Leben auf der Straße: von Hunden und Menschen

Hunde haben alle guten Eigenschaften der Menschen,

ohne gleichzeitig ihre Fehler zu besitzen.
Friedrich der Grosse (1712 - 1786)


Straßenhunde

"UN PODI AIUTO": Fünf Freunde in ROM

 

Kein einziges Tier der ganzen Erde ist der vollsten und ungeteiltesten Achtung, der Freundschaft und Liebe des Menschen würdiger als der Hund.
Alfred Brehm (1829 – 1884)


Nicht nur im weit entfernten Ausland, sondern auch in vielen Ländern Süd- und Osteuropas fristen Straßenhunde ein elendes Leben: sie werden verachtet, gejagt, gehetzt, misshandelt und teils grausam getötet. Und wenn „der beste Freund des Menschen“ z. B. als Rennhund oder Jagdhund ausgedient hat oder die Saison vorbei ist, wird er auf oft grausamste Weise einfach „entsorgt“.



Die Notorganisationen und Tierheime in diesen Ländern basieren meist auf privaten Initiativen und erfahren nur in den seltensten Fällen Unterstützung durch die Gemeinden, sondern bekommen eher noch Steine in den Weg gelegt. So sind auch in vielen Tierheimen und Auffangstationen die Hunde akut von der Einschläferung bedroht.



In den letzten Jahren nahm die Vermittlung von Hunden aus Süd- und Osteuropa stark zu, und auch unsere Angie wurde von einer deutschen Tierschutzorganisation aus Griechenland mitgebracht. Hier lebte sie dann monatelang in einer Pflegefamilie, weil niemand sie haben wollte: zu groß, schon schätzungsweise 2 Jahre alt, schiefer Zahn, Knickohr … bei mir war es Liebe auf den ersten Blick!

Seit dem 7. Januar 2005 ist Angie nun schon Mitglied unserer Familie, und trotz vieler anfänglicher Probleme spielten wir keine Sekunde mit dem Gedanken, sie wieder herzugeben.

 

 

gleicher Phänotyp:

Straßenhunde in Indien und Ägypten ... und Angie aus Griechenland

 

 

Damals war ich blauäugig, wusste lediglich, dass die Hunde aus dem Süden sehr sozialverträglich sind und im eigenen Land kaum eine Vermittlungschance haben. Ich habe dazugelernt: mit jedem Hund, der nach Deutschland gebracht wird, macht man den Platz frei für einen neuen Streuner.

 

Wenn man den Tieren effektiv helfen will, sollte man Organisationen und Tierheime vor Ort unterstützen. Einen klugen und durchdachten Weg geht z. B. die „Stray Animal Care – Hilfe für Streunertiere“, wie sie auf der Seite der unabhängigen Tierschutz-Organisation „Vier Pfoten“ dargestellt wird. Die Kastrationsprojekte der Organisation helfen nachhaltig: Kastrieren begrenzt die Zahl der Streunertiere, und medizinische Maßnahmen wie Behandlung gegen Parasiten und Impfungen verhindern Krankheiten und Seuchen, die auch den Menschen gefährlich werden können.

 

Wer sich weiter informieren möchte, dem seien folgende Seiten empfohlen

(bitte Logos anklicken):

 

 

 

Die Vision von VIER PFOTEN, der Stiftung für Tierschutz, ist "eine Welt, in der Menschen den Tieren mit Respekt, Mitgefühl und Verständnis begegnen".

 

 

 

 

Stadthunde.com - "ein Portal für Hundeliebhaber, Hundebesitzer, aber auch für Nicht-Hundebesitzer".

 


 

Last not least: wer sich trotz allem einen Hund aus Süd- oder Osteuropa anschaffen möchte, der sollte sich die „Tierschutz“-Organisation ganz genau ansehen, denn es gibt leider auch schon einige schwarze Schafe, die nur das Geschäft wittern und die Tiere zu Hunderten aus anderen Ländern importieren, um hier an der Vermittlungsgebühr zu verdienen.

Nachtrag vom 08. Nov. 2011:

Es ist unglaublich, zu was die Geldgier Menschen treiben kann! Heute erfuhr ich von neuen (?) und besonders perfiden Machenschaften im Geschäft mit der "Tierliebe":

in manchen europäischen Ländern werden sogar Hunde speziell gezüchtet, um sie dann als "Straßenhunde" zu verkaufen und daran zu verdienen ...


Oskars Blog ist beim Klick aufs Foto nachzulesen

 

Nachtrag vom Juni 2013 oder Wie das Leben so spielt …

 

Einige Tage nach meinem obigen Nachtrag stolperte ich über Oskar. Der Hund wurde von einer "Tierschutzorganisation" aus einer Tötungsstation in Budapest freigekauft und mit mehreren anderen Hunden von einem gutmütigen Privatmenschen auf eigene Kosten nach Deutschland gebracht. Alle Hunde fanden einen Besitzer, nur Oskar blieb übrig, aber die "Tierschutzorganisation" fühlte sich nicht mehr zuständig.

