Genuss und Verdruss auf Reisen

 

Gedankenlosigkeit tötet. Andere.

Stanisław Jerzy Lec (1909 - 1966)


Wer meine Seiten auch nur überflogen hat, der hat zumindest eine Ahnung von meinen Vorlieben auf Reisen: Begegnungen mit Menschen und Tieren. Wüsten und Seeluft, scharfes Essen und eiskaltes Kingfisher, um nur einige zu nennen.

Was zum Beispiel nichts für mich ist, das sind Busreisen und Gruppenreisen ab 18 Personen aufwärts oder Strandurlaube mit Animateurprogramm am Hotelpool. Auch auf übermotivierte local guides, auf marokkanische Teppichläden und aufs Bergsteigen kann ich gut verzichten; letzteres allerdings hauptsächlich mangels Kondition.

Hier einige Beispiele für - in meinen Augen - absolute No-Gos:

 

"White Hunter-Mentalität" in Namibia und Südafrika

Südafrika: Löwenmutter mit Nachwuchs im Tierreservat

Ich habe sie noch vor meinem geistigen Auge und bekomme sie nicht mehr aus dem Kopf, die Bilder aus einer TV-Dokumentation:
da schießt eine weiße Möchtegern-Jägerin auf einen wahrscheinlich sedierten, auf jeden Fall aber an einen Baum angebundenen (!!!) Löwen. Einmal, zweimal, dreimal … ohne ihn jedoch tödlich zu treffen. Der einheimische Jagdführer erlöst schließlich das gequälte Tier mit einem Fangschuss.

Schon am Flughafen in Windhuk sehe ich sie dann: dickbäuchige, rotgesichtige "Jäger" in ihrer Khaki-Kluft. Sie warten hier am Schalter für das sperrige Gepäck auf die Herausgabe ihrer wertvollen Gewehre, und man merkt ihnen an, wie stolz sie sind und sich auf das freuen, was sie in den nächsten Tagen tun werden.

 

Die meisten dieser Nimrods verschwinden schnell auf den verschiedenen Jagdfarmen, wo sie unter ihresgleichen sind, aber einige habe ich unterwegs dann doch noch getroffen. Am abendlichen Lagerfeuer auf der Ameib Ranch prahlten sie von ihren Heldentaten, und in Swakopmund erzählte mir ein etwa Vierzehnjähriger aus dem Ruhrgebiet, sein Opa habe ihm den Abschuss eines (preiswerten) Warzenschweins bezahlt. Aber er werde nächstes Jahr wiederkommen, um dann endlich auch größeres Wild zu erlegen, wie das sein Opa jedes Jahr hier tut.

 

Im Interesse der Tiere kann ich nur hoffen, dass alle diese Schützenkönige ihr "Handwerk" besser beherrschen als ihre Kollegin aus der Fernsehdoku.

Chinesische Märkte

Hongkong: veggie delight

Meinen ersten chinesischen Markt sah ich 1981 in Singapur und war entsetzt: hier wurden die Tiere lediglich als lebende Konserve angesehen, aufbewahrt und verkauft. Obwohl es schon so lange her ist, erinnere ich mich noch genau an die in viel zu kleinen Dosen zusammengepferchten Schildkröten, die keine Möglichkeit mehr hatten, den Kopf oder auch nur ein Bein zu bewegen oder an die Fische, die lebendig in Plastiktüten verpackt wurden, um sie möglichst frisch in der heimischen Küche verarbeiten zu können.

Die Chinesen sind dafür bekannt, dass sie so ziemlich jedes Tier verspeisen, und das selten aus finanzieller Not. Im Prinzip habe ich dagegen nichts einzuwenden, aber genau wie z. B. bei den Tiertransporten in Europa dürfen Tiere nicht lediglich als Ware gesehen und gequält werden.

 

Seit etwa 2 Jahren habe ich wieder ein Bild im Kopf, das ich nicht vergessen kann: große, lebendige Kröten, auf einem chinesischen Markt als Delikatesse angeboten und wie Apfelsinen in Plastiknetzen verpackt und gestapelt ...

Tiere als Touristenattraktion

Deutschland: bärenstark

An Ketten gehaltene und in Puppenkleider gesteckte Affen auf dem Jemaa el Fna in Marrakesch auf den Arm nehmen und sich fotografieren lassen, tanzende Braunbären in Rajasthan oder Schlangenbeschwörer in Indien, Sri Lanka und Marokko auf den Speicherchip bannen … eine beliebte "Unterhaltung" für meist naive und gedankenlose Touristen. Die wenigsten von ihnen wissen, was sie den Tieren antun, wenn sie diese (natürlich gegen Bezahlung) fotografieren, um später die Bilder ihres ach! so exotischen Urlaubs den staunenden Daheimgebliebenen zu präsentieren.

Ich möchte jetzt nicht von der quälerischen Dressur und der nicht artgerechten Haltung der Tanzbären schreiben oder von den "gefährlichen" Kobras, denen man meist die Giftzähne gezogen und oft sogar das Maul zugenäht hat; das kann jeder Interessierte im Internet selbst nachlesen.

Aber ich möchte darauf aufmerksam machen, dass jedes aufgenommene Foto und jede von uns gezahlte Rupie, jeder Dirham dazu beitragen, dass das Leiden der Tiere verlängert wird und diese qualvollen Vorführungen nicht aussterben.

 

"Je hilfloser ein Lebewesen ist, desto grösser ist sein Anspruch auf menschlichen Schutz vor menschlicher Grausamkeit."
Mahatma Gandhi (1869 – 1948)