Sein Name lautet nicht länger "wilder Hund", sondern "bester Freund".
Denn er wird unser Freund sein. Für immer und immer und immer. 

Rudyard Kipling (1865 - 1936)


Oskars Blog (5)

Oskar und der Trichter (Handy-Foto)

 

                                                                                         Teil 6

29. März

 

Ich sitze auf der Treppe im Flur, um meine Schuhe anzuziehen. Angie weiß, dass die ganzen Vorbereitungen für unseren Spaziergang noch dauern können und liegt entspannt zu meinen Füßen.

Nicht so Oskar: der weiß überhaupt nicht, wohin mit seiner Freude und Aufgeregtheit, er rennt herum, rempelt die Garderobe an, zerrt an Schnürsenkeln, stolpert über Schuhe und trampelt auf Angie herum. Im Vorbeigehen schleckt er mir mal kurz über die Brille ("NEIN!!!") und klettert anschließend auf der Treppe hinter mich, um mir am Rücken zu knabbern, in die Haare zu prusten oder mir seine eiskalte, nasse Nase ins Genick zu stecken ("Osssskaaaaaaaaaaa!!!") … dreimal täglich!

28. März 2012

 

Oskar hat in vier Monaten schon mehr kaputt gemacht als seine drei Vorgänger zusammen in 17 Jahren.

Habe mir den jungen Mann mal vorgeknöpft und ihm erklärt, dass ich ihn in seine ungarische Heimat zurückbringen werde, wenn das nicht bald aufhört.

Oskar schien davon Null beeindruckt; er glaubt mir einfach nicht ...

24. /25. März 2012:


Ein wunderbares, sonniges Wochenende; die Tür zum Garten steht ganztags offen. Angie liegt auf der Terrasse und döst, John schaut seine Sportschau und ich lese. Nur Oskar kommt nicht zur Ruhe. Läuft rein, läuft raus. Läuft hierhin und dorthin. Schleppt seinen Dino vom Wohnzimmer in den Garten. Und wieder zurück. Kontrolliert im Zehnminutentakt die Wühlmäuse, hält die Kois in Schach. Dann wieder von vorne … ein Ritual, das nur er versteht. Wenn überhaupt!

 

Auch bei der Gartenarbeit ist der Hund nicht sinnvoll einzusetzen: hat seine Nase immer dort, wo ich gerade verwelkte Stängel abschneiden will, verschleppt herumliegende Tannenzapfen und zerfetzt eine schon länger vermisste Gießkannentülle, die er irgendwo gefunden hat.

 

Und das alles, nachdem er morgens auf der Hundewiese ein ganzes Windhund-Rudel in Grund und Boden gelaufen hat; dieses Tier ist nicht zu bremsen!

 

* * * * *

 

Zu Dino ist noch nachzutragen, dass der arme Kerl schwer gealtert ist: fast alle Krallen wurden ihm gezogen, ihm fehlt ein Auge, und seine Schwanzspitze ist auch schon abgebissen …

 

Tina schrieb dazu:

" ... jetzt wissen wir endlich,warum die dinosaurier ausgestorben

sind: sie waren nicht oskar-resistent ;-)) "

22. März 2012:

Oskar ist ein passionierter Jäger: mehrmals täglich stürzt er sich voller Energie auf seinen Dino und erlegt ihn mit einem beherzten Biss ins Genick oder in die Kehle, um das arme Plüschtier anschließend so wild zu schütteln, dass diesem Hören und Sehen vergeht. Wenn der Saurier dann endlich Ruhe gibt, trägt Klein-Oskar die Beute voller Stolz durch die Wohnung oder wirft sie mir großzügig vor die Füße.

Als Angler ist der Hund allerdings weniger geeignet: unsere Kois, die an den Teichrand geschwommen kommen und hungrig das Maul aufreißen, sind ihm ausgesprochen suspekt. Oskar zieht es vor, sie aus sicherer Entfernung zu beobachten. Noch …

21. März: Oskar und sein neuer Freund Dino

... keine fünf Minuten später war Dino kaum wiederzuerkennen: komplett eingespeichelt, in den Garten getragen und durch ein Beet gezogen war aus dem lindgrünen Plüschtier ein schmutziges, kleines Etwas geworden. Oskar fand das prima!

20. März 2012:

 

Zur Feier des heutigen Tages (Frühlingsanfang und Sonnenschein!) kleiner Stadtbummel mit Oskar. Aber nicht nur durch den Park, sondern zum ersten Mal auch in die Sparkasse, in den Blumenladen und zu meinem Friseur. Oskar benahm sich tadellos, aber im Haarsalon schien es dem kleinen Charmeur am besten zu gefallen: die Mädels rissen sich um ihn, und er ließ sich ausgiebig hofieren und streicheln …

Wie der amerikanische Humorist und Autor Corey Ford (1902 - 1969) schon sagte:

"Gut abgerichtet kann der Mensch der beste Freund eines Hundes sein."

