Ein Hund ist ein Herz auf vier Beinen.
Irisches Sprichwort



Oskars Blog (2)



"Wir sind allein, völlig allein auf diesem Planeten. Von all den Lebensformen um uns herum hat sich außer dem Hund keine auf ein Bündnis mit uns eingelassen."

 

Maurice Maeterlinck (1862 - 1949)

 

                      dort geht's weiter mit Teil 3

Camouflage: wir tarnen uns als Nepal-Läufer

31. Dezember 2011

 

Für dieses Jahr das letzte Bild von unserem neuen A und O; zugleich ein erster Schnappschuss mit meinem neuen iPhone 4S.

 

Guten Rutsch!

Euer Ossi und die Angie

30. Dezember 2011:

Wir sind schlau! Da Angies Angst vor Knallgeräuschen jedweder Art und vor Feuerwerk mit zunehmendem Alter immer schlimmer wird, haben wir sie für die Silvesternacht in der Tierpension angemeldet. Dort auf dem Land und in Begleitung von Oskar wird sie (und damit natürlich auch wir) eine hoffentlich ruhigere Nacht verbringen als in den vergangenen Jahren. So der Plan.

 

„Aber hier, wie überhaupt,
kommt es anders, als man glaubt“

 

Das wusste schon Wilhelm Busch. Was gestern Abend bei uns anders kam, das war ein nirgendwo angekündigtes Gewitter mit allem was dazugehört. Vor Gewittern fürchtet sich Angie noch mehr als vor allem anderen, spürt sie schon, wenn sie noch Hunderte von Kilometern entfernt sind, läuft unruhig durchs Haus, hechelt und zittert vor Angst.

So auch gestern. Unser Grautvornix Oskar war zunächst auch etwas verunsichert, weil es ihm nicht gelang, die Hündin zu beruhigen. Dann aber beschloss er, er könne eh' nicht helfen und legte sich ruhig auf seinen Schlafplatz. Den er auch nicht verließ, als das Gewitter am frühen Morgen zurückkam und Angie und Beate stundenlang wach hielt ...

27. Dezember; UNTERWEGS ERLEBT:

 

Abendspaziergang. Mit einem riesigen Satz stürzt sich Oskar auf den Grünstreifen neben dem Fußgängerweg. John vermutet, er hat etwas Fressbares gewittert und ist schon bereit, ihm das Was-immer-es-auch-ist aus dem Maul zu nehmen. Großes Erstaunen, als der Hund dann mit seiner Beute im Maul auftaucht:

ein alter Handschuh, den Oskar voller Finderstolz und Freude durch die Luft schwenkt!

 

Szene vor unserem Lebensmittelladen: eine Frau ist gerade dabei, ihre Einkäufe ins Auto zu packen, als sie von Oskar abgelenkt wird. Der sie mit diesem unvergleichlichen Blick ansieht und jetzt unbedingt gestreichelt werden muss. Sie stellt ihren Einkaufskorb ab und wendet sich dem Kleinen zu. Und Angie? Die nutzt die Gunst der Stunde, um sich über die Schnitzel im Korb herzumachen …

 

Im Wald: ich vermute es schon seit einiger Zeit; in Klein-Oskar steckt ein Wolf! Heute Morgen im Wald bewies er das auf eindrucksvolle Weise, indem er ein Reh jagte und nicht mehr zurückzupfeifen war, selbst die Leckerlis in Johns Taschen waren dem Hund in diesem Moment total egal. Zum Glück war das Reh schlauer und verwirrte den Jäger so, dass John und Angie ihn wieder einfangen konnten.

26. 12. 2011

"ES GIBT TAGE, DA WÜNSCHT‘ ICH ICH WÄR‘ MEIN HUND“ (R. Mey)

 

Im Jahr 2000 erschien in der September-Ausgabe des Reader’s Digest ein Artikel von Dawn Dressler mit dem Titel “Why It's Great to Be a Dog”.

