Patenschaften. Meine Mädchen in Asien und Afrika

 

Das Lächeln, das du aussendest,

kehrt zu dir zurück.

Sprichwort aus Indien

 

Am 20. November begehen die Vereinten Nationen den UNO-Kindertag. Dieser Termin ist jedoch für die einzelnen Länder nicht verbindlich, und so feiern denn auch über 30 Staaten wie z. B. China und die USA am 1. Juni den internationalen Kindertag.

In Deutschland ist seit der Wiedervereinigung am 20. September Weltkindertag.

 

Wichtig ist aber nicht das Datum, sondern dass an dem Kindertag, der weltweit in mehr als 145 Ländern begangen wird, auf die Kinderrechte aufmerksam gemacht wird. 

Diese Kinderrechte sind in der UN-Kinderrechtskonvention festgehalten. Danach haben Kinder u. a. das Recht in einer sicheren Umgebung und ohne Diskriminierung zu leben. Sie haben das Recht auf Zugang zu sauberem Wasser, auf Nahrung, medizinische Versorgung und Ausbildung.

(Quelle: Wikipedia)

Ich möchte dies zum Anlass nehmen, (mich) an meine Patenmädchen bei ChildFund (früher CCF) zu erinnern, die ich unterstützen und einen Teil ihres Weges begleiten durfte. Sie alle haben mein Leben unendlich bereichert - und tun das noch heute.

 

Ich habe mich bei meinen Patenschaften übrigens ganz bewusst für Mädchen entschieden, weil es Mädchen in vielen Kulturen noch schwieriger haben als die Jungen.

 

zu der Patenschaftsorganisation "Childfund": s. linke Spalte!


Meine Patenmädchen aus Indonesien:

1. Eko *19. 05. 1967

Januar 1982. Eko war mein erstes Patenkind. Als ich die Patenschaft übernahm, war sie schon 14 Jahre alt – und ich leicht enttäuscht, denn ich hatte mir ein kleines Mädchen vorgestellt. Eko entpuppte sich dann aber als ein großer Glückstreffer, denn mit diesem intelligenten Teenie entwickelte sich schon nach kurzer Zeit ein ausgesprochen interessanter Briefwechsel, und ich lernte sehr viel über die indonesische Kultur.

Leider zog Eko mit ihrer Familie in eine andere Stadt, weil es dort Jobs für sie gab. Niemand konnte mir dazu genauere Auskunft geben, und so blieb mir nur der Trost der ehemals zuständigen Sozialarbeiterin aus Jakarta: „out of sight, but not out of heart“

2. Fatimah *02. 04. 1978

 

Fatimah war ziemlich unterernährt und nicht ganz gesund, als sie in das Projekt aufgenommen wurde. Über sie erfuhr ich lediglich, dass ihr Vater ein Tagelöhner war, und dass sie im Kindergarten gerne sang. Bald schon zog auch sie aus Jakarta fort, um bei ihren Großeltern zu wohnen ...



3. Agnes *17. 01. 1976

Obwohl die Eltern von Agnes wenigstens zeitweise Arbeit hatten (der Vater arbeitete als Gärtner, und die Mutter verdiente mit Waschen und Bügeln etwas Geld dazu), waren sie nicht imstande, ohne Hilfe auszukommen. Agnes liebte es, mit Puppen zu spielen und half gerne im Haushalt beim Spülen. Leider konnte ab Oktober 1986 das Projekt von ChildFund nicht weiter betreut werden, da die Leitung des Projektes sich Ziele setzte, die „mit den Kriterien von CCF nicht zu vereinbaren sind“, wie mir die Patenschaftsorganisation in einem Brief mitteilte.

4. Nanik *19. 10. 1976

 

Nanik kam aus Süd-Sumatra. Ihr Vater war ein Tagelöhner, und ihre Mutter verkaufte Eier auf dem Markt. Nanik war eine fleißige Schülerin, ihr Lieblingsfach Mathematik. Nach fast zweijähriger Patenschaft bekam ich die Nachricht, dass Nanik aus dem Projekt ausgeschieden sei, weil dieses nicht länger in der Region arbeitete. Man habe sich jedoch vor Beendigung überzeugt, dass die Familie in der Lage sei, sich nun selbst um Nanik zu kümmern.



