Lass mich in deinen Suppentopf gucken und ich sage dir, wer Du bist!

 

russisches Sprichwort


Blick in fremde Küchen

Meine kleine "Rezeptsammlung der anderen Art"

1. NEPAL

 

Ildiko brachte mir als Souvenir aus Nepal eine Packung Kwaati mit. Kwaati … obwohl ich schon einmal in Nepal war, hatte ich noch nie davon gehört.

 

Ich mache mich schlau und erfahre, dass die Bohnen-Linsen-Mischung Grundlage ist für eine Sprossen-Suppe, die es traditionell im August zum Feiertag Janai Purnima gibt.

Wer mehr über dieses Hindu-Fest erfahren möchte, dem empfehle ich die Seite von We All Nepali

 

Ein Rezept liegt der Packung gleich bei, und so kann es starten, mein

 

Projekt Kwaati:

Kwaati. Aufdruck auf der Verpackung

 

 

1. Schritt: Rezept studieren. Zum Glück bin ich erprobt im Lesen von exotischen, englischsprachigen Rezepten und weiß, um welche Zutaten es sich handelt bei turmeric, bay leaf und cloves.

 

Was den “pressure cooker“ betrifft, so klärt Ildiko mich auf: damit ist tatsächlich ein Schnellkochtopf gemeint. Die Billigteile aus Aluminium kommen aus China und werden in Nepal häufig eingesetzt, um Kochzeit und Brennstoff zu sparen.

Macht Sinn.

 

Fotos 1 und 3 © Ildiko M.

 

2. Schritt: Einkäufer meines Vertrauens losschicken, folgende Zutaten - so nicht vorrätig - zu besorgen:

 

Zwiebeln

ganze Nelken

Lorbeerblätter

Knoblauch- und Ingwer-Paste (ich entschließe mich hier für “the real thing“ statt der Paste)

Kurkuma

gemahlener Koriander

Tomaten

schwarzer Pfeffer

getrocknete Chilis (anstatt Pulver; wir benutzen schon seit Jahren eine Mühle, um die Chilischoten frisch zu mahlen)

Öl

Salz

Korianderkraut

 

3. Schritt: die Bohnen-Linsen-Mischung über Nacht einweichen. Kein Problem!

 

4. Schritt: Hülsenfrüchte 48 Stunden lang keimen lassen. Schon schwieriger, da die in meinem Haushalt vorhandenen Keimgeräte nicht für große Mengen Saatgut ausgelegt sind. Also ist Improvisieren angesagt: statt des Musselintuches muss mein altes Lieblingstuch herhalten, mein treuer Begleiter auf allen Reisen der vergangenen etwa 30 Jahre; das Teil hat die passende Größe und mittlerweile genau die richtige Fadenstärke.

Bohnen und Linsen auf das Tuch legen, dieses zweimal über Eck zuknoten und das Ganze aufhängen. Auch nicht so einfach, denn wo? Abhilfe schafft eine schon seit Jahren unbenutzte hohe Glasvase, in die das nasse Bündel per Kochlöffel eingehängt wird; eine ziemlich geniale Konstruktion. Finde ich.

 

5. Schritt: “einmal täglich anfeuchten“ steht in der Anleitung, aber ich entschließe mich zum kompletten Durchspülen. Von wegen möglichem Schimmel und so. Schon nach 24 Stunden sind die ersten zarten Keime durch das Tuch zu erblicken.

 

6. Schritt: nach 48 Stunden sind die größeren Bohnen noch ohne Keim, aber egal: daraus soll jetzt ein Eintopf werden! Also krame ich erst einmal den guten, alten Sicomatic-S hervor und suche die Gerätebeschreibung; denn wie war das noch mal mit ankochen, mit Stufe I und II, mit Druckanzeiger und Ringen und abdampfen …?

Küchengespräch
 

Beate:

"Also, irgendwie riechen diese Bohnen komisch...!"

 

John, trocken wie immer:

"Wenn du zwei Tage in einem nassen Tuch gehangen hättest, würdest du das auch!"

