Wenn die Familie beisammen ist,
ist die Seele auf ihrem Platz.

Sprichwort aus Russland

 

Die Familie und die Sonne - je weiter weg, desto besser.

Sprichwort aus Mexiko

 

Gastfreundschaft in der Familie

Ende der 1950er Jahre habe ich sie noch erleben dürfen, die Gastfreundschaft in einer deutschen Großfamilie. Da wurden beispielsweise zur Feier der ersten Heiligen Kommunion die gute Stube und das Schlafzimmer ausgeräumt und mit eigenen sowie Nachbars Tischen und Stühlen zu Esszimmern umfunktioniert. In der Küche stapelten sich schon Tage vorher Berge von vollen Einmachgläsern und Konserven, und im kühlen Keller lagerten Fleisch und Gemüse, Obst und Fisch. Ein Schlaraffenland, das zudem von Tag zu Tag köstlicher duftete, denn es mussten auch Torten gebacken und mancherlei Saucen vorbereitet werden.

 

Der Feiertag selbst war der Familie vorbehalten – bis hin zu 50 Personen, und für uns Kinder eine herrliche Gelegenheit, endlich wieder alle Cousins und Cousinen zu sehen und entfernt verwandte Familienmitglieder kennenzulernen. Am nächsten Tag gab es dann Kaffee und Kuchen für die Nachbarn. Ehrensache, dass jeder von ihnen beim Abschied ein großes Kuchenpäckchen mitbekam ...

 

Meine Freundin Ildiko weiß aus ihrer Familie von einer ganz besonderen Art der Gastfreundschaft zu berichten.


Ende einer Ungarnreise. Was dort nicht gegessen wurde, musste mit. Foto © Ildiko M.

 

" Meine eindrücklichsten Erlebnisse zum Thema Gastfreundschaft kommen aus Ungarn" schreibt sie - und schickte folgende Anekdote:

 

 

10. ILDIKO: Wie mir die ungarische Gastfreundschaft zum ersten Preis in einem Gewinnspiel verhalf

 

Mitten in der vorabendlichen Geschäftigkeit ein Anruf der GEO-Redaktion: „Kochen Sie gerne? Wir haben Sie als Gewinnerin des Kochevents mit Holger Stromberg auserkoren!“

Das war zu Zeiten, als in der GEO-Reisecommunity noch des Öfteren Gewinnspiele ausgelobt wurden, vornehmlich fürs Einstellen von Reisetipps zu festgelegten Themen. In meinem Fall ging es um weltweites Genießen; Gewinn war besagtes, sehr hochpreisiges Event mit dem Sterne-Nationalmannschaftskoch. Anreise und Unterkunft in München inklusive.

 

Eingereicht hatte ich etwas ganz Profanes, dabei nicht im Traum an den Gewinn gedacht, wie ginge das auch mit einem Gulasch(!)rezept. Es war für mich einfach nur der Inbegriff ungarischen Essens.

Was der Redaktion daran so gut gefallen hat, war die Dimension des Rezeptes. Aus der ungeheuren Fleisch-, Zwiebel- und Paprikamenge könne man so schön auf die legendäre Gastfreundschaft der Ungarn schließen. Dabei hatte ich die Mengen schon runtergerechnet von 40 auf 10 Personen, wollte ja nicht übertreiben.

 

Hier jetzt nochmal das Originalrezept meiner ungarischen Oma für ihr Keszthelyer Winzerpaprikás, ein Kesselgulasch, das am besten aus dem Bogrács schmeckt (dem großen Kübel, der an einem Dreibein über dem offenen Feuer baumelt).

Eigentlich kamen wir ja immer nur zu fünft, aber es war natürlich damit zu rechnen, dass weitere Verwandte auftauchen, sich Nachbarn hinzugesellen, und die wollen doch alle satt werden. Reste blieben nie – es kamen genug Leute zum Mitessen…

 

Keszthelyer Winzerpaprikás (Grundrezept für 40 Personen)

1 kg (oder mehr) gehackte Zwiebeln

in 1 kg Schweineschmalz gelb rösten.

100 g Paprikapulver und etwas kaltes Wasser zugeben,

10 kg gewürfeltes Schweinefleisch dazugeben, anbraten.

10 kg gewürfelte Kartoffeln,

3 kg geschnittene Paprikaschoten,

1 kg Tomaten,

20 g Salz, 10 g Kümmel, Lorbeer, Sellerieblätter und Knoblauch zugeben.

Mit 1 l Weißwein (und ev. Wasser) auffüllen und ganz langsam gar kochen.

 

Nachhaltige Kindheitserinnerungen an unsere Ungarnreisen bestehen aus diesen Mahlzeiten, zu denen immer mehr und mehr Menschen auftauchten, und die immer sehr lustig endeten. Und vor der Heimreise wurde sicherheitshalber unser Kofferraum vollgepackt - wer weiß schon, ob es in Deutschland überhaupt genug zu essen gibt…

Danke für diese schöne Geschichte - und vor allem für das beeindruckende Rezept, liebe Ildiko!

Ich grüble und rechne jetzt, wie lange Deine Oma und ihre Helfer wohl schnippeln mussten, um insgesamt 25 Kilo Fleisch und Gemüse zu zerkleinern ... was bestimmt stets in einer fröhlich arbeitenden und schwatzenden Runde geschah!