5. Istia *02. 10. 1982

Istia lebte mit ihren Eltern und den beiden älteren Schwestern Eva und Erma in einem kleinen Holzhaus ohne Elektrizität, von fließendem Wasser ganz zu schweigen. Die Eltern versuchten sich mit etwas Ackerbau über Wasser zu halten, aber der Ertrag reichte hinten und vorne nicht, und so brachten sie Istia in das Projekt. Istia kam in den Kindergarten, wo sie gerne Kaufladen spielte. Ihre Lieblingsbeschäftigung aber war das Malen. Mit jedem ihrer Briefe erhielt ich nicht nur interessante kleine Erzählungen aus ihrem Alltag (die sie einer Sozialarbeiterin diktierte), sondern sie malte auch wunderbare Bilder, die von Brief zu Brief besser und ausdrucksstärker wurden.

Im Mai 1992 erfuhr ich dann per Brief aus Jakarta, dass die Familie wirtschaftlich selbständig geworden sei und nun selbst für ihren Lebensunterhalt aufkommen könne. Natürlich freute mich das für Istia und ihre Familie, aber ich vermisste die wunderbaren Bilder in den darauffolgenden Jahren schon sehr …

6. Widiarti *01. 01. 1981

Widiarti hatte früh Vater und Mutter verloren und wurde von ihrer Großmutter aufgezogen, die sich als Gelegenheitsarbeiterin etwas Geld verdiente. Widiarti wollte unbedingt in die Schule, deshalb brachte ihre Großmutter sie in das Projekt. Dort wurde Mathematik bald zu Widiartis Lieblingsfach. Sie spielte gerne Kasti (eine Art Baseball) und verzierte ihre Briefe an mich mit genialen Collagen aus Glanzpapier, aus Stoff und Pailletten. Im Juli 1998 schied auch sie aus dem Projekt aus, da sich die finanzielle Lage der Familie (Großmutter, Tante und Onkel) sehr gebessert hatte: das Haus besaß nun ein Badezimmer und sanitäre Einrichtungen, und auch ein Brunnen konnte gebaut werden.

7. Fitriani *13. 04. 1991

Sieben Jahre war Fitri alt, als sie mein Patenkind wurde, und ich schloss die Kleine mit den großen, dunklen Augen sofort in mein Herz. Mit Eltern und einem kleinen Bruder lebte sie in einer Hütte auf Sumatra. Das intelligente, fröhliche und fleißige Mädchen spielte gerne mit anderen Kindern und half ihrer Mutter Karlina im Haushalt.

 

Karlina und ich verstanden uns auf Anhieb und wurden zu echten Brieffreundinnen. Sie schrieb persönliche und lebendige Briefe, erzählte von Geburtstagsfeiern und Masern, von Schulerfolgen und der indonesischen Küche.

 

Nach etwa zwei Jahren schrieb Fitri dann selbst. Sie liebte Mathematik, aber sie erzählte auch hinreißende Geschichten. Erst von ihren vier Hennen, aus denen im Laufe der Jahre 15 wurden und dann von ihrer Ziege, die sie „Putih“ (die Weiße) getauft hatte. Später bekam Putih dann ein Junges und Fitri noch eine kleine Schwester … und es kam, wie es kommen musste: im Juli 2004 bekam ich die Nachricht aus Indonesien, dass das Projekt geschlossen würde, weil es große Fortschritte gemacht hätte und nicht mehr auf die Unterstützung durch ChildFund und die Paten angewiesen sei.



Wieder einmal musste ich einen Abschiedsbrief schreiben, was mir trotz aller Freude für Fitri und ihre Familie recht weh tat. Aber ich bekam auch zum ersten Mal einen rührenden Abschiedsbrief von einem Patenkind zurück. Fitri schickte mir ein neues Foto von sich und ihren kleinen Geschwistern und bedankte sich für alles, was ich für sie und ihre Familie getan habe.

 

Nach Fitri und unserer sechsjährigen, intensiven Korrespondenz entschloss ich mich, statt eines weiteren Patenmädchens aus Indonesien (und zusätzlich zu meinem Patenkind aus Kenia) ein Mädchen aus Indien zu unterstützen.



Wie es den sieben kleinen indonesischen Mädchen von damals heute wohl gehen mag? Zwischen 20 und 44 Jahre alt sind sie jetzt (2011), haben hoffentlich alle den Tsunami vom 26. Dezember 2004 überlebt und führen ein glückliches Leben ...

