Welt der Wüsten

Von Kakteen und Kamelen, von Steinen und Sand …

 

WEITE SEI UM DICH!!!
alter Beduinengruß

Mexiko: Sonora

 

 

Dieses Jahr (2013) wird er 60 Jahre alt, der Film

"Die Wüste lebt". Der bei vielen unvergessene erste Dokumentarfilm der Walt Disney Studios zeigt die Lebewesen der Wüste zu Beginn der Regenzeit. Untermalt mit Musik und Soundeffekten und begleitet von witzigen Kommentaren wurde der in Wüstengebieten der USA gedrehte Film ein Welterfolg.

DIE WÜSTEN DER WELT. Scan aus: "Wüste". Hrsg.: Hessisches Landesmuseum Darmstadt

Wüste ... das ist mehr als lediglich ein Sandkasten ohne Leben. Als Wüste werden alle vegetationslosen oder vegetationsarmen Gebiete der Erde bezeichnet, und so unterscheidet man auch verschiedene Arten von Wüsten.


Da ist zunächst einmal die Sandwüste. Die weltweit größte Sandwüste bildet die Rub al-Khali in Saudi-Arabien, auch die Takla Makan ist zum großen Teil Sandwüste – und 20% der Sahara (Erg).
Es wird viele erstaunen, dass ganze 70% der Sahara aus Stein- oder Felswüste (Hammada) besteht und etwa 5% aus Kieswüste (Serir).
Zu den Salzwüsten zählt beispielsweise die große Salzwüste in Utah. Den größten Salzsee der Erde, den Salar de Uyuni, finden wir auf dem Altiplano in Bolivien.
Nicht zuletzt sei hier noch die Eiswüste oder Kältewüste erwähnt. Als Kältewüste bezeichnet man Gebiete, in denen es so kalt ist, dass dort keine Pflanzen mehr wachsen und Tiere nur schwer überleben können. Die größte Kältewüste der Erde ist die Antarktis.

Gerade diese Vielfältigkeit der Wüsten fand ich immer schon faszinierend, und ich habe während einiger Reisen versucht, mir wenigstens einen kleinen Eindruck davon zu verschaffen.
Nachfolgend (und vielleicht als Appetizer für eigene Reisen) einige meiner unvergesslichen Erlebnisse … Momentaufnahmen aus der Wüste:

 

ISRAEL: in der Wüste mit Salim

WÜSTE NEGEV
Voller Stolz trägt Salim die gelbe Base Cap, die wir ihm gestern schenkten. Salim ist mein Kamelführer, und gestern Abend haben wir ihn und seine Kollegen im Camp besucht, um die Jungs und vor allem die Kamele (genauer: die Dromedare) kennenzulernen. An ihrem kleinen Kochfeuer zeigten uns die Söhne der Wüste ihre Methode der Kaffeezubereitung und spielten auf einer selbstgebauten Flöte traurig klingende Lieder.

 

Nach einer trotz Isomatte und Schlafsack leicht kühlen Nacht unter dem unendlichen Sternenhimmel der Wüste und nach einem schnellen Frühstück sind wir dann bereit, die Nabatäer Gewürzstraße zu erkunden. Zu Fuß und auf Kamelrücken.
Ich spreche weder Arabisch noch Hebräisch, und Salim kein Englisch, und trotzdem verstehen wir uns von Anfang an prächtig, der kleine zurückhaltende Beduine und ich. Schnell hat er begriffen, dass ich den Ritt und die großartige Landschaft einfach nur in Ruhe genießen möchte, und so haben wir uns an die Spitze der kleinen Karawane gesetzt und ziehen schweigend unter der immer kräftiger werdenden Sonne dahin, begleitet nur von dem wunderbar monotonen und meditativen Lied, das die Hufe meines Dromedars auf dem nubischen Sandstein spielen …

USA: Mojave. Zeitgenössische Postkarte

MOJAVE-WÜSTE

Auszug aus meinem Reisetagebuch vom 14. April 1992. Unzensiert.


Weiterfahrt mitten durch die Mojave-Wüste: "East Mojave National Scenic Area". Wirklich "scenic"! Vor einigen Tagen muss es hier fürchterlich geregnet haben, denn überall warnen Schilder vor überschwemmter Straße. Bauarbeiter räumen mit riesigen Ichweißnichtwiediedingerheißen den angeschwemmten Sand zur Seite.

