Reisen heißt zu entdecken,

dass alle Unrecht haben

mit dem, was sie über andere Länder denken.

Aldous Huxley (1894-1963)

Beates Adventskalender 2014. Eine Reise um die Welt

Karte von Ärzte ohne Grenzen e.V.; © RAAB-Verlag

"Odyssee, Odyssee … und keiner weiß, wohin die Reise geht" singt Udo Lindenberg. Wir wissen, wohin es geht: auf Weihnachten zu. Aber wir wissen nicht, welche 24 Stationen wir anlaufen werden und was uns dort erwartet.

Nein, auch ich nicht. Aber ich habe einige inspirierende Reiseführer im Gepäck ... und wünsche uns für jeden Tag eine kleine Auszeit. Irgendwo auf der Welt.

 

 

24 Haiti

 

 

Wie eure Gästebucheinträge, die eMails und Anrufe zeigen, habe ich euch auch mit meinem diesjährigen Adventskalender wieder Freude gemacht. Genau das war beabsichtigt! :-)

 

Ich bedanke mich bei meinen Followern für ihr Interesse und ihre Treue und wünsche

 

Allen ein frohes Weihnachtsfest und alles Gute für 2015!

 

 

23 Skandinavien

 

Aus England kennen wir die Sitte mit dem Küssen unterm Mistelzweig: eine junge Frau, die zur Weihnachtszeit unter dem mit Bändern geschmückten Immergrün steht, darf einen Kuss nicht ablehnen. Woher der Brauch kommt, darüber streiten sich die Gelehrten, aber es gibt mehrere denkbare Ansätze.

 

Mistelzweig. Foto lizenzfrei von pixabay.com

 

Eine nordische Legende erzählt, dass der Mistelzweig die heilige Pflanze von Frigga war, der Göttin der Liebe und Mutter von Baldr, dem Gott der Sommersonne. Eines Tages träumte Baldr von seinem Tod und beunruhigte damit seine Mutter sehr, denn wenn er sterben sollte, würde alles Leben der Erde ein Ende finden und ewiger Winter herrschen. Frigga, die dies verhindern wollte, ging sogleich zu Feuer, Wasser, Erde und Luft sowie zu jedem Tier und jeder Pflanze. Alle gaben ihr Versprechen, dass sie ihrer Sonne nicht schaden würden. Damit schien es, dass Baldr von nichts und niemandem auf oder unter der Erde verletzt werden konnte.

 

Aber er hatte einen Feind namens Loki, den Gott des Bösen. Loki wusste von einer einzigen Pflanze, die weder auf noch unter der Erde wächst, und die Baldrs Mutter übersehen hatte. Es war die Mistel, ein Halbschmarotzer, der auf Bäumen wächst. Loki stellte aus einem Mistelzweig eine Pfeilspitze her und übergab diese Hödr, dem blinden Wintergott. Dieser schoss den Pfeil auf Baldr ab und tötete ihn, woraufhin das Licht am Himmel erlosch.

 

Überall herrschte Trauer über den Tod des Sonnengottes, und die um ihren Sohn vergossenen Tränen Friggas verwandelten sich in die perlenartigen weißen Beeren der Mistel. Drei Tage lang bemühte sich jedes Element, Baldr wiederzuerwecken, doch letztendlich konnte nur seine Mutter ihn wieder ins Leben zurückholen.

In ihrer Freude über die Wiedergeburt ihres Sohnes küsste Frigga jeden, der unter dem Baum vorbeiging, auf dem der Mistelzweig wuchs.

 

Am Ende der Geschichte steht damit die Zusage, dass den Menschen, die unter einem Mistelzweig stehen, kein Schaden zugefügt wird. Sie werden ausschließlich geküsst, als Ausdruck der Liebe.

 

Straßenszene in Südindien; Scan von einem alten Papierbild

22 Indien

 

In Indien fühlt man sich ganz einfach menschlich – und sterblich; man begreift, dass man auch nur Statist ist in einem großen, absurden Schauspiel.

 

Tiziano Terzani in "Noch eine Runde auf dem Karussell".

 

In der ayurvedischen Medizin spielt  destillierter Kuhurin eine geheiligte Rolle.