19. März


Wie bereits berichtet, rannte Oskar Anfang Januar gegen die (ausnahmsweise einmal geschlossene) Glastür zwischen Wohnzimmer und Flur und traute diesem Durchgang danach nicht mehr, sondern nahm lieber den Umweg über die Küche.

 

Seit einigen Tagen hat sich das geändert: Oskar läuft wieder durch die offenstehende Tür. Aber nur vom Flur ins Wohnzimmer, denn er ist sich noch nicht sicher, ob das auch in der umgekehrten Richtung funktioniert …

 

Nachtrag:

 

So ein Quatsch! Eben habe ich bewiesen, dass ich ein mutiger Draufgänger bin: erst habe ich dem Plüschhund den Kopf abgerissen, und dann fühlte ich mich stark genug, durch diese blöde Tür zu gehen. In beide Richtungen!

Oskar der Schreckliche

 

Zur richtigen Selbsteinschätzung sollte jeder einen Hund haben,

der ihn anbetet, und eine Katze, die ihn ignoriert.

Dereke Bruce



17. März 2012: "Oh what a beautiful morning ..."

 

Ich habe Geburtstag! Um 5.40 Uhr ist es draußen noch dämmrig und mein Rudel schläft noch, aber die ersten Vögel singen mir schon ein Geburtstagsständchen. Der Early Morning Coffee dampft in meiner Lieblingstasse, und ich sitze vor der geöffneten Terrassentür, lese meine Post und packe Päckchen aus … so muss ein perfekter Tag anfangen!

Mein schönstes Geschenk bekam ich allerdings schon gestern:

ich liege auf der Couch und stöhne, weil ich Schmerzen habe. Oskar hört das, kommt zu mir und schaut mich mit diesem Blick an, der da heißt: "Kann ich dir helfen? Streichle mich, dann geht es dir bestimmt bald besser!" Dann gibt er mir die Pfote und legt ganz sanft seinen Kopf auf meinen Bauch …

Danke, Oskar!

Nachts, wenn die Arbeit getan war,

saßen die Hunde um das Feuer und

sprachen vom Menschen.

Sie erzählten die uralten Geschichten

Und wiederholten die uralten Legenden,

und darin war der Mensch ein Gott.

Und es war besser so.

Denn ein Gott kann nichts Falsches tun.

 

aus Clifford D. Simak (1904-1988): "Als es noch Menschen gab"

Freitag / 16. März:

 

Kurze Nacht mit einem Oskar, der ziemlich ausgeschlafen und rastlos mit seiner starren Halskrause durch das Haus und immer wieder am Bett vorbei schrammte.

 

Dabei lernte er noch gestern Abend, ziemlich geschickt mit dem Trichter umzugehen; er fand sogar ohne unsere Hilfe heraus, wie man mit dem Teil aus der Wasserschüssel trinken und Krümel vom Boden auflecken kann.

 

Ich habe den Ungarn schwer im Verdacht, dass er sich teilweise ganz bewusst so ungeschickt anstellt, um an unser Mitgefühl zu appellieren und dazu zu bewegen, ihm das lästige Ding abzunehmen. Denn er ist nicht nur pfiffig, sondern wie so viele Hunde wohl auch ein großartiger Schauspieler!

 

Nachtrag:

unser kleiner Schauspieler war eben zur Nachuntersuchung. Der Doc ist sehr zufrieden mit dem Patienten und hat ihm wieder alles erlaubt. Das Wochenende kann kommen!

15. März

Oskar hat seine Kastration ganz gut überstanden!!! Nach dem Aufwachen knurrte er erst einmal den Tierarzt an, und zu Hause angekommen musste er noch vor dem Aussteigen schnell den Belohnungs-Keks vom Doc in meinem Auto herauswürgen.

 

Jetzt, fünf Stunden nach der OP ist er irgendwie noch immer etwas daneben. Da ich ihn auf Dauer nicht davon abhalten konnte, an der Wunde zu lecken, muss er jetzt auch einen "Plastik-Trichter" tragen. Im Gegensatz zu Angie jedoch kommt Oskar überhaupt nicht damit klar, eckt überall an und wirft alles um.

Natürlich versucht er permanent, das unangenehme Ding auszuziehen. Ich befürchte, über kurz oder lang wird ihm das auch gelingen, denn seine Technik ist gut ...

 

Deshalb jetzt auch nur noch schnell ein gehetztes Dankeschön an alle, die sich mit uns gesorgt haben!

Krankenschwester Beate; genau so geschafft wie der Hund.

