Kein einziges Tier der ganzen Erde ist der vollsten und ungeteilten Achtung, der Freundschaft und Liebe des Menschen würdiger als der Hund.

Alfred Brehm (1829-1884)

Oskars Blog (10)

Oskar und sein Motto

                          

                                                                                zum Teil 11                

31. August. Meteorologisches Sommerende

 

Merkwürdiger Tag heute, irgendetwas liegt in der Luft. Erst – sorry: kotzte Klein-Oskar unter den Schreibtisch, und etwa eine halbe Stunde später tat Sensibelchen Angie es ihm nach. Da waren wir zum Glück aber schon unterwegs. Ich glaube, die geplante Wurmkur verschiebe ich lieber auf morgen …

30. August

 

In nur sieben Tagen Urlaub auf dem Bauernhof hat sich Oskar eine kleine Wampe angefressen. Und das Durchschlafen verlernt: letzte Nacht stand er pünktlich alle 60 Minuten vor meinem Bett und wollte gestreichelt werden …

29. August

 

Na toll! Da hole ich nach einer Woche die Biester in der Tierpension ab, und was machen die zwei? Springen ohne mich zu begrüßen einfach ins Auto: "Nach Hause, Johann!" Und Johann in Gestalt der Hundebesitzerin schwingt sich auf den Fahrersitz und tut wie ihm geheißen.

 

Zu Hause angekommen, wollen die Hunde dann erst einmal in den Garten; leeren die Vogeltränke und begeben sich schnurstracks auf Grasfresser-Tour durchs Gelände. Gut, dass unser Garten so ungepflegt ist; bei unseren Nachbarn mit dem englischen Rasen hätten Oskar und Angie definitiv keine Chance, Quecken zu finden!

23. August

 

Oskar und Angie machen Urlaub auf dem Bauernhof:

eine Woche in einer Umgebung und bei Menschen, die sie kennen und mögen. Mit anderen Hunden, mit Herumtoben auf der Wiese und mit Leberwurstbrot zum Frühstück.

 

Und jeder Tierbesitzer, jede Mutter wird mir nachempfinden können, wenn ich jetzt schreibe: endlich mal nur an mich denken dürfen und die Tage nach meinen Vorstellungen gestalten können, das ist Luxus pur, und ich genieße ihn.

Und ich vermisse die beiden Racker schon seit dem Moment, in dem ich sie abgegeben habe …

22. August

 

"Non scholae, sed vitae discimus" erklärte man uns im Lateinunterricht.

Stimmt! Hätte ich damals in Physik besser aufgepasst, dann könnte ich jetzt vielleicht ausrechnen, wie viel … Kilopond? …Newton? Zug auf mein Ellbogengelenk ausgeübt werden, wenn ein 17,5 Kilo schwerer Hund mit der Beschleunigung eines Porsche 911 vorprescht und durch eine 2, 10 Meter lange Leine abrupt gestoppt wird. Und wie lange meine Gelenke das mitmachen …

21. August


Heute Morgen wieder Cross Country über die Müllkippe Deutscher Wald:

Plastikflaschen und -tüten, Joghurtbecher, Papier, Styropor-Verpackungen, Pappbecher mit und ohne Deckel und Trinkhalm, Zigarettenschachteln, Tetrapacks, Glasflaschen ... und direkt am Wegrand zwei Eimer mit Farbresten und Malerutensilien.

Märchenwald oder Müllkippe ...???

 

Darüber, wer die Welt erschaffen hat, lässt sich streiten.

Sicher ist nur, wer sie vernichten wird.
George Adamson (1906-1989)

 

20. August

 

Oskar ist wasserscheu! Gestern dauerte es eine gefühlte Stunde, bis wir ihn mit den Füßen im Wasser stehen hatten – und das unter Einsatz von Versprechungen, von Leckerlis und sanfter Gewalt.

Jetzt hat der Kleine zwar sein Seepferdchen, wie Freund Walfried meinte – aber freiwillig ins Wasser gehen wird der Hund wohl nie.

 

Im Gegensatz dazu Angie: die ist wild auf jeden Bach und jede Schlammpfütze, in die sie sich werfen kann, und sie scheut weder vor Flüssen noch vor dem Meer zurück. Dafür hat sie noch immer fast panische Angst vor Wasser, das aus Gießkannen und aus Schläuchen kommt ...  Ja, jeder Jeck ist anders!