Panchgavya (wörtlich "Fünf Substanzen") besteht aus Kuhurin, der mit Milch, mit ghee (Butterschmalz), Joghurt und Kuhmist gemischt wird und auch unter dem Namen "Five Cow Nectar" bekannt ist. Das Tonikum soll Magenschmerzen und Sodbrennen lindern.

 

Exotisch …? Absurd …? Bei uns ist Harnstoff (Urea) als hochwertiger Feuchtigkeitsbinder Bestandteil vieler Hautcremes und darüber hinaus unter der Bezeichnung E 927b als Lebensmittelzusatzstoff zugelassen. Für Kaugummi ohne Zuckerzusatz.

gefunden am Strand von Mirbat (Oman)

21

Tristan da Cunha

 

Mit ihren Koordinaten 37° 6' S und 12° 17' W ist Tristan da Cunha

die abgelegenste bewohnte Insel der Welt. Wer dorthin reisen will, braucht Zeit und Geduld: die kleine Inselgruppe liegt mitten in den Weiten des Atlantischen Ozeans, etwa 3200 Kilometer von der Küste Brasiliens und 2800 Kilometer vom Kap der Guten Hoffnung in Südafrika entfernt. Die einzige Verbindung zum Festland ist in Ermangelung eines Flughafens der Seeweg, und etwa einmal im Monat kommt ein Fischerboot aus Südafrika vorbei, das auch Passagiere befördert. Die meisten Waren aber bringen Versorgungsschiffe, die mehrmals im Jahr das 98 km² große Eiland ansteuern. Es kann also etwas dauern, bis man hier wieder wegkommt, doch dafür dürfte man bis dahin auch sämtliche 267 Bewohner kennengelernt und alle Bücher gelesen haben, die man schon immer mal lesen wollte.

 

Etwa 80 Familien wohnen auf der Insel, die zum britischen Überseegebiet

St. Helena, Ascension und Tristan da Cunha gehört und die kegelförmige Spitze eines untermeerischen Schildvulkans ist. Sie leben in der Hauptsache vom Fisch- und Langustenfang, von der Landwirtschaft und der Schafzucht zur Erzeugung von Wolle. Einziger Ort der Insel ist die Siedlung Edinburgh of the Seven Seas. Hier gibt es ein Krankenhaus, eine Post, ein Museum, einen Pub, zwei Kirchen, einen Friedhof und ein Schwimmbad.

 

Und wer die Insel unverständlicherweise wieder verlassen möchte, der kann sogar ein Andenken erstehen: im Museumsgebäude gibt es auch einen Handwerksladen, in dem man verschiedene, von den Inselbewohnern hergestellte Gegenstände und Souvenirs erwerben kann, denn neuerdings setzt man hier verstärkt auf Tourismus "far from the madding crowd in the South Atlantic Ocean".

 

Nachtrag:

Tristan da Cunha ist ein englischer Ort, und wir leben im 21. Jahrhundert. Folglich hat die Insel auch einen Golfclub. Und eine Internetseite; anzusehen beim Klick auf den Button.

Frühling im Topkapı-Palast

20 Istanbul

 

Der Topkapı-Palast in Istanbul war jahrhundertelang der Wohn- und Regierungssitz der Sultane sowie das Verwaltungszentrum des Osmanischen Reiches.

 

Der Palast ist in vier Höfe unterteilt, die jeweils durch eigene Tore erreicht werden und verschiedenen Funktionen dienten. So war der zweite Hof das politische Zentrum und beherbergte Staats- und Verwaltungsräume.

Auf seiner Ostseite sehen wir noch heute die zahlreichen Kamine der Palastküche, die sich über die ganze Länge des Hofes erstreckte und  täglich bis zu 6000 Mahlzeiten herstellte. Mitte des 18. Jahrhunderts wurden in den Küchen 1370 Angestellte beschäftigt. Die Ansprüche waren so hoch, dass es für jede Halva-Sorte einen anderen Küchenmeister gab.

Alten Berichten zufolge ließ Sultan Mahmut I. bis zu 70 Gänge auftischen, und jährlich wurden in der Küche 30.000 Hühner, 23.000 Schafe, 14.000 Kälber und Unmengen an Obst und Gemüse verarbeitet.