Da mittlerweile einige schlechte und auch falsche Übersetzungen im Netz kursieren, hier das Original:

01. No one expects you to take a bath every day.

02. If it itches, you can scratch it.

03. There's no such thing as bad food.

04. A rawhide bone can entertain you for hours.

05. If you grow hair in weird places, no one notices.

06. You can lie around all day without worrying about being fired.

07. You don't get in trouble for putting your head in a stranger's lap.

08. You're always excited to see the same people.

09. Having big feet is considered an asset.

10. Puppy love can last.

25. Dezember 2011:

 

Ich fasse es nicht! Beate hat tatsächlich für uns gekocht, nur für uns!!! Angie und ich lagen – meistens – ganz brav in der Tür zur Küche und schauten zu, wie die Chefin Kartoffelpüree machte und Rindfleisch. Als Vorspeise gab es Hackfleischbällchen und als Nachtisch diese leckeren Stangen, die uns liebe Freunde geschenkt haben: WAS FÜR EIN FEST!!!

Nach dem Fressen habe ich mich dann auch bedankt bei Beate und John, indem ich ihnen die Arbeit abgenommen habe, eine eh‘ schon ziemlich lockere Kabelschelle aus der Wand zu ziehen. Komisch, so richtig gefreut darüber haben sie sich irgendwie nicht!

Liebe Grüße, Euer Ossi

Heiligabend 2011 und WAHRE FREUNDSCHAFT:


Frühstückszeit. Ich stehe in der Küche und fülle die Schüsseln von den beiden Hunden. Angie liegt im Flur und ist nach dem Morgenspaziergang mit ihrer Pediküre beschäftigt, aber Oskar weicht mir nicht von der Seite und beobachtet wie immer aufmerksam das Geschehen. Plötzlich fällt ihm ein, dass er ja nicht alleine ist, und er läuft zu der Hündin, um sie zum Essen zu rufen. Angie und ich sind begeistert.

 

Leider währte die Freude nicht lange, denn der kleine Ungar verschlang sein Fressen in Windeseile und wollte sich dann auch noch über Angies Napf hermachen …

 

* * * * *

 

Hallo Freunde,

ich bin‘s, der Oskar! Vielleicht kann mir ja einer von Euch sagen, was heute Nachmittag bei uns los war. Sonst kriegen Angie und ich ja noch nicht mal ein paar Reste, wenn Beate und John essen, aber heute haben die doch glatt ein Glas Würstchen geöffnet und nur an uns verfüttert … einfach so!

Könnte sein, dass das morgen so ähnlich weiter geht, denn ich habe beobachtet, dass unsere Zweibeiner ganze Taschen voll Lebensmittel ins Haus gebracht haben. Endlich scheinen die beiden vernünftig zu werden!

Liebe Grüße – und ich freu‘ mich auf morgen

Euer Ossi

 

21. Dezember 2011

 

KLEINE PAUSE - ES SEI DENN, ES PASSIERT ETWAS AUFREGENDES!

20. 12. 2011

wieder einer dieser unvergesslichen Morgenspaziergänge:

Ist wohl Oskars erster Schnee. Vorsichtig versucht er, erst einmal über die schneefreien Stellen zu laufen, frisst dann aber von dem weißen Zeugs und entscheidet, dass es harmlos ist. Später auf der Wiese wird er sich mit Wonne hineinwerfen und darin herumtoben.

 

Aber zuerst muss er Angie und mich noch einmal unsäglich blamieren: bei der ersten Begegnung mit Nachbarshund Benni (der bis jetzt in Urlaub war), tobt Klein-Oskar an der Leine: bellt, knurrt, ist nicht zu beruhigen und will sich aus dem Halsband winden, um den großen Schwarzen auf der anderen Straßenseite zu zerfleischen. Kein idealer Start für eine gute Nachbarschaft …

19. Dezember 2011

Was ist das: es läuft fröhlich-schwanzwedelnd durchs Haus und trägt eine Socke von John im Maul ...?

 

Es ist dasselbe kleine ungarische power pack, das heute Morgen auf der Wiese die doppelt so große Angie als lebenden Oxer benutzt hat.

Dieser Oskar ist ein echtes "Herz mit Paprika“. Den Dackelblick hat er schon lange drauf, aber seit zwei Tagen macht er dabei ohne Aufforderung noch "Sitz!“ und gibt die Pfote. Unwiderstehlich!

* * * * *


Des Weiteren nachzutragen: kleine Pellkartoffeln scheinen (im Gegensatz zu allem anderen Essbaren, das gnadenlos verschlungen wird) richtige Beute zu sein. Und die wird in eine ungestörte Ecke geschleppt, um sie genüsslich zu verzehren.

meine Patenhunde aus Kovalam, Südindien

18. Dezember 2011:

Wie ausgeartet ist hierzulande unser Geschlecht! sagte ein gereister Pudel. In dem fernen Weltteile, welches die Menschen Indien nennen, da, da gibt es noch rechte Hunde; Hunde, meine Brüder – ihr werdet es mir nicht glauben, und doch habe ich es mit meinen Augen gesehen – die auch einen Löwen nicht fürchten und kühn mit ihm anbinden.