Gastfreundschaft in der Familie ...

 

da muss ich natürlich auch sofort an die Thanksgiving Feiern in Kanada und den USA denken.

Silvia, eine meiner Freundinnen aus der GEO Reisecommunity, ist 1974

"in die Staaten importiert worden" (O-Ton Silvia) und lebt mit ihrer Familie in Virginia. Hier ihr Bericht (den ich nur in puncto "Umlaute" korrigiert habe, damit er seinen besonderen Charme nicht verliert):



11. SILVIA: Thanksgiving

 

In den USA wird der moderne Thanksgiving Feiertag an jedem vierten Donnerstag im November gefeiert. Die Feierlichkeiten ziehen sich meistens auf das darauffolgende Wochenende hinaus, und der Feiertag besteht deshalb aus einem "Four-Day-Weekend".

Thanksgiving hat seinen Ursprung in religiösen und kulturellen Traditionen. Der erste Thanksgiving Feiertag in den US ist auf die Feier einer guten Ernte in Plymouth, im heutigen Staat Massachusetts, im Jahre 1621 zurückzuführen.

 

Bei den Tenhets wird Thanksgiving im engen Familienkreis gefeiert. Unsere Tochter mit Familie kommt, sowie die Mutter meines Schwiegersohns. Planung des Menu's fängt schon über eine Woche vorher an.

Jeder bringt ein Gericht oder Dessert. Ich selbst backe Kuchen und Pies schon vorher, und bereite mehrere Gerichte am Tag zuvor, so dass ich sie dann an Thanksgiving nur überbacken muss.

Mein Schwiegersohn, Clint, hilft mir vor allem mit dem Truthahn in der Fritteuse. Diese Art den "Big Bird" zu bereiten, haben wir erst vor zwei Jahren angefangen. Der 10-12 Pfund Truthahn wird im heißen Erdnussöl in 45 Minuten gebacken und ist köstlich.



Zu dieser neuen und ungewöhnlichen Art der Zubereitung schickte Silvia den link für ein YouTube-Video und schrieb:

Diese Fritteusen sind in den letzten Jahren unheimlich popular geworden da man sie in der Küche aufstellen kann und sie elektrisch sind. Vorher habe ich den Turkey natürlich im Ofen gebraten. Ansonsten haben viele Amerikaner den Turkey draußen frittiert. Die Outdoor-Fritteusen werden mit Gas erhitzt, und können deshalb sehr gefährlich sein, zusammen mit dem sehr heißen Öl! Jetzt höre ich mich schon selbst wie Reklame im Fernsehen an!



 

 

Zurück zu Silvias Bericht:

Ehemann, Joe, darf den Truthahn anschneiden/zerlegen.

Das Essen selbst fängt ungefähr um 4 Uhr nachmittags mit kleinen appetizers (Vorspeisen) und Wein an, Hauptmahlzeit um 5-6 Uhr, und zieht sich mit Dessert bis in die späten Abendstunden.

 

Beigefügt, das Rezept eines unserer Lieblingsgerichte, das mit dem Truthahn, einer traditionellen Süßkartoffel-Casserole und verschiedenen Gemüsegerichten bereitet wird. Dazu gibt es Wein und Eiswasser. Dessert besteht meistens aus Pumpkin (Kürbis) oder Sweet Potato (Süßkartoffel)-Pie, Kuchen und Coffee.

 

Reste werden am folgenden Tag auch noch genossen!

jedes Jahr anders: Silvias Thanksgiving Tischdeko; alle Fotos © Silvia T.

 

Ein herzliches Dankeschön auch an Dich, liebe Silvia:

für diesen schönen, persönlichen "Aufsatz"“ (Deine Bezeichnung!),

für die Fotos, die Du trotz Deiner Arbeit mit der Feier extra für meine Seite gemacht hast - und für das wunderbare Rezept, das Du sogar für uns ins Deutsche übersetzt hast:

 

Sweet Onion Pudding / Zwiebel-Pudding (Auflauf)

 

6 große Eier

½ l Sahne

100 g geriebener Parmesan Käse

3 Esslöffel Mehl

1 ½ Esslöffel Zucker

2 Teelöffel Backpulver

1 Teelöffel Salz

120 g Butter oder Margarine

6 mittelgroße milde Zwiebeln, in sehr dünne Scheiben geschnitten

 

Die ersten 3 Ingredienzien in einer großen Schüssel gut vermischen. Das Mehl und die nächsten 3 Ingredienzien gut mischen, dann nach und nach in die Eiermasse rühren. Beiseite stellen.

 

Die Butter in einer großen Pfanne auf mittlerer Hitze schmelzen, die Zwiebeln hinzugeben und mit öfterem Rühren braten, oder bis die Zwiebeln hellbraun karamellisiert sind.

 

Die Zwiebeln in die Eiermasse rühren und in eine flache Auflaufform füllen.

 

Bei 175 Grad für ungefähr 35 Minuten überbacken, bis der Pudding fest ist.

Ergibt 8 Portionen. 

 

 

 mehr Fotos von Silvia findet man in der GEO Reisecommunity