei-, viermal die Schnuppernase

Und ruhet weiter süß im Dunkeln

Derweil die Sterne traulich funkeln.

Und in der guten Stube drinnen,            

da läuft des Försters Blut von hinnen.

Nun muss die Försterin sich eilen,

den Gatten sauber zu zerteilen.

Schnell hat sie ihn bis auf die Knochen

Nach Waidmannssitte aufgebrochen.

Voll Sorgfalt legt sie Glied auf Glied,

was der Gemahl bisher vermied,

behält ein Teil Filet zurück

als festtägliches Bratenstück

und packt darauf – es geht auf vier –

die Reste in Geschenkpapier.

 

Da tönt’s von fern wie Silberschellen,

im Dorfe hört man Hunde bellen.

Wer ist’s, der in so später Nacht

Im Schnee noch seine Runden macht?

Knecht Ruprecht kommt mit goldnem Schlitten

Auf einem Hirsch herangeritten.

„He, gute Frau, habt Ihr noch Sachen,

die armen Menschen Freude machen?“

 

Des Försters Haus ist tief verschneit,

doch seine Frau ist schon bereit:
“Die sechs Pakete, heilger Mann,

`s ist alles, was ich geben kann.“

 

Die Silberschellen klingen leise,

Knecht Ruprecht macht sich auf die Reise.

Im Försterhaus die Kerze brennt,

ein Sternlein blinkt – es ist Advent!



Loriot

 

15

 

Der Zauber

steckt immer im Detail.

 

Theodor Fontane



 

14                                           Alles still!


 

Alles still! Es tanzt den Reigen
Mondenstrahl in Wald und Flur,
Und darüber thront das Schweigen
Und der Winterhimmel nur.

Alles still! Vergeblich lauschet
Man der Krähe heisrem Schrei.
Keiner Fichte Wipfel rauschet,
Und kein Bächlein summt vorbei.

Alles still! Die Dorfeshütten
Sind wie Gräber anzusehn,
Die, von Schnee bedeckt, inmitten
Eines weiten Friedhofs stehn.

Alles still! Nichts hör ich klopfen
Als mein Herze durch die Nacht -
Heiße Tränen niedertropfen
Auf die kalte Winterpracht.

Theodor Fontane

 

13

 

Sprichwort der nordamerikanischen Elche:

Wo ich mein Geweih abwerfe,

da ist mein Zuhause.

 

(aus Andreas Steinhöfel: "Es ist ein Elch entsprungen")



 

12

 

Wunderbare Weihnachtsmorde.

Hrsg. von Regina Kammerer

 

Wenn die Tage kürzer werden und die Nächte länger, wenn es draußen kälter wird und drinnen wärmer … dann heißt das nicht unbedingt, dass Mordgelüste Winterschlaf halten. Im Schutz der winterlichen Dunkelheit gedeihen sie im Gegenteil oft prächtig, und besonders skandinavische Autoren und Autorinnen wissen, wovon sie erzählen.

Böse Geschichten zum Fest.

Leseprobe:

 

Das Rattengift sah genauso aus wie Schnee. Ihr gefiel der Gedanke, dass ihre Mutter durch ein wenig Schnee sterben sollte. So hing irgendwie alles zusammen. Die Farbe, das Friedvolle und all das. Und Weihnachten.

 

11                        SOO! MUSS WEIHNACHT!


 

... ein schon einige Jahre alter Ausriss aus dem "stern"; © Steffen Butz

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Catprint Media GmbH

 

Was die Vorlage für den Titel betrifft, da bedanke ich mich bei einem bekannten Shop für Unterhaltungselektronik und Haushaltsgeräte ;-))

 

10



Advent

 

Es treibt der Wind im Winterwalde
die Flockenherde wie ein Hirt
und manche Tanne ahnt wie balde
sie fromm und lichterheilig wird.
Und lauscht hinaus: den weißen Wegen
streckt sie die Zweige hin - bereit
und wehrt dem Wind und wächst entgegen
der einen Nacht der Herrlichkeit.

Rainer Maria Rilke

 

09

 

Nichts gegen einen gepflegten Earl Grey oder eine aromatische Ostfriesenmischung, aber ein Chai, mit Milch gekocht und mit Kardamom, Zimt, Gewürznelken, Ingwer, Vanille und Zucker angereichert, ist nun mal das mit den Mitteln der Erde hergestellte Alternativgetränk zum Nektar des Himmels. 

(Helge Timmerberg, In 80 Tagen um die Welt)

 

Hier mein persönliches Lieblingsrezept für Masala Chai:

 

5 Tassen Wasser und

3 Tassen Milch in einen Topf geben.

6 Teelöffel kräftigen Schwarztee wie z. B. Assam zugeben,

Zucker nach Geschmack.

