Der Hund braucht sein Hundeleben. Er will zwar keine Flöhe haben,

aber die Möglichkeit, sie zu bekommen.
Robert Lembke (1913 - 1989)



* * * * *

 

Der größte Schauspieler der Welt ist mein Hund.

Wenn er Hunger hat, tut er so, als ob er mich liebt.

Marlon Brando (1924 - 2004)



Oskars Blog

19. November 2011:

Seit heute verstärkt OSKAR unser Rudel (zwei Menschen und die etwa 8 Jahre alte griechische Hündin Angie).

Oskar ist etwas über ein Jahr alt und kommt aus einer ungarischen Tötungsstation. Hier in Deutschland lebte er in der Tierpension, in der wir auch Angie ab und zu unterbringen.

Oskar dort sehen und mich Hals über Kopf in ihn verlieben waren eins ...

Oskar mit John

Unser erster gemeinsamer Waldspaziergang - aufgenommen mit der Handy-Kamera.

Oskar ist ein wunderbarer kleiner Kerl, neugierig und ständig in Aktion; das beste Fitness-Gerät, das ich je hatte!

Und er lernt schnell. Also bin ich guten Mutes, dass er bald keine Fäden mehr aus unseren Teppichen ziehen wird und auch nicht mehr versucht, das Plastikspielzeug aufzufressen.

20. November 2011:

Wenn Neugier ein Zeichen von Intelligenz ist, dann ist Oskar eine Intelligenzbestie. Er muss wirklich ALLES untersuchen, und wenn sich einer von uns dreien auch nur bewegt, springt er auf und ist schon da. Mit diesem unglaublichen

"Was-gibt's-Interessantes?-Und-was-soll-ich-dabei-tun?-Blick".

Oskar (bis gestern Jack) hört schon auf seinen neuen Namen; der scheint die richtige Wahl gewesen zu sein!

Angie und Oskar

"Humor ist der Schwimmgürtel

auf dem Strom des Lebens“

(Wilhelm Raabe, 1831 - 1910)

 

21. November 2011:

Er hat den Obstkorb ausgeräumt und mit leeren Wasserflaschen gekegelt.

Er braucht permanent menschliche oder tierische Nähe, und er hat quasi nebenbei schon seine ersten fünf Wörter gelernt:

"nein", "komm", "bleib", "stop" und "lauf".

Wobei ich das letzte Wort selten benutzen muss; dieses ungarische Power Paket wäre ein guter Schlittenhund geworden!

22. November 2011:

Oskar lässt sich gnädig ins Auto heben, denn ein Hochsprungtalent scheint er nicht zu sein. Dafür aber springt er weit. Wenn er seine Formel1-Runden durch unseren Garten dreht und die letzte Ecke mit einem kühnen Weitsprung über den Teich abkürzt, stockt mir jedes Mal der Atem.

erstes "Rudelliegen"

23. November 2011:

Während ich gestern einkaufen war, hat Oskar ein Muster ins Leder unserer Sitzgarnitur gekratzt. Hat sich also schon gelohnt, die alte noch ein bisschen zu behalten.

 

Nahezu schlaflose Nacht; John hat seinen vorübergehenden Schlafplatz auf der Sitzgarnitur im Wohnzimmer aufgegeben, und zum ersten Mal schlafen die beiden Hunde alleine im Parterre. Die Tür zum Schlafzimmer bleibt ausnahmsweise zu, denn ich möchte nicht spätestens alle 30 Minuten von einem kleinen Hund geweckt werden, der mir die Füße ableckt und gestreichelt werden will. Also steht dieser Hund spätestens alle 30 Minuten vor der Schlafzimmertür und fiept. Möchte sein Rudel zusammen haben.

Mindestens einmal habe ich wohl das Fiepen falsch interpretiert; der Beweis war heute Morgen auf dem Perser zu sehen: ein kleines und ein großes Geschäft von Oskar. Die Angst vor dem „Alleinsein“ muss seine Darmtätigkeit enorm beschleunigt haben ...

Unser Fehler, dass wir uns dagegen entschieden haben, die Teppiche für die erste Zeit mit Oskar zusammenzurollen.

 

... Stunden später:

ich habe ja solch einen braven Oskar! Meist sind wir drei beim Spaziergang ein Dreamteam: Oskar zieht, Angie trödelt ... und ich in der Mitte mit Armen, die immer länger werden. Mittlerweile weiß der halbe Ort auch schon, dass wir noch üben :-))

Heute Morgen jedoch wartete Oskar geduldig, bis Angie alle ihre Geschäfte inkl. Grasfressen erledigt hatte, um dann ohne zu zerren mit uns weiterzulaufen:

Guter Hund!