7. Schritt: Mise en Place: die ganzen Zutaten (wo nötig kleingeschnippelt) bereitstellen … und nach insgesamt 66 Stunden wird endlich gekocht!

 

Projekt Kwaati im Bild:

2. MAZEDONIEN

Meine GEO-Freundin Christina schrieb aus Österreich:

 

Liebe Beate!

Ich habe leider keine so exotischen Rezepte anzubieten, aber wenn es eine Geschichte dazu geben soll, dann passen meine "Mazedonerl" ganz gut dazu:

 

Ich habe in meiner Firma mit Kollegen und Kolleginnen aus vielen verschiedenen Ländern zusammengearbeitet. Dabei entstanden so etwas wie kleine Freundschaften. Als dann plötzlich das AUS für die Firma kam, verloren sich die Leute in alle Himmelsrichtungen. Zum Abschied gaben wir uns jeweils Rezepte einer nationalen Spezialität. Ich habe die Kollegin aus Mazedonien längst aus den Augen verloren, aber ihre Weihnachtsbäckerei kommt bei mir jedes Jahr auf den Festtagstisch. Den eigentlichen Namen hab ich vergessen, so nenne ich sie einfach



MAZEDONERL

10 Eßlöffel Kristallzucker mit 10 Eßlöffel Wasser 5 Minuten kochen,

25 dkg Margarine

25 dkg geriebene Butterkekse

25 dkg geriebene Nüsse oder Haselnüsse

und zum Schluss noch 15 dkg weiche Schokolade einrühren

Die Masse ca. 1 cm dick auf eine Platte streichen und über Nacht kalt stellen.

Dann mit Schokoladeglasur überziehen und mit blättrig gehobelten Mandeln (fertig kaufen!) oder mit gehackten Pistazien bestreuen.

Mit einem großen Messer Rhomben schneiden!



Foto © Christina

 

Danke für diese schöne Geschichte, liebe Christina! Und natürlich für das tolle Rezept. Es liest sich sehr lecker - und dabei so einfach, dass wahrscheinlich selbst ich keine Probleme mit dem Nach"backen" hätte. Ich werde es spätestens nächsten Advent mal versuchen …

 

Für alle deutschen Küchenfeen darf ich hier ergänzend noch hinzufügen:

Kristallzucker ist weißer Haushaltszucker (Raffinade), und bei der Maßeinheit “dkg“ bzw. “dag“ handelt es sich um Dekagramm (= 10 Gramm). Die Bezeichnung wird in Österreich vor allem beim Einkauf von Lebensmitteln und in Rezepten häufig verwendet und dabei umgangssprachlich oft zu “Deka“ verkürzt.

Quelle: Wikipedia

 

 

… und wer jetzt neugierig auf mehr Geschichten und Fotos von Christina wurde;

sie veröffentlicht HIER

3. CHILE

Hier ein Rezept meiner Freundin Hedi, die in den 1970er Jahren mit ihrer Familie in Chile lebte. Das Nachkochen wird wohl nicht so einfach werden, denn es fehlen genaue Mengenangaben. Was eine geübte Köchin nicht abschrecken dürfte. Für alle anderen gilt:

Genießt einfach die Erinnerungen einer begnadeten Kolumnen-Schreiberin:

 

Curanto – das Nationalgericht der Südchilenen

Bevor man einen stilechten curanto essen kann, muss man mehrere Dinge tun.

Zuerst ist es unerlässlich, ein Flugzeug zu besteigen, nach Chile zu fliegen und dann noch in den Süden dieses Landes zu reisen, dorthin, wo das Festland endet, bzw. auf die Insel Chiloë, die erste und größte der vielen Inseln, die bis in die Antarktis reichen.

Dann muss man arbeiten. Ein Loch in der Erde ausheben, Blätter der Nalca abhauen – die sieht aus wie ein Riesenrhabarber, dessen Stängel-Durchmesser gut und gerne 10 cm beträgt – und vor allen Dingen Steine erhitzen.

Daher kommt auch der Name. In der Sprache der Mapuche, der chilenischen Indios, bedeutet „cura“ = Stein und „tum“ = kochen. Und genau das tut man jetzt.