Noch heute können in einem der Räume die damals verwendeten riesigen Töpfe und Kessel sowie altes Bronze- und Kupfergeschirr besichtigt werden.

Lanzarote, eine der sieben Hauptinseln des Archipels

19 Kanarische Inseln

 

Die Inseln vor der Westküste Afrikas sind zwar die ursprüngliche Heimat der Kanarienvögel, doch mit der Namensgebung haben diese nichts zu tun. Die Geschichte der zu Spanien gehörenden Islas Canarias ist nicht besonders gut belegt und mit einigen Fragezeichen versehen. Erstmals sollen römische Gelehrte die Inseln erwähnt haben, die damals noch unter dem Namen Fortunatae Insulae (Inseln der Glückseligen) geführt wurden - eine Bezeichnung, mit der die Tourismusindustrie wegen des ganzjährig milden Klimas bis heute gerne wirbt.

Plinius der Ältere brachte dann 26 v. Chr. die Hunde (lateinisch: canis) ins Spiel: Laut Plinius bekam die Insel Gran Canaria ihren Namen deshalb, weil dort eine außergewöhnlich große Hunderasse beheimatet war. Tatsächlich könnte es sich aber auch schlicht um einen Übersetzungsfehler handeln, denn in einem späteren Text schreibt Plinius über das Volk der Canarii, einen Berberstamm aus dem Nordosten Afrikas, der die Inseln besiedelte.

Wie dem auch sei: Heute sind auf dem Wappen der Inseln zwei Hirtenhunde zu sehen, die das Wappen stützen.

Stupa in Kathmandu; Scan eines alten Papierbilds

18 Himalaya

 

Im Himalaya lernte ich zu begreifen, dass in dieser spirituellen Stille alles Platz hat. Manchmal spürte ich sogar das große Glück der Wunschlosigkeit, jene große Stille, die jede Musik und alle Schönheit der Erde einschließt.

Herbert Tichy (1912-1987)

 

Himalaya ist ein zusammengesetztes Wort aus dem Sanskrit. "Hima" bedeutet Schnee und "alaya" Ort, Wohnsitz - etwas frei übertragen ist das Hochgebirgssystem zwischen dem Indischen Subkontinent im Süden und dem Tibetischen Hochland im Norden also "der Ort, wo der Schnee wohnt".

Das ist mit Sicherheit zutreffend für die bis über 8000 Meter hohen Bergketten des Hochhimalaya im Norden. Doch seine südlichen Vorberge, "Vorderer Himalaya" genannt, erreichen nur Höhen, die mit den Alpen vergleichbar sind, und diese können auch schneefreie Zonen haben.

 

17 Australien

 

 

Wer seine Träume verliert, verliert sich selbst.

Weisheit der Ureinwohner

Blick in den Petersdom

16 Vatikanstadt

 

"Vatikanistan" nennt Alexander Smoltczyk, der Rom-Korrespondent für den "Spiegel" sein Buch, in dem er uns auf "eine Entdeckungsreise durch den kleinsten Staat der Welt" mitnimmt. Dabei erzählt er Kurioses und Spannendes und verrät beispielsweise, warum es im Vatikan ein Standesamt gibt, welche Tricks und Codes an der St.-Anna-Pforte fruchten oder welche Rolle Frauen im Vatikan spielen.

 

Auch, wenn das Büchlein schon 2008 erschien und der Monarch des Staates seit 2013  nicht mehr Benedikt XVI heißt, ist es eine kurzweilige, mit vielen  Informationen gespickte Lektüre. Für Liebhaber Roms und Italiens mit allen seinen Marotten und für Leute mit Sinn für gescheite Ironie.

 

Leseprobe; S. 62:

"Fürs Shopping empfehlen sich der Discount-Supermarkt […] sowie im höherpreisigen Bereich die Boutique im ehemaligen Stationsgebäude. Hier erwartet den Kunden auf zwei Etagen ein breites Sortiment an Schweizer Uhren, Damenunterwäsche, Elektronik und Parfums, alles steuerfrei. Gleiches gilt für die vatikanische Apotheke und die Tankstelle und macht beide Orte zu einem beliebten Einkaufsort für die Bürger aus dem römischen Ausland."