Mein Patenmädchen aus Kenia:

Eteles *04. 10. 1992

Im Oktober 1998 wurde ich Patin der sechsjährigen Eteles. Aus ihrem Profil ging hervor, dass sie zusammen mit ihrer Großmutter in einer kleinen Hütte nördlich von Nairobi lebte. Ihren Vater hatte sie nie kennengelernt, und auch ihre Mutter hatte die Gegend verlassen, um auf Arbeitssuche zu gehen.

 

Als Patin bekam ich in den folgenden Jahren viele Briefe von vielen verschiedenen Mitarbeitern des Projekts, in das Eteles aufgenommen wurde. Diese Briefe enthielten unvollständige und/oder mir unlogisch erscheinende Informationen sowie viele christliche Segenswünsche für mich, aber wenig Antworten auf meine direkten Fragen. Recht mühsam und in detektivischer Kleinarbeit las ich aus den unterschiedlichen Schreiben heraus, dass die Mutter wohl wieder da war und vier Geschwister, dann sogar der Vater …

Ich freute mich sehr, denn offensichtlich hatte die Familie durch meine Unterstützung wieder zueinander gefunden.

 

Was mich jedoch befremdete war, dass Eteles absolut keine Fortschritte zu machen schien. Mit fast 12 Jahren konnte sie kaum ihren Namen in Druckbuchstaben schreiben und malte Bilder wie eine Dreijährige. Auf meine Nachfrage über ChildFund Deutschland kam ein beschwichtigender Brief aus Afrika, dass Eteles gute Fortschritte mache und beim Laufen sportliche Erfolge erziele.

 

Als Eteles 17 Jahre alt war, erhielt ich endlich den ersten von ihr persönlich geschriebenen Brief, aber ich konnte mich des Eindrucks nicht erwehren, dass er mühsam von einer Vorlage abgeschrieben war, zumal sich die frommen Sprüche aus anderen Briefen wortwörtlich wiederholten. Ihre Zeichnungen waren auch noch immer die eines Vorschulkindes. Wieder schaltete sich auf meine Bitte hin ChildFund Deutschland ein und bat die Kollegen in Kenia um Aufklärung. Die Antwort kam dann auch Ende März 2011 von einem „Patenschafts Koordinator“ per eMail, konnte mich aber leider überhaupt nicht davon überzeugen, dass meine Patengelder speziell der Förderung meines Patenkindes zugute kamen.

 

Nach 13 Jahren beschloss ich daher, die Patenschaft aufzulösen und stattdessen meinen Beitrag direkt in ein Projekt in Afrika einzuzahlen; ChildFund bietet auch in dieser Hinsicht jede Menge Möglichkeiten des Engagements.

Um Eteles tut es mir leid, aber ich weiß, dass sie weiterhin von ChildFund unterstützt wird. Ich wünsche ihr von Herzen alles Gute für ihren weiteren Lebensweg.

Mein Patenmädchen aus Indien:

Shobha *29. 05. 1994

Im November 2004 übernahm ich die Patenschaft für die zehnjährige Shobha aus Firozabad, und schon im März 2007 hatte ich die Gelegenheit, sie und ihre Familie in Indien zu besuchen.

 

Mein Bericht dieses Besuchs ist beim

Klick aufs Foto nachzulesen.

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Herr Schaal, der für Fundraising und Kommunikation zuständige Mitarbeiter von ChildFund Deutschland bat mich, für den Jahresbericht 2010 ein kurzes, persönliches Testimonial zu schreiben, das dann auch auf Seite 19 erschien. Nachzulesen ist der Jahresbericht mit der Doppelseite zum

Projekt "Disha" in Firozabad hier:

 

24. Juli 2013:

Heute habe ich um Auflösung der Patenschaft gebeten. Shobha ist jetzt 19 Jahre alt, lebt bei ihrer Schwester, und ich habe den Eindruck, der Familie geht es relativ gut. Ich wünsche Shobha, ihrer Mutter und ihren Geschwistern für ihren weiteren Weg alles Gute.

 

Auch für mich geht damit eine Ära zu Ende: nach 31 Jahren Unterstützung von Patenmädchen in Asien und Afrika werde ich mich jetzt anderen Patenkindern zuwenden und habe beim WWF die Patenschaft für afrikanische Elefanten übernommen.

Mehr dazu beim Klick auf das Foto                    > > >