Gewürzregal

Auf diesem Regal sind "würzige" (vorerst nur indische) Kochbücher und Rezepte zu finden; natürlich auch die Gewürze selbst. 

 

Nach einer guten Mahlzeit kann man allen verzeihen,

selbst seinen eigenen Verwandten.
(Oscar Wilde, 1854-1900)

 

 

Gewürze der Welt:

Sallie Morris und Lesley Mackley: Das Handbuch der Gewürze. Würzkunst, Warenkunde und 100 Rezepte

 

Der Originaltitel "The Spice Ingredients Cookbook" wird dem vorliegenden Buch gerechter, denn es werden nicht nur 50 Gewürze und Kräuter vorgestellt, sondern etwa die Hälfte des Inhalts besteht aus Rezepten.

 

Ansonsten aber haben wir hier eine fundierte Einführung in die Welt der Gewürze, von Ajowan über Asant und Mahaleb bis hin zu Sumach und Zitwer, um einmal die ungewöhnlichsten zu nennen. Bei jedem der beschriebenen Gewürze erfahren wir etwas über Anbau und Ernte, über die Verwendung in der Küche und in der Medizin.

 

Einleitende Kapitel beschäftigen sich mit dem Gewürzhandel, mit dem Einsatz der Gewürze in den Küchen der Welt, mit Auswahl, Vorbereitung und Aufbewahrung.

 

Rezepte für die Herstellung von Gewürzmischungen, von Gewürzpasten, von aromatisierten Ölen, Essigen und Getränken runden das Thema ab, und selbst Gewürze zur Dekoration und Potpourris wurden nicht vergessen.

 

Ein preiswertes Buch, das dank der Fotos von William Adams-Lingwood in seiner Anschaulichkeit kaum zu überbieten ist: allein der Anblick der Gewürze und Gerichte lässt einem das Wasser im Mund zusammenlaufen.

ein indisches Kochbuch:

Veronika Sperling und Christine Mc Fadden: Indisch kochen. Original-Rezepte, die sicher gelingen.

 

Mein absoluter Favorit unter den vielen indischen Kochbüchern! 1996 kaufte ich die Erstausgabe in England (deshalb auch der Scan der englischen Ausgabe) und koche seitdem immer wieder danach. Weil jedes Gericht einfach gelingt und lecker schmeckt.

Für Kenner der indischen Küche: unvergleichlich sind die Rezepte z. B. für Murkha Dal oder Aloo Chat, und mit den „Curried Okra" habe ich bisher schon einige Leute überzeugt, die vorher immer einen großen Bogen um das Gemüse machten.

Das großformatige Buch enthält eine Einführung in die indische Küche, in die Gewürze, die Kochutensilien und Zubereitungsmethoden, und die Rezepte reichen von Vorspeisen über Fisch, Geflügel, Fleisch und Gemüse bis hin zu Reis und Hülsenfrüchten, Broten, Chutneys und Desserts.

Zu jedem Gericht gibt es neben einer Zutatenliste und dem Rezept ein ganzseitiges Appetit anregendes Foto sowie drei kleine Fotos, in denen die Zubereitung Schritt für Schritt erklärt wird. Damit ist dieses Buch auch ideal für Leute, die zum ersten Mal indisch kochen wollen.

 

... und mehr als ein Kochbuch:

Julie Sahni: Genießer unterwegs: Indien. Rezepte und kulinarische Notizen.


Einführung in die indische Küche, Verzeichnis der wichtigsten Zutaten und Grundrezepte sowie eine Rezept-Einteilung nach Vorspeisen, Hauptgerichten und Beilagen, nach Süßem und Getränken, dazu appetitliche Fotos. Alles, was ein gutes Kochbuch braucht.

Die indische Autorin ist Dozentin für Ernährungswissenschaft und hat bereits mehrere Bücher über die Küche ihres Heimatlandes publiziert. Aber dieses Buch ist mehr! Es ist ein wahres Fest für die Augen und eine kleine Kulturgeschichte Indiens, geschmückt mit wunderschönen Aquarellen und Landschaftsfotos von Michael Freeman.

 

Mein Vorschlag: sich mit diesem Buch und einem Chai Masala auf die Couch verziehen, die Rezepte studieren und sich informieren über das Lichterfest Diwali, über Tiffins und Ganesha, heilige Kühe, den Schlangenkult und schwarzes Salz - oder einfach nur beim Betrachten der Bilder ins Träumen kommen ...

 

Die Inderin Chitra Banerjee Divakaruni hat einen wundervollen

Roman über Gewürze geschrieben; zu finden ist er als Nummer 3 unter

Indien im Buch

masala chai - indischer Gewürztee

kullarhs und Becher

Auf Hindi bedeutet masala „Gewürz" und chai (tschai) „Tee". Masala chai bezeichnet somit den Gewürztee, den man in Indien an jeder Straßenecke bekommt. Er wird in Gläsern oder auch in kleinen tönernen Schalen angeboten. Diese „kullarhs" werden zu Hunderttausenden aus einheimischem Ton von Hand hergestellt und bei geringer Hitze in offenen Feuern gebrannt.
In den Tongefäßen entfaltet sich das Teearoma besonders gut, und da sie sehr preiswert sind, benutzt man sie nur einmal und hat damit ein hygienisches und recht umweltfreundliches Wegwerfgeschirr.

