Abenteurer, Forscher und Helden: Frauen unterwegs

Graffito in Key West, Florida

 

Wie es den Maler drängt,

ein Bild zu malen,
den Dichter,

seine Gedanken auszusprechen,
so drängt es mich,

die Welt zu sehen.
(Ida Pfeiffer, 1797-1858)

Schon in der Steinzeit waren es die Männer, die aus der heimischen Höhle heraustraten, um auf die Jagd zu gehen und Nahrung für die Familie zu beschaffen. Die Frauen blieben zu Hause, kümmerten sich um den Nachwuchs und das Feuer. Ihr Aktionsradius beschränkte sich auf den Umkreis der Höhle, wo sie Wasser holten und Wurzeln ausgruben.

 

Später dann bestiegen die Herren mächtige Schiffe und segelten davon, um neue Erdteile zu entdecken und die Natur zu erforschen. Christoph Kolumbus, Alexander von Humboldt, Charles Darwin ... Wieder blieben die Damen zu Hause, kümmerten sich um die Organisation des Alltagslebens und warteten darauf, dass ihre abenteuerlustigen Ehemänner und Brüder nach Hause kämen.

 

Dann kam die Neuzeit und mit ihr eine neue Generation von Forschern, von Entdeckungsreisenden und Reiseschriftstellern.

Die Frauen aber blieben wieder zu Hause. Alle Frauen? ... Nein, denn da gab es schon immer einen kleinen Stamm, der anders war als alle anderen. Diese Frauen waren genauso entdeckungsfreudig wie die Männer und zogen hinaus in die große, weite Welt. Verkleidet als Mann, im Schutz größerer Reisegesellschaften oder als forschende Alleinreisende.

 

Nachwuchs: kleine Forscherinnen und Entdeckungsreisende

 

Aber während die Taten der Männer bekannt und sie selbst berühmt wurden, blieben die Namen der reisenden Frauen, die sich gegen alle Konventionen durchsetzten, oft im Dunkeln. Ich denke - um nur ein Dutzend zu nennen - da an:

 

  • Ida Pfeiffer (1797-1858), die Schriftstellerin aus Wien, die zwei Weltreisen von mehreren Jahren Dauer unternahm und sich 1851 als erste weiße Frau unter die Kopfjäger im Dschungel von Sumatra wagte

  • Lina Bögli (1858-1941), die Lehrerin aus der Schweiz, die 1892 für zehn Jahre die Welt umrundete

 

  • Lise Cristiani (1827-1853), die im 19. Jahrhundert mit ihrem Cello durch Sibirien und China reiste, und nach der sogar eine Stradivari benannt wurde

  • Alexandra David-Néel (1868-1969), die lange vor Heinrich Harrer verkleidet nach Tibet und in die verbotene Stadt reiste

  • Grace O'Malley (1530-1603), die irische Piratin, die den ersten Handelsposten in der irischen Provinz Connaught gründete, und um die sich viele Legenden und Erzählungen ranken

  • Emily Eden (1797-1869), die englische Adlige, die 6 Jahre in Indien verbrachte und sich für zwei Jahre (begleitet von einem Riesen-Tross) auf eine Reise durch das Land begab. Und die mehrere Hundert Briefe von ihrem Leben on the road im Indien des frühen 19. Jahrhunderts schrieb

  • Anna Leonowens (1831-1915), die 5 Jahre lang im Palast des Königs von Siam (heute Thailand) dessen zahlreiche Kinder und einige seiner Frauen in westlicher Bildung unterrichtete 

 

  • Kate Marsden (1859-1931), die britische Krankenschwester, die sich Ende des 19. Jahrhunderts für die Erforschung der Lepra und für Leprakranke in Sibirien einsetzte und als eine der ersten weiblichen Fellows in die Royal Geographical Society aufgenommen wurde

 

  • Gertrude Bell (1868-1926), die u. a. als Forschungsreisende, Schriftstellerin und Archäologin über profunde Kenntnisse des Nahen Ostens verfügte und quasi der weibliche Lawrence von Arabien war

 

  • Amelia Edwards (1831-1892), die englische (Reise-) Schriftstellerin, Suffragette und Amateur-Archäologin, die nach einer Ägyptenreise eine leidenschaftliche Anwältin für den Erhalt ägyptischer Altertümer wurde

  • Isabelle Eberhardt (1877-1904), eine russischstämmige Weltenbummlerin und Reiseschriftstellerin, die es immer wieder in die Einsamkeit der Sahara zog. Wo sie auch mit erst 27 Jahren starb, als ihre Lehmhütte neben einem ausgetrockneten Flussbett nach einem Wolkenbruch von einer Flutwelle fortgerissen wurde

  • Maria Sibylla Merian (1647-1717), Frankfurter Naturforscherin und Künstlerin, die auf einer zweijährigen Reise durch Surinam mit ihren Bildern die exotische Schönheit der Natur festhielt

Ann, Manuela und Beate, Nepal 2001

 

Last not least:

diese drei Grazien, die sich nach einem anstrengenden Trekkingtag in Nepal irgendwo am Straßenrand erholen. Kommentar des Fotografen:

 

„So sehen Helden aus!"

In den letzten Jahren erschienen endlich auch in deutscher Sprache einige gute Bücher, die reisefreudige und mutige Frauen vorstellen. Hier eine Auswahl:

  • Julia Keay: Mehr Mut als Kleider im Gepäck. Frauen reisen im 19. Jahrhundert durch die Welt. Geschichten von weiblicher Entdeckerfreude und Abenteuerlust jenseits aller Konventionen (1991)

  • Mary Tiegreen und Milbry Polk: Frauen erkunden die Welt. Entdecken, Forschen, Berichten (2004)
  • Barbara Hodgson: Die Krinoline bleibt in Kairo. Reisende Frauen 1650 bis 1900 (2007)
  • Barbara Hodgson: Die Wüste atmet Freiheit. Reisende Frauen im Orient 1717 bis 1930 (2007)

  • Lorie Karnath: Verwegene Frauen. Weiblicher Entdeckergeist und die Erforschung der Welt (2009)

MEIN PERSÖNLICHER FAVORIT:

 

Bärbel Arenz und Gisela Lipsky:

Mit Kompass und Korsett. Reisende Entdeckerinnen (2009)

Mit seiner liebevollen Ausstattung (Fotos, Illustrationen, Karten, Lesebändchen ...), mit den Porträts und mit zahlreichen Zitaten aus den Werken der Entdeckerinnen ist dies ein wunderschönes und kluges Buch, wenn auch mit einem Neupreis von 34 Euro nicht gerade billig.