 

* * * * *

noch immer der 20. August:

 

Manchmal braucht’s nur einen Tropfen, damit das Fass überläuft, aber heute kam einiges zusammen:

 

Oskar nahm sich auf dem Nachmittags-Spaziergang in neuem Gelände keine Zeit, seine Blase anständig zu leeren,

es war heiß, und nach unserer Heimkehr trank er sehr viel,

wir bekamen Besuch,

weil es nach Regen aussah, war die Tür zum Garten zu,

und ich Dussel verstand wieder einmal nicht, was Oskar mir da so zurückhaltend andeutete; dachte, er wolle bloß gestreichelt werden …

 

Ich war gerade am Telefonieren, als der Hund überlief und hörte das Plätschern auf den Fliesen relativ spät; mein Aufschrei geriet dafür umso lauter. Was wiederum Angie auf den Plan rief, die Oskar beistehen wollte, dabei voll durch die Riesen-Pfütze lief und das ganze Zeug erst richtig im Wohnzimmer verteilte.

 

Eine Stunde später: bei einer Raumtemperatur von 28 Grad kam eine ungelernte Bodenkosmetikerin mächtig ins Schwitzen und verbrauchte Unmengen von heißem Wasser und Putzmittel. Die Waschmaschine musste eine Sonderschicht einlegen, und das ganze Haus riecht jetzt nach Sagrotan.

 

Was war ich doch gestern noch ahnungslos und naiv, als ich da schrieb:

"er erledigt seine Geschäfte nur noch außerhalb des Hauses" …

19. August

 

Heute vor neun Monaten kam Oskar zu uns und hat sich mittlerweile zu einem brauchbaren Mitglied des Rudels entwickelt:

er nagt unsere Schuhe nicht mehr an und springt nicht mehr am brennenden Gasherd hoch, er schläft durch, stürzt sich nicht mehr auf unsere Lebensmittel-Einkäufe … und er erledigt seine Geschäfte nur noch außerhalb des Hauses.

 

... und hier die Bildergeschichte des Tages:

36 Grad Celsius ODER Grautvornix Oskar und seine erste Schwimmstunde

(zum Vergrößern: bitte anklicken!)

17. August

 

Zum ersten Mal mit Oskar vor unserem Eiscafé in der Sonne gesessen. Der Hund benahm sich auch tadellos und blieb brav neben mir; die Leute von den umstehenden Tischen sahen es mit Wohlgefallen.

Bis es unserem Ungarn zu lange dauerte, auf einen eventuellen Rest in meinem Becher zu warten, und er eine kleine Abstauber-Tour zum Nebentisch startete. Aber ehe neben ihrem Eis auch die Herzen der beiden dort sitzenden älteren Ladies dahinschmelzen konnten, wurde der arme Hund zurückbeordert. Kurz vorm Ziel …

16. August: Hochmut kommt vor dem Fall

 

Ich habe nicht vergessen, was ich Ende November letzten Jahres über diese Übermütter von Hunden schrieb. Nach neun Monaten scheint nun der Zeitpunkt gekommen, an dem ich mich outen muss:

 

Auch aus meinem Auto ist mittlerweile eine mit Decken und alten Handtüchern ausgepolsterte Transportbox geworden. Es riecht nach Hund, Tonnen von Waldboden und kleinen Steinen liegen auf den Fußmatten, und in der Luft fliegen Hundehaare. Und selbst bei über 30 Grad Außentemperatur bleibt das Verdeck geschlossen, damit die Vierbeiner keine Augenentzündung bekommen.

 

Auf unsere Spaziergänge geht es nie ohne von Hundekeksen ausgebeulte Hosentaschen, ich erledige alle meine Einkaufstouren in größtmöglichem Tempo, und wenn ich wieder zu Hause bin, bekommen natürlich die Hunde den größten Teil meiner Laugenbrezel.

 

Anstatt mich um unseren verwilderten Garten zu kümmern, denke ich mir mental fördernde Beschäftigungen für Oskar aus, und wenn der Hund spielen oder schmusen will, dann bleibt halt auch die Wäsche liegen.

 

Ich mache mich zum Affen, und ich bin Sklave meiner Hunde.

