eine weltweit verbreitete Gattung: Homo ludens

 

Beim Spiel kann man einen Menschen in einer Stunde besser kennen lernen als im Gespräch in einem Jahr.

Platon (428/427 v.Chr. - 348/347 v.Chr.)

 

„Das Spiel ... ist eine Tätigkeit, die ohne bewussten Zweck zum Vergnügen, zur Entspannung, allein aus Freude an ihrer Ausübung ausgeführt wird. Es ist eine Beschäftigung, die um der in ihr selbst liegenden Zerstreuung, Erheiterung oder Anregung willen und oft in Gemeinschaft mit anderen vorgenommen wird."

So die Definition in Wikipedia.

 

Gespielt wird auf der ganzen Welt; einige Beispiele möchte ich gerne auf dieser Seite vorstellen.

Singapur 1981

"read it yourself" ... wir spielen Schule

 

Die beiden Kleinen saßen still-vergnügt vor dem Laden ihrer Eltern in Chinatown und taten so, als könnten sie lesen. 

Inzwischen dürften sogar schon ihre Kinder in die Schule gehen.

Mamallapuram, Indien 2003

indische Fingerübungen

 

Unser Local Guide Kala wusste nicht nur hinreißende Geschichten von Tempeln und Göttern zu erzählen, sondern zeigte uns auch Fingerübungen, wie sie wohl alle kleinen Mädchen auf der ganzen Welt mögen.

Kathmandu, Nepal 2001

Carrom

 

Ein kleiner Platz, irgendwo in Kathmandu. Ein paar Jugendliche haben ein Carrom-Brett auf einige Steine gelegt und spielen selbstvergessen das Geschicklichkeitsspiel, das in Indien weit verbreitet ist, das man aber auch in Nepal liebt.

Südindien, 2003

"56"

 

Die Herren aus Kerala genießen ihren Feierabend und spielen das hier heimische und sehr populäre Kartenspiel "56".

Mit einem französischen Blatt und 48 Karten.

 

Leute hören nicht auf zu spielen, weil sie alt werden,

sie werden alt, weil sie aufhören zu spielen!

Oliver Wendell Holmes Sen. (1809-1894)

Mamallapuram, Indien 2003

"Alice's Tea Party"

 

... wer möchte da nicht wieder 7 Jahre alt sein und von der kleinen Tochter des Steinmetzen zum "Puppenkaffee" mit imaginären Puppen eingeladen werden?

Crucecita, Mexico 2010

Fantasie ...

 

Das neue Plastik-Spielzeug wurde zur langweiligen Nebensache als die Geschwister entdeckten, dass sie eigentlich ganz wilde Tiere in einem Käfig sind.

 

 

Bandung, Java 1984

"Straßen-Schach"

 

Diese jungen Händler nutzten die Abwesenheit von Käufern für ein Spielchen auf dem Bürgersteig hinter ihren Waren-Displays.

Bhaktapur, Nepal 2001

Hoppe, Hoppe, Reiter 

 

In Nepal wird der Tempel ins Alltagsleben integriert: auf seinen Stufen trifft man sich zu einem Schwatz, auf seinen Mauern kann man Wäsche trocknen, und die Kinder dürfen auf den Tempelfiguren spielen ...

Einsame Insel ... ? Ein Fragespiel geht um die Welt

Ein beliebtes Gesellschaftsspiel in den Salons des 19. Jahrhunderts war ein Fragebogen, in dem es um Vorlieben und Abneigungen ging, um Selbsteinschätzungen und Weltanschauungen.

Der französische Schriftsteller Marcel Proust (1871-1922) beantwortete ihn als 13jähriger auf einer Geburtstagsfeier. Im Alter von etwa 20 Jahren füllte er dann einen ähnlichen Fragebogen aus, dem er selber den Titel "Marcel Proust par lui-même" (M. P. über sich selbst) gab - wohl mit ein Grund, weshalb wir den Fragebogen heute fälschlicherweise als "Prousts Fragebogen" bezeichnen.

Sizilien, 2012

 

1980 griff die FAZ die Idee auf und verhalf "Prousts Fragebogen" erneut zu Berühmtheit, indem sie in ihrer Freitagsbeilage, dem "Frankfurter Allgemeine Magazin" regelmäßig einen von Prominenten ausgefüllten Fragebogen veröffentlichte, und auch das amerikanische Gesellschafts-Magazin "Vanity Fair" legte mit dem "Proust Questionnaire" Prominenten die Fragen vor.

 

Heute existieren die verschiedensten Varianten des Fragebogens; so wird die unzeitgemäße Frage nach den militärischen Leistungen beispielsweise oft weggelassen, dafür aber nach dem Lieblingsfilm gefragt.

 

Gerne für Interviews benutzt, ist der Inhalt der Antworten eher zweitrangig. Viel interessanter ist es, wie die Fragen beantwortet werden. Sagt es doch viel aus über den Befragten, wenn die Antworten amüsant sind oder unverfänglich, nachdenklich oder selbstbezogen, provozierend oder ausschweifend ...

 

Der folgende Fragenkatalog dürfte dem Original am nächsten kommen:

 

01 Wo möchten Sie leben?

02 Was ist für Sie das vollkommene irdische Glück?

03 Was ist für Sie das größte Unglück?

04 Welche Fehler entschuldigen Sie am ehesten?

05 Ihre liebsten Romanhelden?

06 Ihre Lieblingsgestalt in der Geschichte?

07 Ihre Lieblingsheldinnen in der Wirklichkeit?

08 Ihre Lieblingsheldinnen in der Dichtung?

09 Ihre Lieblingsmaler?

10 Ihr Lieblingskomponist?

11 Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einem Mann am meisten?

12 Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einer Frau am meisten?

13 Ihre Lieblingstugend?

14 Ihre Lieblingsbeschäftigung?

15 Wer oder was hätten Sie sein mögen?

16 Ihr Hauptcharakterzug?

17 Was schätzen Sie bei ihren Freunden am meisten?

18 Ihr größter Fehler?

19 Ihr Traum vom Glück?

20 Was wäre für Sie das größte Unglück?

21 Was möchten Sie sein?

22 Ihre Lieblingsfarbe?

23 Ihre Lieblingsblume?

24 Ihr Lieblingsvogel?

25 Ihr Lieblingsschriftsteller?

26 Ihr Lieblingslyriker?

27 Ihre Helden in der Wirklichkeit?

28 Ihre Heldinnen in der Geschichte?

29 Ihre Lieblingsnamen?

30 Was verabscheuen Sie am meisten?

31 Welche geschichtlichen Gestalten verachten Sie am meisten?

32 Welche militärischen Leistungen bewundern Sie am meisten?

33 Welche Reform bewundern Sie am meisten?

34 Welche natürliche Gabe möchten Sie besitzen?

35 Wie möchten Sie sterben?

36 Ihre gegenwärtige Geistesverfassung?

37 Ihr Motto?

 

Mein absoluter Favorit ist eine Frage, die in moderneren Varianten des Bogens immer wieder auftaucht:

"Welche drei Gegenstände würden Sie auf eine einsame Insel mitnehmen?"

Denkt mal drüber nach …