Gotthold Ephraim Lessing

(1729 – 1781)

17. Dezember:

Es gibt eine Politikerin mit Namen Helen Thomson, eine Schauspielerin und viele Privatpersonen. Leider konnte ich nicht herausfinden, welche Helen Thomson da meinte:

A well-trained dog will make no attempt to share your lunch. He will just make you feel so guilty that you cannot enjoy it.

 

Mrs. Thomson kennt sich aus:

Ein gut erzogener Hund wird nicht drauf bestehen, dass du die Mahlzeit mit ihm teilst. Er sorgt lediglich dafür, dass dein Gewissen so schlecht ist, dass sie dir nicht mehr schmeckt.


 * * * * *


MORGENS UM ACHT UHR IN DEUTSCHLAND

Oskar steht im Schlafzimmer und würgt, macht Anstalten sich zu übergeben. Mitten auf den Teppichboden. Geistesgegenwärtig schnappt sich John den Kleinen und will ihn ins Badezimmer nebenan schieben, um den Schaden zu begrenzen. Oskar jedoch wehrt sich mit Händen und Füßen, weiß er doch genau: ins Bad darf er nicht rein.

Ja, und anschließend war dann bei uns ein erwachsener Mann zu beobachten, der einen kleinen Hund überschwänglich dafür lobte, dass er ins Bad gekotzt hatte!

16. 12. 2011

Heute wieder einmal eine kleine Zusammenfassung zum Thema

"Dies alles ist Oskar“:

  • Unser Läufer im Flur ist etwa 3 Meter lang. Angie bekommt als Liegefläche davon meist gerade mal 30cm; den Rest beansprucht Klein-Oskar für sich.
  • Nach drei Wochen erlaubt uns Oskar schon ab und zu, Angie zu streicheln ohne dass er sich dazwischen drängt.
  • Oskar glaubt allen Ernstes, dass es schneller geht, wenn er mir vor dem Spaziergang beim Schuhe-Anziehen hilft.
  • Oskar kann nicht kauen und verschlingt selbst Leckerli-Stangen mit einem Happs. Ausnahme: ein Stück Laugenbrezel; da scheint ihm das genüssliche Knatschen sogar Spaß zu machen.
  • Oskar ist ein wunderbarer Vor-Spüler. Nicht nur seinen Napf, sondern auch den von Angie leckt er peinlichst sauber. Auch als Staubsauger für Essbares hat der Hund sich bestens bewährt; ihm entgeht kein Krümel auf dem Fußboden!
  • Oskar hat eine neue Lieblingsbeschäftigung: er demontiert die Aufhänger von Handtüchern!
Oskar an Plüschhund

15. Dezember:

BEIM ZWEITEN HUND WIRD ALLES ANDERS

Die Leine muss farblich nicht mehr zum Halsband passen; du nimmst diejenige, die gerade mal nicht nass oder schmutzig ist.

 

Das Futter wird nicht mehr peinlichst genau abgewogen, sondern mehr nach Gefühl und Erfahrungswerten verabreicht.

 

Deine "bad hair days" sind nicht mehr die Ausnahme, sondern werden zur Regel, der Geruch nach nassem Hund scheint nicht mehr aus dem Auto zu gehen, und wenn du freitags den Flur geputzt hast, ist er spätestens sonntags schon wieder schmutzig.

 

Du lernst loszulassen. Zum Beispiel von stets sauberen Glastüren, von einem Garten in dem weder gebuddelt noch ein Bein am Buchsbaum gehoben wird und von der Vorstellung, dass im Haus alles dort stehen bleibt, wo du es hingestellt hast.

 

Die wichtigste Änderung für mich: ich habe im wahrsten Sinne des Wortes gelernt, den Oskar loszulassen. Zuerst auf dem eingezäunten Hundeplatz, einige Tage später auf einer nicht eingezäunten Wiese und gestern dann im Wald. Reiner Selbsterhaltungstrieb, denn zwei Hunde an zwei Leinen … aber ich möchte mich hier nicht wiederholen.