 

So brachte der verzweifelte Privatmann, der Oskar wegen seiner Katzen nicht behalten konnte - wieder auf eigene Kosten - den Hund in einer Tierpension unter, wo er natürlich keine Chance auf Vermittlung hatte.

Aber es musste wohl so sein: nach acht Monaten in der Pension lief er mir dort über den Weg und ich verliebte mich wieder einmal hoffnungslos …

 

Seit dem 19. November 2011 verstärkt Oskar nun unser Rudel und mischt es kräftig auf.  Wer mehr darüber erfahren möchte: unsere Erlebnisse mit dem kleinen Ungarn sind nachzulesen in "Oskars Blog"; einfach auf Oskars Foto oben rechts klicken!

 


Angie und Oskar, unser A und O

 

Sowohl Angie als auch Oskar lehrten uns, dass das Zusammenleben mit den "ach so dankbaren und sozialverträglichen Hunden aus dem Süden" nicht unbedingt problemlos ist und oft ganz neue Herausforderungen an die Halter stellt.

Die beiden Hunde haben wie alle ihre Kollegen von der Straße besondere, nicht immer schöne und uns meist nicht bekannte Erfahrungen gemacht. Und obwohl in unserem Fall die Pflegefamilie und das Team der Tierpension uns schon einiges über Angie und Oskar erzählen konnten, waren diese anfangs kleine Wundertüten, von denen wir erst nach und nach erfuhren, was in ihnen steckt.

Aber die wenigen bisher aufgetauchten Probleme konnten wir noch immer mit viel Geduld und Liebe, mit Humor, Toleranz und einigermaßen gesundem Menschenverstand bewältigen.

 

Wer sich über die Anschaffung von "Importhunden" weiter informieren möchte, dem sei die Sendung des WDR vom 28. 04. 2013 empfohlen;

Text und Video beim Klick aufs Logo               > > >

Nachtrag vom Januar 2015. OHNE KOMMENTAR:

Bücher zum Thema:

Claudia Ludwig: Straßenhunde suchen ein Zuhause

Die bekannte Moderatorin aus „Tiere suchen ein Zuhause“ (WDR) lebt seit Jahren mit Ex-Streunern zusammen. In diesem Buch befasst sie sich mit den Fragen: wie sieht das Leben der Straßenhunde aus? Ist die Vermittlung ihre einzige Chance? Und was kann Tierschutzarbeit in Süd- und Osteuropa bewirken?

Ein lebenserfahrener oder auch ängstlicher Hund stellt ganz andere Ansprüche an seinen Besitzer als ein Hund, der schon als Welpe in ein Menschenrudel integriert wurde, und Frau Ludwig schildert in zahlreichen Fallbeispielen ihre persönlichen Erlebnisse, die unermüdliche Arbeit der Tierschützer und Wege in die Zukunft.

Eine Literaturliste und eine Liste mit Adressen empfohlener Tierschutzorganisationen runden das Buch ab, das damit sehr praxisbezogen und sehr zu empfehlen ist.



Claudia Toll: Tierheimhund und Streuner

Die Hundeexpertin Dr. Claudia Toll bietet in diesem Buch einen Ratgeber für „Hunde aus zweiter Hand“. Dies geht von Überlegungen am Anfang und von der Entscheidung über die erste gemeinsame Zeit bis hin zu Grunderziehung und Problemverhalten.

Es ist eine große Aufgabe, diesen weitgefassten Themenbereich auf nur 124 Seiten abzuhandeln, und so muss dieses Buch auch zwangsläufig oft an der Oberfläche bleiben.

Für Hunde-Anfänger und Leute, die einem Secondhand-Hund eine zweite Chance geben wollen jedoch ein guter erster Ratgeber.



Hans Silvester: Hunde unter südlicher Sonne

Der Bildband des renommierten Tierfotografen entführt auf die griechischen Inseln, und Hunde sind die Hauptdarsteller. Hans Silvester zeigt freilebende, wilde Tiere, die in den weißgetünchten Dörfern und am Strand ihr eigenes Leben führen. Die Fotos sind voller Unbeschwertheit und Anmut und stets mit Liebe komponiert. Oft bezaubernd, mal kunstvoll, mal heiter, mal melancholisch.

Ein wunderbarer Bildband, auch wenn man dem Fotografen vorwerfen kann, dass er die raue Wirklichkeit, den Kampf ums Überleben und Themen wie Krankheit, Quälerei und Tod ausspart. Aber das ist nicht die Thematik des Buches, und wer würde sich schon einen solchen Bildband ins Regal stellen wollen?   



junger Kettenhund im Terai, NEPAL

Die Treue eines Hundes ist ein kostbares Geschenk, das nicht minder bindende moralische Verpflichtungen auferlegt als die Freundschaft eines Menschen. Der Bund mit einem treuen Hund ist so ewig, wie Bindungen zwischen Lebewesen dieser Erde überhaupt sein können.
Konrad Lorenz (1903-1989)