 

15 Kongo

 

Trotz seines Rohstoffreichtums zählt die Demokratische Republik Kongo, bedingt durch jahrzehntelange Ausbeutung, jahrelange Kriege und ständige Bevölkerungszunahme, heute zu den ärmsten Ländern der Welt.

In den vergangenen 15 bis 20 Jahren verlor der Staat laut WWF einen Großteil seiner Wildtiere an Militär, an Wilderer und die hungernde Bevölkerung.

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In der Mitte des Landes liegt der Salonga-Nationalpark. Dieses größte Waldschutzgebiet Afrikas möchte der WWF als sicheren Rückzugsort für Bonobos erhalten. Die Zwergschimpansen, deren Erbgut mit dem unsrigen zu 98% übereinstimmt, sind friedlich, tolerant und mitfühlend. Sie kommen nur hier in der DR Kongo vor und sind stark gefährdet, denn immer mehr Wald wird von der Not leidenden Bevölkerung für Äcker und Weiden abgeholzt. Internationale Firmen suchen selbst entlegenste Gebiete nach Bodenschätzen ab oder wollen sie demnächst für Ölpalm-Plantagen roden, und das Fleisch der Bonobos ist als Delikatesse begehrt. Selbst in Salonga sind die Tiere nicht mehr ausreichend vor den organisierten Wildererbanden geschützt, die mit kaum vorstellbarer Brutalität Bonobos jagen, um sie als sogenanntes bushmeat (Buschfleisch) zu verkaufen.

 

Der WWF führt Kampagnen gegen Buschfleisch durch, indem er die Bevölkerung über geschützte Tiere aufklärt und Alternativen aufweist. So werden beispielsweise Kochnachmittage für die Dorffrauen veranstaltet, an denen gemeinsam neue Rezepte ausprobiert werden – ohne Affenfleisch und andere geschützte Tiere. Das Team von WWF hilft den Dorfbewohnern zudem, ihre Erträge in der Landwirtschaft zu verbessern, es bildet und rüstet Ranger aus und stellt Kamerafallen auf, um zu wissen, wo genau sich die Bonobos aufhalten und um das Gebiet besser überwachen zu können.

(Quelle: WWF magazin Ausgabe 4.2014)

 

Wer mehr über die Zwergschimpansen wissen oder spenden möchte, bitte auf das Bild klicken; die Bonobos und damit auch die anderen Tiere und die Menschen des Landes können jede Unterstützung brauchen!

 

14 Oman 

 

Die Geschenke der Weisen

Gold, Weihrauch und Myrrhe brachten die drei Weisen aus dem Morgenland laut Bibel dem neugeborenen Jesuskind als Geschenke mit. Sehr kostbare Gaben - und symbolträchtig, denn Gold stand für König, Weihrauch für Gott und Myrrhe für Mensch. 

Dhofar: Brenner mit Räucherwerk

Im Oman werden sowohl Gold als auch Weihrauch und Myrrhe gewonnen, aber nur der Weihrauch spielt eine große Rolle. Schon in der Antike war der Oman weltberühmt für seinen Weihrauch, und auch heute noch kommt die beste Qualität aus der  Provinz Dhofar im Süden des Landes. Hier im kargen Wüstenklima wächst der Weihrauchbaum (Boswellia sacra) in 300 bis 800 Metern Höhe, hier nahm der Weihrauchhandel seinen Ausgang, und hier in der Hauptstadt Salalah finden wir auch den einzigen Weihrauchbasar Arabiens.

 

"Tränen Allahs" wird das Harz des Weihrauchbaums im Oman genannt, das man für alles Mögliche benutzen kann: zum Reinigen der Raumluft, zum Ausräuchern von Kleidern, als Medizin, Kaugummi-Ersatz und als Glücksbringer für frisch vermählte Bräute. Und das so weit von den billigen, aromatisierten Kirchen-Weihrauchmischungen unserer Kindheit entfernt ist wie der Oman von Deutschland. Mindestens.   