Kleine, ketzerische Gedanken am Rande:

Die meisten von uns haben wahrscheinlich schon Bekanntschaft gemacht mit der modernen "Mutter-Kind-Hysterie". Seit geraumer Zeit beobachte ich diese Hysterie in unserer Stadt auch schon bei einigen Hundemüttern: da giltst Du als asozial, wenn Du die Tiere nicht ständig mental förderst und forderst und nicht Dein ganzes Leben umkrempelst für Agility und Fly Ball, für Dog Dancing, Mantrailing und was-weiß-ich-alles.

Muss ich dazu noch sagen, dass gerade diese armen überforderten Hunde im Laufe der Zeit mit anderen Hunden total inkompatibel werden und nicht mehr hier in der Umgebung spazieren geführt werden (können)?

Und wieder haben die Hunde-Übermütter eine neue Aufgabe: dreimal täglich packen sie ihre Vierbeiner ins hundgerecht umgebaute Auto, nur um mit ihnen irgendwo "aufs Klo" zu fahren, wo keine anderen Hunde sind … also, da bin ich lieber asozial!

24. November 2011:

Oskar kann bellen! Als John gestern Abend beim Nachhausekommen den Schlüssel im Schloss der Haustür bewegte, stürzte der Hund heftig Laut gebend die Treppe herunter und auf die Tür zu. Ob er sich jetzt als Wachhund profilieren will, oder ob das sein neues Begrüßungsbellen ist, das hat uns Oskar allerdings noch nicht verraten.

 

Er hat sich jetzt auch entschieden, mit uns im Schlafzimmer im ersten Stock zu nächtigen und uns dabei nicht zu häufig zu wecken. Da Angie weiterhin das Parterre vorzieht, hatten wir somit alle eine erste relativ entspannte Nacht.

Spielzeug-Bearbeitung

Vor zwei Tagen hat Oskar auch bewiesen, dass er spielen (genauer: mit Menschen spielen) kann. Er zeigt sogar schon erstes Apportierverhalten und wirft mir ohne Aufforderung fröhlich sein gefundenes Spielzeug vor die Füße.

Große Ausdauer hat er dabei zum Glück jedoch nicht, denn ich habe weder Zeit noch Lust, jetzt ganztägig den Hunde-Bespaßer zu geben (vgl. oben).

 

Ein Chamäleon kann mit den Augen rundum sehen, und ich muss jetzt lernen, mit den Ohren rundum zu hören.

Während ich obige Zeilen schrieb („Morgens um sieben ist die Welt noch in Ordnung“ …? Hat sich was!) versuchte Oskar Teppichfransen zu fressen.

Lieb ist er ja, der Kleine: nach meiner Standpauke entschuldigte er sich, indem er mir ganz sanft die Pfote hin hielt. Sein Beschwichtigungsritual.

Gehorsam ist er auch. Ich bin sicher, dass er die Fransen jetzt für immer in Ruhe lassen wird.

Und er ist einfallsreich: keine fünf Minuten später knabberte er an meiner Handtasche. Fand er alles interessanter als sein Spielzeug; das kennt er ja schon!

HILFE! ich wollte keinen Welpen haben, und nun habe ich einen Junghund, der sein ganzes verpasstes Welpenleben bei uns nachholt!



Kleiner Super-GAU heute Nachmittag:

Oskar ließ unseren ersten Besucher (eine erfolgreiche Hundetrainerin) nur unter Protest (Bellen, Knurren ...) ins Haus, zeigte gleichzeitig aber auch Zeichen von Angst. Und obwohl Frau P. Vertrauen aufbaute, ihn aus der Hand fütterte und Oskar sich beim anschließenden gemeinsamen Spaziergang etwas entspannte, gab's nach Rückkehr genau das gleiche Bild: dieser Hund verteidigt laut Trainerin sein neues Zuhause und offensichtlich auch mich gegen vermutliche Eindringlinge!

Frau P. vermutet nun, dass in Oskar ein Herdenschutzhund steckt. Wenn DAS stimmt, dann liegt ein Riesenberg von Trainings-Arbeit hauptsächlich vor mir ...

25. November 2011:

Nach einer ziemlich schlaflosen Nacht, und nachdem mich heute Morgen auch noch eine Nachbarin ganz wuschig gemacht hat mit ihrer "Experten-Meinung" in Bezug auf Herdenschutzhunde, habe ich beschlossen, mich nicht mehr ins Bockshorn jagen zu lassen. 