Aber ich kann das alles erklären …

"Als Hund eine Katastrophe, als Mensch unersetzlich", so beschrieb Bundespräsident Johannes Rau (1931-2006) seinen Schnauzer-Mischling Scooter, nachdem ihn dieser bei einer freudigen Begrüßung umgeworfen, und er sich einen schmerzhaften Bluterguss am Knie zugezogen hatte.

14. August

laaangweilig! bist du bald fertig?

Wunderbarer Abenteuer-

spaziergang heute Morgen:

wir liefen durch Gras und raschelndes Laub, über Sand und durch einen kleinen Bach. Wir balancierten über Stege, buddelten nach Mäusen, sprangen auf Baumstämme, die am Wegrand liegen, sammelten Müll in einer Tüte und Kletten im Fell …

nein, ich will nicht in die Kamera schauen!

 

Aber so richtig schön wär’s erst gewesen, wenn wir nicht bei diesen blöden Baumpilzen hätten Modell stehen

– pardon: sitzen! – müssen.

 

Und wenn wir nicht ständig Beate an der Leine gehabt hätten.

 

12. August

 

Oskar ist ein gesprächiger Hund. Er bellt nicht nur, sondern er teilt alles lautstark seiner Umgebung mit. Gestern Nachmittag zum Beispiel, da klingelten wieder seine beiden kleinen Freundinnen Sophie und Laura, um ihn zu streicheln. Und was macht Oskar? Nimmt an der Haustür freundlich die Huldigungen entgegen, läuft aber zwischendurch immer wieder laut bellend in den Garten.

Als dann plötzlich Angie - noch ziemlich verschlafen - im Flur steht, wird mir klar: unser Kläffer hatte ihr lediglich erzählt, dass Besuch da ist und Streicheleinheiten verteilt. Vielleicht sogar Kekse …

 

Keine Frage, Oskar ist ein Schlaumeier!

Heute Morgen beim Frühstück auf der Terrasse zettelte er eine kleine Rauferei mit Angie an – nicht, ohne zwischendurch immer wieder zu uns herüber zu schielen. Oskar weiß, dass wir uns meist über das Hunde-Wrestling amüsieren und legte sich mächtig ins Zeug. Weil Oskar auch weiß, dass gut gelaunte Zuschauer gerne großzügig sind und spenden: den Rest aus dem Quark-Becher, eine Scheibe Wurst, ein Stück trockene Brezel … da ist Oskar nicht wählerisch!

Karte: (c) Hanne Sperber; Pillebach Verlag Düsseldorf

 

11. August:

Fundstück des Tages

 

Der Traum eines jeden

dog walkers:

nur brave Hunde an den Leinen!

 

(s. dazu auch:

Blog 7; 31. Mai)

10. August: "The grass is always greener on the other side of the fence"

 

Ich beneide alle anderen Hundebesitzer: ihre Tiere gehorchen aufs Wort, laufen aufmerksam neben ihnen her und lassen sich von nichts ablenken. Sie sind ausschließlich freundlich zu anderen Hunden oder beachten diese erst gar nicht. Da sie keinerlei Jagdinstinkt haben, können sie frei im Wald herumlaufen, und selbst in der Stadt brauchen sie keine Leine. Weil sie schon als Welpe total cool und relaxt sind …

 

Alle anderen Hundebesitzer beneiden mich: unsere beiden verstanden sich von Anfang an. Sie dekorieren während unserer Abwesenheit das Haus nicht um und haben sich noch nie mit ihrem kräftigen Gebiss über Stuhlbeine hergemacht. Sie zerkratzen keine Türen, verwandeln Bodenvasen nicht in Scherben, fressen keine Teppichfransen und plündern keine Mülleimer. Im Auto warten sie brav auf meine Rückkehr und haben noch nie versucht, sich unterm Gartenzaun durchzubuddeln, um auf Abenteuertour zu gehen …

08. 08.: Wir haben einen IMMER-Oskar!

 

Oskar ist als lautlose und unsichtbare Stolperfalle IMMER neben oder hinter mir auf der Treppe: „Ich muss wissen, wo die hingeht und was die macht!“

 

Oskar kommt IMMER, wenn ich Angie rufe: „Könnte ja sein, dass die was bekommt und ich nicht!“

 

… und wenn der Hund einmal nicht zu sehen ist, dann genügt es, mit einer Tüte zu rascheln oder einfach nur Angie zu streicheln. Dann kommt Oskar garantiert. IMMER.