Das Erdloch wird mit den Nalca-Blättern ausgelegt, darauf kommen die glühendheißen Steine. Nun wird diese Loch gefüllt: Mit Hühnerfleisch und „chorizos“, den scharfgewürzten Würsten, mit Muscheln jeder Art und auch etwas, was einem Kartoffelpuffer nahekommt. Manche geben auch noch Schweinefleisch hinzu, was ich zutiefst missbillige, weil in Chile das Wort „carne“ = Fleisch immer nur Rindfleisch meint. Die anderen Fleischsorten müssen dann zusätzlich benannt werden, wie z.B. „carne de cerdo“ = Schweinefleisch. Hühnchen sind „pollos“ und zählen gewissermaßen nicht als Fleisch.

Nachdem nun alle diese Zutaten in die Grube gelegt worden sind, werden erneut heiße Steine darauf gepackt, mit weiteren Nalca-Blättern abgedeckt und alles wird sorgsam mit Erde bedeckt.

Nun hat man eine Menge Zeit, weil ja alles in der Erde schön durchgaren muss. Diese vertreibt man sich am besten dadurch, dass man schon einmal mit dem Probieren des Weines beginnt, der für ein solches Gericht einfach unerlässlich ist.

Wenn ich richtig überlege, ist Wein zu den Mahlzeiten immer unerlässlich.

Eine gute Stunde oder mehr muss man schon warten, bis man all die schönen Sachen wieder ausbuddeln kann – vorsichtig natürlich, aber die Chilenen sind geübt in sowas.

 

Wem das alles zu aufwändig ist, der kann das natürlich auch in der heimischen Küche probieren. Dazu braucht es dann den größtmöglichen Kochtopf, in den man etwas Wasser und – natürlich – Wein den Zutaten beigibt.

Essen sollte man ebenfalls in der Küche, dann können die Muschelschalen gleich in eine große Schüssel entsorgt werden. Selbstverständlich wird auch hier die Wartezeit mit der Verkostung eines guten Weißweines überbrückt. „Vino es cultura“ heißt es in Chile, und das muss ich wirklich nicht übersetzen.

Eine Muschelsorte, die unbedingt dabei sein muss, ist die „choro“; eine dickfleischige Muschel, die sich am besten mit den „palourdes“ in Frankreich vergleichen lässt. Sagt euch nichts? Ist egal.

Überaus wichtig ist natürlich die Frische der Muschel. Wehe, wenn man eine „choro malo“, eine schlechte choro erwischt! Dann gibt es nur ein Gegenmittel: man muss sofort einen großen Schluck Wein trinken!

Es verwundert wenig, wenn bei einem solchen Essen ständig jemand „Choro malo!“ ruft. Dann greift jeder sofort zu seinem Glas...Salud!

Und guten Appetit.

 

 

© Hedi G. 1973

 

Hedi, bei der ich mich für die Zusendung dieses historischen Foto-Schätzchens ganz besonders herzlich bedanken möchte, schreibt dazu:

 

"Wir aßen den curanto in der Küche, und zwar mit umgebundenen Geschirrhandtüchern als Servietten-Ersatz. Der Küchen-Curanto heißt übrigens 'Curanto en olla' (Curanto im Topf) oder 'Pulmay', aber das nur der Ordnung halber."

und

"Mengenangaben?? Ganz einfach: Viel!! Und Salz und Chili!"


Ich kann es mir zwar nicht vorstellen, aber wer jetzt nicht genug Fantasie hatte, sich den Curanto und die Nalca-Blätter vorzustellen, dem empfehle ich, nach "Curanto" zu googlen und die "Images for Curanto" anzuklicken - oder eines der Videos bei YouTube anzusehen.

 

Mehr von Hedi (und nicht nur aus Chile) findet man HIER

Weitere Rezepte:

 

UNGARN: Keszthelyer Winzerpaprikás und

USA: Sweet Onion Pudding auf der Seite

Gastfreundschaft in der Familie

 

INDIEN: Masala Chai

im

Gewürzregal