Flashflood! I remember Universal Studios!

 

Der Regen hat aber auch die Wüste zum Leben erweckt: überall blüht’s in Weiß und Gelb und Rot und Hellblau. Super, diese zarten (… zarten?) Blüten zwischen stacheligen Kakteen und Sukkulenten; hier könnte ich stundenlang filmen!
Und was am aller-tollsten ist: zwei verschiedene Arten von blühenden Kakteen haben wir entdeckt: eine pink, eine feuerrot. – Saustark!
Und Schmetterlinge gibt’s hier! Sie fliegen vor unserem Van von rechts nach links über die Straße – und leider manchmal auch gegen die Windschutzscheibe.
Blühende Yuccas, Joshua Trees … Starke Landschaft!

SONORA-WÜSTE

 

Die Sonora-Wüste ist eine der größten sowie eine der vielseitigsten und artenreichsten Wüstenregionen der Welt. Mehr als zwei Drittel der Wüste gehören zu Mexiko, der Rest zu den USA.

 

MEXIKO: Baja California

1. Mexiko

 

Lebenskünstler am Rande der Wüste
Unser Guide Paul Alberto ist an der Südspitze von Baja California aufgewachsen und kennt sie alle, die hier am Rand der Wüste wohnen. Maria, die alleinerziehende Mutter, die den Unterhalt für sich und ihren zehnjährigen Sohn als Schulköchin verdient, Juan Manuel, der die besten Tomaten weit und breit züchtet - und Pam. Die US-Amerikanerin kam vor 18 Jahren aus Kalifornien hierher, verliebte sich in das Land und blieb. Jetzt lebt sie vom Ertrag ihres kleinen Gartens, schreibt Kochbücher und malt Grußkarten. „English Spoken“ steht auf einem verwitterten Schild an ihrem Zaun – und ab und zu verirrt sich tatsächlich ein Tourist hierher; kauft ihr gar etwas ab.

 

Die Menschen, die hier leben, besitzen nicht viel, aber sie sind bescheiden und kreativ. Nichts wird weggeworfen, das man irgendwie noch brauchen könnte. Und so wandern wir nach unserer Mittagsrast in dem kleinen Ort umher und bestaunen die malerische Ansammlung von alten Ölfässern und rostigen Bettgestellen, von Autoreifen, Getränkedosen, Bauholz und Schutt. Im Schatten einer alten Schubkarre döst ein magerer Hund, ein braunes Huhn läuft auf der Suche nach etwas Essbarem umher, und neben einem verfallenden Gartenschuppen flattert blütenweiße Wäsche auf der Leine.

Wir bedauern es, weiterfahren zu müssen, denn wir hätten gerne noch mehr von den Lebens- und Überlebenskünstlern erfahren. Nächstes Mal vielleicht; bis dahin halten unsere Fotos die Erinnerungen wach ...

 

USA, Arizona: blühender Saguaro

2. USA

 

Quitobaquito … für mich ein magisches Wort und ein magischer Ort. Eine kleine Oase in der Sonora Wüste; versteckt irgendwo am Ende einer langen, staubigen Schotterstraße.

Es ist ungewöhnlich heiß in diesem Mai 1992 in Arizona. Das Thermometer klettert auf über 100 Grad Fahrenheit, und wir sind froh, dass wir in unserem Camper genug Trinkwasser gebunkert haben. Unser Weg geht vorbei an Kreosot- und Mesquitebüschen und an einigen der nur noch hier vorkommenden Orgelpfeifenkakteen. Unzählige der riesigen Saguaros fangen gerade an, ihre Blüten zu entfalten und erinnern mit ihrem weißen Blütenkranz auf dem Kopf an Omas in Badehäubchen. Am Straßenrand macht ein Roadrunner auf der Jagd seinem Namen alle Ehre.

Und dann Quitobaquito. Eine Quelle mitten in der Wüste! Im Quelltopf schwimmen winzige Fische, und der kleine Bach speist einen verwunschenen See, in den ein uriger Baum ragt. Ich setzte mich an das mit Simsen bewachsene Ufer und beobachte zwei Enten und die vielen rotbraunen Libellen, die herumschwirren. Genieße die Stille, die nur ab und zu von einem Vogelruf unterbrochen wird.