5. August: Oskar, der Musterschüler

 

John berichtet von der gestrigen Stunde in der Hundeschule: Oskar war einfach perfekt! Lief erst einmal herum, begrüßte alle anderen Hunde artig und ließ sich von ihren Besitzern streicheln.

Die anschließenden Übungen erledigte er mit Bravour, lief ordentlich bei Fuß und stand und saß auf Kommando. Selbst beim neuen Geräteturnen stellte er sich prima an und zeigte keine Scheu vor Reifen und Brücke, vor Wippe und Hürden.

Alle waren beeindruckt von unserem Musterschüler. Aber John und ich kennen den Racker und vermuten stark, dass es unserem Oskar einfach nur zu warm war und er keine Lust hatte, sich etwas Eigenes auszudenken. Da ist es viel einfacher, auf Befehle zu hören. Und dafür auch noch gelobt und belohnt zu werden ...

Kisten - Joghurt - Hundekekse: Oskar schafft sie alle

Nicht die Fähigkeit, mit allen Sinnen zu genießen, führt zu größtem Hundeglück

– es ist die Gabe, sich einer einzigen Sache ganz hinzugeben.

 

"Hundeweisheit" von Pecorino (vgl. Blog 7)

3. August

 

"Straßenhunde sind ja sooo dankbar!" höre ich immer wieder, und ich frage mich, wer dieses Gerücht in die Welt gesetzt hat.

 

Angie hat uns vom ersten Tag an gezeigt, dass sie sich auch ohne uns, ohne ein Körbchen, ohne unser Spielzeug, das Dosenfutter und die Hundekekse durchschlagen kann; zwei Jahre auf griechischen Straßen, dazu noch mit Welpen … da lernt man die Kunst des Überlebens. Und so ist sie bis heute nicht bestechlich: Erziehung mit Leckerlis? … Vergiss es!

 

Oskar liebt anscheinend vor allem mich abgöttisch, aber sehen wir es realistisch: das Tier ist verfressen, und ich bin die Herrin der Vorräte. Mit der muss man sich einfach gut stellen. Wie weit her es mit der Liebe und dem Gehorsam ist, das durfte ich gestern Nachmittag wieder einmal erfahren. Da vergaß Oskar alles, nur wegen eines doofen Karnickels unterm Busch!

 

Warum sollten die Hunde auch dankbar sein? Wir haben sie herausgeholt aus ihrem freien, ungebundenen Leben. Das zwar beschwerlich und gefährlich war, aber sie kannten es nicht anders. Ob sie sich jetzt wirklich so viel wohler fühlen mit Halsband und Leine, mit regelmäßigem Fressen, limitierten Spaziergängen und mit Benimmregeln …?

Der Hund

Da oben wird das Bild von einer Welt
aus Blicken immerfort erneut und gilt.
Nur manchmal, heimlich, kommt ein Ding und stellt
sich neben ihn, wenn er durch dieses Bild

sich drängt, ganz unten, anders, wie er ist;
nicht ausgestoßen und nicht eingereiht,
und wie im Zweifel seine Wirklichkeit
weggebend an das Bild, das er vergisst,

um dennoch immer wieder sein Gesicht
hineinzuhalten, fast mit einem Flehen,
beinah begreifend, nah am Einverstehen
und doch verzichtend: denn er wäre nicht.

Rainer Maria Rilke

2. August

 

Traumhafter Morgenspaziergang heute. Fing schon damit an, dass Oskar sich problemlos sein Geschirr anlegen ließ. Im Wald dann zwei brave Hunde, die kaum an der Leine zerren und sogar ziemlich parallel laufen; wer hat ihnen das nur beigebracht?

Beide erledigen relativ zügig am Wegrand ihre Geschäfte, und als uns dieser freilaufende Border Collie entgegenkommt, gucken sie zwar interessiert, sind aber mehr an den Leckerlis in meiner Westentasche interessiert.

Auf dem Rückweg trödelt Angie viel weniger als üblich; sie springt sogar bereitwillig und ohne langes Zögern ins Auto. Ich habe zwei richtig liebe Hunde!

… Träum' weiter, Beate!