14. März

 

Oskar kann mittlerweile auch auf Kommando Pfote geben! Aber wenn der Hund sofort an seine Belohnungs-Kekse will, dann hört er erst gar nicht auf unsere Kommandos, sondern probiert schnell hintereinander sämtliche Stellungen durch, die er bis jetzt gelernt hat und die irgendwie passen könnten: "Sitz!", "Platz!" und "Pfote!" Und wenn es mit dem Keks ganz besonders schnell gehen muss, dann gibt Oskar sogar zwei Pfoten. Gleichzeitig.

 

Für Fressen tut der Kleine wirklich alles, und er hat noch immer permanent Hunger. Bin schon gespannt, wie wir alle die nächste Herausforderung meistern werden: morgen früh um 11.15 Uhr ist Oskar zur OP angemeldet. Das bedeutet, dass er heute ab 17.30 Uhr nichts mehr fressen darf … wie soll ich ihm das nur erklären?

 

Um ein Problem weniger zu haben, bringe ich Angie heute Nachmittag in die Hundepension, da kann ich mich ganz alleine um Oskar kümmern. Vor allem morgen, wenn er die OP hoffentlich gut überstanden hat. Und dafür dürfen jetzt

alle Freunde Oskars mal ganz fest die Daumen drücken!!!

Hunde sind nicht unser ganzes Leben, 
aber sie machen unser Leben ganz.

Roger A. Caras (1928 – 2001)

12. März 2012:

 

Total interessantes aber ziemlich widerspenstiges Ding, solch ein Karton, in dem nur noch ein Keks ist. Er rappelt geheimnisvoll und riecht so verführerisch, da will man natürlich sofort an die Beute darin.


Ging aber nicht, denn diese dumme Schachtel rutschte mir heute Morgen auf dem glatten Fliesenboden immer wieder weg. Also trug ich sie ins Wohnzimmer. Auf dem Teppich ging’s schon etwas besser, aber als ich das Teil erst mal in der Couchecke eingeklemmt hatte, konnte es mir nicht mehr entkommen, und ich zerfetzte es ohne Rücksicht auf Verluste. Belohnung: ein Keks.

Ja, Freunde: mühsam ernährt sich das Eichhörnchen!

Euer Oskar

10. März 2012

 

Das zärtlichste Wesen auf der ganzen Welt ist ein nasser Hund.

Ambrose Bierce (1842 – 1914)

 

Bierce, den Zeitgenossen "the wickedest man of San Francisco" nannten, und der bei uns hauptsächlich bekannt wurde mit seinen geistreich-zynischen Definitionen in "The Devil’s Dictionary" hatte Recht. Ich spreche da aus Erfahrung!!!

9. März 2012: Zwei Seelen wohnen, ach! in seiner Brust

 

Auf der einen Seite ist er ein unbekümmerter und stürmischer Junghund - und auf der anderen Seite ein alter Grantler. Der manchmal aus uns unerfindlichen Gründen plötzlich aufspringt und unter unmutigen Lautäußerungen herumläuft ... man MUSS ihn einfach gern haben!!!

6. März 2012:


Oskar wird trotz aller Maßnahmen immer dünner; heute Morgen brachte er gerade mal 16,5 Kilos auf die Waage beim Tierarzt.

 

Der Kleine ist aber auch zu hektisch! Auf unseren Spaziergängen steht er nur unter Strom und stürzt sich auf alles, was da am Wegrand ist – und sei es eine Brombeerhecke. Seine Schnauze ist mittlerweile übersät mit kleinen Narben, aber Oskar macht sich nichts draus. Ich bin froh, dass das Tier ein Fell hat und ich die unzähligen blauen Flecken nicht sehen muss, die garantiert darunter sind: ständig stößt unser hibbeliger Ungar sich an etwas; heute z. B. rempelte er Nachbars Briefkasten an und einen unserer Küchenschränke.

 

Irgendwie ist der Hund permanent unter Stress. Nur wenn er in meiner Nähe liegen kann während ich am Schreibtisch oder auf der Couch sitze, entspannt er einigermaßen. Sobald ich mich jedoch bewege (was ja ab und an mal unvermeidbar ist *grins*) oder wenn ein Geräusch auf der Straße seine Aufmerksamkeit erregt, dann ist er sofort auf den Beinen.

 

Heute Morgen bekam Oskar seine jährlichen Impfungen, und der kleine Draufgänger ertrug alles, ohne mit der Wimper zu zucken, forderte anschließend jedoch mit Nachdruck seine Belohnungs-Kekse.

Gemeinsam mit dem Tierarzt habe ich auch heute Morgen beschlossen, den Oskar möglichst bald kastrieren zu lassen. Wir hoffen, dass er dann vielleicht ja etwas ruhiger wird ...