"Auch Zugvögel sind Touristen"

oder "Kein Urlaubsort wo Vogelmord"

 

Mein Bruder bat die Vögel um Verzeihung.

Das scheint sinnlos, und doch hatte er Recht; denn alles ist wie ein Ozean, alles fließt und grenzt aneinander. Rührst du an ein Ende der Welt, so zuckt es am anderen.

Fjodor Michailowitsch Dostojewski (1821 - 1881)

Rauchschwalbe

 

Dieser Bericht ist eine Gemeinschaftsarbeit mit meinem Freund Klaus aus der GEO-RC; alle Illustrationen sind Scans aus Informationsmaterial des "Komitee gegen den Vogelmord e. V."

 

 

Klaus schreibt:

„Der Zug der Kraniche ist für uns immer ein Signal, dass der Winter nun doch kommt oder der Frühling endlich zu erwarten ist. Zugvögel begleiten uns durch das Jahr, wir freuen uns über den Gesang der Vögel und über die ersten Schwalben, die zwar noch keinen Sommer machen, aber in ihrem Flug so schön anzuschauen sind.

 

Wir teilen die Zugvögel mit vielen Menschen in anderen Ländern, möchten frei sein wie Vögel und nehmen nur selten wahr, was in anderen Ländern mit Zugvögeln geschieht. Zugvögel kennen naturgemäß keine Landesgrenzen und sind Teil des gemeinsamen Naturerbes aller Menschen.“

 

Dieses Naturerbe ist jedoch in Gefahr, und das schon seit längerer Zeit. Im Jahr 1975 wurde daher das „Komitee gegen den Vogelmord e. V.“ gegründet, das die Kampagne „Kein Urlaubsort wo Vogelmord“ ins Leben rief.

In über 30 Jahren wuchs zwar die Erkenntnis, dass Vogelmord kein gutes Aushängeschild für ein Urlaubsland ist, aber sehr viel hat sich bis heute leider nicht getan.

 

Wir meinen, dass jede/r selbst entscheiden darf, wo er Urlaub macht oder nicht und sind uns auch bewusst, dass Vogelmord ein gesamteuropäisches Problem ist und auch in Deutschland stattfindet, möchten aber trotzdem zwei Beispiele aus dem Mittelmeerraum anführen.



1. MALTA: "Die Welt ist voller Morden"

 

„Wildgänse rauschen durch die Nacht

Mit schrillem Schrei nach Norden -

Unstete Fahrt! Habt Acht, habt Acht!

Die Welt ist voller Morden ...“

 

sangen wir in den 1960er Jahren als Pfadfinder am Lagerfeuer. Seit Sonntag, dem 7. August 2011 geht mir dieses Lied nicht mehr aus dem Kopf. Aber es hat eine andere, eine aktuelle Bedeutung bekommen.

 

In seiner Sendung „Tiere suchen ein Zuhause“ berichtete der WDR an diesem Tag über ein Problem, das leider noch immer aktuell ist, dabei schlimmer als je: der „Vogelmord in Malta“.

 

Im Jahr 2004 trat Malta der EU bei, und seit dieser Zeit gelten für die Insel europäische Bestimmungen wie z. B. das Verbot der Jagd auf Zugvögel.

Malta liegt auf der Route von Millionen Vögeln, die im Herbst ins Winterquartier nach Afrika ziehen und im Frühjahr zu den Brutgebieten in Nordeuropa zurückkehren. Sie machen bei ihrem langen Weg übers Mittelmeer auf Malta und den Nachbarinseln Station. Doch dort warten schon 18.000 Jäger auf sie. Vogelfang und Vogelmord sind auf Malta ein Volkssport, und die Jäger haben eine starke Lobby. Sie denken nicht einmal daran, das Gesetz zu respektieren, und Experten schätzen, dass sie jährlich zwischen einer halben und weit über eine Million Zugvögel töten ...



 

Mehr zum Thema ist in einem Bericht des Komitees gegen den Vogelmord in der Zeitschrift "Der Falke" vom Januar 2010 nachzulesen

 

< < < bitte anklicken!