Ich höre nur noch auf Leute, denen ich voll vertraue, wie z. B. auf unseren langjährigen Tierarzt, Doc Schmid aus Ratingen und sein Team. 

Und auf Leute, die statt viel Theorie und Übungen ihr Herz sprechen lassen und sich auf ihr Bauchgefühl verlassen. Wie eine Bekannte aus Düsseldorf, die uns heute besucht hat. Oskar entspannte schon nach relativ kurzer Zeit zusehends und knurrte so gut wie gar nicht mehr ...

 

Wir alle denken, das wird schon mit Oskar. Er soll erst einmal ankommen in der neuen Umgebung, und wenn dann auch noch sein "Frauchen" (ich hasse dieses Wort!) ruhiger und geduldiger wird, dann steht einem entspannten Zusammenleben nichts mehr im Weg.

Der Wunsch, einen Hund zu halten, entspringt einem uralten Grundmotiv - nämlich der Sehnsucht des Kulturmenschen nach dem verlorenen Paradies.
Konrad Lorenz (1903 – 1989)



26. Nov 2011

Eine Woche ist Oskar nun bei uns; genug Grund für eine erste Liste "Dies alles ist Oskar":

 

Oskar war nur am ersten Tag in der fremden Umgebung schüchtern. Seitdem versucht er sich mit wachsendem Erfolg in der Rolle des kleinen Halbstarken.

 

Oskar kann nicht sitzen und selten still liegen. Aber er kann im Stehen einschlafen, wenn man ihn streichelt.

 

Oskar kennt sich bestens aus in unserem Haushalt und in den Schränken; er weiß genau, wo John die Lebensmittel verstaut hat und ich die Wäsche.

 

Oskar nimmt auch draußen alles in den Mund. Und wenn ich schreibe „alles“, dann meine ich auch alles!

 

Oskar wird wahrscheinlich nie ein Fotomodell, dafür ist er viel zu quirlig und zu interessiert an dem Ding, mit dem die Bilder gemacht werden.

 

Oskar liebt Angie und schleckt ihr mehrmals täglich übers Gesicht (igitt!), Oskar ist aber auch ein kleiner Grobmotoriker und rempelt Angie oft im Vorbeigehen an. Und wenn Oskar sich arg freut, dann muss Angie damit rechnen, dass sie mal eben mit kleinen scharfen Zähnchen, aber liebevoll ins Ohr gekniffen wird.

 

Oskar spielt gerne Staubsauger; er atmet nicht nur sein Trockenfutter ein, sondern auch alles einigermaßen Essbare auf dem Boden. Egal, ob im Haus oder draußen beim Spaziergang.

 

Oskar kann wunderbar im Weg stehen, im Weg liegen und in den Weg laufen.

 

Oskar ist unglaublich schnell ein idealer Bürohund geworden. Zum Relaxen braucht er nur ein Plätzchen neben dem Schreibtisch, mein Geklapper auf der Tastatur – und vielleicht noch leise Musik im Radio.

27. November 2011; ERSTER ADVENT:

Der folgende Beitrag (aus dem world wide web; Verfasser unbekannt) ist Oskars und mein kleines Geschenk zum heutigen Feiertag.


Ein Problem, neun Lösungen.

Wenn ein Hund eine Glühbirne auswechseln müsste, würde er sagen:
Husky:

Der Tag ist schön, die Sonne scheint, wir haben das ganze Leben noch
vor uns. Und du bist drinnen und ärgerst dich über eine kaputte Glühbirne?

Border Collie:

Ich werde gleich die Leitung überprüfen und das Haus neu verkabeln!

Shi-Tzu:

Au-weia, Liebling. Kann das nicht das Personal machen?

Labrador:

Ich? Echt? Ich? Ich darf das tun? Biiiitttteee! Darf ich? Jetzt gleich?

Dackel:

Wer kommt schon an so eine blöde Glühbirne ran...?

Australian Shepard:

Treibt alle Birnen in einem kleinen Kreis zusammen!

Beagle:

Das Ding, das ich gefressen habe war eine Glühbirne?

Irish Wolfhound:

Kann das nicht jemand anders machen? Ich bin gerade ein wenig depressiv...

Jack Russel Terrier:

Ich komme ran... ich weiß es. Ich schaffe es. Noch zwanzig Sprünge und ich hab’ sie. Dann gehört sie mir, mir!

 

* * * * *

 

Frage des Tages:

Was ist die Steigerung von Dreamteam (vgl. 23. 11.) ... ???

 

Antwort:

ein Dreamteam im Regen!