Auf unserer Reise haben wir bereits mehrmals Asien, Afrika und Europa besucht und sind bis ans andere Ende der Welt gekommen, waren aber noch kein einziges Mal in Nord- oder Südamerika, wie eine aufmerksame Besucherin meines Adventskalenders bemerkte. Stimmt, liebe Doris, aber mir geht es hier an erster Stelle um interessante Geschichten, die ich gefunden habe und mit euch teilen möchte, und nicht um die Länder selbst. Allerdings wäre eine Weltreise ohne mindestens eine Station in Amerika auch keine richtige, und deshalb geht es heute nach  

 

13 Arizona

 

Ich bin das Land.

Meine Augen sind der Himmel.

Meine Glieder die Bäume.

Ich bin der Fels, die Wassertiefe.

Ich bin nicht hier, um die Natur zu beherrschen

Oder sie zu nutzen.

Ich bin selbst Natur.

 

altes Hopi-Gedicht

 

Die Hopi bilden die westlichste Gruppe der Pueblo-Indianer und leben im Norden Arizonas inmitten des Navajo-Reservats auf den drei Mesas des Colorado-Plateaus. Auf der Third Mesa liegt der Hopi-Ort Old Oraibi, gegründet irgendwann um 1100 und damit wohl die älteste ständig bewohnte Siedlung der USA.

Kachinas; Seite aus meinem Reisetagebuch 1992

Aus meinem Reisetagebuch vom 28. April 1992:

 

"Old Oraibi: um 12 Uhr mittags eine Geisterstadt, staubig und verwahrlost. Hunde, die die Farbe der Erde angenommen haben, liegen regungslos im Schatten alter Adobe-Bauten. Wir dürfen nur zu Fuß in diesen Ort und keine Fotos machen. Irgendwie trostlos, das Ganze.

Aber: da ist was!!! Im alten Gemäuer stecken Geister; Kachinas beobachten uns, unsichtbare Farben wirbeln durch die Luft … der Geist uralter Tänze und Zeremonien."

 

Die Haltung der Hopi Touristen gegenüber ist höflich, aber ziemlich reserviert, so ist u. a. das Fotografieren, Filmen und Zeichnen in den Dörfern und in bestimmten Bereichen des Reservates strengstens verboten.

 

Lediglich das Dorf Walpi hat sich den Besuchern etwas mehr geöffnet, und man kann seit einigen Jahren geführte Touren buchen, auf denen man Werkstätten besichtigt, in denen geschnitzt, gemalt, gewebt und getöpfert wird. Man kann Silberschmieden und Korbflechtern über die Schulter schauen, Piki-Brot probieren und manchmal sogar an Zeremonien teilnehmen. Allerdings gelten auch hier die erwähnten Verbote, und die Hopi erwarten respektvolles Verhalten der Besucher.      

 

12 Alexandria

 

Noch einmal zurück nach Ägypten. Die alte Bibliothek von Alexandria, die von den Griechen Anfang des 3. Jahrhunderts v. Chr. gegründet wurde, beherbergte damals die wichtigste Schriftensammlung der Welt und "gilt als legendäre Urform einer Universalbibliothek und idealtypischer Wissensspeicher" (Wikipedia). Zahlreiche Mythen ranken sich um die wahrscheinlich durch ein Feuer zerstörte Bibliothek, denn weder das Gebäude noch eine der 700.000 Schriftrollen konnte bis heute gefunden werden. Nur die Texte einiger antiker Autoren geben Kunde darüber, dass diese Bibliothek überhaupt existierte.

 

Unsere adventliche Reise um die Welt liegt damit zur Hälfte hinter uns, und es ist an der Zeit, nun einige der eingangs erwähnten "Reiseführer" vorzustellen. Vielleicht eine kleine Anregung zum Weiterlesen …?

11 China

 

Die Kanne sei rund und prall wie der Bauch des sitzenden Buddha. Nur so kann das empfindliche Pflänzchen sein volles Aroma entfalten.

Tee-Weisheit aus China

 

"Eiserne Göttin der Barmherzigkeit" (Tie Guan Yin) heißt eine der Edelteesorten in China. Der Tee stammt aus der Region Anxi in der südostchinesischen Provinz Fujian, und in seiner höchsten Qualitätsstufe kostet er über 2.000 Euro pro Kilo. Damit ist er der teuerste der Welt.  