 

Und ich lasse mich verzaubern …

SAHARA

 

Die Sahara im Norden Afrikas ist die größte Trockenwüste der Erde. Sie erstreckt sich von der Atlantikküste bis zur Küste des Roten Meeres und entspricht in ihrer Größe den USA. Saharastaaten sind (ganz oder teilweise): Ägypten, Libyen, Mali, Niger, Tschad, Sudan, Mauretanien, Westsahara, Marokko, Algerien und Tunesien.


ÄGYPTEN, Oase Siwa: Dachterrasse unseres Hotels "Arous el Wâha" (Oasenbraut)

1. Ägypten: OASE SIWA

Viel scheint sich nicht verändert zu haben in der westlichsten Oasengruppe Ägyptens in der libyschen Wüste, seit ich sie vor 20 Jahren bereiste. Zwar werden Geländewagenausflüge von Marsa Matruh aus nach Siwa immer beliebter, aber aufgrund ihrer isolierten Lage scheint die Zeit in der Oase stehengeblieben.

Die als Orakelstätte des Gottes Amun schon im Altertum weithin bekannte Oase Siwa ist die Heimat von ca. 23.000 Einwohnern, meist Berbern, die ihre eigene Sprache sprechen und selbst für die Ägypter eigentümliche Sitten und Gebräuche pflegen. Alexander der Große ließ sich hier als Herr der Welt und als Gott bestätigen, und General Rommel mit seinem Afrikakorps besetzte die Oase gleich dreimal.

Nichts konnte die Oase mit ihren 300.000 Dattelpalmen (Siwa bedeutet „Palmland“) erschüttern – bis auf einen dreitägigen Dauerregen im Jahr 1926; er bedeutete das Aus für die Lehmgebäude von Alt-Siwa. Heute bilden die mehrstöckigen Ruinen nicht nur für Fotografen eine malerische Kulisse vor der untergehenden Sonne ...

 

 

MAROKKO: Impression aus Merzouga

2. Marokko: ERG CHEBBI

Erg Chebbi, das ist eines der beiden Ergs (Sanddünenlandschaften) in Marokko; zu finden etwa 40 Kilometer südlich von Erfoud. Direkt am Rand der Dünen, die eine Höhe bis zu 350 Metern erreichen, liegt das Dorf Merzouga mit seiner freundlichen Bevölkerung aus Arabern und Berbern.

Heutzutage bieten mehrere Firmen Kamelritte in die Wüste an, aber vor knapp 20 Jahren bestand das Fremdenverkehrsbüro des Örtchens lediglich aus einem alten Lehmgebäude mit abblätternder Farbe und einigen rostigen Stühlen im Sand davor.

Wir wollen die Sonne hinter den „Golden Dunes“ untergehen sehen, und so begeben sich meine Freunde aus Wales und ich auf einen nachmittäglichen Kamelritt. Ali, der freundliche junge Berber, der wie seine zwei Brüder einen schwarzen Turban zu seinem indigoblauen Gewand trägt, ist mein Kamelführer. Der charmante Bursche hat sich gleich meine schwere Fototasche geschnappt, damit ich den Ritt ohne Ballast genießen kann und führt nun leise singend mein Dromedar am Strick hinter sich her.
Schon nach einer kurzen Strecke sehen wir nur noch Dünen um uns herum und haben das Gefühl, mitten in der Wüste zu sein; ein einmaliges Erlebnis.

Der Sonnenuntergang zeigte sich an diesem Tag wegen leichter Bewölkung leider weniger spektakulär, aber dafür hatte ich Dank der sprachbegabten und geschäftstüchtigen Berberjungs bei der Weiterreise einige Ammoniten mehr im Gepäck. Die jetzt auf meinem Schreibtisch liegen und mich an Ali und seine Wüste erinnern …

INDIEN, Rajasthan: Wüstenblume

THAR

Sechs Jahre nach meinem unvergesslichen Kameltreck durch den Negev darf ich mich wieder auf das Erlebnis Wüstenschiff freuen, diesmal auf einen Tagesritt durch die Wüste Thar im indischen Bundesstaat Rajasthan.
40 Kilometer südwestlich von Jaisalmer soll es in die Sanddünen von Sam gehen, und die Kameltreiber warten schon auf uns. Meine Freude bekommt jedoch einen argen Dämpfer als ich sehe, wie touristisch das Unternehmen aufgezogen ist.