An dieser Stelle möchte ich Klaus wieder zu Wort kommen lassen:



2. ZYPERN: Kennen Sie Ambelopoulia?

 

In der Ausgabe März 2011 der Zeitschrift GEO las ich einen Bericht über Vogelfänger und Wilderer auf Zypern. Der Bericht hat mich betroffen gemacht, schockiert und aufgerüttelt. Ich meine, es ist nötig, der zypriotischen Regierung zu zeigen, dass dies von uns nicht hingenommen wird. Aber auch die EU Kommission sollte erkennen, dass der Druck erhöht werden muss. Und natürlich gibt es dann noch die Reiseveranstalter und vor allen Dingen uns selbst, die wir die Augen nicht verschließen dürfen.

 

Immer wieder, wenn die Schwärme der Zugvögel ihre Reise antreten, kommen viele Vögel über Zypern, weil der Weg etwas kürzer ist. Und hier auf Zypern gibt es eine Tradition, die vielen von uns nicht bekannt ist. In der Zeit der Zugvogelschwärme wird im griechisch sprechenden Teil Zyperns "Ambelopoulia" serviert. Nicht nur Feinschmecker schwören auf "Ambelopoulia" – gebratene, gekochte oder eingelegte Singvögel, eine traditionelle Speise auf Zypern. Ein erheblicher Teil der Bevölkerung schwört auf die winzigen Happen von wenigen Gramm Gewicht, deren Geschmack so besonders sein soll. Hunderttausende Zyprioten (und in letzter Zeit zunehmend auch Touristen!) genehmigen sich zumindest gelegentlich das Gericht, bei dem nach Gemüse und Meeresfrüchten als Höhepunkt drei oder vier Grasmücken auf den Tisch kommen. Und alle sind bereit, für das karge Mahl mehr als 40 Euro hinzublättern! Die Fänger selbst erhalten rund 4 Euro pro Vogel, und an „guten“ Tagen erbeuten sie 100 Tiere - kein Wunder also, dass die Landschaft gespickt ist mit Fanggeräten, an denen elektronische Lockanlagen Tag und Nacht Gesänge abspielen und die Zugvögel in den Tod locken. Die Polizei spricht wegen der Gewinnspannen schon vom "Kaviar des 21. Jahrhunderts" und fürchtet inzwischen die professionellen Wildererbanden. Diese schrecken nicht vor Gewalt zurück, wenn sie ihr lukratives Geschäft gefährdet sehen.

 

In keinem Land der Europäischen Union boomt der Vogelfang so sehr wie auf Zypern. Während es anderswo Vogelschützern und Behörden gelungen ist, die Wilderei einzudämmen, nimmt sie im griechischsprachigen Teil der Mittelmeerinsel eher noch zu.

(Quelle: Komitee gegen den Vogelmord e.V.)

 

 

Soweit der Bericht von Klaus; wer an mehr und neuesten Informationen zum Thema interessiert ist, dem empfehlen wir die Seite des Komitees gegen den Vogelmord       > > >

... und hier noch etwas zum Nachdenken:

Damit wünschen wir allen Lesern einen schönen Urlaub!

Klaus und Beate

© 2011

NACHTRAG VOM 9. DEZEMBER 2011:

Gerade halte ich den Tätigkeitsbericht 2011 des Komitees gegen den Vogelmord in Händen. Dort ist u. a. zu lesen:

 

"Insgesamt konnten wir im Jahre 2011 fast 16.000 Vogelfallen und Fangnetze sicherstellen, eine stolze Summe!"

 

Das finden wir auch, freuen uns mit den Aktiven und hoffen, dass ihre so wichtige Arbeit weiterhin durch Spenden unterstützt wird. Damit im nächsten Frühjahr möglichst viele Zugvögel wieder zu uns zurückkehren werden, um uns mit ihrem Gesang zu erfreuen und damit unser Leben zu bereichern ...

Klaus und Beate