10 Ägypten

 

Der Mensch hat Angst vor der Zeit,

die Zeit hat Angst vor den Pyramiden.

Ägyptisches Sprichwort

 

Wenn man den Quellen glauben darf, dann scheinen ägyptische Arbeiter eine ruhige Kugel geschoben zu haben. Die Löhne waren garantiert und vernünftig, die Preise festgesetzt und fair. Die Arbeitswoche dauerte sechs Tage, danach wurde eine zweitägige Pause eingelegt.

Trotzdem organisierten 1170 v. Chr. die Arbeiter in Deir el-Medina den ersten dokumentierten Streik der Geschichte, weil sich ihre Weizenration verzögert hatte. Die Arbeiter im alten Ägypten ernährten sich nämlich von einem Pita-ähnlichen Fladenbrot und von Bier. Dieses wurde zu Hause hergestellt und war ein aus vergorenem Brot gebrauter, klumpiger, alkoholischer Brei. Der aber offensichtlich viel Kraft gab. 

 

09 Stadt der Engel

 

 

Hilf den Unterprivilegierten,
Beende die Luftverschmutzung,
Löse die großen Verkehrsprobleme,
Jeder in der Stadt ist freundlich.

 

 

 

lautet der Wahlspruch der thailändischen Hauptstadt Bangkok. Wappen und Flagge der Stadt zeigen die Gottheit Indra auf Erawan, dem mythologischen Elefanten. In seiner Hand hält Indra einen Blitz.

 

Bangkok nennt sich Krung Thep Maha Nakhon Amon Rattanakosin Mahinthara Yutthaya Mahadilok Phop Noppharat Ratchathani Burirom Udom Ratchaniwet Maha Sathan Amon Phiman Awatan Sathit Sakkathattiya Witsanukam Prasit; auf Thai กรุงเทพมหานครอมรรัตนโกสินทร์มหินทรายุทธยามหาดิลกภพนพรัตนราชธานีบุรีรมย์อุดมราชนิเวศน์มหาสถานอมรพิมานอวตารสถิตสักกะทัตติยะวิษณุกรรมประสิทธิ์.

 

In der Übersetzung: 

"Stadt der Engel, große Stadt [und] Residenz des heiligen Juwels Indras [Smaragd-Buddha], uneinnehmbare Stadt des Gottes, große Hauptstadt der Welt, geschmückt mit neun wertvollen Edelsteinen, reich an gewaltigen königlichen Palästen, die dem himmlischen Heim des wiedergeborenen Gottes gleichen, Stadt, die von Indra geschenkt und von Vishvakarman gebaut wurde."

 

Die alte Thai-Bezeichnung der Stadt Bangkok ist mit 168 lateinischen Buchstaben der längste Ortsname einer Hauptstadt weltweit.

 

08 Mongolei

 

alle Fotos © Guido M.; Guidos sehr interessante Reiseseite findet ihr beim Klick auf die Collage

 

Besser ein dummer Wanderer als ein Weiser, der zu Hause sitzt.

Sprichwort aus der Mongolei

 

 

Die größten Umweltsünder sind die Länder China, Brasilien und die USA. Aber die Mongolei …? Wer hätte das gedacht? Bei Mongolei denken wir an weite Steppen, an Nomaden, Pferde und Jurten-Romantik.  

 

Ulaanbaatar, die Hauptstadt der Mongolei, ist jedoch laut dem Statistik-Portal "statista" nach Ahwas im Iran die Stadt mit der größten Feinstaub-Belastung weltweit. Gründe für die Luftverschmutzung gibt es viele, von alten Kohlekraftwerken ohne Rauchgasreinigung über das Heizen und Kochen mit

Holz und Kohle in den Jurten bis hin zu veralteten und schlecht gewarteten Kraftfahrzeugen mit hohem Schadstoffausstoß.

