Auch Quellen und Brunnen versiegen,

wenn man zu oft und zu viel aus ihnen schöpft.

Demosthenes (384 v. Chr. - 322 v. Chr.)

Wasser ist Leben

 

"Wenn alle Brünnlein fließen, so muss man trinken"

heißt es in einem deutschen Volkslied aus dem 16. Jahrhundert.

 

Aber so einfach ist das selbst im 21. Jahrhundert nicht, wenigstens nicht für alle Menschen.

Für Milliarden von Menschen bleibt beispielsweise ein Wasserhahn, aus dem sauberes Wasser fließt, ein unerreichbarer Traum, jeder sechste Mensch hat keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser, und rund 1,5 Millionen Menschen sterben jährlich an verunreinigtem Wasser.

 

Auf der Seite des Auswärtigen Amtes ist zu lesen:

"Weitgehend ignoriert von der Öffentlichkeit haben zum Beispiel in Sub­sahara-Afrika 40 Prozent der Bevölkerung kein Trinkwasser, 70 Prozent keine Toilette. An den daraus resul­tierenden Krankheiten sterben mehr Kinder als an Malaria, Masern und AIDS zusammen. Jedes Jahr gehen durch Durchfallerkrankungen über 400 Millionen Schultage verloren. Millionen Kinder und Jugendliche verpassen so die Chance auf Bildung und auf einen Weg aus der Armut."

 

Dabei wurde das "Recht auf Zugang zu sauberem Wasser" am 28. Juli 2010 von der Vollversammlung der Vereinten Nationen als Menschenrecht anerkannt. Allerdings sind die Allgemeinen Menschenrechte und damit auch das Recht auf sauberes Wasser rechtlich nicht bindend und daher auch nicht einklagbar.



 

Trinkwasser ist unser wichtigstes Lebensmittel und kann nicht ersetzt werden. Aber mit dem Leitungswasser, das in Deutschland in bester Trinkwasserqualität aus dem Hahn kommt, wird der Garten gewässert, werden Autos und Wäsche gewaschen, geduscht, Geschirr gespült, die Wohnung geputzt und die Toilettenspülung betrieben.

Trotzdem konnte durch einen bewussten Umgang mit Wasser der Pro-Kopf-Verbrauch von Trinkwasser in Deutschland auf 122 Liter pro Tag gesenkt werden (Stand 2011).

In anderen Ländern ist der Verbrauch teilweise weitaus höher, so zählt die Wüstenstadt Dubai mit 500 Litern je Tag und Kopf zu den Spitzenreitern.

 

Als Tourist in trockenen Landstrichen unterwegs habe ich mich schon oft gefragt, ob wir in Afrika wirklich dreimal täglich duschen und eine Lodge mit Pool haben müssen.

Auch die Hotels im australischen Outback lassen durch ihren enormen Wasserverbrauch für Wellnessbereiche und Pools den Grundwasserspiegel beständig sinken. Ich bin keine Fachfrau, aber mein Menschenverstand sagt mir, dass selbst das riesige Grundwasserreservoir des Great Artesian Basin nicht unerschöpflich sein kann, und dass das Überleben im Outback für Menschen, Tiere und Pflanzen immer schwieriger wird.

Und ich kann nur hoffen, dass auch die Enkel unserer Enkel noch die Möglichkeit haben werden, sich aride Gebiete anzusehen und nicht befürchten müssen, dort aus Wassermangel keinerlei Infrastruktur mehr vorzufinden.



s. S. 112/113

Zum Schluss noch eine Leseprobe:


Die Oase von Taoudenni lag in einer Senke zwischen Basalthügeln, die sich aus dem Sand erhoben wie die Backenzähne eines halbverschütteten Riesen. Seit den Tagen des Propheten war es die wichtigste Wasserstelle auf dem Weg von Tamanrasset nach Dscharra. Die Quellen galten als unerschöpflich. Als die Karawane in Sichtweite der Oase kam, hatten sie seit drei Tagen nichts mehr zu trinken gehabt, ihre Lider waren geschwollen, die Kehlen wund. Ihre Handelswaren - persische Teppiche, Salz, Musketen, Kif - lagen weit hinter ihnen in den Dünen verstreut, noch immer auf den verwesenden Packtieren festgeschnallt. Als sie sich den Quellen näherten, stolperte das letzte Kamel und fiel zu Boden, wobei es mit den Beinen in der Luft ruderte. Einer der Männer stieß einen Schrei aus: Aufgespießt auf den Vorderbeinen des Kamels steckte der abgenagte Brustkorb eines Menschen. Die Knochen klapperten und rasselten, Würfel im Knobelbecher. Die Händler sahen sich um. Der Sand formte kleine Hügelchen - Hunderte von ihnen -, aus denen hier eine Hand ragte, da eine Schädelplatte aufblitze. Taoudenni war trocken.



... auch, wenn es hier um "Brünnlein" geht und nicht um Flüsse:

das war mein Beitrag zur Blogparade von Zypresse:


Alles fließt - Flüsse begleiten uns

 


 

 

 

 

Fotos zum Thema auch unter "Flusslandschaften"

 

(bitte Foto anklicken!)

Kommentare

Diskussion geschlossen
  • Zypresse (Dienstag, 23. April 2013 19:01)

    Danke, liebe Beate für diesen schönen, nachdenklichen, aufrüttelnden Beitrag!

  • eo (Donnerstag, 25. April 2013 16:28)

    Hallo Beate, ein hoch interessanter Beitrag, wobei ich den Blickwinkel gar nicht so auf dem Radar hatte. Aber du hast Recht, das gehört dazu. Und vielleicht auch die EU-Pläne bei uns das "Recht auf
    Wasser" zu privatisieren.
    Gruß
    eo

  • Romy (Sonntag, 28. April 2013 09:38)

    Liebe Beate, vielen Dank auch dir für deinen interessanten Beitrag. Es ist wirklich bedauerlich, dass die Verteilung von Wassers auf der Welt so ungerecht ist. Da in den reichen Industrienationen das
    Wasser den Menschen im Überfluss zur Verfügung steht, glaube ich, dass es manchen hier überhaupt nicht bewusst ist, wie kostbar dieses Gut eigentlich ist. Auf jeden Fall gefällt mir dein Beitrag sehr
    gut und er macht nachdenklich.
    Lg Romy