Das Rückrufen klappte erstaunlich gut und nicht zuletzt deshalb, weil Oskar um das Futter in meiner Jackentasche wusste. Insgesamt eine sehr erfreuliche Erfahrung für alle Beteiligten!

 

Doch mit des Geschickes Mächten … Leider gerieten wir gegen Ende unserer Tour in einen Wolkenbruch mit gepflegtem Graupelschauer. Und bis wir mein Auto auf dem Waldparkplatz erreicht hatten, waren wir alle drei nass bis auf die Knochen. Um genau zu sein: das einzig Trockene an uns war mein Oberkörper. Weil der in einer Jacke mit der berühmten Pfote drauf steckte  ...

14. Dezember:

Vorweihnachtszeit, da bin ich jedes Jahr besonders gebeutelt: Hinz und Kunz klingelt an unserer Haustür, will - angeblich - für Teenie-Mütter sammeln und für straffällige Jugendliche ("Sie kennen mich doch von letztem Jahr“ …???) oder für einen Zirkus ("Nee, mit einer Futterspende können wir nichts anfangen, wir brauchen Bargeld!“), will meine Scheren schleifen, mich als Mitglied für irgendeinen Verein werben oder mir Kram verkaufen, den ich absolut nicht brauche …

Damit ist jetzt Schluss! Oskar hat Angie beigebracht, wie man schon nach dem ersten Ton der Türklingel ganz laut und böse bellen kann … mit dem Erfolg, dass meist niemand mehr vor der Tür steht, wenn ich sie aufmache. Brave Hunde!

 

… und wieder einer dieser entspannten Spaziergänge heute Morgen:

  • Oskar sieht eine Katze und stemmt sich so stark ins Halsband, dass er sich selbst die Luft abschnürt.
  • Oskar kommt am Waldrand auf die blöde Idee, sich in ein Brombeergebüsch zu werfen, und ich darf ihn befreien.
  • Angie bildet sich ein, Oskar beschützen zu müssen und zeigt vor allem Rüden, mit denen sie sich bisher immer verstand, die Zähne und knurrt. Heute Morgen musste der nette Labrador Jagger dran glauben.

... Mistviecher!

13. 12. 2011:

Oskar folgt mir noch immer auf Schritt und Tritt durchs Haus. Aber er hat schon gelernt, ziemlich entspannt liegenzubleiben, wenn ich nicht aus dem Zimmer gehe.

Auch vor der verschlossenen Badezimmertür wartet er brav, bis ich wieder heraus komme. Gut so, da bleibt einer verfolgten Hundemutter wenigstens ein Rückzugsgebiet, wo sie kurzfristig mal allein sein und durchschnaufen kann!

 

Oskar ist solch ein liebenswerter und liebebedürftiger Hund! Spätestens alle 30 bis 50 Minuten kommt er angelaufen und will einfach nur gestreichelt werden. Ein großer Fortschritt; in der ersten Woche waren die Abstände bedeutend kürzer!

 

Und wenn Oskar mit John vom Spaziergang kommt, stürmt er wie ein kleiner Wirbelwind ins Haus, um mich zu suchen und mir zu erzählen, wie aufregend die ganze Sache wieder einmal war und wie schön das Leben ist …

12. 12. 2011:

ANDERE LÄNDER, ANDERE SITTEN

Wenn unser englischer Hund Rex ein schlechtes Gewissen hatte und sich unsicher fühlte, musste er stets niesen; Oskar aus Ungarn kratzt sich bei solchen Gelegenheiten hinterm Ohr.

 

Dank einiger einsatzfreudiger Nachbarn hat er sich übrigens schnell daran gewöhnt, dass Besucher keine Bedrohung darstellen, sondern vielmehr Abwechslung und Freude in den Alltag bringen, scheinen sie doch auch meist zu wissen, wo die Dose mit den Hundekeksen steht! Oskar ist zwar nach wie vor bei Fremden im Haus zurückhaltend-neugierig, aber schon seit dem dritten Besucher hat er nie wieder geknurrt. So viel zum Thema Herdenschutzhund; vgl. 24. November!