"Life is a rollercoaster, just gotta ride it“ (das Leben ist wie eine Achterbahn, in der man einfach mitfahren muss) … warum nur habe ich diesen Ohrwurm von Ronan Keating zur Zeit ständig im Kopf …???

 

28. November 2011; Nachtrag vom Wochenende:

Sonntag, und das erste gemeinsame Frühstück seit Oskar im Haus ist. Angie liegt entspannt im Flur, aber Oskar will mitessen. Nach einer Verwarnung von mir dreht er sich um und läuft zu Angie, um sich zu beschweren. Die ist sehr lieb zu dem Kleinen, und es ist ganz offensichtlich, was sie ihm zu verstehen gibt: "Sei nicht traurig, aber die geben nie etwas!“ Von da an hatten wir ZWEI liebe Hunde im Flur, die nicht bettelten …

 

Heute haben wir eine neue Sportart erfunden, das Synchronbuddeln! Man stelle sich folgendes Bild vor: eine weiße Raureif-Wiese in der Morgensonne, und mittendrin eine Frau. In der linken Hand eine rote Leine mit einem kopflosen Hund und in der rechten Hand eine schwarze Leine mit einem ebenfalls kopflosen Hund.

Bis zum Halsband steckten meine beiden Mäusejäger in der Wiese, und ich hatte damit endlich etwas Zeit, mich von unserem vorangegangenen power walking zu erholen. Dass ich mir dabei allerdings ziemlich nasse Füße holte und zwei schmutzige Hunde, das schreibe ich jetzt nicht!

Oskar: hoppla, hier komm' ich!

29. November 2011

 

Oskar ist liebebedürftig und anhänglich bis aufdringlich. Angie weist ihn zwar häufiger zurecht, aber da ist er hart im Nehmen. Unbekümmert und ansatzweise dominant. Ich bin gespannt, wie lange es dauert, bis er die Nummer Eins der beiden Hunde sein wird.

 

Habe bis dato nicht gewusst, wie entspannend es ist, mit nur einem Hund spazieren zu gehen. Selbst, wenn man diesen Hund nicht von der Leine lassen kann und wenn er trödelt wie Angie. Und selbst dann, wenn man wie ich gestern Abend dabei auf der einzigen glatten Stelle des Spazierwegs ausrutscht und eine Punktlandung auf dem Steißbein macht. Aua …

30. November 2011

Hallo Freunde,

an dieser Stelle einmal das herzliche Dankeschön einer frischgebackenen zweifachen Hundemutter! Eure Freude am Oskar-Blog, Eure Anteilnahme an den Erlebnissen unseres kleinen Rudels und nicht zuletzt Eure guten Tipps von Goretex Schuhen bis zu Spikes sind in diesen nicht ganz einfachen Tagen Balsam für meine Seele!

 

Die neueste Nachricht:

Oskar schläft durch! Um genau zu sein: er springt jetzt nicht jedes Mal auf, ist hellwach und will “action!“ oder wenigstens ausgiebig gestreichelt werden, wenn John oder ich nachts ins Bad gehen.

(c) 1996 und der Klassiker

Um besser zu verstehen, was zwischen Angie und Oskar abgeht, habe ich mir einen Auffrischungskurs "Hundesprache“ verordnet und wieder zwei alte Bücher rausgekramt:

1. Desmond Morris: Dogwatching. Die Körpersprache des Hundes (der Klassiker!) – und

2. Bruce Fogle: Hunde kennen und verstehen. Körpersprache und Verhalten.

... man gönnt sich ja sonst nichts! :-))

Dreamteam: Oskar - Beate - Angie (Handy-Foto)

Kaum zu glauben, aber wahr: heute ist der letzte November, und wir hatten ein Super Wetter! Wir nutzten es für einen langen Spaziergang, auf dem sich Oskar bis über beide Ohren in einen 18jährigen, bildhübschen Araberhengst verliebte. Schleckte dem relaxten Pferd vorsichtig, aber liebevoll übers Maul und hatte plötzlich weder Interesse an Angie noch an mir. Nur mit Mühe gelang es mir nach einiger Zeit, unseren Oskar (der immer wieder stehenblieb und dem Pferd nachschaute) zur Hundewiese zu locken. Dort war dann Toben mit anderen Hunden angesagt, und bald war der nette Hengst vergessen. Da sage ich nur: "Männer …!" :-)))

 

Auf jeden Fall war es ein aufregender Tag für die beiden Raubtiere, die nach Rückkehr und einem ausgiebigen Fressen sehr müde und zufrieden einschliefen.

 

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