 

Zudem verschmutzen Heizkraftwerke zusammen mit Textil-, Leder- und Bergbaubetrieben unverhältnismäßig große Mengen an Wasser. Weniger als die Hälfte der Abwässer wird gereinigt, so dass die Fließgewässer in der Nähe von größeren Siedlungen stark belastet sind. Der Fluss Tuul bei Ulaanbaatar beispielsweise enthält mehr als das Zehnfache der zulässigen Schadstoffe.

 

Da passen leider auch mangelndes Umweltbewusstsein, wilde Deponien und in die Natur geworfener Abfall ins Bild.

 

Trotz allem gibt es in der dünn besiedelten Mongolei noch große Natur-landschaften, die auch den Tieren noch ausreichend Lebensraum bieten. Und es lässt hoffen, dass zahlreiche Schutzgebiete wie beispielsweise der Nationalpark Gobi Gurwan Saichanwurden zum Erhalt dieser Lebensräume geschaffen wurden.

Souvenirs aus Swasiland

 

07 Swasiland 

 

Wir sind ein Rätsel.

Nationales Motto von Swasiland

 

* * * 

 

Der Human Development Index ist ein Wohlstandsindikator für Länder, der Lebenserwartung, Bildung und Einkommen berücksichtigt. In seiner Veröffentlichung von 2014 steht das Königreich Swasiland auf dem 148. von 187 Plätzen.

 

Staatsoberhaupt ist König Mswati III. von Swasiland, der seit 1986 als letzter absolutistischer Monarch Schwarzafrikas regiert, und das "mit der typischen Mischung aus Extravaganz und Verrücktheit", wie John Oldale es ausdrückt.

 

Dafür zwei Beispiele: als das Land 2002 unter einer Hungersnot litt, bestellte sich der König einen königlichen Jet für den Eigenbedarf und behauptete, er brauche ihn, um "nach Nahrung Ausschau zu halten".

Und im Jahr 2004 schloss der König für eine Woche alle Schulen im Land und befahl, dass alle Schuljungen seine königlichen Felder vom Unkraut befreien sollten.

Pfefferpflanze; gefunden in Kerala

06 Vietnam

 

"Dann stell' ich den Teller auf,
Nik'laus legt gewiss was drauf ..."

 

Immer seltener liegen sie auf dem Nikolausteller oder im Nikolausstiefel, die Lebkuchen, im östlichen Teil Deutschlands Pfefferkuchen genannt.

 

Gewürzt wird das unmodern gewordene  Gebäck mit einer Mischung aus Zimt, Muskatnuss, Nelken, Anis und Kardamom, je nach Rezept auch mit Fenchel, Ingwer, Koriander, Muskatblüte und mit weißem Pfeffer. Aber nicht dieser ist der Namensgeber für das Gebäck, sondern die Bezeichnung geht wohl auf das Mittelalter zurück, als die kostbaren, exotischen Gewürze ganz allgemein als "Pfeffer" bezeichnet wurden. 

 

Pfeffer war früher so wertvoll, dass er zeitweilig mit Gold aufgewogen wurde. Heute ist er kein Luxusartikel mehr, sondern das am besten verkaufte Gewürz der Welt. Die ursprüngliche Heimat der Pflanze ist Indien, aber der größte Lieferant von schwarzem Pfeffer ist etwa seit der Jahrtausendwende Vietnam. Das Land fährt ein Drittel der Welternte ein; ganze 90.000 Tonnen.

Benutzung des Siegels mit freundlicher Genehmigung von TransFair e. V. (Fairtrade Deutschland)

 

 

Kleine Anregung:

wie wäre es, dieses Jahr für die Weihnachtsbäckerei fair gehandelte Gewürze zu verwenden?

Produkte mit dem Fairtrade-Siegel garantieren den Kleinbauernfamilien existenzsichernde Preise und den lohnabhängigen Beschäftigten auf den Plantagen bessere Arbeitsbedingungen. Mehr dazu beim Klick auf das Siegel.

 

05 Neuseeland 

 

Es gibt eine Zeit zum Fischen

und eine Zeit zum Netze-Trocknen.