Wachsam ist der Kleine trotzdem, lässt meist einen kurzen Beller los und läuft jedes Mal zur Tür, wenn sich jemand dem Haus nähert. Zum Glück wohnen wir am Ende einer Sackgasse …

 

nach dem Morgenspaziergang:

"Gassi gehen“ … was ist das? Unsere Hunde machen mit Freuden ein abenteuerliches Trekking oder eine Schatzsuche daraus. Heute zeigte Angie dem Kleinen, wie man quasi im Vorübergehen eine Maus fängt. Oskar war schwer beeindruckt und brachte ihr im Gegenzug bei, wie man eine Katze anmacht und kräftig an der Leine zerrt …

11. Dezember:

Bereits Cicero (106 v.Chr. - 43 v. Chr.) meinte : 

"Si canem cum bi­blio­the­ca habes, nihil deerit.“

Frei übersetzt: Wer einen Hund und Bücher hat, dem man­gelt es an nichts.

 

Ich erweitere das heute noch um eine Kanne masala chai und einige Weihnachtsplätzchen, zünde die dritte Kerze am Adventskranz an und ziehe mich auf die Couch zum Lesen zurück …

10. Dezember

Hilfe, ich bin ein Futterautomat!

Zu jeder modernen Hundeerziehung gehört seit einigen Jahren das Füttern aus der Hand, das die Bindung zwischen Vier- und Zweibeiner herstellen und festigen soll. Bisher habe ich es aus den verschiedensten Gründen abgelehnt, einen Hund hungern zu lassen und ausschließlich während des Spaziergangs zu füttern.

 

Aber man sollte ja niemals „nie“ sagen, und so konnte man gestern hier in der Siedlung einen Oskar sehen, der mal nicht permanent an der Leine zerrte, sondern sich mehr aufs Futter aus der Hand seiner Begleitperson konzentrierte. Anstrengend, aber wirkungsvoll, sage ich. Mal sehen, ob und wie weit ich diese Technik ausbauen werde …

9. Dezember:

Unser Hund ist gesund! Auf Anraten unseres Tierarztes ließen wir den „Mittelmeercheck“ machen und Oskars Blut u. a. auf Leishmaniose untersuchen. Durchaus keine übertriebene Aktion, denn die nicht vollständig heilbare Krankheit kommt mittlerweile auch schon am Balaton in Ungarn vor.

 

Wie gesund Oskar ist, das bewies das kleine Energiebündel (etwa 17,5 Kilo) wieder einmal auf dem Hundeplatz, wo er Angie (um die 35 Kilo) einfach umrannte und in den Matsch warf. Dieser Hund hat Hummeln im Hintern und Kräfte wie ein Bär! Dafür tut er Angie aber auch ganz gut; sie ist wieder viel lebhafter geworden, seit Oskar unser Rudel aufmischt.

Aber keine Rose ohne Dornen: Angie hat leider auch ein paar Kilos zugelegt, seit der Kleine im Haus ist, denn sie bekommt jetzt mehr Leckerlis als sonst (sie soll ja nicht eifersüchtig werden!), und ihre Schüssel frisst sie im Gegensatz zu früher jetzt auch immer leer (der gute, alte Futterneid!). Also habe ich die Hündin etwas auf Diät gesetzt. Mit Angies traurigen, dunklen Kajal-Augen werde ich in nächster Zeit wohl leben müssen, aber dafür wird sie dann z. B. auch weniger Mühe haben, in mein Auto zu springen. Das leider eine echt hohe Ladekante hat …

8. Dezember:

Was ist das? Es wirkt oft müde oder gehetzt, hat schwarze Augenringe und raue Hände mit vielen kleinen Schnittwunden? Es fällt mittags in einen komaähnlichen, kurzen Schlaf, spricht fast nur noch über Hunde – und wenn es regnet, dann ist es in der Öffentlichkeit meist in alten Hosen zu sehen, mit Gummistiefeln und Base Cap.

 

... kein Wunder, dass ich momentan so geschafft bin, habe ich doch eigentlich drei Hunde: eine Angie, einen Drinnen-Oskar (der zwar alles untersucht und einiges anknabbert und mich keinen Schritt allein machen lässt, der aber ansonsten sehr gut gehorcht und nur lieb ist) – und einen Draußen-Oskar. Das ist der Hund, an dem ein Hochspringer (!) und Marathonläufer verloren gegangen ist. Ein Hund, der stets seinen Kopf durchsetzen will, überhaupt nicht hört, kraftvoll an der Leine zerrt und nicht schnell genug zum nächsten Abenteuer kommt.