6 aufgebrochene Kapseln Kardamom und

5-6 cm (ungeschälte) Ingwerwurzel in kleinen Stücken.

Das Ganze zusammen aufkochen lassen und abseihen.

 

08

 

Heimkehr zur Wurzel heißt: Stille.
Stille heißt: Rückkehr zur Bestimmung.
Rückkehr zur Bestimmung heißt: Ewigkeit.
Erkennen des Ewigen heißt: Erleuchtung.

 

Laotse, Tao Te King

Hamburg 2008: 199 Euro

 

07

 

Weihnachten ist der Höhepunkt des Christenjahres,

denn an Weihnachten hat der Heiland den Einzelhandel gerettet.

Dieter Nuhr

 

 

vielen Dank an mamaildi für dieses treffende Zitat!



der Santa aus Florida kommt stilecht auf einem Alligator

 

06

 

Nikolaustag. Der Nikolaus meiner Kindheit war wie der historische

St. Nikolaus ein Bischof und kam jedes Jahr am 6. Dezember mit Mitra, Hirtenstab und Goldenem Buch in die Häuser, um artige Kinder zu beschenken.

 

Aber man soll die Feste feiern, wie sie fallen. Und so darf heute gerne auch der amerikanische Weihnachtsmann Geschenke bringen oder gar Knecht Ruprecht.

 

Knecht Ruprecht

 

Von drauß‘ vom Walde komm ich her;

ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr!

Allüberall auf den Tannenspitzen

sah ich goldene Lichtlein blitzen,

und droben aus dem Himmelstor

sah mit großen Augen das Christkind hervor.

 

Und wie ich so strolcht‘ durch den finstern Tann,

da rief’s mich mit heller Stimme an:

"Knecht Ruprecht", rief es, "alter Gesell,

hebe die Beine und spute dich schnell!

Die Kerzen fangen zu brennen an,

das Himmelstor ist aufgetan,

Alt' und Junge sollen nun

von der Jagd des Lebens einmal ruh'n.

Und morgen flieg ich hinab zur Erden,

denn es soll wieder Weihnachten werden!"

 

Ich sprach: "Oh lieber Herre Christ,
meine Reise fast zu Ende ist;
ich soll nur noch in diese Stadt,
wo's eitel gute Kinder hat."

"Hast denn das Säcklein auch bei dir?"
Ich sprach: "Das Säcklein, das ist hier;
denn Äpfel, Nuss und Mandelkern
essen fromme Kinder gern."

"Hast denn die Rute auch bei dir?"
Ich sprach: "Die Rute, die ist hier;
doch für die Kinder nur, die schlechten,
die trifft sie auf den Teil, den rechten!"

Christkindlein sprach: "So ist es recht;
so geh mit Gott, mein treuer Knecht!"
Von drauß‘ vom Walde komm ich her;
ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr!
Nun sprecht, wie ich's hierinnen find!
sind's gute Kind, sind's böse Kind?

 

Theodor Storm

* * * * *

Damit wünsche ich uns allen einen schönen und trockenen Nikolaustag, denn in den Bauernregeln heißt es:

 

Trockener St. Nikolaus,
milder Winter rund ums Haus.

und

Regnet es an Nikolaus,
wird der Winter streng, ein Graus.

 

05

 

Rudolph, the Red-Nosed Reindeer

Adventskalender der Citibank (Ausschnitt)

Zur Person: Rudolph, das Rentier mit der roten Nase, zieht den Schlitten von Santa Claus, mit dem dieser die Weihnachtsgeschenke ausliefert. Und Rudolph hat Kollegen: Dasher und Dancer, Prancer und Vixen, Comet und Cupid, Donner (Dunder) und Blitzen (Blixen). Woher wir das wissen?

Nun, im Jahr 1823 veröffentlichte Clement C. Moore sein Gedicht “A Visit from St. Nicholas“, das als “Twas The Night Before Christmas“ bekannt wurde. Hier erfahren wir die Namen der acht fliegenden Rentiere, denn im Gedicht heißt es:

 

The moon on the breast of the new fallen snow,
Gave the lustre of mid-day to objects below;
When, what to my wondering eyes should appear,
But a minature sleigh, and eight tiny rein-deer,
With a little old driver, so lively and quick,
I knew in a moment it must be St. Nick.

More rapid than eagles his coursers they came,
And he whistled, and shouted, and call'd them by name:
"Now, Dasher! Now, Dancer! Now, Prancer and Vixen!
On, Comet! On, Cupid!
On, Dunder and Blixen!”