Masala chai wird zubereitet aus Schwarztee, Milch, Zucker sowie den unterschiedlichsten Gewürzen von Kardamom und Zimt über Ingwer und Nelken bis hin zu Pfefferkörnern und Muskat - und schmeckt daher überall anders. Viele indische Familien haben ihr eigenes, gehütetes Geheimrezept. Neben den Zutaten variiert auch die Art der Zubereitung, so dass masala chai fast schon als spezielle Teeklasse bezeichnet werden kann.

Auch bei uns hält er unter dem Namen „chai" immer mehr Einzug; es gibt bereits fertige Gewürzmischungen und Teebeutel zu kaufen.
Aber natürlich geht nichts über einen frisch zubereiteten masala chai! Mein Lieblingsrezept ist von einem indischen Freund aus Chennai - und ganz einfach:

 

5 Tassen Wasser und
3 Tassen Milch in einen Topf geben.
6 TL kräftigen Schwarztee wie z. B. Assam zugeben,
Zucker nach Geschmack,
6 aufgebrochene Kapseln Kardamom und
5-6 cm (ungeschälte) Ingwerwurzel in kleinen Stücken.

Das Ganze zusammen aufkochen lassen und abseihen. Und dann genießen!

 

 

Nichts gegen einen gepflegten Earl Grey oder eine aromatische Ostfriesenmischung, aber ein Chai, mit Milch gekocht und mit Kardamom, Zimt, Gewürznelken, Ingwer, Vanille und Zucker angereichert, ist nun mal das mit den Mitteln der Erde hergestellte Alternativgetränk zum Nektar des Himmels. 

Helge Timmerberg, In 80 Tagen um die Welt

Kardamom

Kardamomernte in Südindien

Einmal dorthin „wo der Pfeffer wächst" wollten wir und entschlossen uns zu einem mehrtägigen Trekking in den Cardamom Hills im Süden Indiens.

Sehend, riechend und schmeckend wandern wir auf dem „spice track" durch einen riesigen, dschungelartigen Gewürzgarten. Vorbei an Kaffeesträuchern und Jackfruit-Bäumen, durch kleine Dörfer und Reisfelder. An einem uralten Schrein auf einer Lichtung opfern wir uns unbekannten Göttern, und auf einer Teeplantage werden wir in die Geheimnisse der Produktion eingeweiht, dürfen dazu jede Menge des Muntermachers probieren. Wir probieren grünen Pfeffer direkt vom Strauch - und natürlich finden wir auch ilayci (Elaichi) - den Kardamom, der diesen Hügeln ihren Namen gab.

Kardamom ist eine schilfartige Staude aus der Familie der Ingwergewächse, die in dieser Gegend sogar wild wächst. Sie gedeiht nur bei gleich bleibend warmen Temperaturen und mäßigem Niederschlag, und hier findet sie ideale Bedingungen. So werden 80% des weltweiten Kardamomertrags in Indien angebaut.

Die Staude bildet nach drei Jahren erstmals Fruchtkapseln aus und trägt dann weitere 15 Jahre lang Früchte; die Stängel mit den ovalen Samenkapseln entwickeln sich an der Basis der Pflanze. Die Kapseln werden über einen langen Zeitraum ausgebildet und befinden sich darum stets in unterschiedlichen Reifestadien. Im Inneren haben sie drei Fächer mit winzigen, schwarzen Samen. Die noch unreifen Kapseln werden vorsichtig und von Hand geerntet, damit sie nicht aufplatzen. In Trockenöfen, heißen Räumen oder in der Sonne werden sie anschließend getrocknet.
Aufgrund dieser aufwändigen Arbeit gehört der Kardamom neben Safran und Vanille zu den teuersten Gewürzen der Welt.

Am häufigsten und am vielseitigsten verwendbar sind die grünen Kardamomkapseln; bei dem angebotenen weißen Kardamom handelt es sich lediglich um gebleichte grüne Kapseln. Braune Kapseln sind größer und behaart. Wegen ihres kräftigen und recht aufdringlichen Aromas werden sie hauptsächlich in sehr würzigen Gerichten mit langer Garzeit verwendet.

Ein würziges Erlebnis und die schärfste Ausstellung Hamburgs

hier geht's zum Gewürzmuseum

20. Dezember 2008:

„... immer der Nase nach" steht auf dem Schild im Treppenhaus. Kein Problem! Unser Geruchssinn führt uns direkt vor die Eingangstür des Gewürzmuseums in der Hamburger Speicherstadt, und mit der Eintrittskarte (heute ein Tütchen mit schwarzen Pfefferkörnern) in der Hand starten wir in das verführerisch duftende Abenteuer.

Auf 350 m² sind hier über 900 Exponate aus den letzten 5 Jahrhunderten ausgestellt, von der kleinsten Gewürzdose bis hin zu antiken Geräten und Maschinen, anhand derer man z. B. den gesamten Bearbeitungsprozess des Pfeffers vom Anbau bis zum fertigen Produkt verfolgen kann. Hauptdarsteller sind natürlich die Gewürze selbst: etwa 50 Original-Gewürze sind hier ausgestellt, dürfen angefasst, gerochen und probiert werden.

Und während ich am Ende des hochinteressanten Rundgangs und nach Genuss eines wunderbaren indischen Gewürztees im Shop nach einem Souvenir stöbere, bedaure ich wieder einmal, nicht hier in Hamburg zu leben, einem der größten Gewürzumschlagplätze der Welt. Ich wäre häufiger Gast in diesem Erlebnismuseum. Das Gewürzseminare anbietet, Lesungen, fantasievolle Stadtführungen zu Fuß und per Boot - und ab und an sogar eine Live Kochshow.

 

Zur Seite des Gewürzmuseums: bitte Foto anklicken!