7. Dezember 2011:

Wieder eine ziemlich schlaflose Nacht. Die nächtlichen Geräusche von Oskar kenne ich noch nicht, bin bei jedem hellwach: geht's ihm gut? was stellt er jetzt wieder an? er wird doch nicht ...?

 

Oskar profiliert sich seit zwei Tagen als Lederfetischist und schleppt klammheimlich Johns Schuhe durchs Haus; einen Freizeitschuh hat er dabei auch schon mit fleißigen Zähnchen umgestylt. Gestern Abend schnappte er sich einen der frisch ausgezogenen Büroschuhe und legte ihn vorsorglich neben seinen Schlafplatz um ihn später in Ruhe bearbeiten zu können, und heute Morgen erwischte ich Oskar schon wieder mit einem Objekt seiner Begierde. Und Angie liegt einen Meter daneben und sagt nichts!

 

Stunden später: habe dem Oskar ein wunderbares Kau-Spielzeug aus unserem Zoofachgeschäft mitgebracht; einen Schuh aus Rinderhaut. Ich kenne Hunde, die kauen und knatschen voller Freude tagelang auf so etwas herum; andere wie z. B. Angie finden es nur langweilig. Unser Oskar ist da ganz anders drauf: er zerlegte das Teil im Nullkommanichts – und verspeiste es dann komplett in weniger als 45 Minuten. So war das eigentlich nicht gedacht …

 

"Freude an einem Hund haben Sie erst, wenn Sie nicht versuchen, aus ihm einen halben Menschen zu machen. Ziehen Sie stattdessen doch einmal die Möglichkeit in Betracht, selbst zu einem halben Hund zu werden."
Edward Hoagland (* 21. 12. 1932)

Hilfe! Mein Vokabular reduziert sich zweimal täglich auf vier Wörter: „Oskar, warte! Angie, komm!“ ... alternativ: „Oskar, Stopp! Angie, lauf!“

Nikolaustag 2011:

Zum ersten Mal seit über dreißig Jahren kam der Nikolaus weder zu John noch zu mir: ein gefüllter Stiefel und Oskar in einem Haus … das geht gar nicht!

 

Aber dafür kann der Hund jetzt auf Kommando sitzen. Allerdings nur auf einem Teppich; auf Fliesen oder gar draußen scheint das irgendwie (noch) nicht möglich zu sein! Und sollte ich jemals vergessen, in welchem Schrank wir die Hundekekse aufbewahren, Oskar wird es mir zeigen; schon jetzt stellt er sich nach jedem Spaziergang davor und fordert seine "Belohnung“!

 

Noch nachzutragen: gestern erwähnte ich kurz die Tierschutzorganisationen, die Hunde aus dem europäischen Ausland holen und hier vermitteln. Zur Abrundung des Bildes möchte ich hier noch einmal auf meinen Artikel über Straßenhunde hinweisen. Zum Lesen bitte das Foto anklicken!

 

LEBEN AUF DER STRASSE

5. Dezember:

Letztes Wochenende haben wir endlich auch den Pass von Oskar erhalten. Demnach wurde er erst hier in Deutschland geimpft und gechipt. Ich frage mich jetzt: wie hat die Tierschutzorganisation ihn (gemeinsam mit einigen anderen Hunden) ohne Impfungen und Papiere über zwei Grenzen gebracht …? In manchen dieser Vereine geht es offensichtlich ziemlich chaotisch zu, und ich habe kein gutes Gefühl dabei, das auch noch zu unterstützen. Aber was hätten wir tun sollen? Oskar nicht übernehmen, nachdem er nun schon seit acht Monaten in Deutschland auf Warteposition saß …? Jetzt gehört er zu uns und bereichert unser Leben, dieser laut Pass „Setter-Boxer Mix“.

 

Oskar selbst ist froh, endlich sein Rudel gefunden zu haben, und wenn morgens um 5.40 Uhr der Wecker klingelt, und ich im Halbschlaf in der Küche den ersten Kaffee braue, dann steht er schon hellwach neben mir und freut sich auf einen neuen, spannenden Tag.

* * * * *

Endlich habe ich auch eine Vorstellung davon, welch‘ körperliche Hochleistung Ben Hur bei seinem legendären Wagenrennen erbracht hat. Obwohl ich heute Morgen nur zwei statt vier Zugpferde an den Leinen vor mir hatte und auch keinen Streitwagen unter mir.