 

Am Anfang waren da also acht Rentiere, und erst später stieß Rudolph dazu. Seine Geschichte stammt von Robert L. May und erschien im Jahr 1939:

 

An einem Heiligabend hatte Santa Claus Mühe, seine Geschenke auszuliefern, denn es war ausgesprochen neblig. Am Haus von Rudolph angekommen, bemerkte er die rot leuchtende Nase des Rentiers und kam auf die Idee, sie als Beleuchtung für seinen Schlitten einzusetzen. Er bat Rudolph, für den Rest der Nacht das führende Rentier an seinem Kufenfahrzeug zu sein, Rudolph sagte zu – und kam zurück als ein Held, der Santa Claus als Behelfslampe aus einer Notlage gerettet hatte.

 

Zehn Jahre später machte Mays Schwager, der Radioproduzent Johnny Marks, ein Lied daraus, das “The Singing Cowboy“ Gene Autry erstmals in der Weihnachtswoche 1949 sang. Das Weihnachtslied kletterte umgehend an die Spitze der Charts und wurde im Laufe der Zeit über 140-mal gecovert

... von Bing Crosby (1950) bis Barry Manilow (2009).

 

Für alle, die mitsingen wollen:

 

RUDOLPH

THE RED-NOSED REINDEER

 

You know Dasher and Dancer 
And Prancer and Vixen, 
Comet and Cupid 
And Donner and Blitzen, 
But do you recall 
The most famous reindeer of all? 

Rudolph the Red-Nosed Reindeer 
Had a very shiny nose 
And if you ever saw him 
You would even say it glows 

All of the other reindeer 
Used to laugh and call him names 
They never let poor Rudolph 
Join in any reindeer games 

Then one foggy Christmas Eve 
Santa came to say 
Rudolph, with your nose so bright, 
Won't you guide my sleigh tonight? 

Then all the reindeer loved him 
As they shouted out with glee: 
Rudolph the Red-Nosed Reindeer, 
You'll go down in history!

 

04

 

Es muss nicht immer Glühwein sein;

heut‘ gibt es heißen Apfelwein!

 

Hier mein Rezept für die hessische Spezialität:

 

1 Liter Apfelwein

125 ml Wasser

60 g Zucker

½ Stange Zimt

3 Gewürznelken

2 unbehandelte Zitronen in Scheiben

 

Den Zucker und die Gewürze mit dem Wasser aufkochen und 30 Minuten ziehen lassen. Flüssigkeit durch ein Sieb in den Apfelwein gießen und alles zusammen vorsichtig bis kurz vor dem Siedepunkt erhitzen.

 

... und nicht vergessen: heute ist Barbara-Tag!

Zweige, die heute von Obstbäumen geschnitten und ins Wasser gestellt werden, blühen zu Weihnachten.

 

03  Zeit zum Lesen?!

 

Cornelia Funke:

Hinter verzauberten Fenstern.

Eine geheimnisvolle Adventsgeschichte

 

Julia ist neidisch, dass ihr kleiner Bruder Olli einen mit Schokolade gefüllten Adventskalender bekommen hat und sie nur einen aus Papier. Aber das auf ihrem Kalender abgebildete Haus glitzert so silbrig und geheimnisvoll, dass Julia der Versuchung nicht widerstehen kann und das erste Fenster des Kalenderhauses öffnet. Da bemerkt sie, dass das Haus bewohnt ist und sie die Menschen, die darin leben, besuchen kann. Ein ungewöhnliches Abenteuer beginnt …  

 

Ein Kinderbuch …? Natürlich! Und eins für Erwachsene, die ihre kindliche Begeisterungsfähigkeit noch nicht verloren haben.

 

02

 

James Krüss: Tannengeflüster

 

Wenn die ersten Fröste knistern,
In dem Wald bei Bayrisch-Moos;
Geht ein Wispern und ein Flüstern
In den Tannenbäumen los,
Ein Gekicher und Gesumm
Ringsherum.

Eine Tanne lernt Gedichte,
Eine Lärche hört Ihr zu.
Eine dicke, alte Fichte
Sagt verdrießlich: "Gebt doch Ruh!
Kerzenlicht und Weihnachtszeit
Sind noch weit!"


Vierundzwanzig lange Tage
Wird gekräuselt und gestutzt
Und das Wäldchen ohne Frage
Wunderschön herausgeputzt.
Wer noch fragt: "Wieso? Warum?"
Der ist dumm.


Was das Flüstern hier bedeutet,
Weiß man selbst im Spatzennest:
Jeder Tannenbaum bereitet
Sich nun vor aufs Weihnachtsfest,
Denn ein Weihnachtsbaum zu sein:
Das ist fein!

 

01

 

Es ist besser, ein einziges kleines Licht anzuzünden,

als die Dunkelheit zu verfluchen.

Konfuzius