Wer nicht genießt, ist ungenießbar

Konstantin Wecker (* 01. 06. 1947)

Mit allen Sinnen reisen

Von Märkten und Basaren

 

"Sehen, hören, riechen, schmecken … hier wird alles zum Erlebnis" schrieb ich von einer meiner ersten Fernreisen auf einer Ansichtskarte an meine Familie. Das war im Jahr 1981, und ich befand mich auf dem Telok Ayer Market in Singapore. Seitdem haben mich die Märkte und Basare dieser Welt nicht mehr losgelassen, denn hier kann man am allerbesten und gleichzeitig mit allen Sinnen genießen.

 

 

Selbst ohne meine Fotos sehe ich sie vor mir, die farbenfrohen Stände mit Obst und Gewürzen, mit Wurstwaren und Brot, mit Kunsthandwerk und Alltagskram.

 

* * * * *

 

Ich höre das Schlurfen von vielen Füßen und das Hämmern der Silberschmiede im Basar, das Lachen der Marktfrauen, aber leider auch das Rascheln von viel zu vielen Plastiktüten und die verhaltenen Laute von Singvögeln in Käfigen.

 

 

Ich rieche Lavendelseife, Käse und reife Mangos, wenn ich Glück habe auch Blumen - und süßliches Parfum oder Fische an einem nicht so guten Tag.

 

 

Ich schmecke köstliche Arancini und Cannoli auf den Märkten in Palermo, und im Großen Basar von Istanbul trinke ich wunderbaren türkischen Mokka und probiere getrocknete Aprikosen, Haselnüsse und frisch gepressten Granatapfelsaft.

 

 

Ich lasse meine Hände über Seidenstoffe gleiten und fühle die stachelige Haut von einer Durian oder Pitahaya und die glatte Oberfläche von Glaswaren und poliertem Holz.

Und wie an einem kalten Weihnachtsmarkttag der Becher mit Glühwein meine Hände wärmt ...

 

Die Fotos machte ich in den Basaren von Istanbul und auf Märkten in Hongkong und Singapore, Palermo und Windhoek. Eins stammt von einem Mittelaltermarkt in Köln, und das letzte Bild ist ein Schnappschuss vom Weihnachtsmarkt in Frankfurt.

 

 

 

 

Mit allen Sinnen reisen. INDIEN

 

Mit allen Sinnen reisen … für mich geht das in keinem Land der Erde besser als in Indien. Ob in der Wüste, in einem Hindutempel, auf Tigersafari oder beim Dinner in einem Maharaja-Palast; dieses Land ist eine Herausforderung für alle Sinne.

 

 

Aufwachen in Kerala

 

Am Abend vorher hatte sie unter den leidenschaftlichen Klängen von Hindi-Pop, der vom anderen Ufer zu ihnen herüberschallte, köstlich gespeist, und der Duft nach Basmatireis, nach Kokosöl und würzigem Curry war durch die umgebaute Reisbarke gezogen. Ein eiskaltes Kingfisher, und später dann die Moskito-Spirale. Backwater-Düfte, uralt und vertraut.

 

Früh war sie eingeschlafen, müde geworden von einem langen, erfüllten Tag unter der südindischen Tropensonne und eingelullt vom Plätschern kleiner Wellen am Bootsrumpf.

 

Als sie die Augen wieder aufschlug, waren die Sterne verschwunden, und Kokospalmen sahen durch das Rattanfenster herein. Sie gähnte und streckte sich, spürte ihren Träumen nach im kratzigen Rosa des Moskitonetzes und den zahlreichen Falten des Lakens.

 

Dann hörte sie leises Töpfeklappern aus der Kombüse; gleich würde Bhinu in der Tür stehen und ihr mit seinem scheuen Lächeln den Early Morning Tea servieren. Der Tag würde gut werden, das wusste sie.

 

 

Dies ist mein Beitrag zur Blogparade Mit allen Sinnen reisen von Zypresse.

 

 

 

Kommentare

Diskussion geschlossen
  • eo (Sonntag, 16. Juni 2013 09:23)

    Betörend, die Vielfalt der Eindrücke. Und für mich kaum zu sortieren: Kann ich doch mit geschlossenen Augen so fühlen und riechen, dass ich es auch schmecke! Und immer wieder sind es die Basare
    dieser Welt, dort wo sich Leben und und Austausch konzentriert! Wunderschön! Lg eo

  • Romy (Sonntag, 09. Juni 2013 14:02)

    Hallo Beate, und wieder reist du um die ganze Welt. Wer viel gereist ist hat was zu erzählen und viele Eindrücke mitgebracht. Ein schöner Beitrag zu unserer Blogparade - der mir sehr gut gefällt. lg
    Romy

  • Zypresse (Sonntag, 02. Juni 2013 13:05)

    Liebe Beate, wie immer verführst Du uns mit Erinnerungen und Gedanken, alle Sinne berührend auf Reisen. Danke, dass Du dabei bist!