Neuseeländisches Sprichwort

 

Haka; Scan einer Ansichtskarte aus dem Jahr 1985

Wild und bedrohlich sieht der Haka, ein ritueller Tanz der Maori, aus und wird deshalb fälschlicherweise oft als Kriegstanz interpretiert. In der Tat diente er - vorgetragen von bewaffneten Männern -  einst  zur Einschüchterung von Gegnern vor einer kriegerischen Auseinandersetzung. Aber der Haka ("Lied mit Tanz") wurde auch zur Begrüßung und Unterhaltung von Gästen aufgeführt, dann allerdings von Männern ohne Waffen, von Frauen oder von gemischten Gruppen.

Schon seit 1888 Tradition ist der Haka, den die neuseeländische Rugby-Union-Nationalmannschaft, die All Blacks, vor jedem Länderspiel aufführt - natürlich auch, um den Gegner einzuschüchtern. Hier ein Beispiel:

À propos "Kriegstanz": auf dem Global Peace Index 2014 steht Neuseeland hinter Island, Dänemark und Österreich auf Platz Vier. Zum Vergleich: Deutschland finden wir auf dem 17. Platz, und das Schlusslicht bilden Afghanistan (161) und Syrien (162). 

04 Leipzig

 

Die Welt ist ein Buch, von dem man nur die erste Seite gelesen hat,

wenn man nur sein Land gesehen hat.

Louis-Charles Fougeret de Monbron

(1706-1760)

 

Das erste Taschenbuch der Welt, "Pelham" von Edward Bulwer-Lytton, wurde 1841 in Leipzig veröffentlicht. Da man befürchtete, der Absatz der gebundenen Ausgabe könne zurückgehen, mussten die Käufer des Taschenbuches sich dazu verpflichten, es nach dem Lesen wegzuwerfen.

 

03 Azawad

 

Azawad heißt das Gebiet, das den Tuareg seit Jahrhunderten Heimat ist, zu erkennen noch auf alten Landkarten aus vorkolonialer Zeit, bevor die Europäer auf der Berliner Konferenz 1884/85 Afrika unter sich aufteilten und die Tuareg sich später über fünf Länder verstreut fanden: Algerien, Mali, Niger, Libyen und Burkina Faso – sie, die Landbesitz in unserem Sinne nicht kannten, nur Rechte wie Weiderechte und Durchzugsrechte.

   

zum Vergrößern bitte anklicken!
"Three Coins in the Fountain ..."

02 Rom

 

Überall Sportstätten, Springbrunnen, Marmorhallen, Tempel, Werkstätten, Schulen … anmutige Schauspiele aller Art und festliche Wettspiele ohne Zahl.

 

Aelius Aristides, Lobrede auf Rom, 156 n. Chr.

 

 

Nicht zuletzt durch Anita Ekbergs nächtliches Bad in Federico Fellinis Film "La Dolce Vita" ist die Fontana di Trevi der populärste Brunnen Roms.  Der Legende nach sichert der Wurf einer Münze über die Schulter dem Besucher die Rückkehr nach Rom. Caritas-Freiwillige holen wöchentlich das Geld aus dem Wasser, und die Einnahmen werden für wohltätige Zwecke verwendet.

 

Seit der Brunnen streng bewacht wird (wer Geld aus dem Becken zu holen versucht, kann festgenommen werden), stiegen die Einnahmen sprungartig. So kamen im Jahr 2011 ganze 951.000 Euro zusammen, und allein in der ersten Hälfte des Jahres 2012 wurden 540.000 Euro aus dem Becken gefischt, wie die italienische Zeitung "La Repubblica" berichtete.

 

01 Grönland

 

 

Wohl dem, der ein warmes Iglu, Öl in der Lampe und Frieden im Herzen hat.

 

Sprichwort der Inuit

 

 

 

 

In der Sprache der Inuit auf Grönland gibt es nur Worte für die Zahlen bis zwölf. Für alles was darüber hinausgeht, hat die indigene Bevölkerung die vage Bezeichnung "amerlasoorpassuit", was im Deutschen "viele" bedeutet. Wer sich zahlenmäßig doch einmal genauer festlegen will, der muss auf dänische Zahlen zurückgreifen. Grönländisch (Kalaallisut) ist Amtssprache auf der größten Insel der Erde, die ein autonomer Bestandteil des Königreichs Dänemarks ist.