Highlight dabei: ein Oskar, der versucht, unterm Maschendrahtzaun hindurch zu Nachbars Ziegen zu kommen, wobei ich mich mit der Leine irgendwie am Ringfinger verletze (und das Blut rinnt!), gleichzeitig an der anderen Leine eine Angie, die da steht und sich übergeben muss … da kommt Freude auf!

Täter und Opfer

04. 12. 2011:

Oskars Lösung

Im Großen und Ganzen sind John und ich uns in Hundeerziehungsfragen einig. Nur bei Leinen gehen unsere Meinungen ziemlich auseinander. So finde ich z. B. Flexi-Leinen (diese Teile mit der dünnen, sich selbständig aufrollenden Kordel) zwar praktisch, aber ziemlich gefährlich. Vor allem nachts, wenn man die Kordel so gut wie nicht sehen kann - und ganz speziell dann, wenn man bei zwei Hunden zwei dieser Leinen gleichzeitig einsetzt. Wie schnell können die Vierbeiner allein durch Herumlaufen ein Makramee aus den Schnüren knüpfen, sich darin verheddern und verletzen!

 

John sieht das anders, kaufte gestern auch für Oskar eine Flexi-Leine und benutzte sie erstmals beim verregneten Mittagsspaziergang. Anschließend wurden die Leinen wie immer im Flur getrocknet. Große Überraschung dann beim Aufbruch zum Abendspaziergang: in einem unbewachten Moment hatte Oskar seine neue Flexi-Leine eben mal zerbissen und damit unbrauchbar gemacht …

 

Ich bin überzeugt,
dass Hunde im Grunde denken,
die Menschen seien verrückt.

John Steinbeck (1902 – 1968)

3. Dezember 2011:

Zwei Wochen mit Oskar. Das bedeutet zwei Wochen voller Aufregung und Abenteuer. Zwei Wochen voller Zweifel und Sorgen, aber auch zwei Wochen voller Freude und Glück ...

 

Und es bedeutet für mich persönlich total raue Hände: ständig will ein kleiner Hund gestreichelt werden oder leckt mir die Hände ab (obwohl … diese Liebesbezeugung konnte ich ihm größtenteils schon abgewöhnen), und ständig muss ich mir daher die Hände waschen. In Zusammenhang mit einem schnellen, oberflächlichen Abtrocknen und mit fehlendem Eincremen nach dem Waschen eine ideale Möglichkeit, sich von gepflegten Händen zu verabschieden. Das muss besser werden!

 

2. Dezember 2011:

 

HOME SWEET HOME

 


1. Dezember 2011:

Ich Rabenmutter bringe heute Nachmittag die beiden Hunde für eine Nacht in die Pension - nur, damit John und ich zu einem Konzert nach Köln fahren können.

 

Ist vielleicht aber auch ganz gut so. Dann lernt auch Oskar, dass wir ihn immer wieder von dort abholen. Denn so sehr ich unsere Hunde mag: ich habe nicht vor, mich zum Sklaven der Vierbeiner zu machen, und ab jetzt auf mein liebstes Hobby zu verzichten: das Reisen.

 

* * * * *

 

Geschichten, die das Leben schreibt:

für heute Morgen war Besucher Nummer drei angesagt. Um 9 Uhr sollte unsere Heizung gewartet werden, und vorsorglich hatte ich mit dem alten Meister das "Problem“ Oskar besprochen. Er war vorbereitet und sah das alles ganz cool.

 

Ich gehe also extra früh mit den Hunden raus, damit sie abgefüttert und etwas ruhiger sind, wenn der Heizungsmonteur kommt … und was passiert? Als ich um 8.30 Uhr (mit zwei zu allem Überfluss auch noch nassen Hunden) vor unserem Haus ankomme, steht da auch schon das Auto der Firma – und darin zwei junge Monteure. Die von Hunden Null Ahnung haben. Da war Improvisieren angesagt, und das von einer ziemlich nervösen Hundebesitzerin.

 

Richtige Entspannung brachte dann Angie, die sich demonstrativ ruhig in den Flur legte und die Jungs an sich vorbeiließ. Da war auch von Oskar weder ein Bellen noch ein Knurren zu hören. BRAVER HUND!!!

Ich hoffe, unser Neuer hat’s kapiert und blieb nicht nur deshalb so ruhig, weil wir die Besucher schon auf der Straße kennenlernten und weil der Keller (noch) nicht zu seinem Territorium gehört ...