Seit Jahrhunderten sind die Raikas von Rajasthan bekannt als Kamelexperten, von denen Lieder künden und Sagen berichten. Sie legen mit ihren Tieren lange Strecken zurück und kennen jedes Wasserloch und jeden Weideplatz in ihrer Gegend. Sie können ein verlorengegangenes Tier anhand der Hufspuren ausfindig machen, und die Dromedare haben gelernt, die Rufe ihrer Treiber zu erkennen und zu beantworten.

Immer mehr jedoch wird den Raikas und ihren großen Herden die Lebensgrundlage entzogen, weil beispielsweise in der Regenzeit das angestammte Weideland als Ackerfläche genutzt wird. Und so lassen sich viele stolze Kamelzüchter in Jäckchen mit dem Logo der Touranbieter stecken und befördern auf mehr oder weniger langen Ausflügen ihre zahlende Kundschaft durch die karge Schönheit der Wüste und zum Sonnenuntergang in den goldenen Sand der Dünenlandschaft.

Meine Freunde und ich versuchen, das Beste aus der Situation zu machen und uns mit den Treibern so weit wie möglich anzufreunden und mehr von ihrem Leben und über die Kamele zu erfahren. Und die Jungs danken es uns, indem sie ihre doofen Jäckchen ausziehen und anfangen aufzutauen, zu lächeln und zu erzählen. Und so wird es dann doch noch ein erfreulicher Tag in der Wüste …

NAMIB

Ist von der Namib die Rede, so denkt wohl jeder zuerst an die imposanten roten Sanddünen zwischen Swakopmund und Walvisbay oder an die bizarre Landschaft am Sossusvlei im Namib-Naukluft-Park.

Aber die älteste Wüste der Welt hat noch mehr zu bieten. Mit rund 2.000 Kilometern Länge erstreckt sie sich an der Westküste Afrikas über Angola und Namibia und bis 160 Kilometer ins Landesinnere hinein.

Dort präsentiert sich die Trockenwüste zum Beispiel im Swakoptal als "Mondlandschaft", aber selbst in dieser lebensfeindlichen Umgebung haben sich Pflanzen und Tiere angesiedelt und an die besonderen Bedingungen angepasst.

 

Auf der anschließenden Ebene finden wir auf unserem Weg zur Küste die endemische Welwitschie (Welwitschia mirabilis). Sie ist eine der bekanntesten Pflanzen in der südwestafrikanischen Wüste und wurde benannt nach ihrem Entdecker, dem österreichischen Biologen und Afrikaforscher Friedrich Welwitsch (1806-1872). Die zweihäusig getrenntgeschlechtliche Pflanze kann bis zu 2000 Jahre alt werden und produziert während ihres langen Lebens nur zwei Blätter. Diese Blätter wachsen allerdings ununterbrochen und können bis zu acht Meter lang werden. Da sie an den Enden (zum Teil durch Wildfraß bedingt) immer wieder abbrechen, bilden sie regelrechte Büsche.

Sir William Jackson Hooker, der Leiter der Kew Gardens in London, meinte 1863 in seiner Beschreibung der Pflanze: "It is out of question the most wonderful plant ever brought to this country and one of the ugliest."

RAMLAT AL WAHIBA

 

Die auch unter dem Namen "Wahiba Sands" bekannte Sandwüste im Osten des Oman ist über 10.000km² groß, und ihre Dünen erreichen Höhen von bis zu 150 Metern. Ein Muss für alle Omanreisenden ist mindestens eine Übernachtung in einem der Wüstencamps, die man von den Orten Al Wasil oder Al Mintirib aus erreicht.

Im November 2014 besuchte ich das "1000 Nights Camp" und übernachtete in einem der luxuriösen Zelte. Mein absolutes highlight: die angebaute Nasszelle, in der man unter freiem Himmel duschen und in den Sternenhimmel sehen kann:

 

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Meine Buchauswahl zum Thema "Wüste" findet ihr hier:

 

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